Maas-lose Ignoranz und die ‘Friedfertigkeit’ der Muslime

Unterschiede. Jeannette Bougrab, Lebenspartnerin des ermordeten Chefredakteurs von Charlie Hebdo, verwahrt sich in einem Fernsehinterview nachdrücklich gegen Gebete von Muslimen vor der Redaktion. Charlie Hebdo sei ein laizistisches, anti-religiöses Blatt, ein Gebet daher eine unerwünschte Vereinnahmung, die den Idealen der Getöteten direkt widerspreche. Staatsbürgerliche Klarheit, republikanischer Stolz.

Nicht davon in Deutschland. Dort besucht Justizminister Heiko Maas erst einmal eine Moschee, als hätten die Anschläge Muslimen gegolten. Maaslose Ignoranz. Nicht geht es um einen Anschlag auf Konfessionen, sondern im Gegenteil auf die laizistische Konfessionslosigkeit des Staates und Teilen der Presse. Im Grunde spuckt Maas den Getöteten noch einmal aufs Grab. Aber ebenso ahnungslos auch die deutschen Medien, die jetzt zur großen Ökumene von Juden, Muslimen und Christen aufrufen. Als sei der Anschlag auf Charlie Hebdo Ausdruck eines interreligiösen Konfliktes. Man kann sich nur schämen.

* * *

Auf dieser Linie auch ‚Je suis Ahmed’. Der Verweis auf den Tod des Polizisten Ahmed Merabet soll belegen, dass eben auch Muslime den französischen Staat schützen wollten. Grotesk. Die Redakteure von Charlie Hebdo wurden umgebracht, weil sie ein freiheitlich-laizistisches Gemeinwesen repräsentierten. Und genau als Repräsentant und Beschützer dieses Gemeinwesens wurde auch Ahmed Merabet erschossen – als Polizist, nicht als Muslim. Ist das wirklich so schwer zu erkennen?

* * *

Abendessen mit schwulen Freunden. Schon vor Jahren habe eine AIDS-Beratungsstelle in der Nähe der Potsdamer Straße in Berlin schließen müssen, weil Muslime die dort um Rat und Hilfe suchenden Homosexuellen nicht akzeptieren wollten. Mitarbeiter der Beratungsstelle seien immer wieder bedrängt und bepöbelt, die Scheiben eingeworfen worden. Schließlich hätte die AIDS-Hilfe aufgegeben. Wenn Katholiken solch einen grundrechtswidrigen Protest gewagt hätten, wären die Medien voll gewesen; doch in diesem Fall hätten Zeitungen wie Regionalfernsehen nicht mehr als eine Randnotiz über den Wegzug gebracht.

Das wirft die Frage auf, was eigentlich unter der momentan wieder dauerhaft reklamierten ‚Friedfertigkeit der großen Mehrheit der Muslime’ zu verstehen ist. Muss man schon dankbar sein, wenn Moslems keine Redakteure ermorden, keine Soldaten oder Regisseure auf offener Straße abstechen, nicht zum Hass gegen die sie alimentierende Gesellschaft aufrufen? Oder sind nicht schon Friedensrichter, anti-semitische Demonstrationen und die offene Verachtung westlicher Werte, die man überall in Neukölln und anderen muslimisch dominierten Stadtteilen tagtäglich beobachten kann, Angriffe auf die Grundlagen der Bundesrepublik?

* * *

„Die Behauptung, das Massaker von Paris habe nichts mit dem Islam zu tun, hat die Qualität der Feststellung, der Archipel Gulag habe nichts mit dem Stalinismus zu tun, da Stalin die Befreiung, nicht die Einsperrung der Arbeiterklasse propagiert hat“. Michael Martens in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

* * *

Mittwoch Abend, Tagesschau, der Anschlag auf Charlie Hebdo. Ohne den Hintergrund der Attentäter zu kennen, wird bei einem Kameraschwenk über Pariser Trabantenstädte darauf hingewiesen, dass viele Muslime aus sozial schwachen Gegenden kämen. Öffentlich-rechtliche Ideologie: Die Probleme der Integration seien nicht kulturell-religiös, sondern sozio-ökonomisch begründet. Doch schon die Attentäter in London stammten aus voll-integrierten, bürgerlichen Familien, waren im Beruf erfolgreich.

