Die ‘Protokolle der Weisen von Zion’ und andere Absurditäten

Die FAZ meldet, dass zwei Drittel der Musikstudenten in Baden-Württemberg Ausländer sind. Nun diskutiert man über Studiengebühren, fürchtet aber, dass es diskriminierend wirken könnte, wenn allein Ausländer mit solchen Gebühren belegt werden. Tatsächlich muss man fragen, warum überhaupt ausländische Studenten kostenlos deutsche Bildungseinrichtungen nutzen dürfen. Überall fehlt es an Mitteln für Sicherheit, Kitas, Schulbildung, aber für die Ausbildung von Fremden ist Geld vorhanden. Erstaunlich.

 * * *

Während Thomas Middelhoff weiter in Untersuchungshaft sitzt, taucht ein neuer Kartell-Skandal auf, diesmal mit Lastwagen. Es ist das x-te Kartell, das dieses Jahr auffliegt, zuvor schon waren Preisabsprachen unter Bierbrauern, Zement-, Bahnschwellen- und Matratzenherstellern entdeckt worden, und noch einige mehr. Doch während Middelhoff, der ‚nur’ seinen Arbeitgeber übervorteilte, hart verurteilt wurde, zahlen die Beteiligten des Kartells, obwohl sie oft Hundertausende schädigen, lediglich Bußgelder, bleiben aber persönlich unbelangt, weil im einschlägigen Gesetz Haftstrafen fehlen. Das ist ein Fehler, auch weil sich Bußgelder dann als stumpfes Schwert erweisen, wenn die Firmen groß, ihre wirtschaftlichen Verhältnisse aber prekär sind. Auch die Kartellbehörde wird sich dreimal überlegen, ob sie ein wankendes Unternehmen in den Konkurs treibt. In den USA sind für Kartellsünder Haftstrafen bis zu 10 Jahren vorgesehen. Solche Regelungen wären auch hier geboten.

* * *

Der Schweizer Publizist Frank A. Meyer hat mit Jakob Augstein Gespräche geführt, die nun unter dem hoffnungsvollen Titel „Es wird eine Revolution geben“ erschienen sind. Dabei sind vor allem die Beiträge von Augstein aufschlußreich. Er ist der typische linke Kulturrelativist, der die universelle Geltung der Menschenrechte in Frage stellt, wenn nur irgendwelche depravierten Lumpen schwerste Verstöße als ihre Kultur deklarieren. Steinigung von vergewaltigten Frauen in Saudi-Arabien wegen ‚Ehebruchs’? Muss man akzeptieren! Homophobe Gesetze in Indien? Ebenso! Beschneidung afrikanischer Frauen? Nicht unser Ding! Und wenn sie’s dann ihre Bräuche hierher mitbringen: Auch ok! Man kann nur den Kopf schütteln. Andererseits: Auch der Gesetzgeber hat mit der nun zulässigen Beschneidung von Minderjährigen aus religiösen Gründen den Weg zur Relativierung von Menschenrechten geebnet. Aber sollte einen das in einem Land ohne Haltung verwundern?

Allerdings bleibt die fragwürdige Pointe, dass aus dem Blickwinkel des Kulturrelativismus auch der Holocaust kein moralisches Problem mehr ist. Sollten die Deutschen, wie einst Goldhagen schrieb, tatsächlich willige Vollstrecker sein, lag der Judenmord gleichsam in ihren kulturellen Genen. Und auch der angebliche US-Imperialismus ist dann wohl so gottgegeben wie die Landnahmen der radikalen jüdischen Siedler. Alles nur eine Frage der Kultur. Man sieht: Aus dem Gedanken lässt sich etwas machen…

