Die ‘Protokolle der Weisen von Zion’ und andere Absurditäten

Die FAZ meldet, dass zwei Drittel der Musikstudenten in Baden-Württemberg Ausländer sind. Nun diskutiert man über Studiengebühren, fürchtet aber, dass es diskriminierend wirken könnte, wenn allein Ausländer mit solchen Gebühren belegt werden. Tatsächlich muss man fragen, warum überhaupt ausländische Studenten kostenlos deutsche Bildungseinrichtungen nutzen dürfen. Überall fehlt es an Mitteln für Sicherheit, Kitas, Schulbildung, aber für die Ausbildung von Fremden ist Geld vorhanden. Erstaunlich.

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Während Thomas Middelhoff weiter in Untersuchungshaft sitzt, taucht ein neuer Kartell-Skandal auf, diesmal mit Lastwagen. Es ist das x-te Kartell, das dieses Jahr auffliegt, zuvor schon waren Preisabsprachen unter Bierbrauern, Zement-, Bahnschwellen- und Matratzenherstellern entdeckt worden, und noch einige mehr. Doch während Middelhoff, der ‚nur’ seinen Arbeitgeber übervorteilte, hart verurteilt wurde, zahlen die Beteiligten des Kartells, obwohl sie oft Hundertausende schädigen, lediglich Bußgelder, bleiben aber persönlich unbelangt, weil im einschlägigen Gesetz Haftstrafen fehlen. Das ist ein Fehler, auch weil sich Bußgelder dann als stumpfes Schwert erweisen, wenn die Firmen groß, ihre wirtschaftlichen Verhältnisse aber prekär sind. Auch die Kartellbehörde wird sich dreimal überlegen, ob sie ein wankendes Unternehmen in den Konkurs treibt. In den USA sind für Kartellsünder Haftstrafen bis zu 10 Jahren vorgesehen. Solche Regelungen wären auch hier geboten.

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Der Schweizer Publizist Frank A. Meyer hat mit Jakob Augstein Gespräche geführt, die nun unter dem hoffnungsvollen Titel „Es wird eine Revolution geben“ erschienen sind. Dabei sind vor allem die Beiträge von Augstein aufschlußreich. Er ist der typische linke Kulturrelativist, der die universelle Geltung der Menschenrechte in Frage stellt, wenn nur irgendwelche depravierten Lumpen schwerste Verstöße als ihre Kultur deklarieren. Steinigung von vergewaltigten Frauen in Saudi-Arabien wegen ‚Ehebruchs’? Muss man akzeptieren! Homophobe Gesetze in Indien? Ebenso! Beschneidung afrikanischer Frauen? Nicht unser Ding! Und wenn sie’s dann ihre Bräuche hierher mitbringen: Auch ok! Man kann nur den Kopf schütteln. Andererseits: Auch der Gesetzgeber hat mit der nun zulässigen Beschneidung von Minderjährigen aus religiösen Gründen den Weg zur Relativierung von Menschenrechten geebnet. Aber sollte einen das in einem Land ohne Haltung verwundern?

Allerdings bleibt die fragwürdige Pointe, dass aus dem Blickwinkel des Kulturrelativismus auch der Holocaust kein moralisches Problem mehr ist. Sollten die Deutschen, wie einst Goldhagen schrieb, tatsächlich willige Vollstrecker sein, lag der Judenmord gleichsam in ihren kulturellen Genen. Und auch der angebliche US-Imperialismus ist dann wohl so gottgegeben wie die Landnahmen der radikalen jüdischen Siedler. Alles nur eine Frage der Kultur. Man sieht: Aus dem Gedanken lässt sich etwas machen…

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Lange Unterhaltung mit einem sozialdemokratischen Freund über Europa. Am Ende der Satz: „Du hast mit Deiner Kritik an Europa vermutlich in jedem Punkt recht – aber trotz allem bleibe ich doch bei meiner Liebe zur europäischen Idee.“ So viel zur Macht des Arguments. Tatsächlich ist es wohl so, wie einer meiner Professoren einst bemerkte: Geistiger Fortschritt sei allein eine Frage der Biologie. Erst wenn die alte Generation tot umfalle, hätten neue Gedanken eine Chance. Vorher sei kein Argument stark genug, selbst am gröbsten Unfug werde sklavisch festgehalten. Wohl leider wahr, das Wort Penthesileas ist für viele Programm: „Und stünd’s mit Blitzen in die Nacht geschrieben, und rief es mir des Donners Stimme zu, so rief ich doch noch beiden zu: Ihr lügt!“ Schutzmechanismen, hier wie dort.

