Brüssel – was tun?

Starten wir mit einer Despektierlichkeit: Brüssel langweilt, zumindest in den Reaktionen. Die wirken inzwischen wie der Gruß des Murmeltiers, wie eine Endlosschleife des Immergleichen. Facebooker hinterlegen ihr Profilfoto mit der Flagge des betroffenen Landes, das Je-suis-Bekenntnis wird aktualisiert, Brandenburger Tor, Empire State Building und Eiffelturm leuchten in den Landesfarben und irgendeine Cartoonfigur weint um die attackierte Stadt, diesmal Tintin. Ebenso vorhersehbar die Kommentare und Statements: Dass es keine absolute Sicherheit gebe, dass dies ein Angriff auf die offene Gesellschaft sei, dass Fanatiker nicht für den Islam sprächen, dass wir uns in einer globalisierten Welt an globalen Terror gewöhnen müssten. Und natürlich fehlen nicht die Warnungen, dass man die Anschläge nicht „politisch mißbrauchen“ dürfe, gelassen bleiben müsse – als wären Dutzende Tote kein Grund zur Ungelassenheit. Tatsächlich offenbart sich in solchen Ratschlägen, entgegen der vordergründigen Solidaritätsadressen, vor allem ein Mangel an Solidarität und Empathie. Was manche ‚kühlen Kopf’ nennen, ist eher das ‚kühle Herz’ eines Landes, das von Anschlägen bisher verschont wurde.

Doch ist jene Kühle, die sich als Zivilisierung gibt, wie auch die Ritualisierung der Hinnahme nichts weniger als ein Zeichen der Schwäche. Denn all jene Beschwichtigungsformeln sind im Kern Varianten der Selbstaufgabe. Man will nicht handeln, man will, trotz immer neuer Attacken, den Feind nicht benennen. Stattdessen verschanzt man sich hinter den „Jetzt-erst-recht“-Bekenntnissen eines ‚Weiter-so’, die meist nicht länger halten als bis zur Absage des nächsten Länderspiels. So verbrämt man politische Tatenlosigkeit. Dabei wissen alle: ‚Weiter-so’ ist keine Option.

Denn die Angriffe werden nicht aufhören, und sie werden auch Deutschland erreichen. Sie werden grimmiger werden, mehr Opfer fordern. So stellt sich die Frage, wie lange der Westen untätig bleiben will gegenüber jenen, die ihn seit Jahren immer und immer wieder angreifen? Soll Deutschland 500 Tote pro Jahr hinnehmen als Preis für Toleranz und Willkommenskultur? Oder 5000 oder gar die zehnfache Opferzahl?

So offenbaren die Kommentare einen seltsamen Widerspruch. Alle Führer der westlichen Welt und Kommentatoren sind sich einig: Die Attentate in Brüssel waren, wie die in New York, London, Madrid, Paris, Kopenhagen etc „Kriegserklärungen an den Westen“. Und dennoch bleibt der herrschende Rat, gelassen zu bleiben? Das ist nicht ohne Komik: Zumindest bisher bezeichneten Kriegserklärungen immer das Ende jeder Gelassenheit. Selbst die stoischen Engländer gingen nicht zum 5-Uhr-Tee, als Hitler sie in den Krieg zwang. Wer ‚Kriegserklärung’ sagt, sagt auch: Ab jetzt ändert sich das Leben, ab sofort ist dies ein anderes Land! Was also muss jenseits einer ‚Kriegserklärung’, jenseits vom Einsatz militärischer Mittel gegen Zivilisten noch passieren, damit die Politik uns schützt? Brauchen wir wirklich erst einen Angriff mit nuklearen oder chemischen Kampfstoffen, um die Bedrohung zu erkennen? Muss der Petersdom in Schutt und Asche liegen, müssen die Werke von Dürer, van Gogh oder Michelangelo zerstört sein, damit der Westen endlich aufwacht? Wer jetzt lediglich auf den Rechtsstaat verweist, will aus den Anschlägen nichts lernen. Sicherlich ist Rechtsstaatlichkeit ein Fundament des Westens – doch geht es jetzt eben um den Rechtsstaat im Kriegszustand. Das macht den Unterschied.

