Maas-lose Ignoranz und die ‘Friedfertigkeit’ der Muslime

Unterschiede. Jeannette Bougrab, Lebenspartnerin des ermordeten Chefredakteurs von Charlie Hebdo, verwahrt sich in einem Fernsehinterview nachdrücklich gegen Gebete von Muslimen vor der Redaktion. Charlie Hebdo sei ein laizistisches, anti-religiöses Blatt, ein Gebet daher eine unerwünschte Vereinnahmung, die den Idealen der Getöteten direkt widerspreche. Staatsbürgerliche Klarheit, republikanischer Stolz.

Nicht davon in Deutschland. Dort besucht Justizminister Heiko Maas erst einmal eine Moschee, als hätten die Anschläge Muslimen gegolten. Maaslose Ignoranz. Nicht geht es um einen Anschlag auf Konfessionen, sondern im Gegenteil auf die laizistische Konfessionslosigkeit des Staates und Teilen der Presse. Im Grunde spuckt Maas den Getöteten noch einmal aufs Grab. Aber ebenso ahnungslos auch die deutschen Medien, die jetzt zur großen Ökumene von Juden, Muslimen und Christen aufrufen. Als sei der Anschlag auf Charlie Hebdo Ausdruck eines interreligiösen Konfliktes. Man kann sich nur schämen.

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Auf dieser Linie auch ‚Je suis Ahmed’. Der Verweis auf den Tod des Polizisten Ahmed Merabet soll belegen, dass eben auch Muslime den französischen Staat schützen wollten. Grotesk. Die Redakteure von Charlie Hebdo wurden umgebracht, weil sie ein freiheitlich-laizistisches Gemeinwesen repräsentierten. Und genau als Repräsentant und Beschützer dieses Gemeinwesens wurde auch Ahmed Merabet erschossen – als Polizist, nicht als Muslim. Ist das wirklich so schwer zu erkennen?

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Abendessen mit schwulen Freunden. Schon vor Jahren habe eine AIDS-Beratungsstelle in der Nähe der Potsdamer Straße in Berlin schließen müssen, weil Muslime die dort um Rat und Hilfe suchenden Homosexuellen nicht akzeptieren wollten. Mitarbeiter der Beratungsstelle seien immer wieder bedrängt und bepöbelt, die Scheiben eingeworfen worden. Schließlich hätte die AIDS-Hilfe aufgegeben. Wenn Katholiken solch einen grundrechtswidrigen Protest gewagt hätten, wären die Medien voll gewesen; doch in diesem Fall hätten Zeitungen wie Regionalfernsehen nicht mehr als eine Randnotiz über den Wegzug gebracht.

Das wirft die Frage auf, was eigentlich unter der momentan wieder dauerhaft reklamierten ‚Friedfertigkeit der großen Mehrheit der Muslime’ zu verstehen ist. Muss man schon dankbar sein, wenn Moslems keine Redakteure ermorden, keine Soldaten oder Regisseure auf offener Straße abstechen, nicht zum Hass gegen die sie alimentierende Gesellschaft aufrufen? Oder sind nicht schon Friedensrichter, anti-semitische Demonstrationen und die offene Verachtung westlicher Werte, die man überall in Neukölln und anderen muslimisch dominierten Stadtteilen tagtäglich beobachten kann, Angriffe auf die Grundlagen der Bundesrepublik?

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„Die Behauptung, das Massaker von Paris habe nichts mit dem Islam zu tun, hat die Qualität der Feststellung, der Archipel Gulag habe nichts mit dem Stalinismus zu tun, da Stalin die Befreiung, nicht die Einsperrung der Arbeiterklasse propagiert hat“. Michael Martens in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

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Mittwoch Abend, Tagesschau, der Anschlag auf Charlie Hebdo. Ohne den Hintergrund der Attentäter zu kennen, wird bei einem Kameraschwenk über Pariser Trabantenstädte darauf hingewiesen, dass viele Muslime aus sozial schwachen Gegenden kämen. Öffentlich-rechtliche Ideologie: Die Probleme der Integration seien nicht kulturell-religiös, sondern sozio-ökonomisch begründet. Doch schon die Attentäter in London stammten aus voll-integrierten, bürgerlichen Familien, waren im Beruf erfolgreich.

