Pfingsten, die Aussendung des Geistes – und anderes

„Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen…“ Johann Wolfgang von Goethe, ‚Reineke Fuchs’. Immer wieder eine rätselhafte, fast bösartig agnostische Lektüre, die Geschichte des ersten durchgehend negativen Helden: Ein Vergewaltiger, Mörder, Betrüger, ohne irgendwelche ‚höheren’ Ziele oder sympathische Züge, steigt am Hofe des Löwen-Königs durch Brutalität, List und die Dummheit der anderen zu höchsten Ehren. Am Tag der Aussendung des Geistes beginnt der Triumpf des Bösen und mit ihm die Erkenntnis, dass Christus die Menschheit nur vom Tod erlöst hat, nicht von Ungerechtigkeit und Unrecht. Wenn überhaupt. 

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Die Daily Mail berichtet über den amerikanischen Restaurantbesitzer Edgar Antillon, der einen ‚Tag der Wertschätzung der weißen Rasse“ ausruft und Kaukasiern 10 Prozent Rabatt gewähren will. Wenn es, so der mexikanisch-stämmige Antillon, einen Monat des ‚spanischen Erbes’ und der ‚schwarzen Geschichte’ gebe, könne auch ein Tag den Weißen gewidmet werden. Ursprünglich als Witz gedacht, hat die Aktion so viel Unmut erregt, dass Antillon nun bewusst an ihr festhält. Er nennt die übliche Selbstzelebration der Schwarzen einen ‚reversen Rassismus’ – ein Begriff, der mit Blick auf die Vorbehalte vieler deutscher Linker gegenüber ihrem eigenen Volk auch in diesem Blog schon einmal fiel. Auffällig ist in jedem Fall, wie selbstverständlich viele schwarze Amerikaner, darunter nicht wenige Politiker, Formulierungen verwenden, die jedem Weißen, entsprechend verändert, als Rassismus ausgelegt würden: Dass man stolz auf seine ‚schwarzen Wurzeln’ und das ‚afrikanische Erbe’ sei, dass Schwarze sich gegenseitig unterstützen müssten, dass die Zeit des Afro-Americans noch komme. Und natürlich „black is beautiful“. Das eine so absurd wie das andere.

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Die Talkshow von Illner: Zu den wiederkehrenden Phrasen der politischen und medialen Elite gehört die Behauptung von der Komplexität der Probleme, die keine einfachen Antworten erlaube. Die Formel soll den Opponenten für gedanklich jenseits des Satisfaktionsfähigen stellen, gleichzeitig aber den Sprechenden, der ja die Komplexität offenkundig beurteilen kann, erheben. Das ist, da die Bundesrepublik nie eine Expertokratie sein sollte, ein tief undemokratischer Ansatz; zudem ist die Behauptung irrig. Denn tatsächlich gibt es gerade in der Politik viele extrem einfache Antworten, seien die Fragen auch noch so komplex. Natürlich standen aus Sicht der Briten oder Franzosen gegen den Krieg mit Hitler wirtschaftliche Verflechtungen, leere Kassen, koloniale Probleme, die Sorge um die eigene Jugend und vor allem die allgemeine Kriegsmüdigkeit; trotzdem gab es nur eine einzige, schlichte Antwort. Auch die heutige Frage der illegalen Einwanderung, vulgo „Flüchtlingsproblem“, erlaubt eine simple Reaktion: Grenzen dichtmachten, rigoros abschieben, Asylrecht bis zur Klärung aller offenen Fälle aussetzen. Und ebenso ließen sich die Probleme des Euro kurieren, indem man die einfachste Lösung nimmt (die nicht ohne Grund nun auch für Griechenland erwogen wird): Abschaffung und Rückkehr zu den Einzelwährungen, mit denen alle Länder über viele Jahrzehnte sehr gut und besser als jetzt gefahren sind. Komplexitätsbehauptungen sind oft nur der Vorwand für Nichtstun. Was fehlt, ist der Wille.

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Ein befreundeter Israeli spottet, dass man in Deutschland mit zwei Ansichten fast immer sicher fahre: Kein Muslim ist verantwortlich für die ausdrücklich im Namen seiner Religion begangenen Verbrechen; aber jeder Jude ausnahmslos für die Politik Netanjahus.

„Willkommen in Deutschland, Herr Masur! Es ist Zeit, dass ihr Juden und wir Nationalsozialisten die Streitaxt begraben.“ Heinrich Himmler am 21. April 1945 (!) zum Vertreter des Jüdischen Weltkongresses. Was wie Weltfremdheit wirkt, ist der Welt alles andere als fremd: Die Position des Technokraten, der Gefühle, Schicksale, Traditionen und Moral bewusst ausblendet. Insofern war Himmler Avantgarde, und vielleicht ist dies das einzig Lobenswerte an archaischen Kulturen: Dass sie jenen nüchternen, lediglich an Machbarkeit und Erfolg orientierten Blick nicht teilen. Hass, Feindschaft, Vergeltung sind auch Bastionen gegen die Ökonomisierung des Daseins.

