Lorenz Maroldt, Volker Beck und der häßliche Deutsche

Beobachtung aus dem Wahlkampf: Der hässliche Deutsche ist fast immer der linke.

Das spiegelt sich auch in den Kommentaren auf Facebook. Von Personen, die Sympathien für mich oder die AfD erkennen lassen, kommen zuweilen rüpelhafte, derbe, schotige Anmerkungen; aber das Oberlehrerhafte, die kleinbürgerliche Freude am Zurechtweisen und Sich-Erheben, fehlt dort völlig. Das findet sich nur auf Seiten der Linken. Von ihnen wissen viele, wie mein Vater und Großvater über mein politisches Engagement gedacht hätten; andere bezweifeln irgendwelche Notate und verlangen die Angabe der Quelle, um dann, kommt man der im Befehlston ergangenen Aufforderung freundlich nach, die Vertrauenswürdigkeit der NZZ, des Economist oder von Polizeimeldungen anzuzweifeln. Und beliebt ist auch der Gestus der altväterlichen Herablassung, nicht selten von Leuten, die eher meine Kinder sein könnten: Mein Sohn, das sollten Sie sich noch einmal überlegen…

Aber noch eine Sache unterscheidet links und rechts: Entschuldigungen kommen nur von letzteren. Selbst bei offenkundigen Fehlern ihrerseits agieren Linke wie immunisiert, Worte des Bedauern scheinen in ihrem Repertoire des zivilen Umgangs zu fehlen. Statt dessen immer nur Rechthaberei und ödeste Beharrung.

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Vor über vier Monaten erstattete Volker Beck von den GRÜNEN Strafanzeige gegen mich wegen eines Eintrags in diesem Blog – und der Berliner Tagesspiegel, nie um eine Dummheit verlegen, sorgte tatsächlich für Berichterstattung. Wie die zu werten ist, schrieb ich hier. Bis heute habe ich nichts von der Staatsanwaltschaft gehört, vermutlich wurde das Verfahren eingestellt. In jedem Fall hätte der Tagesspiegel längst nachfassen und berichten müssen. Doch Selbstverständlichkeiten des journalistischen Anstands waren noch nie die starke Seite des Tagesspiegel und seines Chefredakteurs Lorenz Maroldt – so musste ich ihn heute dazu auffordern.

Sehr geehrter Herr Maroldt,

im März berichtete der Tagesspiegel über zwei Strafanzeigen, die Volker Beck und eine bedeutungslose Abgeordnete der Berliner Grünen gegen mich erstatteten. Anlaß war mein Hinweis, wonach das bekannte Wort von Max Frisch, wir hätten Gastarbeiter gerufen, aber Menschen bekommen, auch um eine weniger optimistische Variante ergänzt werden müsste: Dass wir nämlich, der Alltag zeige das ebenso wie der Hang vieler Deutschtürken zu antidemokratischen Führern, auch Leute ins Land geholt hätten, die freiheitlichen Werten wie zivilen Anstandsregeln feindlich gegenüberstünden, vulgo: Gesindel.

Die Berliner Staatsanwaltschaft scheint meine ironische Ergänzung als nicht strafwürdig zu betrachten; zumindest habe ich bis heute nichts von ihr gehört. Daher sollten Sie, wenn Sie schon über PR-Gags in Form aussichtsloser Strafanzeigen berichten, Ihre Leser auch über den Ausgang informieren. Anderenfalls müssten diese Leser annehmen, der Tagesspiegel betreibe nicht Journalismus, sondern Denunziation.

In diesem Zusammenhang noch Folgendes: Herr Beck hat einst im Sammelband „Der pädosexuelle Komplex“ für die Freigabe von Sex mit Kindern plädiert, seine Urheberschaft später bestritten. Als die Urschrift auftauchte, zog er bis vor den Bundesgerichtshof, um eine unabhängige Veröffentlichung zu verhindern. Heute gilt als erwiesen, dass alle Passagen zur ‚Entkriminalisierung’ von Sex mit Kindern entgegen seinen Beteuerungen direkt von ihm selbst stammen.