Wer die Anschläge als Kriegserklärung versteht, müsste drei Dinge angehen. Erstens die Einschränkung der Rechtsschutzgarantien. Rechtsstaatlichkeit ist immer Verfahrenssicherheit, mit anderen Worten: Nicht Gerechtigkeit als solche wird garantiert, sondern lediglich die Wahrscheinlichkeit, dass auf dem Weg über gegebenenfalls mehrere Instanzen am Ende ein gerechtes Urteil steht. Im ‚Verteidigungsfall’ des Grundgesetzes lassen sich solche Rechtsschutzgarantien einschränken. Diese Möglichkeit sollte, da man sich im Krieg befindet, ausdrücklich in Betracht gezogen werden. Konkret heißt das vor allem: Radikale Einschränkung der Verteidigungsmöglichkeiten gegenüber Abschiebungen, Aussetzung des Asylrechts, erleichterte Überwachung, harte Residenzpflichten, Ausgangssperren für potentielle Gefährder.

Zweitens: Druck auf das Sympathisantenmilieu durch harte Maßnahmen gegenüber Angehörigen im näheren oder weiteren Sinn. So zerstören die Israelis regelmäßig die Häuser der Familien von Attentätern. Denkbar wäre hier die Schließung von Moscheen und Vereinslokalen, hohe finanzielle Entschädigungszahlen der muslimischen Gemeinden im Falle von Anschlägen, Zerschlagung von Clanverbänden und radikaler Gruppen durch Zuweisung weit voneinander entfernter Wohnsitze. Ob man Kinder und Jugendliche von Terroristen und Haßpredigern in deren Obhut lassen sollte, wäre zu diskutieren. Deutlich werden müsste: Jeder Anschlag hat extrem nachteilige Folgen für die gesamte muslimische Community. Das würde endlich die überfällige innermuslimische Diskussion in Gang setzen und die bisher weitgehend untätigen Muslimverbände unter Zugzwang setzen.

Dritte Maßnahme: Ausschalten terroristischer Zellen durch Spezialkräfte oder den militärischen Abwehrdienst. Auch die Deutschen werden asymmetrische Kriegsführung lernen und sich zu den Guerillaoperationen bekennen müssen, die Amerikaner, Briten oder Israelis schon lange führen. Das umfasst auch die straf- und gerichtsfreie Tötung tatsächlicher oder potentieller Terroristen, und möglicherweise – wie zuweilen bei der Exekution per Drohne – auch unschuldiger Passanten. Diese Tötungen sind der Preis des eigenen Überlebens. Das ist, daran führt kein Weg vorbei, die Suspendierung des Rechtsstaats, und damit ein Paradox: Um den Rechtsstaat im Verteidigungsfall zu schützen, muss man ihn teilweise aufgeben. Das ist genau das, was hinter der sperrigen Vokabel des ‚Verteidigungsfalls’ wirklich steht.  

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Zwei Fundstücke aus dem Internet: „Von allen Spielarten des Islam scheint diejenige am häufigsten sein, die nichts mit dem Islam zu tun hat.“

Und dann ein Eintrag meines geschätzten früheren Kollegen Attila Albert: „Erstaunlich, wie viele Menschen weltweit keine Ahnung haben, was ihr Partner wirklich will, aber präzise über tausende Kilometer hinweg einschätzen können, was Putin denkt und vorhat.“

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Laut Peter Huth, Chefredakteur der Berliner B.Z., ist die „Rechte der beste Verbündete des Islamischen Staates“. Die „Rechte“, das sind für Huth die Publizistin Vera Lengsfeld und die Berliner AfD-Vorsitzende Beatrix von Storch. Beide, so schrieb Huth nach den Anschlägen in Brüssel, machten Opfer zu Tätern. Das sind nun wahrlich exklusive Erkenntnisse. Frau von Storch und die Bürgerrechtlerin Lengsfeld auf einer Stufe mit den Mörderbanden der ISIS? Man fasst sich an den Kopf. Und wo erklären Lengsfeld und von Storch die belgischen Opfer zu Tätern? Unter den vielen absurden, anti-demokratischen und offen denunziatorischen Posts und Kommentaren von Huth in letzter Zeit ist dieser noch einmal von neuer Qualität. Bis zum Lynchaufruf ist es nicht mehr weit.