Den Unfug der sozio-ökonomischen Benachteiligung als Ursache aller Integrationsdefizite vertritt einmal mehr Ayman Mazyek, Vorsitzender des ZMD. Doch auch Einwanderer aus Asien, Polen, Rußland oder Spanien sind nicht auf Rosen gebettet, ohne dass sie Intensivtäter, Djihadisten oder Terroristen würden.

Im Grunde hat das Gerede um die sozio-ökonomische Benachteiligung zwei Wurzeln: Bei Mazyek und anderen Islamfunktionären die Schuldumkehr, womit das religionsinduzierte Versagen ihrer Glaubensgenossen den Deutschen zugeschoben wird. Nicht die sozial wie intellektuell defiziente Kultur des Islam sei für das Scheitern so vieler Muslime verantwortlich, sondern fehlende Mittel und Chancengleichheit. Aber wer in dritter Generation und trotz endloser Förderungen immer noch Demenz-Deutsch spricht, muss sich nicht wundern. Daneben vertreten insbesondere GRÜNE und Linke die Diskriminierungs-These. Für sie verbindet sich hier bruchlos Deutschen-Hass, Minderheiten-Fetisch und Kapitalismuskritik. Zudem bedient die Forderung nach immer mehr Mitteln für Integrations-, Deutsch- und Resozialisierungskurse das eigene Wählerklientel sozialtherapeutischer Hilfstruppen. Beide Gruppierungen, Linke wie Funktionäre, sind damit vermutlich die Haupthindernisse für Integration. Denn warum integrieren, wenn einem sowieso alles hinterhergetragen wird und man selbst am eigenen Versagen schuldlos ist?

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In der Samstags-SZ plädiert Heribert Prantl für „eine Gesellschaft, in der Religions- und Meinungs- und Pressefreiheit gleichermaßen ihren Rang haben (…), in der kein Freiheitsrecht dem anderen automatisch vorgeht“. Berufsständisch unsäglich, und ebenso intellektuell. Aber eben der Traum aller geschwätzigen Versöhner: Veganismus bei vollem Fleischkonsum.

Gegensätze versöhnen will auch Volker Kauder. „Wir sind heimatverbunden und weltoffen“, meint er im FOCUS. Gewiss, und auch religiös-säkular und, wie manche in seiner Partei, monogam-beziehungsoffen. Auch die von Kauder wieder zitierte „christlich-jüdische Tradition“ ist so ein Unfug, zudem eine grobe Geschichtsfälschung. Dass diese erfundene Tradition, wie hier schon geschrieben, nichts mit den Grundlagen dieses Staates zu tun hat, weiß er offensichtlich auch nicht. Dafür aber: „Von Islamisierung kann keine Rede sein“. Ungebildet, dazu kein Blick für die Entwicklungen in diesem Land. Trostlos.

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Die muslimischen Verbände rufen nun zur großen Demonstration auf. Aber wofür demonstrieren sie eigentlich? Charlie Hebdo gehörte sicherlich nicht zu ihrer favorisierten Lektüre, und die Pressefreiheit können sie kaum meinen. Sonst hätten sie einst gegen die Attacken auf Jyllands-Posten ebenso ihre Stimme erhoben wie gegen die Anschläge auf Theo van Gogh und Kurt Westergaard. Tatsächlich kam nichts. Auch jetzt wirkt die Aktion schal. Ohne Pegida und die dadurch bedingte Debatte hätte es vermutlich allenfalls eine distanzierende Pressemitteilung zum Anschlag auf Charlie Hebdo gegeben. Dass der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) zwar für jede Stellungnahme gegen Pegida zu haben ist, bisher aber kein einziges Wort zu den jüngsten, dramatischen Schlächtereien von Boko Haram in Westafrika fand, ist bezeichnend. Sicherlich ist Westafrika weit weg; aber das ist Paris in diesem Sinne auch. In Paris kamen 17 Menschen ums Leben, in Afrika mehrere Tausend.

