Warum Helmut Kohl kein Staatsbegräbnis verdient

Abendgespräche. Von Muslimen eine Stellungnahme zu Anschlägen und Verbrechen zu verlangen, die ausdrücklich im Namen ihrer Religion begangen würden, sei weder gerechtfertigt noch angemessen, meint eine Juristin. Später Erinnern an Richard von Weizsäcker und große Anerkennung für dessen Rede zum 8. Mai. Den Widerspruch scheint keiner zu bemerken. Dabei ist die Verbundenheit, die sich aus der gemeinsamen Religion oder Weltanschauung ergibt, deutlich enger als die der zufälligen Staatsbürgerschaft.

Noch zu Weizsäcker: Der Holocaust sei im Grunde die säkulare deutsche Form der Erbsünde. Sofern der Gedanke auf Fehlbarkeit und anhaltende Verantwortung jenseits eigenen Handelns verweist, mag man das so sehen. Doch sind die Deutschen aus einem Paradies vertrieben worden? Wenn man den Hang zu Sozialismus, KdF-Spaßgesellschaft und Selbstgleichschaltung betrachtet, vielleicht schon.

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Botho Strauss hat, wie hier schon zitiert, die linke Begeisterung für Multikulturalismus mit dem deutschen Selbsthass erklärt. Doch äußerst sich darin wohl weniger der Hass auf die Deutschen als auf den Nationalstaat. Dass dieser sich beharrlich weigert, entgegen aller Vorhersagen anti-kapitalistischer Theoretiker endlich abzusterben, wollen ihm viele nicht verzeihen. So muss nun zumindest das Nationale bekämpft werden. Daher die Liebe der Linken zu EU und Einwanderung.

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Von Weizsäcker zu Helmut Kohl. Dessen Verdienste um dieses Land sind unbestritten, und neben Adenauer ist er der wichtigste deutsche Kanzler gewesen. Dennoch die Überzeugung: Ein Staatsbegräbnis hat er nicht verdient. Zu deutlich hat er in der Parteispendenaffäre gemacht, dass er Kriminelle deckt und sein Wort höher wertet als die Verfassung. Von der subjektiven Seite her ist das nicht weit vom Landesverrat, und es sollte seinen Preis haben. Wer als Staatsmann die Verfassung seines Landes verrät, ob nun an andere Mächte oder sein ‚Ehrenwort’, verwirkt seinen Anspruch, von diesem Land geehrt zu werden.

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Seit Charlie Hebdo wissen wir, dass man die Morde an den Juden nicht „missbrauchen“ dürfe. Das ist genau das, was französische, spanische oder italienische Faschisten seit Jahren sagen: Dass man den Faschismus nicht an seiner rassistischen deutschen Spielart und am Holocaust messen dürfe. Na dann…

Überhaupt erstaunt immer erneut die Anmaßung, die in diesem Appell steckt, nun gerade wieder vom ehemaligen Ratsvorsitzenden der EKD, Nikolaus Schneider. Auch er warnt im aktuellen Chrismon vor dem Missbrauch des Anschlags für antimuslimische Proteste. Wann ein Missbrauch vorliegt, entscheidet also er. Das ist gut stalinistisch gedacht.

Ebenso apodiktisch: „Das christliche Abendland kann nur durch die Verteidigung seiner Werte verteidigt werden. Dazu gehören Menschenrechte, wie die Religionsfreiheit, und biblische Traditionen.“ Folgt man Schneider, ist in Paris also das christliche Abendland attackiert worden und nicht der säkulare, laizistische Staat. Das ist ebenso steil gedacht wie die Behauptung, Kernwerte des christlichen Abendlandes seien Menschenrechte und Religionsfreiheit. Will Schneider wirklich behaupten, dass ausgerechnet die kirchlichen Traditionen in der Verteidigung von Meinungs- oder Glaubensfreiheit bestünden?

Doch äußert sich in solchen Verdrehungen nur der zeitgenössische Hang zum anti-rationalen Humanitärkitsch fern jeder Distinktion. So verschmiert man alles mit allem. Besonders deutlich wird das am Ende, wenn Schneider ein Wort Jesu aus dem Matthäusevangelium zitiert: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ Schneider versteht dies auf die platteste Weise, und daher entgeht ihm die Pointe: Dass eben dies die Attentäter von Paris hätten sagen können. Nur haben sie es nicht getan, und genau dort liegt das Problem. Doch in der Vulgärauslegung von Nikolaus Schneider sind alle Fremden Wiedergänger des Herrn. Auch wenn man nicht zu den Angehörigen der Opfer zählt, wirkt die Einlassung Schneiders geradezu blasphemisch.

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Überhaupt der Eindruck: Häufiger als die Morde an Charlie Hebdo werden gegenwärtig die Worte Jesu missbraucht.

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‚Emotionale Defizite’ von Kriminellen sind in Wahrheit moralische Defizite. Doch während ‚moralisch’ ein Werturteil enthält, macht das Beiwort ‚emotional’ die Täter gleichsam zu Opfern. Dummdeutsch.

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Auf 3sat, noch in der Mediathek zu sehen: Das gute Gespräch zwischen Frank A. Meyer und Güner Balci, der Berliner Journalistin mit kurdisch-alevitischen Wurzeln. Auch Balci warnt vorm ‚Umkippen’ der Gesellschaft, vor einer fundamentalen Änderung des Zusammenlebens – was aber ist das anderes als ‚Islamisierung’? Deutlich wird auch, wie wenig die Aleviten, die Scharia wie auch die ‚5 Säulen des Islam’ ablehnen, mit dem Islam zu tun haben. Viel mehr scheint ihre Religion von indischer Mystik geprägt. So verehrte Balcis Großvater Licht, Wasser, Erde und Feuer.

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Von den 200.000 Asylbewerbern, die 2014 nach Deutschland kamen, haben nur 3000 in Deutschland zum ersten Mal europäischen Boden betreten, berichtet die FAZ. Klarer kann das Scheitern von ‚Dublin III’ nicht dokumentiert werden. Längst braucht Deutschland eigene Grenzkontrollen. Statt dessen streitet der Innenminister mit den Kirchen um deren ‚Asyl’. Da hat er zwar recht, doch 200 Kirchenasylanten sind gegenüber 197.000 Illegalen kaum das Problem. Prioritätensetzung.

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Ein Freund weist darauf hin: Lügenpresse auch in Schweden. Nach einer Massenvergewaltigung durch 7 Somalis und einen Schweden irakischer Herkunft Anfang des Monats sprachen die großen schwedischen Zeitungen ausschließlich von „schwedischen“ Tätern. Zudem wurden die Somalis in einigen Blättern so verpixelt, dass sie wie Weiße wirkten. Das liegt, davon kann ich mehr als nur ein Lied singen, genau auf der Linie des deutschen Presserats.