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Die Marburger Universität unter ihrer Präsidentin Katharina Krause hat den Evolutionsbiologen Professor Ulrich Kutschera ausgeladen, die Auftaktvorlesung im Rahmen des Studium generale zu halten. Kutschera sollte über Fragen von Evolutionstheorie und biblischem Kreationismus sprechen, doch wurde ihm ein Buch zum Verhängnis, in dem er sich kritisch zum Hokuspokus der so genannten ‚Genderwissenschaften’ äußert. Weil Kutschera der Ansicht ist, das Forschungen zum ‚sozialen Geschlecht’ gerade keine Wissenschaft seien, weil weder beweis- noch widerlegbar, gilt er nun als „knallharter Frauenfeind“. Was früher die fundamentalistischen Christen, sind nun die genderierten Frauenbeauftragten: Eiferer, Glaubenskämpfer, Unterdrücker der freien Debatte. Und die Universitäten wie auch die zuständigen Politiker lassen dies geschehen.  

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Meine Antwort auf die Frage des Kress Report, ob ich die AfD berate: „Nein, die kommende Kanzlerin Petry hat mich dazu bisher so wenig aufgefordert wie ihr künftiger Stellvertreter Söder.“

Nochmal Köln: Erkenntnisse und jecker Journalismus

Zum Journalismus in diesem Land. Am Mittwoch, als die sexuellen Attacken von Köln und Hamburg und die Ratschläge von Frau Reker ausnahmslos alle Diskussionen bestimmen, überrascht Berlins größte Boulevardzeitung B.Z. mit einer fast gleichen Aufmachung auf Vorder- und Rückseite. Einmal fingiert das Blatt eine Titelzeile zu den Kölner Vorkommnissen, wenn die Recherche allein auf dem Internet gegründet hätte („Angriff der Sex-Horden“ / „Massenvergewaltigungen“ /  „Migranten machen Jagd auf Frauen“). Dann noch einmal die gleiche Aufmachung mit der Titelzeile: „Das sind die Fakten“ („Wir wissen nicht, wer die Täter sind“ / „Es gibt keinen Hinweis, dass es sich um Menschen handelt, die in Köln Unterkunft als Flüchtlinge bezogen haben“ / „90 Anzeigen, Ermittlungen wegen einer Vergewaltigung“).

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Nun scheint auf den ersten Blick die Zeile „Migranten machen Jagd auf Frauen“ nicht wirklich falsch, denn genau dieser Umstand ist doch wohl das, was der Kölner Polizeichef als „Straftaten einer völlig neuen Dimension“ bezeichnete; Trickdiebstahl oder Handtaschenraub meinte er sicherlich nicht. Mehr aber noch irritiert die Verharmlosung der massiven sexuellen Nötigungen, die die B.Z. hinter dem Terminus „90 Anzeigen“ versteckt. Tenor: Keine Vergewaltigung, also nicht so schlimm. Auch der Hinweis, dass ja keinesfalls geklärt sei, ob die Täter tatsächlich in Flüchtlingsheimen lebten, ist nachgerade absurd. Wenn, wie überall zu lesen und von der Polizei bestätigt, die Täter aus dem arabischen und nordafrikanischen Raum stammen, handelt es sich in jedem Fall um Migranten. Und genau das ist das entscheidende Faktum. Ob sie hingegen irgendeinen Flüchtlings- oder Asylstatus hatten oder erst vor kurzem eingewandert sind, spielt keine Rolle. Sollten die Täter schon länger in Köln leben, wäre das eher ein Grund zu noch größerer Beunruhigung.