Den Unfug der sozio-ökonomischen Benachteiligung als Ursache aller Integrationsdefizite vertritt einmal mehr Ayman Mazyek, Vorsitzender des ZMD. Doch auch Einwanderer aus Asien, Polen, Rußland oder Spanien sind nicht auf Rosen gebettet, ohne dass sie Intensivtäter, Djihadisten oder Terroristen würden.

Im Grunde hat das Gerede um die sozio-ökonomische Benachteiligung zwei Wurzeln: Bei Mazyek und anderen Islamfunktionären die Schuldumkehr, womit das religionsinduzierte Versagen ihrer Glaubensgenossen den Deutschen zugeschoben wird. Nicht die sozial wie intellektuell defiziente Kultur des Islam sei für das Scheitern so vieler Muslime verantwortlich, sondern fehlende Mittel und Chancengleichheit. Aber wer in dritter Generation und trotz endloser Förderungen immer noch Demenz-Deutsch spricht, muss sich nicht wundern. Daneben vertreten insbesondere GRÜNE und Linke die Diskriminierungs-These. Für sie verbindet sich hier bruchlos Deutschen-Hass, Minderheiten-Fetisch und Kapitalismuskritik. Zudem bedient die Forderung nach immer mehr Mitteln für Integrations-, Deutsch- und Resozialisierungskurse das eigene Wählerklientel sozialtherapeutischer Hilfstruppen. Beide Gruppierungen, Linke wie Funktionäre, sind damit vermutlich die Haupthindernisse für Integration. Denn warum integrieren, wenn einem sowieso alles hinterhergetragen wird und man selbst am eigenen Versagen schuldlos ist?

* * *

In der Samstags-SZ plädiert Heribert Prantl für „eine Gesellschaft, in der Religions- und Meinungs- und Pressefreiheit gleichermaßen ihren Rang haben (…), in der kein Freiheitsrecht dem anderen automatisch vorgeht“. Berufsständisch unsäglich, und ebenso intellektuell. Aber eben der Traum aller geschwätzigen Versöhner: Veganismus bei vollem Fleischkonsum.

Gegensätze versöhnen will auch Volker Kauder. „Wir sind heimatverbunden und weltoffen“, meint er im FOCUS. Gewiss, und auch religiös-säkular und, wie manche in seiner Partei, monogam-beziehungsoffen. Auch die von Kauder wieder zitierte „christlich-jüdische Tradition“ ist so ein Unfug, zudem eine grobe Geschichtsfälschung. Dass diese erfundene Tradition, wie hier schon geschrieben, nichts mit den Grundlagen dieses Staates zu tun hat, weiß er offensichtlich auch nicht. Dafür aber: „Von Islamisierung kann keine Rede sein“. Ungebildet, dazu kein Blick für die Entwicklungen in diesem Land. Trostlos.

* * *

Die muslimischen Verbände rufen nun zur großen Demonstration auf. Aber wofür demonstrieren sie eigentlich? Charlie Hebdo gehörte sicherlich nicht zu ihrer favorisierten Lektüre, und die Pressefreiheit können sie kaum meinen. Sonst hätten sie einst gegen die Attacken auf Jyllands-Posten ebenso ihre Stimme erhoben wie gegen die Anschläge auf Theo van Gogh und Kurt Westergaard. Tatsächlich kam nichts. Auch jetzt wirkt die Aktion schal. Ohne Pegida und die dadurch bedingte Debatte hätte es vermutlich allenfalls eine distanzierende Pressemitteilung zum Anschlag auf Charlie Hebdo gegeben. Dass der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) zwar für jede Stellungnahme gegen Pegida zu haben ist, bisher aber kein einziges Wort zu den jüngsten, dramatischen Schlächtereien von Boko Haram in Westafrika fand, ist bezeichnend. Sicherlich ist Westafrika weit weg; aber das ist Paris in diesem Sinne auch. In Paris kamen 17 Menschen ums Leben, in Afrika mehrere Tausend.