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Beliebt auch immer wieder der Hinweis, nicht alles sei schlecht an der EU, außerdem werde es künftig sicherlich besser. Das eine Argument kennt man von den Nazis, das andere von den Kommunisten. Apart.

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In der SZ ein Interview mit dem EU-Kommissionspräsidenten Juncker über seine künftige Position nach den fragwürdigen Steuervermeidungen, zu denen Luxemburg großen Unternehmen unter Junckers Führung verhalf. Seine Position, so Juncker, sei nicht geschwächt, auch der frühere Präsident Jacques Delors habe diverse Krisen überstanden. Unerwähnt bleibt dabei, dass der EU-Kommissionspräsident ohnehin nicht vom Parlament abgewählt werden kann, selbst wenn es dort eine Mehrheit für die Abwahl gäbe. Unter diesen Voraussetzungen kann man natürlich jede Krise „überstehen“ und sogar als Stärkung der eigenen Position verkaufen. Die Verletzung der Stabilitätskriterien durch Italien und Frankreich wird bagatellisiert, Sanktionen wird es nicht geben. Und auch die kritisierten Steuervermeidungen würde er heute wieder unterstützen, wenn die Arbeitsmarktsituation in Luxemburg dies nötig mache. So steht Juncker zur Solidarität der europäischen Steuerzahler, die ihn finanzieren. Man kann davon nur lernen.

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Die berüchtigten ‚Protokolle der Weisen von Zion’, Anfang 1900 erschienen, sind seit Jahrzehnten als antisemitische Fälschung erkannt. Die angebliche Sitzungsmitschrift diente schon den Nazis als ‚wissenschaftlicher’ Beleg einer weltweiten Verschwörung der Juden, war aber auch in Russland und den USA populär, so bei dem rabiaten Antisemiten Henry Ford. Heute finden die ‚Protokolle’ vor allem dort Anhänger, wo die eigene Erfolgs- und Trostlosigkeit geradezu zwanghaft mit dem Wirken feindlicher Mächte erklärt wird: In den muslimischen Ländern. Dort erlebt die Hetzschrift immer neue Auflagen, in Ägypten und einigen anderen Ländern ist sie Schullektüre. So vergiftet man die Köpfe kommender Generationen. Warum droht Deutschland solchen Ländern nicht mit Sanktionen und dem Abbruch diplomatischer Beziehungen?

Im übrigen: Wären die Protokolle wahr, müsste selbst Lord Voldemort vor so viel Verruchtheit den Hut ziehen. Nicht nur hätten die Juden die Pest verbreitet, sondern auch Liberalismus, Darwinismus und Kommunismus – all dies mit dem Ziel, die armen nichtjüdischen Völker zu zersetzen. Den 1. Weltkrieg hätten sie ebenfalls geplant und angestoßen, und die U-Bahnen der Metropolen seien nichts anderes als Sprengtunnel, um bei der großen Machtergreifung unbeugsame Städte in die Luft zu jagen. Man möchte dazugehören!

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Vermutlich hat ein Engländer das Buch längst geschrieben, mir ist es leider nicht bekannt: Eine Geschichte der unsinnigen Wissenschaften. Mesmerismus, Phrenologie, Rassenkunde, auch viele Teilgebiete der Medizin waren kaum mehr als hochgejazzte Scharlatanerie, teils mit mörderischen Folgen. Unglaublicher Aufwand wurde betrieben, und am Ende für nichts, für keinerlei Gewinn – oder richtiger: Für keinerlei wissenschaftlichen Gewinn, denn persönlich waren die Erträge oftmals groß, die Vertreter dieser Pseudowissenschaften hoch angesehen.