Besonders aber verblüfft, wie die B.Z. hier den Fokus verschiebt. Deutschland diskutiert über beispiellose Straftaten von Personen, die offenkundig ein extrem fragwürdiges, mit unseren Werten nicht zu vereinbarendes Frauenbild haben und mit ihren Taten die öffentliche Ordnung massiv bedrohen. Aber für die B.Z. ist Thema des Tages allen Ernstes die Glaubwürdigkeit von Instagram, Twitter und Facebook. Darauf muss man kommen!

Der Chefredakteur der B.Z. ist Peter Huth, gleichzeitig stellvertretender Chefredakteur von BILD. In Hamburg befindet sich die größte BILD-Regionalredaktion, in Köln eine kaum kleinere. Doch keine der Redaktionen, die früher angeblich den Schlag jeder einzelnen Welle von Rhein und Elbe mitbekamen, hatte irgendeine Kenntnis von den Vorgängen am Hauptbahnhof respektive auf der Reeperbahn. Auch BILD berichtete erst drei Tage nach den Ausschreitungen, als in den sozialen Netzwerken schon sehr viel Zutreffendes zu lesen war. Selten zuvor wurden die etablierten Medien so klar von den sogenannten sozialen vorgeführt, kaum je war ihr Versagen so offenkundig. Eine trostlose, überkomplette Niederlage – und kaum ein Anlaß, sich ausgerechnet am Beispiel der Geschehnisse in Köln oder Hamburg über Twitter & Co zu erheben.

Doch scheint niemand aus der Profession befremdet. Auf Facebook, wo Peter Huth (natürlich) die beiden Titelseiten postete, überschlugen sich viele Kollegen vor Bewunderung: „Du hast echt einen Lauf“, „Einfach genial“, „Das ist sowas von gut“, „großartig“. Und Ähnliches mehr. Früher hätte man den Steinewerfer im Glashaus bestenfalls fragend angeguckt; heute werfen die meisten fröhlich mit. Und der Journalismus liegt in Scherben.

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Statt immer nur das Existenzrecht Israels in Frage zu stellen, sollten viele mit Blick auf Homosexuellen- und Frauenrechte, auf Meinungs- und Religionsfreiheit endlich anfangen, das Existenzrecht der gesamten arabischen Welt zu hinterfragen.

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Hier noch ein besonderer Dank. Denn die skandalösen Übergriffe in Köln machen schlagartig deutlich, was von der jahrzehntelangen Spruchpraxis des Deutschen Presserats zu halten ist. So darf nach dessen Richtlinien bei Straftaten die ethnische Zugehörigkeit des Täters nur dann genannt werden, wenn sie im Zusammenhang mit der Tat steht, also: Bei „Ehrenmorden“ ja, ansonsten meistens nicht. Da Raub, Nötigung, Trickdiebstahl und Vergewaltigung keine Delikte eines spezifischen Kulturkreises sind, dürfte die ethnische Zugehörigkeit der Kölner Täter eigentlich nicht erwähnt werden. Was das für die Glaubwürdigkeit der Presse bedeuten würde, kann man sich ausmalen – weshalb sich auch kein Medium daran hält. Nie wurde die presseschädigende Bevormundung im Sinne politischer Korrektheit durch den Presserat deutlicher als anhand der Vorgänge der Silvesternacht. Daher, liebe arabische und nordafrikanische Migranten: Danke!

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Ob öffentliche Videoüberwachung oder Vorratsdatenspeicherung, ob die Einschränkung von Bank-, Post- und Telefongeheimnis: Wann immer es um die Ausweitung der staatlichen Eingriffsrechte in die „informationelle Selbstbestimmung“ ging, wurde dies von der Politik mit dem Versprechen begründet, die dadurch gewonnene Sicherheit käme allen zugute. Spätestens seit ‚Köln’ weiß man: Alles leeres Gerede. Zwar haben die Deutschen jede Einschränkung ihrer Bürgerrechte bereitwillig akzeptiert, aber dafür bekommen haben sie nichts. Die Einbruchszahlen steigen unablässig, vor fremder terroristischer Bedrohung ist man, das zeigt die Absage von Länderspielen, Radwettbewerben und Karnevalsumzügen, in diesem Land nicht mehr sicher. Und die Silvesternacht machte deutlich: Der Staat hat sein Gewaltmonopol verloren, jederzeit können rechtsfreie Räume entstehen, jeder kann zum Freiwild werden – nicht nur in Köln, sondern auch in Hamburg, Bielefeld, Stuttgart, Frankfurt. Mit einem Wort: überall.