Wer sich über die Gleichgültigkeit wundert, mit der muslimische Verbände auf die ausdrücklich im Namen ihrer Religion begangenen Greueltaten reagieren, wird oft darauf verwiesen, dass sie sich nicht für jedes Verbrechen entschuldigen könnten, das von Glaubensgenossen irgendwo auf der Welt begangen würde. Nun verlangt niemand eine Entschuldigung. Aber eine Erklärung, warum eine Religion, die angeblich ‚Frieden’ bedeutet, weltweit für Blutvergießen sorgt, wäre hilfreich. Würden Christen in ähnlicher Weise wie Boko Haram, Al Qaida oder ISIS wüten, würden sie Redakteure, Regisseure und Schriftsteller ermorden, Kulturdenkmäler sprengen und Kinder entführen, und zwar alles ausdrücklich im Namen Jesu, gäbe es längst eine große Debatte innerhalb der christlichen Welt, und besonders in Deutschland. Nichts davon bei Muslimen. Auch moralisch eine schwer defizitäre Kultur.

* * *

Die ARD-Interviews mit Pegida-Demonstranten. Bei vielen Hass, Verachtung, Fremdenfeindlichkeit, dazu intellektuelle wie sprachliche Mängel. Im Grunde wie in Neukölln und anderen muslimisch geprägten Stadtteilen.

Charlie Hebdo – und zur Abgrenzung Islam / Islamismus

Der Anschlag auf Charlie Hebdo. Alle deutschen Meiden bemühen sich einmal mehr um klare sprachliche Trennung. Verantwortlich für den Anschlag sind Islamisten; und die haben mit dem Islam nichts zu tun.

Wer nach Belegen für diese Behauptung fragt, stößt bestenfalls auf Erstaunen; meist wird, wie häufig gegenüber Glaubenssätzen, schon die Frage als Zumutung empfunden. Aber wo liegt die Grenze? Gehört die Scharia, gehören Steinigungen und die Tötung von Apostaten zum Islam, oder sind sie islamistisch? Welcher Form des Islam ist die soziale Diskriminierung der Frauen zuzuschlagen, welcher der Djihad?

Zumindest in der Fachliteratur gibt es eine klare Antwort. Der Islamwissenschaftler und Orientalist Prof. Tilman Nagel, Verfasser mehrerer Standard­werke zum Islam wie auch der wichtigsten Mohammed-Biographie, verneinte in seinem Essay Islam oder Islamismus? Probleme einer Grenzziehung schon 2005 klar die Möglichkeit einer Abgrenzung.

Aber auch empirisch müsste jedem auffallen, dass die angebliche Trennung nicht mehr ist als Agitprop der Muslimverbände. Keine Koranschule welt­weit, kein einziger der großen historischen Geistlichen vertritt diese Differenzierung. Abgelehnt wird die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus selbstverständlich auch von allen fundamentalistischen Be­wegungen und allen Staaten, in denen der Islam Staatsreligion ist. Zumindest von offizieller Seite dürften somit weit über 90 Prozent der Muslime eine Differen­zierung zwischen Islam und Islamismus ablehnen. Selbst ein vergleichsweise ge­mäßigter Muslim wie der türkische Premier Erdogan stellte 2013 in einer TV-Sendung fest: „Es gibt keinen moderaten oder nicht-moderaten Islam. Islam ist Islam, und damit hat es sich.“

Was die Medien hartnäckig verbreiten, widerspricht mithin offen den Erkenntnissen renommierter Wissenschaftler wie der Selbsteinschätzung führender Koranschulen und Muslime. Ideologie statt Analyse. Wenn der Begriff nicht so belastet wäre, könnte man schon von ‚Lügenpresse’ sprechen.

* * *

“Islam is a religion of peace. A piece of you here and a piece of you there”. Der amerikanische Comedian Bill Maher

* * *

Die größte Lüge: „Je suis Charlie“. Als Jyllands-Posten und Kurt Westergaard 2006 bedroht wurden, hat keine wichtige westliche Zeitung die inkriminierte Karikatur nachgedruckt: Nicht Le Monde, nicht New York Times, nicht London Times, nicht BILD, Süddeutsche, FAZ. Die Männer von Charlie Hebdo haben den Preis der Freiheit bezahlt; aber mehr den der Feigheit. Von anderen.