Im März 2016, zehn Tage vor der Wahl in Baden-Württemberg, aus der Winfried Kretschmann als Sieger hervorging, wurde Herr Beck vor der Wohnung eines Dealers am Nollendorfplatz mit Chrystal Meth erwischt, einer harten Droge. Die Gegend soll der Wohnort von Herrn Beck sein, ist aber auch bekannt als Straßenstrich minderjähriger Homosexueller. Obwohl Herr Beck im strafrechtlichen Sinn nur eine ‚geringe Menge’ der Droge bei sich führte und nicht vorbestraft war, trat er sofort von allen Parteiämtern zurück und ließ sich wochenlang krankschreiben. Eine geradezu panische Reaktion, die kaum plausibel scheint.

Ganz abstrakt gesprochen und ohne Bezug zu Herrn Beck sind Drogen auch ein Mittel, um abhängige minderjährige Prostituierte zu bezahlen. In solchen Fällen geht es nicht um Eigenkonsum, sondern um ein massives kriminelles Delikt, nämlich um Dealerei zum Zwecke des sexuellen Mißbrauchs Minderjähriger. Und ebenfalls völlig abstrakt lässt sich sagen, dass eine solche Debatte zehn Tage vor einer Wahl, bei der ein Parteifreund gute Aussichten auf den Sieg hat, den Chancen nicht unbedingt förderlich ist.

Mit Blick auf Herrn Beck stellt sich in jedem Fall die Frage, ob harter Drogen­konsum oder sein Plädoyer für Päderastie oder seine nachfolgenden Lügen ihn in Ihren Augen zu einem besonderen Gewährs­mann der öffentlichen Ordnung machen. Dass Herr Beck die Staatsanwaltschaft gern für seine Zwecke einspannt und schon mehrfach ergebnislose Anzeigen erstattet hat, sollten Sie ebenfalls berücksichtigen. Ist Volker Beck ein Mann Ihres Vertrauens, Herr Maroldt?

Ihrer Antwort wie auch Berichterstattung sehe ich mit Freuden entgegen!

Mit freundlichem Gruß

Dr. Nicolaus Fest

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Mantra aller EU-Befürworter: Für die großen Probleme kann es nur einheitlich europäische Lösungen geben. Nur die Atompolitik ist davon ausgenommen.

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„Junge Frau, was hatten die Muslime, als die Christen zum Kreuzzug rüsteten, Ihrer Ansicht nach im jüdisch-christlichen Jerusalem zu schaffen?“ Antwort der Lehrerin, die kaum AfD wählen wird: „Wieso, die waren doch schon vor den Juden da.“

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Beim Gang durch Ausstellungen: Wie seit Jahrzehnten triumphiert die Kunst der ‚Ehrlichkeit’, die so verlogene wie brutalistische Anti-Ästhetik: Immer der gleiche Müllhaufen-Charme, eklige Sujets und Art brut. Auf den Gedanken, die Schönheit zum Ziel seines Schaffens zu machen, kommt kaum ein Künstler. Vermutlich aus Furcht: Nichts ist schwieriger, zudem liegt der Vorwurf des Kitsches, der gesellschaftspolitischen Irrelevanz und Weltfremdheit nie fern. Aber haben sich früher die Künstler darum geschert? Bei vielen finden sich Anmut und Schrecken zu gleichen Teilen in ihren Werken; sie waren, bei aller Abhängigkeit, freier und mutiger. Heute ist Ästhetik nur noch im Reich des Banalen zuhause: Bei Konsumgegenständen, vor allem bei Autos und Computern. Der so anrührende wie richtige Gedanke, den Menschen durch Vollkommenheit zu betören und zu bessern, hat heute nur im Design eine Heimat.