It’s the culture, stupid: Trumps Triumph

„Die mit Vorfahrtsberechtigung erfolgende, forcierte Einschleusung von Frauen in die wirtschaftlichen, halbstaatlichen und staatlichen Institutionen verändert deren Charakter grundsätzlich. Jede leistende Institution braucht, wenn sie funktionieren soll, einen ‚Geist’ und ein Anspruchsethos und muß selbstverständlich an und von ihren Mitgliedern zehren. Der sichtlich nicht umkehrbare Anspruch der Frauen aufs ‚Versorgtwerden’ (und ihre darauf basierende ‚Ethik der Fürsorge’) macht aus Leistungsinstitutionen Sozialwerke, wie man nicht nur an der Aufrüstung der Bundeswehr mit Kindertagesstätten sieht. Die Dysfunktionalität einer Institution (Schule, Universität, Justiz, Medizin, Presse) ist zum Grad ihrer personalen und mentalen Feminisierung proportional.“

„Beim Ausfall des generösen staatlichen Großversorgers wird sich sofort zeigen: Eine Frau ohne Mann ist kein Fisch ohne Fahrrad, sondern ein Parasit ohne Wirt. Um die scheinbare Misogynie zu mildern, sei hinzugefügt: Ein Mann ohne Frau ist in generativer Hinsicht ebenso ein Parasit ohne Wirt.“

Beide Zitate aus einem Essay von Thomas Hoof in der Zeitschrift ‚Sezession’

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Wirklich. Wirklich, wirklich hinsehen müsse man, die Wirklichkeit erkennen, die Sorgen der Wähler wirklich ernst nehmen. So, cum grano salis, SPIEGEL-Chef Klaus Brinkbäumer am Sonntag im ARD-Presseclub. Denn klar sei: Es fehle an wirklichen Bildungsmöglichkeiten, an wirklicher Chancengleichheit. Die Wahl Trumps habe hier ihre Ursache.

Das hatte er zuvor schon im aktuellen SPIEGEL geschrieben. Und viele seiner Kollegen, in den Wochen zuvor mit allen Prognosen am Ziel vorbei, beeilen sich, es ebenso zu sehen. Die Wahl Trumps sei der Aufstand der Abgehängten gegen den sozialen und ökonomischen Abstieg. Der ‘white trash’, so eine unwidersprochene Denunziation am Wahlabend in der ARD, habe Trump ins Weiße Haus befördert.

Aber ist das der scharfe Blick auf die Wirklichkeit, den Brinkbäumer fordert? Wer auf die Kampagne des designierten Präsidenten schaut, kann über diese Interpretation nur staunen. War Trumps Slogan „Arbeiter zuerst“? Forderte er „Mehr Ausbildung, mehr Chancen, mehr Lohn“? Eben nicht. Zwar sprach Trump auch davon, Arbeitsplätze zurückzuholen, aber seine wichtigsten Botschaften waren: „America first!“, “We make America great again!“ und „We want our country back!“ Das sind klar national konnotierte Ansagen. Und auch seine Ausfälle gegen Latinos und Muslime machen deutlich: Es ging um Selbstverständnis, nicht um ökonomische Fragen. Wenn Bill Clinton „It’s the economy, stupid!“ dekretierte, ist Trumps Claim das genaue Gegenteil: „It’s not the economy, stupid. It’s culture and identity!“ Kultur und Identität. Darum geht es im Kern. Und nicht nur dort.

Ein großer rosa Elefant steht im Zimmer, aber kaum einer wagt, ihn zu benennen. Anders als Kommentatoren und Politiker meinen, geht es nicht vorrangig um soziale Fragen. Wäre es so, würden die neuen europäischen Rechtsparteien kaum von Sozialisten und anderen linken Parteien Wähler abziehen; tatsächlich gewinnen sie dort am meisten. Bei den letzten Wahlen wechselten in Baden-Württemberg 90.000 Wähler von den Sozialdemokraten zur AfD, in Sachsen-Anhalt 37.000, in Berlin 24.000 – und 22.000 von der LINKEN. Auch in den USA haben bekanntlich nicht die Demokraten gewonnen, sondern die Republikaner – obwohl dort, anders als in Europa, der Verlust des Arbeitsplatzes den sozialen Absturz bedeutet. Und dennoch siegte Trump!