Dennoch sehen viele Politiker selbst ‚nach Köln’ ihr Heil in noch mehr Kameras, in noch mehr Kontrolle. Statt die Ursache des Problems zu diskutieren, nämlich die muslimische Zuwanderung, wollen sie die Folgen bekämpfen. Damit die Gesellschaft ‚bunt’ wird, sollen die Deutschen noch stärkere Überwachung hinnehmen. Der Preis für Multikulti ist der totale Staat. Dass ihre Politik einmal darauf hinausläuft, hätten die GRÜNEN wohl nie vermutet. 

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Köln macht klar: Der Feind steht, in Variation eines berühmten Wortes, nicht rechts, sondern in Mekka. Nicht nur die eher abstrakte terroristische Bedrohung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, auch die ganz konkrete Gefahr für Leib und Leben hat immer häufiger muslimische Wurzeln, und die ungesteuerte, unkontrollierte Einwanderung erhöht jeden Tag den Kreis der Täter und Sympathisanten. Nicht ohne Grund waren Köln, Frankfurt und Hamburg die Hauptorte der Ausschreitungen, nicht ohne Grund finden sämtliche muslimische Zentren immer wieder Erwähnung in den Berichten des Verfassungsschutzes: Solingen, Ulm, Celle, Köln, Hamburg. Doch ist die terroristische Radikalisierung das kleinste Problem. Viel gravierender sind Vorgänge wie zu Silvester, in denen sich offen kriminelle Handlungen mit der völligen Verachtung westlicher Werte mischen, vorgeführt von Hunderten. Was bisher nur in einzelnen Stadtvierteln wie Berlin-Neukölln oder Köln-Chorweiler zum Alltag gehört, eroberte Silvester die Zentren der Städte: Tätliche Angriffe auf westliche Frauen, schwerste Beleidigungen, Verhöhnung des Rechtsstaates. Und nicht minder beunruhigend sind die jetzt bekannt gewordenen Polizeiberichte von bereits fest etablierten kriminellen Gesellschaften. Allein in Düsseldorf, so der Ermittlungsbericht ‚Casablanca’, soll eine Bande von rund 2500 Nordafrikanern seit Monaten die Gegend um den Bahnhof unsicher machen. Insofern hat ‚Köln’ auch sein Gutes: Lautete bisher der öffentliche Gemeinplatz, dass nur die Dschihadisten böse, alle anderen Muslime aber nett und friedlich seien, erkennen nun immer mehr, dass nicht nur die Dschihadisten das Problem sind, sondern die Muslime selbst – und zwar eben wegen ihrer muslimischen, verfassungs- und frauenfeindlichen Überzeugungen.

Doch weder Politik noch Medien wollen dieses Thema anfassen. Der weiße Elefant steht trompetend im Raum, aber man stellt sich blind und taub. Tatsächlich war bereits zu lesen, Köln sei Ausdruck der „generellen Gewalt gegen Frauen“, oder dass es auf Schützenfesten ebenfalls zu sexuellen Übergriffen käme. Dabei kennt weder die chinesische, orthodoxe, karibische oder westliche Welt solch frauenverachtenden Zusammenrottungen – und schon gar nicht in aller Öffentlichkeit. In der muslimischen Welt, so nicht nur Sonja Zekri in der Süddeutschen, sind sie dagegen allgegenwärtig, verankert in einem Glauben, der Frauen als untertan begreift – und der hierzulande in Moscheen gepredigt und von vielen saudisch finanzierten Organisationen befördert wird.