 * * *

Lange Unterhaltung mit einem sozialdemokratischen Freund über Europa. Am Ende der Satz: „Du hast mit Deiner Kritik an Europa vermutlich in jedem Punkt recht – aber trotz allem bleibe ich doch bei meiner Liebe zur europäischen Idee.“ So viel zur Macht des Arguments. Tatsächlich ist es wohl so, wie einer meiner Professoren einst bemerkte: Geistiger Fortschritt sei allein eine Frage der Biologie. Erst wenn die alte Generation tot umfalle, hätten neue Gedanken eine Chance. Vorher sei kein Argument stark genug, selbst am gröbsten Unfug werde sklavisch festgehalten. Wohl leider wahr, das Wort Penthesileas ist für viele Programm: „Und stünd’s mit Blitzen in die Nacht geschrieben, und rief es mir des Donners Stimme zu, so rief ich doch noch beiden zu: Ihr lügt!“ Schutzmechanismen, hier wie dort.

* * *

Beliebt auch immer wieder der Hinweis, nicht alles sei schlecht an der EU, außerdem werde es künftig sicherlich besser. Das eine Argument kennt man von den Nazis, das andere von den Kommunisten. Apart.

* * *

In der SZ ein Interview mit dem EU-Kommissionspräsidenten Juncker über seine künftige Position nach den fragwürdigen Steuervermeidungen, zu denen Luxemburg großen Unternehmen unter Junckers Führung verhalf. Seine Position, so Juncker, sei nicht geschwächt, auch der frühere Präsident Jacques Delors habe diverse Krisen überstanden. Unerwähnt bleibt dabei, dass der EU-Kommissionspräsident ohnehin nicht vom Parlament abgewählt werden kann, selbst wenn es dort eine Mehrheit für die Abwahl gäbe. Unter diesen Voraussetzungen kann man natürlich jede Krise „überstehen“ und sogar als Stärkung der eigenen Position verkaufen. Die Verletzung der Stabilitätskriterien durch Italien und Frankreich wird bagatellisiert, Sanktionen wird es nicht geben. Und auch die kritisierten Steuervermeidungen würde er heute wieder unterstützen, wenn die Arbeitsmarktsituation in Luxemburg dies nötig mache. So steht Juncker zur Solidarität der europäischen Steuerzahler, die ihn finanzieren. Man kann davon nur lernen.

 * * *

Die berüchtigten ‚Protokolle der Weisen von Zion’, Anfang 1900 erschienen, sind seit Jahrzehnten als antisemitische Fälschung erkannt. Die angebliche Sitzungsmitschrift diente schon den Nazis als ‚wissenschaftlicher’ Beleg einer weltweiten Verschwörung der Juden, war aber auch in Russland und den USA populär, so bei dem rabiaten Antisemiten Henry Ford. Heute finden die ‚Protokolle’ vor allem dort Anhänger, wo die eigene Erfolgs- und Trostlosigkeit geradezu zwanghaft mit dem Wirken feindlicher Mächte erklärt wird: In den muslimischen Ländern. Dort erlebt die Hetzschrift immer neue Auflagen, in Ägypten und einigen anderen Ländern ist sie Schullektüre. So vergiftet man die Köpfe kommender Generationen. Warum droht Deutschland solchen Ländern nicht mit Sanktionen und dem Abbruch diplomatischer Beziehungen?

Im übrigen: Wären die Protokolle wahr, müsste selbst Lord Voldemort vor so viel Verruchtheit den Hut ziehen. Nicht nur hätten die Juden die Pest verbreitet, sondern auch Liberalismus, Darwinismus und Kommunismus – all dies mit dem Ziel, die armen nichtjüdischen Völker zu zersetzen. Den 1. Weltkrieg hätten sie ebenfalls geplant und angestoßen, und die U-Bahnen der Metropolen seien nichts anderes als Sprengtunnel, um bei der großen Machtergreifung unbeugsame Städte in die Luft zu jagen. Man möchte dazugehören!