Worum also geht es? Es geht um die Frage, wer wir sind. Es geht um Leitkultur und Diskurs-Herrschaft. Und es geht um alles, was das linke Projekt ausmacht. Genau deshalb ducken sich die Medien weg.

Denn die Antwort umfasst weit mehr als Multikulti, also die Frage, ob man, beispielsweise in Europa, Angehörige einer rückständigen, oft feindlichen, zumeist parasitären Unkultur ins Land holen und dauerhaft versorgen will. Es geht um die Herrschaft einer Ideologie, die den Menschen als erziehungsbedürftig betrachtet, als Objekt staatlichen Nannytums: Um das linke Projekt der Re-Education zum besseren Menschen, zum immer toleranten, bunten, umweltbesorgten Veganer, der jede Ideologie des Augenblicks umarmt: Neben Multikulti auch Frühsexualisierung, GenderMainstreaming, Inklusion, Feinstaub, Windenergie, VeggieDay, autofreie Zonen. Es geht um die Politik der täglichen Gängelung, um die endgültige Umwandlung des Landes in ein permanentes Erziehungslager.

Diese Erziehungsdiktatur fördert Entwicklungen, die nicht nur Wähler in Amerika nerven. Viele haben es satt, dass angeblich diskriminierte Gruppen ständig bevorzugt werden, bei Jobsuche, Wohnung, Beförderung; satt haben sie auch den absurden und jeder freien Gesellschaft feindlichen Kult um Rücksichtnahme auf irgendwelche Gefühle und Frustrationen, auf Gebetszeiten, Bilder- oder Speiseverbote. Und satt haben sie vor allem, nur deshalb als Faschist, Rassist, Sexist, als bösartig, religionsfeindlich oder dumm bezeichnet zu werden, weil ihre Meinung nicht dem Mainstream entspricht. So wirkt die Wahl in Amerika auch wie ein Entscheid für die Meinungsfreiheit, gegen die Schweigegebote der politischen Korrektheit.

Und es ging um noch etwas, für das das Projekt der Linken steht: Um die Auflösung aller Bindungen. Wer den Neuen Menschen schaffen will, den unsexistischen, nicht-aggressiven, verständnisvollen, weltoffenen, femininen Typus, muss alte Muster brechen. Der Neuprägung hinderlich sind Familie, Heimat, Nation, Kirche, Kameradschaft, Kultur, Geschlecht. Erst die Bindungslosigkeit kreiert den perfekten und perfekt manipulierbaren Menschen, der zwar nicht tolerant ist, aber allem gegenüber gleichgültig – weil er nichts kennt, wofür es sich einzutreten lohnt.

Auch das wurde in den USA abgewählt – die Auflösung aller Bindungen, die Absage an Ehe, Familie, Christentum, Nation. Und genau hier dürfte auch der Schlüssel für die Globalisierungsverweigerung liegen. Viele Amerikaner leben vom Ex- und Import, und auch unter den frei flottierenden Beratern, Ingenieuren und sonstigen Profiteuren der globalen Wirtschaft fand Trump seine Wähler. Aber sie wollten diese Gewinne nicht um den Preis der Entwurzelung. „We want our country back“ ist der Schlachtruf einer Rückbesinnung, die dem Profit nicht alles opfern will. Nicht die globale Wirtschaft haben die Amerikaner abgewählt, sondern die globale Entwurzelung. Dass sich linke Programmatik und ein Neo-Liberalismus, der den Menschen als Arbeitsameise, Logistikproblem und lebendiges Stückgut betrachtet, in dieser Entwurzelung treffen, mag zur Verwirrung beitragen. Aber die Amerikaner als Freihandelsgegner zu betrachten, geht vermutlich fehl. Ihr Protektionismus dürfte ihren Werten gelten, nicht ihren Märkten.