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Justizminister Heiko Maas hält die Ausweisung der Täter von Köln für möglich. Dass dies tatsächlich geschieht, glaubt vermutlich nicht einmal er selbst. Denn allenfalls ein Bruchteil der Täter ist zu ermitteln und zu überführen. Zudem ist bei vielen die Staatsangehörigkeit gar nicht bekannt, oder sie kommen tatsächlich aus Ländern, in denen sie verfolgt werden. Und schließlich weigern sich viele Herkunftsländer, ihre Leute zurückzunehmen – wie in Afghanistan gerade geschehen.

Ein Ausweg wäre, mit irgendeinem Drittland ein Abkommen zu treffen, sei es in Afrika, der Karibik oder der Mongolei. Jeder, der hier das Gastrecht mißbraucht, wird dorthin abgeschoben, unabhängig von seiner Staatsangehörigkeit. Rechtsmittel gegen die Abschiebung können nur vom neuen Gastland aus eingelegt werden, das den Neubürger zur Deckung der Verfahrenskosten zwangsweise beschäftigen darf. Zusichern müsste es allerdings, dass der Abgeschobene das Land fünf Jahre nicht verlässt, aber auch nicht verfolgt wird. Im Gegenzug gibt’s Entwicklungshilfe, die hierfür wirklich sinnvoll wäre. Dass keiner der Abgeschobenen Deutschland je wieder betreten darf, versteht sich von selbst.

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Ein amerikanischer Freund, mit den seelischen Befindlichkeiten der Deutschen bestens vertraut, schreibt mir: „Wenn ihr wirklich ungebildete Leute ins Land holen wollt, warum nehmt ihr nicht unsere schwarze Unterschicht? Sie ist in den Wurzeln christlich, jedoch ebenso faul, träge, bildungsfern und jeder Eigenleistung gegenüber skeptisch wie viele Afrikaner und Araber. Andererseits bieten ihre Angehörigen mehr „fun“ als die tendenziell humorfreien und hyperventilierenden Muslime, sehen oft besser aus, sind sexuell deutlich aufgeschlossener. Zudem haben sie den unschätzbaren Vorteil, die Nachkommen der Opfer von Imperialismus und Sklavenhandel zu sein. Jedem Linken müsste also das Herz aufgehen. Das Beste aber: ‚Deutschland schafft sich ab’ ist auch mit jenen möglich.“ Nur der fröhlichste Zynismus bietet noch solche Perlen!

Symbolisch: Tattoos und Mainz

Welch unterschiedliche Reaktionen Gewaltsymbole wie Galgen oder Guillotine hervorrufen, war nicht nur auf dem Blog von Tichy zu lesen. Bei Demonstrationen gegen TTIP sind Tötungsautomaten Ausdruck zivilgesellschaftlicher Besorgtheit, bei Pegida Zeichen für angebliche Radikalisierung und Menschenverachtung. Ach je. Erinnert sich wirklich niemand mehr an die Demonstration gegen die Nachrüstung 1983 in Bonn? Da gehörten Galgen und Guillotine zur folkloristischen Grundausstattung aller Linken, und überall wurden Puppen von Uncle Sam verbrannt. Ebenso amüsant wirkt der Hinweis vor allem grüner Politiker auf die angebliche Gewaltbereitschaft der Dresdner Demonstranten. Denkt keiner mehr an Brokdorf, Wackersdorf oder Startbahn West zurück, die doch lange zu den Gründungsmythen der GRÜNEN zählten? Das Ende der Zivilgesellschaft ist das eine so wenig, wie es das andere war.

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Zeitungslese 1, Sonntagabend: Noch weiß man nichts über Motivlage oder Verbindungen des Täters von Köln, und Köln ist weit von Dresden. Doch für Peter Huth, Chefredakteur der B.Z. und in stellvertretender Position bei BILD, stehen schon einen Tag nach dem Messerangriff die Verantwortlichen fest. Es sind die Anhänger von Pegida, in seinen Augen „Straftäter und ihre Mitläufer“. Das ist dann schon ein weiter und völlig neuer Täterbegriff: Nicht bloß Sippen-, sondern Städtehaft. Und selbstverständlich will Huth das Demonstrationsrecht gleich mitabschaffen. Denn hier würden „aus Worten Taten“. Als muslimische Attentäter unter Alahu-Akbar-Rufen die Redaktion von Charlie Hebdo und Kunden eines jüdischen Supermarktes massakrierten, klangt das noch anders. Da hatte all dies nichts mit dem Koran zu tun.