 * * *

Vermutlich hat ein Engländer das Buch längst geschrieben, mir ist es leider nicht bekannt: Eine Geschichte der unsinnigen Wissenschaften. Mesmerismus, Phrenologie, Rassenkunde, auch viele Teilgebiete der Medizin waren kaum mehr als hochgejazzte Scharlatanerie, teils mit mörderischen Folgen. Unglaublicher Aufwand wurde betrieben, und am Ende für nichts, für keinerlei Gewinn – oder richtiger: Für keinerlei wissenschaftlichen Gewinn, denn persönlich waren die Erträge oftmals groß, die Vertreter dieser Pseudowissenschaften hoch angesehen.

Auch heute gibt es Bereiche, die der Falsifizierbarkeit nicht zugänglich und damit nach Popper keine Wissenschaften sind: Große Bereiche der Gender Studies gehört dazu. Im Grunde ist vieles dort nichts anderes als Veruntreuung von Steuergeldern durch Bildungspolitiker zugunsten ideologischer Klientelpolitik.

* * *

Gedankenspiel: Was wäre eigentlich, wenn statt Franziskus ein anderer Kardinal zum Papst gewählt worden wäre, nämlich einer, der dem Opus Dei und der Piusbruderschaft nahesteht und die gesamte Ausrichtung der Kirche seit Johannes XXIII. verwirft? Der wie einst Pius IX. die Demokratie ebenso bekämpft wie Abtreibungen, Scheidungsrecht, den Protestantismus und andere Religionen, und alle Katholiken in Deutschland auffordert, den weiteren Einflüsterungen der säkularen Teufel in der Politik nicht mehr zu folgen? So etwas ist, das zeigt die Entwicklung der radikalen Evangelikalen in den USA, durchaus möglich, nicht nur bei Katholiken.

* * *

Auch wenn ich mich wiederhole, darf dieser Hinweis nicht fehlen: Die EU muss man bekämpfen + zerschlagen!

 

Humanität als Verantwortungslosigkeit

Im Radio ein Gespräch mit einem Deutschen, der im EU-Auftrag Wahlen in Afrika beobachtet. Die naheliegende Frage, wie es eigentlich um die Wahlgerechtigkeit in der EU selbst bestellt sei, wird leider nicht gestellt. Dabei ist die Antwort ziemlich einfach: Deutschland schickt 96 Vertreter ins EU-Parlament, Litauen, mit nicht einmal 3 Millionen Einwohnern, entsendet 11. Rechnerisch wiegt eine Stimme in Litauen dreimal mehr als in Deutschland – ein klarer Verstoß gegen den Grundsatz „one man, one vote“. Was in Afrika zur Ungültigkeit der Wahl führt, wird dem europäischen Wähler als selbstverständlich zugemutet.

Die ungleiche Stimmengewichtung mag dabei in Zeiten, als jedes Land weitgehend unabhängig voneinander seine Arbeits- und Wirtschaftspolitik betrieb, akzeptabel gewesen sein. Mit der Errichtung der europäischen Transfer- und Schulden-Union ist es das nicht mehr. Aber nicht einmal jetzt kommt von irgendeiner Partei die Forderung, das Wahlrecht den neuen politischen Gegebenheiten und Rettungsschirmen anzupassen.

Tatsächlich liegt hier das demokratische Fundamentaldefizit der EU. Würde jede Stimme gleiches Gewicht haben, wären Länder wie Luxemburg, Tschechien oder Litauen faktisch entmachtet; behält man den gegenwärtigen Schlüssel bei, werden die Stimmen der bevölkerungsreichen Länder marginalisiert – und damit der Einfluss der Hauptzahler. Ein unlösbarer Konflikt. Und jede Behauptung, die EU sei demokratisch legitimiert, entlarvt sich als Lüge.

 * * *

„I was fucking busy – or vice versa!“ Die amerikanische Schriftstellerin Dorothee Parker über ihre Hochzeitsreise.