Doch eine Debatte über solche Fragen scheint in Deutschland ausgeschlossen. Was sich öffentliche Debatte nennt, ist tatsächlich öffentliche Predigt, eine dekretierte Meinung ohne Möglichkeit zum Widerspruch. Ob man die anfangs zitierten Sätze zur Rolle der Frau in Institutionen für richtig oder falsch hält, sei dahingestellt; aber dass sie in einer Zeitschrift mit Kleinstauflage erschienen, ist bezeichnend. Zwar verträgt sich das Neutralitätsgebot von Institutionen kaum mit einer Einstellungspraxis, die dieses Gebot zugunsten geschlechtsspezifischer Kriterien verletzt, und auch den fraglichen Einfluß ‚fürsorge-ethischer Konzepte’ auf staatliche Einrichtungen müsste man diskutieren. Aber glaubt jemand ernsthaft, ein solch anti-feministischer Diskurs wäre in SZ oder ZEIT, im SPIEGEL oder selbst der FAZ möglich? Zu Recht meinte die Basler Zeitung mit Blick auf das Versagen der Medien vor wie nach der Wahl Trumps, „ein Beruf schaffe sich ab“ – durch Besserwisserei, Starrsinn und politische Korrektheit. Tatsächlich ist das längst passiert. Nicht der „Abmarsch in die totale Irrelevanz“ ist zu sehen, sondern Ankunft und Verharren.

Über den Niedergang der etablierten Medien muss daher, abgesehen von den Betroffenen, niemand trauern. Zwar haben Presse und Fernsehen noch einen Wert für die Verbreitung nachrichtlicher Fakten; doch ihre Funktion in der öffentlichen Debatte haben sie längst an apokryphe Zeitschriften und das Netz verloren, und mehr noch: demokratie-theoretisch ist der von ihnen verbreitete Mehltau politischer Korrektheit außerordentlich schädlich. Wer daher nach den Verlusten fragt, den der Untergang beispielsweise von STERN, SPIEGEL oder Süddeutsche für dieses Land hätte, müsste auch nach dem Nutzen fragen. Der wäre vielleicht gar nicht so gering.

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Immer wieder der Vorwurf, Trump habe kein konsistentes Programm, er entscheide heute so und morgen anders. Das nannten viele Medien bei der deutschen Kanzlerin einst zustimmend „Fahren auf Sicht“.

Kölner Kommentardesaster und der Untergang des Urbanen

In der American Academy ein Vortrag des amerikanischen Rechtswissenschaftlers David Abraham über Fragen von Integration und gesellschaftlicher Solidarität. Sein Blick auf die deutsche Politik und die Zukunft dieses Landes ist bestenfalls skeptisch. Der Flüchtlingsbegriff sei von Merkel und Medien „beyond recognition“ überdehnt worden, der europäische Zusammenhalt durch den deutschen Sonderweg ernsthaft gefährdet. Gutmenschentum sei kein Mittel, die Vergangenheit zu reparieren, die Vermischung von Einwanderung, Asyl und Duldung für Deutschland weder nützlich noch aufrichtig („neither productive nor honest“). Kein Land könne es sich erlauben, auf Auswahl seiner Neubürger zu verzichten. Die Integration der Muslime in den USA funktioniere deshalb, weil sie aus der gebildeten Mittelschicht Südostasiens kämen, nicht aus der Bauernschaft Anatoliens oder Nordafrikas; auch spielten sie prozentual keine Rolle. Das migrantische Prekariat der USA stamme aus Mexiko, doch seien deren Angehörige eben christlich und immun gegen radikalislamische Versuchungen. Die Amerikaner würden pro Jahr etwa 235.000 Leute abschieben, darunter nicht nur Illegale, sondern auch solche, die zwar einen Aufenthaltsstatus, aber keine volle Staatsbürgerschaft hätten. Zwei Drittel der Abgeschobenen seien Kriminelle; bei Sexualstraftaten werde immer abgeschoben. Staaten, die ihre Landsleute nicht zurücknehmen wollten, müsste man mit Druck oder Bestechung gefügig machen. Statt der Türkei jetzt 3 Milliarden Euro zu zahlen, hätte man ihr die Mittel zur Verfügung stellen sollen, um die Migranten von Deutschland fernzuhalten. Ach, dieser nüchterne Pragmatismus! 