Die größte Furcht: Dass der Anschlag nun politisch ‚mißbraucht’ werde. So die SPD, so andere Parteien, so selbst die FAZ. Gewiß: Augen zu und weiter so! Zwölf Menschen, darunter acht mutige Repräsentanten der Meinungsfreiheit, werden umgebracht, alle Medien sehen dies als Angriff auf die Grundfesten der westlichen Welt – aber eine politische Debatte, nämlich über Totalitarismus und Integrationsfähigkeit des Islam, ist in Deutschland unerwünscht. Man kann schon zweifeln an diesem Land.

* * *

Nun wieder die ewige Leier von der “friedfertigen Mehrheit der Muslime”. Sicherlich, niemand würde das Gegenteil behaupten. Aber auch viele Nazis waren friedliebend, waren keine Terroristen – doch eben Anhänger einer totalitären Gesinnung. Und aus dem Totalitären folgt, das zeigen Faschismus, Stalinismus, Nationalsozialismus, immer terroristisches Denken, wenn auch nicht jeder höchstpersönlich Bomben wirft. Die Grenze ist immer das Totalitäre, nicht erst das Terroristische.

* * *

Ein großer Stilist war Michel Houellebecq noch nie; aber immer hatte er ein untrügliches Gespür für die bösen, tabuisierten Wahrheiten. Auch sein neues Buch „Unterwerfung“ zeigt diesen Sinn für die Verlogenheiten des Mainstream. Vordergründig geht es um die Errichtung einer islamischen Republik in Frankreich, tatsächlich aber um den Verrat der säkularen republikanischen Verfassungsgrundlagen durch Medien und etablierte Parteien: Lieber machen sie einen Feind der Republik zum Präsidenten als mit den Konservativen zusammenzugehen. Nicht nur in Frankreich ein Thema.

* * *

Kaum weckt der Anschlag auf Charlie Hebdo neue Befürchtungen, wiegelt SPIEGEL ONLINE schon wieder ab, natürlich mit Hilfe einer der berüchtigten Bertelsmann-Studien. 90 Prozent der sunnitischen Muslime in Deutschland, heißt es dort, sind der Ansicht, dass Demokratie eine gute Regierungsform sei. Unklar bleibt, ob die Befragten sie auch für die beste halten. Außerdem wurden, das wird etwas verschämt eingeräumt, nur 85 Gläubige befragt. Valide Forschung sieht anders aus, aber veröffentlichen tut man dies trotzdem. Außerdem: Wer würde ernsthaft auf eine entsprechende Frage einräumen, dass er totalitäre Gesinnungsdiktaturen bevorzugt, zudem die Steinigung von Ehebrecherinnen und Enthauptung von Apostaten? Selbst bei den Schwachköpfen der NPD käme man vermutlich auf ähnliche Zustimmungsraten. Aber würde man solche Ergebnisse, also „90 Prozent der Neonazis für Demokratie“, ernstnehmen? Die Überschrift des Artikels auf SPIEGEL ONLINE lautet im übrigen: „Muslime integrieren sich, Deutsche schotten sich ab“. Die Parallelgesellschaft, die die Deutschen seit Jahren gegen die Muslime errichten, wird wirklich zum Problem.

* * *

Man stelle sich vor, ein paar radikalisierte Deutsche, gerade er AfD beigetreten, stürmen eine Redaktion und erschießen mehrere der dortigen Mitarbeiter. Sofort distanziert sich die AfD, und zwar, da sie uneingeschränkt für Parlamentarismus, Demokratie und damit auch Meinungsfreiheit eintritt, völlig zu Recht. Würde ihr das irgendetwas nützen, würden STERN, SPIEGEL, ZEIT, BILD, FR, TAGESSPIEGEL oder SZ geneigt sein, eine Grenze zu ziehen zwischen ‚der großen Menge friedfertiger AfDler’ und zwei oder drei radikalen Mördern? Kaum.

Zum Beleg Hans-Ulrich Jörges, stellvertretender Chefredakteur des STERN. Er nennt Pegida „Fleisch vom Fleische der AfD“. Solche biologistischen Formulierungen hat man lange nicht mehr zur Politik gehört. Früher hieß das „vom Stamme Juda“. Blockwart-Rhetorik.