 * * *

In der Süddeutschen entwirft Heribert Prantl ein Konzept zur Flüchtlingspolitik: Unbegrenzte Aufnahme, Sicherung der Fluchtrouten, freie Wahl des Aufnahmelandes, Bleiberecht, großzügige Gewährung von Wohnungen, Kita- & Schulplätzen. Das alles unter dem Rubrum der Humanität. Es ist die Humanität der Verantwortungslosigkeit: Soll doch der Staat darüber kaputtgehen, so lange ich ein guter Mensch bin. Das Prinzip Käßmann, Grass, Grönemeyer, Emcke, Augstein junior. Letztlich äußert sich hier das alte linke Unbehagen gegenüber der Bundesrepublik, das auch zu all den üblen Ranschmeißereien an die DDR führte. Schon vor über 20 Jahren meinte Botho Strauß, in der linken Xenophilie äußere sich weniger Toleranz als „der verklemmte deutsche Selbsthaß, der die Fremden nur deshalb willkommen heiße, damit sich die Verhältnisse endlich in der berühmten ‚faschistoiden’ Kenntlichkeit zeigten“, die die Linke den Deutschen schon immer unterstellte. Das gilt weiterhin.

 * * *

Wieder einmal rühmt sich die LINKE ihrer angeblich pazifistischen Tradition. Lachhaft. Ganz im Gegenteil ist sie als Nachfolgerin der SED diejenige Partei im Deutschen Bundestag, die als erste nach 1945 einen Krieg von deutschem Boden aus führte. 1968 standen Truppen der DDR an der Grenze bereit, um in die Tschechoslowakei einzumarschieren – völkerrechtlich eindeutig eine Kriegshandlung. Nur die Bedenken Moskaus, 23 Jahre nach Kriegsende wieder deutsche Soldaten durch Prag marschieren zu lassen, verhinderten den Grenzübertritt.

 * * *

„Die beste Regierungsform ist eine freundliche Tyrannei, gezähmt durch gelegentliche Mordanschläge.“ Ein berühmtes Zitat, nur weiß keiner, von wem. Voltaire wird es zugeschrieben, aber auch Edmund Burke und einigen deutschen Diplomaten. Erstaunlicherweise erfunden vor dem Aufkommen des Sozialstaats.

 * * *

Ende Juli hatte ich in einem Kommentar in der BILD am SONNTAG die Frage aufgeworfen, ob dieses Land nicht besser verfolgte Christen, Juden oder Atheisten aufnehmen solle als weitere Muslime, von denen sich ohnehin viele der Integration verweigerten. Das ist nun einige Zeit her, doch noch immer bekomme ich gelegentlich wüste Zuschriften. Ganz abgesehen von der Frage, ob solche Anwürfe nicht der Behauptung eines toleranten Islam widersprechen, erzeugen diese Tiraden vor allem einen Eindruck: Den der Infantilität. Fäkalsprache, Dicketuerei, dazu Orthografie und Syntax bestenfalls auf Vorschul-Niveau. Eben „Hurensonne“ statt „Hurensohn“, wie schon Anfang Oktober zitiert. Das passt zu sonstigen Beobachtungen: Ehrpusseligkeit, mangelnde Selbstreflexion, dazu pubertär aufgemotzte Autos, puerile Outfits, auch die Läden immer wie von Kindern betrieben: Übervolle Regale, zugeballerte Auslagen, basarig. Nirgends die Kennzeichen des Erwachsenseins: Reduktion, Strenge, Disziplin, Zurücknahme. Statt dessen: Bling-bling-culture, aber ohne die herbe Kreativität des amerikanischen Gangsta-Rap, sondern nur als leistungsfreie Imitation von Männlichkeit. Nicht wirklich ein Gewinn.

Die Appellation „Alter“, in soziokulturell rückständigen Gruppierungen nicht selten zu hören, fügt sich hier ein: Alle anderen sind erwachsen, man selbst bleibt Kind.

* * *

Auch wegen ihrer demokratischen Defizite hier eine Erinnerung zur EU: Bekämpfen, zerschlagen!