Danach ein Gespräch mit einem Rentner, der als einer von 60 Ehrenamtlichen Deutschkurse für die rund 1100 ‚Flüchtlinge’ im alten Rathaus Wilmersdorf gibt. In den Kursen seien meistens nur Frauen und alte Männer, kaum mehr als zwei oder drei Personen; die jüngeren seien alle irgendwo in der Stadt unterwegs. Kaum ein Migrant könne auch nur ein Wort Deutsch oder Englisch, viele weder lesen noch schreiben. Von den jüngeren sehe kaum einer einen Grund, Deutsch zu lernen. Sie wollten einen Job als Handwerker, Mechaniker, was auch immer, und zwar jetzt. Das habe ihnen Merkel versprochen. Den Übersetzer müssten eben die Deutschen stellen. Wenn das die Leute sind, von denen es hieß, sie wären eine Bereicherung für Deutschland und wollten hier ein Leben aufbauen, ist noch viel zu erwarten – jedoch nur weniges, was Hoffnung macht. 

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Sieben Identitäten (und vermutlich auch sieben Ansprüche auf Geld und Sachleistungen) hatte der in Recklinghausen lebende Terrorist, der in Paris zwei Polizisten attackierte. Ein Freund lakonisch: Das zeige zwar die Qualitäten des deutschen Meldesystems, gebe aber Anlass zur Hoffnung. Vielleicht seien gar nicht 1,2 – 1,5 Millionen illegal eingewandert, sondern nur ein Siebtel.

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Merkel, Jäger, Gabriel, Maas – alle fordern eine „deutliche Reaktion des Rechtsstaates“, also genau jener Institution, die sie bisher in der ‚Flüchtlingskrise’ unter Verstoß gegen Dublin II und Verfassung suspendiert und mit Füßen getreten hatten.

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‚Köln’ prüft nicht nur den deutschen Rechtsstaat. Die Vorgänge sind auch ein Test für die Qualität oder Abwegigkeit deutscher Kommentatoren. Jacob Augstein (SPIEGEL) sah nur „ein paar grabschende Ausländer“, für Alan Posener (WELT) ist der Tahir-Platz in Kairo, auf dem sich eine Frau ungeschützt nicht bewegen kann, „viel zivilisierter als die Wiesn“. Ähnlich sieht es wohl das ZDF, das die von der taz gestreuten Lügenzahlen über angebliche Vergewaltigungen auf dem Oktoberfest ungeprüft übernahm (dankenswerterweise von der FAZ richtigstellt). Doch das alles toppt die Literaturprofessorin Barbara Vinken aus München, die eine ganz eigene Sicht offenbarte: „Der Diskurs über den Orient und seine so vielversprechende wie bedrohliche Sexualität scheint mir, kurz gesagt, Symptom von Kastrationsangst… Sollten wir nicht hoffen, dass die neuen Männer, seien es Syrer oder Araber, ihren Frauenkult mitbringen und altdeutsche Ängste beschämen?“ Nebenbei: So jemand wird vom deutschen Steuerzahler alimentiert. (Dank an IR für den Hinweis)

Kaum schreibt man dies, scheitert ein weiterer Kommentator. Thomas Fischer, Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe, publiziert auf ZEIT.online ein Stück, das einen ratlos lässt: Sophistisch, selbstverliebt, verquast, herablassend gegenüber Regierung und Polizei, dabei bemüht ironisch und neckisch. ‚Köln’ als große Lachnummer. Ist das wirklich der angemessene Stil und Ausdruck für einen Vorsitzenden Richter des BGH?

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Spaziergang in Berlin-Kreuzberg. Vor einem türkischen Vereinslokal Männer mit Strickkäppis und Gebetsketten, etwas abseits Frauen in schwarzen Kleidern, mit schwarzen Kopftüchern. Solche Szenen kennt man aus jeder deutschen Großstadt, auch aus London, Marseille, Rotterdam, Kopenhagen. Und überall, besonders sogar vor den hochmodernen Glas- und Stahlfassaden der arabischen Metropolen, wirken die Personen deplaziert, die Szenen surreal, so als hätten sich die Leute verirrt, verlaufen bei der Suche nach ihren Ziegen und Eseln. Es ist, als wären Mittelalter und Dorf in die Stadt eingezogen, und mit ihnen eine archaische, anti-moderne Gesellschaft.