Auch heute gibt es Bereiche, die der Falsifizierbarkeit nicht zugänglich und damit nach Popper keine Wissenschaften sind: Große Bereiche der Gender Studies gehört dazu. Im Grunde ist vieles dort nichts anderes als Veruntreuung von Steuergeldern durch Bildungspolitiker zugunsten ideologischer Klientelpolitik.

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Gedankenspiel: Was wäre eigentlich, wenn statt Franziskus ein anderer Kardinal zum Papst gewählt worden wäre, nämlich einer, der dem Opus Dei und der Piusbruderschaft nahesteht und die gesamte Ausrichtung der Kirche seit Johannes XXIII. verwirft? Der wie einst Pius IX. die Demokratie ebenso bekämpft wie Abtreibungen, Scheidungsrecht, den Protestantismus und andere Religionen, und alle Katholiken in Deutschland auffordert, den weiteren Einflüsterungen der säkularen Teufel in der Politik nicht mehr zu folgen? So etwas ist, das zeigt die Entwicklung der radikalen Evangelikalen in den USA, durchaus möglich, nicht nur bei Katholiken.

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Auch wenn ich mich wiederhole, darf dieser Hinweis nicht fehlen: Die EU muss man bekämpfen + zerschlagen!

 

Gesundes Volksempfinden und die Pädophilie der ZEiT

Ach, Brüssel! Ist schon jemand schneller entzaubert worden als EU-Präsident Juncker? Selbst seine Verteidiger sind derzeit in Deckung gegangen. Und dieser Mensch soll Brüssel noch fünf Jahre kraftvoll führen und reformieren? Das glauben nicht einmal die Hühner in den subventionierten Legebatterien.

Der Fall Juncker zeigt erneut, dass von einer wirklichen Opposition in der EU nicht gesprochen werden kann. Alle großen Parteien stehen schon deshalb zu Juncker, weil seine Demission das gerade gefundene Gleichgewicht innerhalb der EU-Kommission und damit auch die Postenverteilung empfindlich stören würde. Zudem wäre ein Rücktritt Junckers das Eingeständnis, dass die Staatschefs den Falschen gewählt haben. Und für das Image der EU wäre der Abgang auch nicht förderlich. So macht man die Schotten dicht und hofft auf besseres Wetter und die Vergesslichkeit der Wähler.

Auch die deutsche Politik taucht im Fall Juncker weitgehend ab. Im Ergebnis haben wir einen vom europäischen Steuerzahler hochalimentierten Kommissionspräsidenten, der eben diesen Steuerzahler jahrelang zugunsten eines nutzlosen Zwergstaates und zahlreicher Großunternehmen ausnahm. Das muss man hinbekommen! Chapeau!

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„Er war gescheit, er war logisch, er wusste viel; aber ist das mehr als Barbarei?“ Robert Musil, Mann ohne Eigenschaften

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AfD-Chef Bernd Lucke erklärte kürzlich, die Position seiner Partei sei weder rechts noch links, sondern die des gesunden Menschenverstandes. Das hat er von Maggie Thatcher, die sich ebenso gegen die Etikettierung ‚links’ oder ‚rechts’ wehrte. In Deutschland jedoch wurde nicht dieser Bezug gesehen, sondern von der SZ auf die Nähe zum ‚gesunden Volksempfinden’ verwiesen, mit dem die Nazis ihre angebliche Nähe zum Volk, vor allem aber jeden Rechtsbruch als gleichsam demokratisch legitimiert kaschierten.

Nun hat aber das ‚Volk’, nimmt man nicht mit den Nazis Sozialdemokraten, Juden, Zentrumspolitiker und sonstige Verfolgte des Dritten Reiches aus, kaum einheitlich gedacht und die nationalsozialistischen Mördereien keineswegs begrüßt. Auch im Übrigen waren die Vorbehalte gegenüber den braunen Horden groß, vor allem in christlich geprägten Gegenden, und solange es noch freie Wahlen gab, waren die Ergebnisse für die NSDAP eher dürftig. Anders allerdings sah es bei vielen Intellektuellen aus. Der Kniefall zahlreicher Großdenker, aber auch der Ärzte, Juristen, Professoren, Studentenschaften und nicht zuletzt auch vieler Journalisten vor Deutschlands angeblichem Erwachen ist gut dokumentiert, und vermutlich war es auch ihr Hang zur Radikalität, der viele Intellektuelle zu treuen Parteigenossen der ersten Stunden machte. Sicherlich haben auch einfache Leute versagt; aber noch viel mehr diejenigen, die sich dem Volk überlegen fühlten. Das Empfinden der Intellektuellen ist oft verhängnisvoller als das des Volkes.