Wer sich über die Gleichgültigkeit wundert, mit der muslimische Verbände auf die ausdrücklich im Namen ihrer Religion begangenen Greueltaten reagieren, wird oft darauf verwiesen, dass sie sich nicht für jedes Verbrechen entschuldigen könnten, das von Glaubensgenossen irgendwo auf der Welt begangen würde. Nun verlangt niemand eine Entschuldigung. Aber eine Erklärung, warum eine Religion, die angeblich ‚Frieden’ bedeutet, weltweit für Blutvergießen sorgt, wäre hilfreich. Würden Christen in ähnlicher Weise wie Boko Haram, Al Qaida oder ISIS wüten, würden sie Redakteure, Regisseure und Schriftsteller ermorden, Kulturdenkmäler sprengen und Kinder entführen, und zwar alles ausdrücklich im Namen Jesu, gäbe es längst eine große Debatte innerhalb der christlichen Welt, und besonders in Deutschland. Nichts davon bei Muslimen. Auch moralisch eine schwer defizitäre Kultur.

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Die ARD-Interviews mit Pegida-Demonstranten. Bei vielen Hass, Verachtung, Fremdenfeindlichkeit, dazu intellektuelle wie sprachliche Mängel. Im Grunde wie in Neukölln und anderen muslimisch geprägten Stadtteilen.

Humanität als Verantwortungslosigkeit

Im Radio ein Gespräch mit einem Deutschen, der im EU-Auftrag Wahlen in Afrika beobachtet. Die naheliegende Frage, wie es eigentlich um die Wahlgerechtigkeit in der EU selbst bestellt sei, wird leider nicht gestellt. Dabei ist die Antwort ziemlich einfach: Deutschland schickt 96 Vertreter ins EU-Parlament, Litauen, mit nicht einmal 3 Millionen Einwohnern, entsendet 11. Rechnerisch wiegt eine Stimme in Litauen dreimal mehr als in Deutschland – ein klarer Verstoß gegen den Grundsatz „one man, one vote“. Was in Afrika zur Ungültigkeit der Wahl führt, wird dem europäischen Wähler als selbstverständlich zugemutet.

Die ungleiche Stimmengewichtung mag dabei in Zeiten, als jedes Land weitgehend unabhängig voneinander seine Arbeits- und Wirtschaftspolitik betrieb, akzeptabel gewesen sein. Mit der Errichtung der europäischen Transfer- und Schulden-Union ist es das nicht mehr. Aber nicht einmal jetzt kommt von irgendeiner Partei die Forderung, das Wahlrecht den neuen politischen Gegebenheiten und Rettungsschirmen anzupassen.

Tatsächlich liegt hier das demokratische Fundamentaldefizit der EU. Würde jede Stimme gleiches Gewicht haben, wären Länder wie Luxemburg, Tschechien oder Litauen faktisch entmachtet; behält man den gegenwärtigen Schlüssel bei, werden die Stimmen der bevölkerungsreichen Länder marginalisiert – und damit der Einfluss der Hauptzahler. Ein unlösbarer Konflikt. Und jede Behauptung, die EU sei demokratisch legitimiert, entlarvt sich als Lüge.

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„I was fucking busy – or vice versa!“ Die amerikanische Schriftstellerin Dorothee Parker über ihre Hochzeitsreise.