Das ist vermutlich auch der eigentliche Konflikt, der hinter ‚Köln’ steht, aber auch hinter den muslimischen Gegengesellschaften in vielen deutschen Städten: Das Aufeinandertreffen von urbanem Individualismus und atavistischen, vormodernen Clanstrukturen; von Stadt und Dorf. Nur, und das zeigt das Scheitern der Integration, scheint die Stadt ihre frühere Urbanisierungskraft verloren zu haben, das städtische Toleranzedikt nicht mehr zu wirken. Stadtluft macht nicht mehr frei. Statt sich auf die Stadt einzulassen, ihre Anonymität und Freiheit von familiärer Kontrolle zu schätzen, gehen viele Migranten den entgegengesetzten Weg: Zurück in die Dorfgemeinschaft mit ihren jahrhundertealten Regeln von Ehre, Zwangsheirat und Friedensrichtern, in die zweifelhafte ‚Wärme’ des Clans – oder, in Ermangelung einer Familie, in die Bruderschaft terroristischer Zellen.

Diese Verdörflichung der Städte ist der eigentliche Angriff auf das westliche Gesellschaftsmodell – mehr als terroristische Attentate. Viele einst hoch-urbane, libertäre Städte wie Beirut, Tanger oder Kairo sind längst wieder zu dem geworden, was arabische Metropolen die längste Zeit waren: Nicht Städte im europäischen Sinn, sondern einfach nur Ansammlungen von Unterkünften – ohne Rathäuser, ohne Gerichtssäle, ohne irgendeine bürgerliche Idee von freiheitlicher Selbstverwaltung. Und vor allem ohne irgendeinen kreativen Impuls. Standen Anfang des Jahrhunderts die genannten Städte für hohe Intellektualität, waren sie Treffpunkte für europäische und amerikanische Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle, haben sie heute jede Anziehungskraft verloren. Mit dem Untergang des Kolonialismus verlor auch die westliche Urbanität ihr Fundament. Nun ist dort alles plattes Land. Und hier droht Ähnliches.

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In welche Zeitung man auch schaut, die Ablehnung des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump ist einhellig. Dafür gibt es teils gute Gründe, nur ist derjenige, der für die größte Erregung sorgt, vielleicht der einzige, der für ihn spricht: Sein Vorschlag, keine Muslime mehr ins Land zu lassen. Tatsächlich muss man fragen, ob die Glaubensfreiheit von Gästen und Einwanderern wichtiger sein soll als die Sicherheit der Einwohner. Wer Verwandte, Kinder oder Freunde bei Anschlägen verloren hat, wird darüber möglicherweise anders denken als, sagen wir, Kolumnisten der ZEIT oder taz, die auf die verfassungsrechtlich garantierte Glaubensfreiheit pochen. Aber auch die Verfassung ist ein Produkt ihrer Zeit, und in diesem Fall Ausdruck eines naiv-optimistischen Weltbildes, entstanden in einer Zeit westlich-kultureller Dominanz und vor Massenvernichtungswaffen, Globalisierung und Migrationsströmen. Ob man an dieser Naivität zugunsten Fremder festhalten will, auch auf Kosten des Lebens der eigenen Landsleute, ist die Frage, die Trump stellt. 

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Ich stelle derzeit in bürgerlichen Kreisen eine andere: Ob man denn auch künftig Frau Merkel wählen würde? Gelächter, Empörung, zuweilen geradezu offene Wut, auch gegenüber der Partei. Der 9-Minuten-Beifall für Merkel auf dem letzten Parteitag ist unvergessen. Er würde, so einer der Befragten unter allgemeiner Zustimmung, nie mehr eine Partei wählen, die applaudiere, während Frau Merkel das Land ruiniere. Das werden interessante Wahlen. Allerdings: Dieselbe Frage in SPD-Kreisen löst annähernd gleiche Reaktionen aus. Und selbst im grünen Milieu wachsen seit ‚Köln’ die Zweifel.