Zeitungslese 2: In der ZEIT plädiert der bosnische Filmemacher und Künstler Adnan Softic (40) unter der Überschrift „Mehr Balkan wagen“ für kulturelle Diversität. Die jetzt einwandernden Migranten „werden unser nationales Geschichtsbild zerstören. Dafür müssen wir ihnen dankbar sein.“ Ganz abgesehen davon, dass der Balkan kaum als Beispiel für multikulturelle Stabilität und Friedlichkeit gelten kann, findet sich die interessanteste Information am Ende des Artikels: Softic ist, wer kann es ihm verdenken, 1992 im Alter von 17 Jahren nach Deutschland gekommen, also kurz nach Beginn des Jugoslawienkrieges. Seitdem lebt er in Hamburg. ‚Mehr Balkan wagen’ ist mithin kaum die Maxime seines eigenen Lebens. Aber so jemand gilt der ZEIT als Experte in Sachen Vielvölkerstaat und Multikulti.

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Der Politiker XY, so ein Moderator im Radio, fürchte ‚schlechte Presse’. Unwillkürlich der Gedanke: Gibt es noch eine andere?

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Im Café. Neben mir durch und durch bürgerliche Kunden, die überwiegend die Pensionsgrenze erreicht haben. In der euphemistischen Sprache des Marketings: Best Ager, Silversurfer, hier aber eher der blasse, geduckte Typus. Einer schiebt die Ärmel seines Hemdes hoch, sichtbar wird ein kleines Tattoo aus Buchstaben.

Nun darf jeder mit seinem Körper machen, was er will. Doch sind Tattoos wohl mehr als nur Ausdruck eines ästhetisch nicht immer überzeugenden Willens zur Selbstgestaltung. Vielmehr zeigt sich in ihnen jene Mischung aus privatisiertem Individualismus und öffentlicher Konformität, die dieses Land prägt: Mut gibt es nur im ganz Privaten. Dort ist man ein bißchen Paradiesvogel, öffentlich jedoch graue Maus. Selbst der bravste Finanzbeamte möchte heute hipp sein, ein Tattoo haben, aber die offene Abweichung scheut er dann doch. So greift er zur Differenz in homöopathischer Dosierung: Zu Buchstaben, Jahreszahlen, Namen der Liebsten oder zu irgendwelchen banalen, verstörungsfreien Motiven wie Delphinen, Schmetterlingen, Tribals – und zwar dort, wo nur Angehörige, Sportfreunde und Totenwäscher sie sehen. So gaukelt man sich vor, nicht angepasst zu sein – während man dort, wo Mut wichtig wäre, also vor allem in der öffentlichen Debatte, dem glattesten Konformismus frönt. Ein Volk der öffentlichen Linientreue, privat aber total unique. Wer’s glaubt.

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Heute mein Hauptstück an anderer Stelle, nämlich im Newsletter des Deutschen Arbeitgeberverbandes. Wer sich über das herrschende Staatsverständnis informieren will, muss manchmal nach Mainz schauen, einer nicht nur im Karneval närrischen Stadt.

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Akif Pirincci. Persönlich keine angenehme Gestalt, literarisch meist mit Lust in der Gosse. Nun also seine hasserfüllte, primitive Rede in Dresden. Hatte irgendjemand anderes erwartet? Rätselhaft allerdings einige Kommentare, wonach Pegida nun ihr wahres Gesicht gezeigt habe. Doch berichten die gleichen Zeitungen, dass viele der Demonstranten gepfiffen, „aufhören“ gerufen oder kurz nach Beginn der Rede den Heimweg angetreten hätten. Offensichtlich ist Pirincci gerade nicht das ‚wahre Gesicht’ Pegidas. Aber selbst derart schlichte Schlüsse scheinen viele zu überfordern.