Presseschau und Wertungswidersprüche

Immer wieder zu hören: Die meisten Opfer der muslimischen Terroristen seien Muslime. Das ist genauso richtig und dennoch falsch wie der Hinweis, die meisten Opfer der SS-Einsatzgruppen seien keine Juden gewesen, sondern Sowjet-Bürger.

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Zu den rätselhaften Entwicklungen dieser rätselhaften Zeit gehört die Blindheit gegenüber offenen Wertungswidersprüchen. Was an einem Tag noch Anlass zur Empörung gibt, wird am nächsten schon gelobt. Beispiele findet man derzeit in allen Zeitungen, besonders amüsant war eines auf BILD-online. Dort wurde am 22. März die Schriftstellerin Vera Lengsfeld für einen Post auf Facebook gerüffelt. Lengsfeld hatte nach den Anschlägen in Brüssel der Kanzlerin ironisch gedankt, „alles dafür getan (zu haben), damit der Terror in Europa Fuß fassen kann“. Für BILD.online ein „zynischer“ Eintrag, eine „absurde“ Aussage. Am Tag darauf kam Julian Reichelt, Chef von BILD.online, allerdings zu einem sehr ähnlichen Ergebnis: „Junge Männer, von ISIS trainiert und radikalisiert, können fast ungehindert nach Europa einreisen. Das ist nicht weniger als ein Skandal von tödlichen Proportionen (…). Politiker, die weiterhin nichts dagegen tun, unterstützen in der Sache den Vormarsch von ISIS.“ Das ist inhaltlich kaum entfernt von dem, was Vera Lengsfelds schrieb.  

Doch scheint BILD ohnehin beizudrehen, zumindest online. So wurde nach den Anschlägen von Brüssel und Lahore die bisherige BILD-Sicht, dass der Islam Frieden bedeute und der allgegenwärtige Terror allein dem dunklen Bruder Islamismus zuzuordnen sei, fallengelassen. Stattdessen kommentierte der schon erwähnte Julian Reichelt die Anschläge unter Verzicht auf die bisherige Differenzierung zwischen Islam und Islamismus mit den Worten: „Ja, der Islam hat ein Terrorproblem“. Zu ergänzen ist: Er hat auch ein Problem mit Frauen, mit Meinungs- und Religionsfreiheit, mit Antisemitismus, Homosexualität, sexueller Selbstbestimmung – und mit vielen anderen Obsessionen einer rückständigen, spirituell primitiven, faulen und gänzlich unproduktiven Kultur. Denn der Terror ist nur die radikale Konsequenz dieser Prägungen.

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Hamburg, Anfang der 70er Jahre: Der Vater eines Schülers antwortet auf die Frage der Deutschlehrerin, ob der Sohn denn gar keine Bücher lese: „Bei uns zu Hause lesen wir Bilanzen. Damit verdienen wir unser Geld.“

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Kaum hat der Westen die Sanktionen gegen den Iran gelockert, danken radikale iranische Organisationen mit einer Erhöhung des Kopfgeldes auf den Schriftsteller Salman Rushdie um 600.000 auf rund 4 Millionen Dollar. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf die iranische Nachrichtenagentur Fars. Reaktionen der deutschen Politik, der Schriftstellerverbände, Verlage und all jener, die selbst rechtskonforme Abschiebungen als menschenverachtend perhorreszieren: Keine. (Dank für den Hinweis an IR)

Doch nicht nur die Politik versagt. Auch der Fußball, dessen Repräsentanten bei jeder Gelegenheit die angeblich enorme gesellschaftspolitische Bedeutung der Balltreterei betonen, wirkt seltsam sprachlos. Weder Fifa, Uefa noch der deutsche Fußballbund stellte nach Brüssel die Frage, die man schon nach den Anschlägen von Paris hätte stellen müssen: Ob eine Fußball-WM in Katar, ganz unabhängig von all den Skandalen um Korruption und Arbeitsbedingungen, mit jener katarischen Finanzierung radikalislamischer Organisationen zusammenpasst, über die man immer wieder lesen kann. Sollte das tatsächlich zutreffen, ist Katar als Austragungsort inakzeptabel. Will man einem Terrorregime, das den Westen offensiv bekämpft, tatsächlich eine weltweite Bühne zur Selbstdarstellung von Toleranz, Zukunftsfähigkeit und Frieden liefern? Schon aufgrund der Arbeitsbedingungen auf den Baustellen sind die Sitzplätze der Stadien mit Blut besudelt; vermutlich aber auch mit dem der Terroropfer.

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Lob des Facebooks: Es informiert zuverlässig über die Eitelkeit seiner Nutzer und damit, nach einem Wort Bismarcks, über deren Wert. Nach dem Tod Genschers posten nicht wenige Fotos, die sie in Gesellschaft des Verstorbenen zeigen. Tod als Selbsterhöhung.

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In der FAZ die Meldung, irgendein NPD-Politiker lobe die AfD. Daraus ließe sich eine dauerhafte Denunziations-Serie machen: Die Stasi-Kader der Amadeu-Antonio-Stiftung loben Merkel für ihre Flüchtlingspolitik, der iranische Diktator Rohani den deutschen Wirtschaftsminister Gabriel, Donald Trump vielleicht irgendwann mal die FDP. Damit könnte man jede Zeitung tagtäglich füllen!

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Noch zu Wertungswidersprüchen: Nach Margarete Bause, GRÜNEN-Chefin in Bayern, müssen sich Migranten nicht an eine „schwammige, undefinierte (deutsche) Leitkultur“ halten, sondern allein an die Werte des Grundgesetzes. „Welche Werte sind für ein gelingendes Zusammenleben unverzichtbar? Sie stehen in unserer Verfassung: Achtung vor der Würde des Einzelnen, Gleichberechtigung, Respekt vor Andersdenkenden und Anderslebenden, Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Und natürlich die Religionsfreiheit – die Freiheit, seine Religion zu leben genauso wie keine Religion zu leben.“ Wenn Frau Bause sich selbst ernst nehmen würde, müsste sie nunmehr allen die Einwanderung versagen, die dem Islam huldigen. Denn ob beim Blick auf Saudi-Arabien, Katar, Pakistan, Ägypten, Türkei etc oder auf die muslimischen Parallelwelten in Deutschland, überall gilt: Respekt vor der Würde des Einzelnen? Nein. Vor Andersdenkenden und Anderslebenden? Zweimal nein. Achtung von Gleichberechtigung und sexueller Selbstbestimmung, von Religions- und Meinungsfreiheit? Nein, nein, nein, nein. Scharia und Koran bilden in all diesen Fällen den genauen Gegenentwurf. Nicht das individuelle Lebensglück soll gelten, sondern die Vorgaben einer atavistischen Religion. Doch Frau Bause will dies so wenig wahrnehmen wie ihre Parteikollegen auf Bundesebene. Wie lange die Homosexuellen- und Frauenverbände, also die Kernwählerschaft der GRÜNEN, diese Liebe zum Islam mittragen werden, bleibt abzuwarten. Irgendwann werden sich die GRÜNEN entscheiden müssen; oder untergehen.

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„Nazis wurden integriert. Warum nicht auch Flüchtlinge?“ Die Kernfrage des deutschen Selbsthasses, des linken Leidens am Fortbestand der Deutschen nach dem 3. Reich. Wenn Deutschland nicht mal mehr mit der Teilung für die nationalsozialistischen Verbrechen zahlt, soll es wenigstens an Flüchtlingen zugrundegehen, die keinerlei Recht haben, hier zu sein. Gefunden nicht in Jakob Augsteins FREITAG, sondern in der WELT.