Selbsttötung als nationales Problem

Zurück von einer Reise, nun wieder am Schreibtisch mit deutschen Zeitungen. Immer mehr das Gefühl der repetitiven Berichterstattung: Noch eine Reportage aus einem Flüchtlingsheim, von irgendeinem Grenzübergang, über die ersten Schritten von Syrern oder Somalis in der neuen Heimat. Die Kommentare werden allerdings kritischer, selbst die SZ hat die Ratlosigkeit Gabriels, die Regierungsunfähigkeit der SPD und die großkoalitionäre Verweigerung dessen erkannt, was man einst Regieren nannte. Weiterhin traut sich niemand an die entscheidenden Fragen: Schießbefehl an den Grenzen, ja oder nein? Letztlich läuft es darauf hinaus. Denn was will man tun, wenn der IS auch die nördlichen Staaten Afrikas erobert? Will man dann eine weitere Invasion von Millionen hinnehmen?

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Hübsche Koinzidenz: Während ein Land, gezwungen von seiner Regierung, mit der Aufgabe aller Grenzen staatspolitischen Selbstmord begeht, diskutiert der Bundestag über das Recht zur Selbsttötung.

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Gehört: Deutsche Unternehmen bräuchten keine Frauen-, sondern eine Männerquote. Denn 99% aller Angestellten in diesem Land hätten, unabhängig vom Geschlecht, ohnehin keine Eier.

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Ein Bekannter, der in Kreuzberg und im Wedding zahlreiche Wohnungen besitzt, trennt sich von seinen Immobilien. Mit der gegenwärtigen Zuwanderung würde die Verlotterung vieler Areale wie der Wegzug solventer Mieter verstärkt, der Preis der Häuser mittelfristig sinken. Wenn nicht das Amt zahle, habe man jetzt schon Schwierigkeiten, Mieten einzuziehen; und in Gegenden, die selbst die Polizei nur unwillig betritt, würden auch Rechtstitel nichts nützen. Nun verkaufe er an arabische Investoren. Die wüssten, wie man diese Fragen regelt.

Ganz anders sieht es ein Arzt einer eleganten Praxis am Kurfürstendamm. Er hält die gegenwärtige „Zuwanderung“ für großartig. Endlich würden die Chancen steigen, wieder gute Mitarbeiter zu bekommen; derzeit sei es kaum möglich, die offenen Stellen zu besetzen. Die Integration sei ein „Kinderspiel“, das würde man schaffen. Im übrigen würde die „genetische Auffrischung den Deutschen guttun“. Wieder mal diese rätselhafte Verstiegenheit, über die hier schon einmal berichtet wurde. Man stelle sich vor, jemand würde den Polen oder Tschechen eine Invasion der Deutschen mit diesem Gedanken nahebringen. Da würde selbst der längst verstummte Martin Schulz aufschreien.

Womit wir beim nächsten Thema wären: Erinnert sich noch irgendwer an diesen völlig überschätzten Menschen, der Kommissionspräsident der EU werden wollte? Tatsächlich ist er Parlamentspräsident geworden, nur merkt man es nicht. Seit die so genannte Flüchtlingskrise das Mittelmeer verlassen hat, ist von MS nichts mehr zu hören. Einer der höchstbezahlten Top-Funktionäre der EU ist abgetaucht. So also agiert das überalimentierte Spitzenpersonal, das die meta-nationalen Probleme lösen soll. Dabei bedroht der deutsche Alleingang schon längst das innere Gefüge der EU, müsste also auch Schulz alarmieren. Doch auch von ihm: Nichts. Ein Abbild der EU.

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Fast jedes deutsche Unternehmen hat Führungsgrundsätze, Corporate Identity-Regeln, ethische Leitlinien; seit Jahren propagiert die ‚Wertekommission’ wertorientiertes Management. Zu nützen scheint das wenig. Immer wieder kommen neue Skandale ans Tageslicht: Siemens, Deutsche Bank, Ergo Versicherung, Karstadt, nun VW. Tatsächlich kann das niemanden überraschen. Wer mit früheren Vorstandsassistenten spricht oder sonstigen Leuten, die Top-Vorstände aus der Nähe kennenlernten, hört die immer gleichen Geschichten von Selbstbedienung, Veruntreuung und charakterlichen Defiziten. Der Chef einer großen Kölner Versicherung ließ seinen an Flugangst leidenden Hund auf Unternehmenskosten durch den Fahrer zum Comer See bringen und wieder abholen; andere rechneten private Feste über die Firma ab oder ließen Wein und Champagner, gedacht und bestellt für die Bewirtung von Firmengästen, kistenweise in den eigenen Weinkeller verfrachten. Ebenso würden Golfschläger und Jagdausrüstungen wie selbstverständlich der eigenen Firma in Rechnung gestellt, berufliche Fernreisen häufig mit dem Urlaub verbunden. Und so weiter, und so weiter. Die exzessive Nutzung des Sekretariats für Privatangelegenheiten, ob für Familienreisen, Steuerfragen oder Kinderversorgung, sei ohnehin fast selbstverständlich geworden. Middelhoff ist kein Einzelfall, sondern prototypisch. Selbst Nespresso-Kapseln würden für den Privatgebrauch mitgenommen. Man stiehlt nicht nur goldene Löffel, sondern selbst solche aus Blech respektive Aluminium. Irgendwas muss auf dem Weg zur Spitze auf der Strecke geblieben sein.

Was das sein könnte, habe ich im Newsletter des Deutschen Arbeitgeberverbandes skizziert. Verantwortlich für den ethischen Niedergang sind Kollektivismus, Anpassung, mangelnde Streitkultur. Und vor allem der Konsenszwang der Peergroup. Vermutlich lässt sich sagen: Ethik gedeiht nur im Individuellen; dagegen untergräbt die Einbindung in Gruppen oftmals moralische Werte. Die Kirchen, auch die Parteien zeigen das gerade.

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Im Deutschlandfunk kritisiert ein Kommentator die Rede Netanjahus, in der dieser an die ideologische Nähe zwischen Hitler und dem einstigen Mufti von Jerusalem erinnerte. Kernvorwurf: Der israelische Präsident politisiere den Holocaust. Erstaunlich. Wenn je eine Politisierung gerechtfertigt war, um Ähnliches künftig zu verhindern, dann wohl hier. Aber ‚politisiert’ werden darf nur noch, was bequem, links oder barmherzig ist.

Gerade gelesen: Die Leipziger GRÜNEN wollen die Richard-Wagner-Platz in Refugees-Welcome-Platz umbenennen. Vermutlich wünschen sie endlich mal einen Namen, den sie kennen.