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Aiman Mazyek bei Maischberger. Der Chef des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) sieht selbstverständlich die Kölner Exzesse in keinem Zusammenhang mit dem islamischen Frauenbild. Für ihn ist Islam gelebte Gleichberechtigung. Wie das aussieht, kann man auf der Website des ZMD erfahren. Dort wird weiterhin empfohlen, bei Eheschließungen in Deutschland das islamische Erbrecht in den Ehevertrag aufzunehmen, das Frauen klar benachteiligt. Auch dürfen muslimische Frauen keinen Nicht-Muslim heiraten. Die Verweigerung des ehelichen Beischlafs ist nur bei psychischen oder körperlichen Erkrankungen gestattet. Besonders drollig sind die Ausführungen zur Zeugenschaft: „Es gibt keine Regel im Islam, die besagt, dass die Aussage eines Mannes der Aussage von zwei Frauen entspricht. (…) Bei Zeugenschaft für geschäftliche Verträge o. ä. muss man zwei Männer als Zeugen haben oder einen Mann und zwei Frauen.“ Würde die katholische Kirche solche Dinge auf ihrer Website veröffentlichen, gäbe es einen Sturm der Entrüstung. Dass der ZMD jahrelang den radikalislamischen Muslimbrüdern nahestand (und vielleicht noch steht), ergänzt dieses Bild einer ehrenwerten Gesellschaft. Aber warum wird jemand wie Mazyek immer und immer wieder von öffentlich-rechtlichen Sendern eingeladen?

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Wenn unser Justizminister wirklich ein Zeichen für die Verteidigung des deutschen Rechtsstaates setzen wollte, wäre dies das erste: Der Erlass eines Gesetzes zur drakonischen Bestrafung von ‚Friedensrichtern’, mit hoher Mindeststrafe und ohne die Möglichkeit vorzeitiger Entlassung. Das wäre ein Signal.

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In seinem wunderbar abwegigen Klassiker ‚Per Anhalter durch die Galaxis“ schildert Douglas Adams den Plan einer Lichtjahre fernen Zivilisation, sich von den Dümmsten ihrer Gesellschaft zu trennen. So baute man ein riesiges Raumschiff für den Flug ins Nirgendwo, sabotierte jede Möglichkeit einer etwaigen Rückkehr und redete den Astronauten ein, sie wären die erwählten Kolonisatoren neuer Welten. Und so gingen Tausende voller Stolz über ihre Aufgabe an Bord – und zwar ausschließlich Friseure und Kellner, weil jene Zivilisation Angehörige dieser beiden Berufsgruppen als besonders überflüssig, dumm und verschwatzt empfand.

Warum ich das erzähle? Weil ich nicht annehme, dass Douglas Adams tatsächlich einen exterminatorischen Groll gegen Friseure und Kellner empfand. Vielmehr war gerade die eher abstruse Art der Selektion ein Instrument des Absurden und der Komik, kein Aufruf zur ernsthaften Debatte.

Genau so aber haben nicht wenige Leser meine letzten Einträge zum Existenzrechts der arabischen Welt und zur Übernahme des schwarzen Prekariats der USA verstanden. Ich habe Juwelen des Aberwitzes erhalten, ernsthafte Stellungnahmen zum Fleiß beispielsweise der Afrikaner, die „bei ihrer Mutti lernen, wie man die Küche putzt“. Andere monierten treuherzig, mein ‚arabischer Vorschlag’ sei „ja wohl ein bisschen hart“. Und nicht wenige empörten sich wortreich über den ‚Rassismus’ meines amerikanischen Freundes – einen ‚Rassismus’, den sie vermutlich auch Douglas Adams vorhalten würden.

Deshalb an alle ferngalaktischen Friseure und Kellner: Man kann die Absurditäten der Wirklichkeit, sei es die unkontrollierte Einwanderung oder die Diskussion über das Existenzrechts des Staates Israel, auch dadurch deutlich machen, dass man sie mit noch größeren Absurditäten konterkariert. Und: Das nächste Raumschiff ist im Bau.