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Eine der vielen Lebenslügen der EU: Dass sich Probleme, die alle EU-Staaten betreffen, nur EU-weit lösen ließen. Das Gegenteil ist richtig, wie der ungebremste Zustrom illegaler Einwanderer zeigt. Hier bleibt die EU faktisch untätig, weil sie keine einheitliche Meinung herstellen kann. Während jeden Tag Tausende rechtswidrig einströmen, vergnügt man sich mit immer neuen Sondergipfeln. Ohne das Schengener Abkommen könnten die Staaten auf die Verletzung von Grenzen und Dublin-III-Abkommen mit scharfen Kontrollen reagieren. So aber stehen sie mit gebundenen Händen vor der politischen Verweigerung Brüssels.

Während die EU über neue Hilfskredite für Griechenland berät, erwägt das griechische Parlament, Bundesfinanzminister Schäuble vor einen Untersuchungsausschuß zu laden. Er soll dort zusammen mit IWF-Chefin Lagarde erläutern, wie es zu den – aus Sicht der Regierungspartei Syriza – gleichsam kriminellen Sparauflagen der Troika kam. Nicht ohne Witz…

Jeden Tag liest man von x Umfragen, doch eine fehlt: Welcher Anteil der autochthonen europäischen Bevölkerung die illegalen Einwanderer aus Überzeugung im Land haben will – also nicht nur den von der politischen Elite qua Untätigkeit akzeptierten Zustrom gezwungenermaßen duldet. Kann man sich vorstellen, dass die Franzosen mehr Schwarzafrikaner im Land wollen und die Spanier mehr Maghrebiner? Dass es in England, Belgien, Holland, Schweden oder Dänemark, die bereits gegenwärtig mit Dschihadisten, Parallelgesellschaften und rechtsfreien Räumen kämpfen, eine Mehrheit für noch mehr Muslime und Analphabeten gibt? Oder in Deutschland? 

Auffällig ist die Reaktion der europäischen Staaten jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs: Polen lehnt die Aufnahme von Armutsflüchtlingen ebenso kategorisch ab wie Tschechien und Slowakei, Ungarn generell jede Art von Multikulturalismus. Und wer in Bulgarien und Rumänien Unterschlupf findet, fährt ohnehin weiter nach Deutschland. Die Menschen dieser Länder kennen noch die Armut und sind weder bereit, ihren hart erarbeiteten Wohlstand zu teilen noch sich Glaubens- und Mentalitätsprobleme ins Land zu holen.

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Eine neue Erfahrung: Gelegentlich erhalte ich Briefe mit kleineren Summen Bargelds. Immer anonym, immer als ‚Spende’ oder ‚Anerkennung für Ihre Arbeit’. Das ist mir in meiner Zeit als angestellter Journalist nie passiert. All diesen freundlichen Unterstützern hier meinen Dank! Das Geld macht erst mir eine Freude, dann meiner Blumenfrau, und dann als Blumengruß auf meinem Schreibtisch mir erneut…

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Bis zu 1000 Kinder, so schätzt eine Sozialarbeiterin, sollen einem pädo-kriminellen Netzwerk zum Opfer gefallen sein, das in den 1980er und 90er Jahren in Berlin-Kreuzberg existierte. Ideologisches Zentrum war die Alternative Liste, der Berliner Landesverband der GRÜNEN, der sich für die Straffreiheit von Sex mit Kindern einsetzte – „Ein Herz für Sittenstrolche“ hieß die einschlägige Broschüre, ihre Verfasser waren oft ebenso einschlägig vorbestraft. Doch selbst aus der Haft heraus konnten sie Einfluß auf die Parteiarbeit nehmen. Opfer waren meist Jungen aus sozial schwachen Familien, was das Interesse vieler GRÜNER an der sogenannten ‚sozialen Frage’ in ein neues Licht taucht. Kann man ernsthaft eine Gruppierung wählen, die nicht nur in dieser Frage dramatisch in die Irre ging, schwer kriminelles Verhalten jahrelang duldete und auch die Aufarbeitung fast 20 Jahre lang hintertrieb? Und wo sind die Massenaustritte wie nach den Vorwürfen gegen die katholische Kirche? 

Nebenbei: In dem Bericht, den die GRÜNEN jetzt vorlegten, werden die Täter und Verantwortlichen namentlich genannt; in den Zeitungen leider nicht.

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Ein sehr geschätzter Kollege und Gesprächspartner, dessen Herz klar links schlägt, wundert sich über ein Interview, dass ich vor einiger Zeit der Jungen Freiheit gab; er würde sich von solchen Publikationen „fernhalten“, das sei auch eine „Geschmacksfrage“. Beides halte ich für irrig. Als Journalist gibt man schon aus berufsständischen Gründen jedem Blatt, das sich innerhalb des demokratischen Meinungsspektrums bewegt, Interviews, ganz gleich ob taz, Freitag oder eben Junge Freiheit. Und um eine Geschmacksfrage handelt es sich dabei auch nicht. Liberalität bedeutet, den Austausch von Meinungen gerade nicht von der Subjektivität persönlicher Vorlieben abhängig zu machen.

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Der Staatsrechtler Rudolf Smend hat den Legitimationsprozeß der repräsentativen Demokratie einst so zusammengefasst: “Das Volk wählt und stirbt für vier Jahre ab.” Mit Blick auf die Wahlbeteiligung in Bremen und anderen Bundesländern muss man sagen: Immer größere Teile des Volkes bleiben inzwischen auch nach vier Jahren tot. Das Wunder der demokratischen Auferstehung klappt nicht mehr.