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In der Süddeutschen entwirft Heribert Prantl ein Konzept zur Flüchtlingspolitik: Unbegrenzte Aufnahme, Sicherung der Fluchtrouten, freie Wahl des Aufnahmelandes, Bleiberecht, großzügige Gewährung von Wohnungen, Kita- & Schulplätzen. Das alles unter dem Rubrum der Humanität. Es ist die Humanität der Verantwortungslosigkeit: Soll doch der Staat darüber kaputtgehen, so lange ich ein guter Mensch bin. Das Prinzip Käßmann, Grass, Grönemeyer, Emcke, Augstein junior. Letztlich äußert sich hier das alte linke Unbehagen gegenüber der Bundesrepublik, das auch zu all den üblen Ranschmeißereien an die DDR führte. Schon vor über 20 Jahren meinte Botho Strauß, in der linken Xenophilie äußere sich weniger Toleranz als „der verklemmte deutsche Selbsthaß, der die Fremden nur deshalb willkommen heiße, damit sich die Verhältnisse endlich in der berühmten ‚faschistoiden’ Kenntlichkeit zeigten“, die die Linke den Deutschen schon immer unterstellte. Das gilt weiterhin.

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Wieder einmal rühmt sich die LINKE ihrer angeblich pazifistischen Tradition. Lachhaft. Ganz im Gegenteil ist sie als Nachfolgerin der SED diejenige Partei im Deutschen Bundestag, die als erste nach 1945 einen Krieg von deutschem Boden aus führte. 1968 standen Truppen der DDR an der Grenze bereit, um in die Tschechoslowakei einzumarschieren – völkerrechtlich eindeutig eine Kriegshandlung. Nur die Bedenken Moskaus, 23 Jahre nach Kriegsende wieder deutsche Soldaten durch Prag marschieren zu lassen, verhinderten den Grenzübertritt.

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„Die beste Regierungsform ist eine freundliche Tyrannei, gezähmt durch gelegentliche Mordanschläge.“ Ein berühmtes Zitat, nur weiß keiner, von wem. Voltaire wird es zugeschrieben, aber auch Edmund Burke und einigen deutschen Diplomaten. Erstaunlicherweise erfunden vor dem Aufkommen des Sozialstaats.

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Ende Juli hatte ich in einem Kommentar in der BILD am SONNTAG die Frage aufgeworfen, ob dieses Land nicht besser verfolgte Christen, Juden oder Atheisten aufnehmen solle als weitere Muslime, von denen sich ohnehin viele der Integration verweigerten. Das ist nun einige Zeit her, doch noch immer bekomme ich gelegentlich wüste Zuschriften. Ganz abgesehen von der Frage, ob solche Anwürfe nicht der Behauptung eines toleranten Islam widersprechen, erzeugen diese Tiraden vor allem einen Eindruck: Den der Infantilität. Fäkalsprache, Dicketuerei, dazu Orthografie und Syntax bestenfalls auf Vorschul-Niveau. Eben „Hurensonne“ statt „Hurensohn“, wie schon Anfang Oktober zitiert. Das passt zu sonstigen Beobachtungen: Ehrpusseligkeit, mangelnde Selbstreflexion, dazu pubertär aufgemotzte Autos, puerile Outfits, auch die Läden immer wie von Kindern betrieben: Übervolle Regale, zugeballerte Auslagen, basarig. Nirgends die Kennzeichen des Erwachsenseins: Reduktion, Strenge, Disziplin, Zurücknahme. Statt dessen: Bling-bling-culture, aber ohne die herbe Kreativität des amerikanischen Gangsta-Rap, sondern nur als leistungsfreie Imitation von Männlichkeit. Nicht wirklich ein Gewinn.

Die Appellation „Alter“, in soziokulturell rückständigen Gruppierungen nicht selten zu hören, fügt sich hier ein: Alle anderen sind erwachsen, man selbst bleibt Kind.

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Auch wegen ihrer demokratischen Defizite hier eine Erinnerung zur EU: Bekämpfen, zerschlagen!