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In der ZEIT verweist der sozialdemokratische Parteienforschers Franz Walter auf den segensreichen Einfluss, den Frauen in der Gründungsphase der GRÜNEN hatten. Vor allem an ihrem Widerstand sei die frühere Begeisterung vieler Grüner für die Entkriminalisierung von Sex mit Kindern gescheitert, weil die Frauen sehr viel klarer als ihre Parteigenossen sahen, dass es hier um Fragen des Machtmissbrauchs innerhalb von Beziehungen ging. Doch auch mit Blick auf die Unterdrückung der Frauen im Islam sind diese Fragen offen, und auch hier werden die GRÜNEN irgendwann entscheiden müssen, was sie wollen: Multikulti oder Frauenrechte?

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Früher Kommunist, später Chef des Kölner Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung, immer anregend: Wolfgang Streeck. Kühl sieht er im Euro ein neo-liberales Projekt. Denn die Einheitswährung sollte nicht nur den Handel vereinfachen, sondern eben auch Produktivitätsdefizite sichtbar machen und dadurch die Völker zur Ökonomisierung zwingen. Das ist gelungen. Ebenfalls neoliberalen Charakter hat die Freizügigkeit, die Druck auf Tarifregeln macht. Nicht ohne Grund hat sich DGB-Chef Reiner Hoffmann in einem FAZ-Interview schon vor Wochen vorsichtig distanziert. Dennoch halten Sozial- wie auch Christdemokraten sklavisch an Euro und Freizügigkeit fest. Früher waren die Linken gegen den Neoliberalismus, die Konservativen gegen Multikulti. Seit aber beides unter der Flagge ‚Euro’ respektive ‚Europa’ daherkommt, mögen sie sich daran nicht mehr erinnern.

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Gespräch mit einem Freund, der selbst mal für Schröder votierte, über dessen Verbindung zum Hannoveraner Unternehmer Maschmeyer. Jenseits des Eindrucks der Käuflichkeit bedrücke vor allem der gänzliche Mangel an Stil. Natürlich müsse man als Kanzler auch Viertelseiden wie Maschmeyer treffen; aber mit solch primitiven Existenzen gesellschaftlich, vielleicht sogar freundschaftlich verkehren? Nur wenn man ähnlich simpel gestrickt sei, könne man das ertragen – was aber hier wohl der Fall sei.

Die Berliner haben für diesen prosaischen, auf das Kaufmännische reduzierten Typus des Geschäftsmanns den Ausdruck ‚Koofmich’. Das hat Schröder vielleicht wörtlich genommen.

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In dem schon erwähnten ZEIT-Interview weist Franz Walter darauf hin, dass die Bagatellisierung der Pädophilie gerade auch in der ZEIT selbst ihre Fürsprecher hatte und die Zeitung sich diesem Thema bis heute nicht stelle. Antwort der ZEIT-Redakteure Mariam Lau und Peter Dausend: „Das haben wir anders gelesen“. Was das genau heißt, bleibt unklar, doch sollte wohl die Validität der Feststellung in Zweifel gezogen werden. Dankenswerterweise nennt Walter in der FAZ vom 17.11. Ross und Reiter: Vor allem der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der ZEIT, Rudolf Walter Leonhardt, habe sich über Bedenken gegen die Entkriminalisierung der Pädophilie mokiert und sie als „verquere, verquollene Vorstellungen“ von Spießern abgetan. Und er war nicht der einzige, der so in der ZEIT schreiben durfte. Um so rätselhafter die Replik von Dausend und Lau. Was soll man da anders lesen? In Anlehnung an meine Bemerkung aus der ersten Oktoberwoche: Odenwaldschule, nun auch thematisch.

Noch trostloser allerdings ist die EU. Daher: Bekämpfen + zerschlagen!