Lebenslanges Lernen, lebenslanges Labern

Wenn es ein symbolisches Bild gibt für den Zustand der EU, dann ist es jenes, das Jean-Claude Juncker abgab beim jüngsten Nato-Gipfel in Brüssel. Volltrunken, wirr mit den Händen nach Halt suchend und nicht in der Lage, ohne Hilfe Dritter ein Podest zu besteigen oder zu verlassen. Symbolträchtig auch die Reaktionen: Während Donald Trump sichtlich auf Distanz hielt, stützten die europäischen Regierungschefs den torkelnden EU-Kommissionspräsidenten. Keiner von ihnen widersprach der offen wahrheitswidrigen Pressemitteilung, die schweren Gleichgewichtsstörungen seien Folge von Rückenproblemen; niemand stellte die Frage, ob Juncker für sein Amt noch geeignet sei. Das eben ist Brüssel: Die Herrschaft des Wegschauens, das Ausblenden selbst offenkundiger Probleme. Kein Manager, der derart tief ins Glas blickt, wäre lange auf seinem Posten; übersähe er derartige Ausfälle bei Mitarbeitern, dürfte er sich bald wegen Verletzung der Fürsorgepflicht verantworten. Und der Nato-Gipfel war nicht der erste schwankende Auftritt Junckers. Doch in Brüssel kann auch ein schwerer Alkoholiker lustig in seinem Amt bleiben. Und so ist dann auch die dortige Politik.

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Evangelischer Pfarrer zu einer Freundin nach der Beerdigung ihrer Mutter: “Und was ist Ihr nächstes Projekt?”

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Humboldt-Universität Berlin, Treffen der Wertekommission. Der 2005 gegründete Gesprächskreis von Managern und Unternehmern, finanziert von deutscher Wirtschaft und Banken, befasste sich einst mit ethischen Fragen der Unternehmenskultur, neudeutsch Corporate Identity. Wer solche hochgemezzten Talkrunden als Alibi-Veranstaltungen abtat, um exzessives Profitstreben moralisch aufzuladen, darf sich heute bestätigt fühlen: Volkswagen, Siemens, Deutsche Bank. Viel gebracht haben die Appelle ans gesellschaftskompatible Wohlverhalten nicht. Wenn’s um Werte oder Wertschöpfung geht, entscheiden sich Manager meistens für letztere. Denn nicht nur sie, auch Aktionäre wollen Geld sehen. Der Bonus ist vielen wichtiger als das Paradies.

Vielleicht ist man daher ein wenig von der alten Thematik und Zielsetzung abgekommen. Beim 49. Treffen, hochmögend “Werteforum” genannt, spielten Werte nur noch im Titel eine Rolle: “Werte und Führung: Welche Charaktere und Werte brauchen Unternehmen in Zeiten disruptiver Veränderungen?” In der Sache ging es um den ewig neuen Quark von Unternehmensführung und deren Instrumente – um Coaching, Fortbildung und Führungsseminare. Und tatsächlich scheint all das allmählich ein Wert an sich, so wie Teamfähigkeit oder Lebenslanges Lernen. Ob die deutsche Wirtschaft auch deshalb immer mehr ins Hintertreffen gerät, weil sie so etwas ernsthaft glaubt? Ein Bauer, der den Wert seiner Arbeit nicht an der Ernte bemisst, sondern an Aussaat und glücklichen Ähren, wäre nicht lange im Geschäft.

Erstaunlicherweise zeigte gerade das Gesprächsformat, dass jene Leute, die angeblich für Zukunft stehen und für ‘disruptiven Wandel’, am Hergebrachten so festhalten wie der DFB an Jogi Löw. Während selbst die öffentlich-rechtlichen Siebenschläfer Zweifel an Formaten wie Maischberger, Will oder Illner bekommen, inszeniert sich die Zukunftsbranche als Grundschulklasse: Wenn der Lehrer ruft, trägt ein jeder sein Sätzchen vor, zumeist ohne Bezug auf das zuvor Gesagte. Statements statt Diskussion. Immerhin gab Moderator Philipp Busch der Sache Form und Schärfe. Würde er die Scheindebatte als Selbstgespräch führen, wäre sie unterhaltsamer; auch würde man vermutlich mehr lernen. Denn die Gäste, nennen wir sie karätig, hatten nicht einen Gedanken beizutragen.

Am Ende allerdings ein Lichtblick, ein schöner Service, auch jeder Talkshow zu empfehlen: Ein Co-Referent hatte sich der Mühe unterzogen, die wichtigsten Statements der vorangegangenen 90 Minuten zu notieren. Die trug er nun vor, rund 30 Sentenzen. “Führung braucht Verantwortung”, “Unternehmen sind lernende Gebilde”, “Ohne Freiräume keine Eigenständigkeit”. Und ähnliche Küchenweisheiten mehr. Die alte Erkenntnis: Gespräche über Werte tun entweder weh, weil sie nach  persönlicher Verantwortung fragen; oder sie sind quälend banal. Das war hier der Fall. Und das macht gute Predigten so selten.

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Thailand, Chang Rai. Wo sind eigentlich die multikulturellen und Transgender-Taucher im Rettungsteam, wo die bekennend lesbischen Frauen? Irgendwie scheinen die Thais nicht viel von Diversität zu halten – wie die meisten Rettungskräfte dieser Welt.

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Mein Blick auf Coaching und Führungs-Workshops ist, mancher mag es bemerkt haben, von Skepsis geprägt. Erfahrungen mit einigen dauergecoachten Chefs trugen dazu bei: Wenn es hektisch wurde, wenn sich ihr Vorgehen als falsch, ihre Sicht als irrig erwies, waren all die schönen Seminar-Stanzen schnell vergessen. Dann herrschte nicht das Argument, sondern ‘Oben sticht Unten’.

Dennoch gilt vielen Unternehmen die ständige Optimierung ihrer Mitarbeiter als Schlüssel für die Zukunft – gestützt auf eine stetig wachsende Coaching-Industrie. Das ist erstaunlich, denn die Erfahrung sagt eher das Gegenteil: Menschen sind durch Argumente kaum zu beeindrucken. Jede Talkshow zeigt das dutzendfach. Und noch viel weniger sind sie bereit, ihr Verhalten aufgrund guten Zuredens zu ändern. Wäre es anders, würden beispielsweise Gesprächs-, Paar- und Verhaltenstherapien wirken, müsste die Zahl der Scheidungen deutlich sinken. Das aber ist bekanntlich nicht der Fall, obwohl hier die persönlichen Folgen ungleich dramatischer ausfallen als in Unternehmen. Vielleicht ist der Mensch doch weniger Knetmasse, als mancher Coach glaubt. Mit Goethe: “Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen / Die Sonne stand zum Gruße der Planeten…”

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Zur fortgesetzten Lügenmär der “Einzelfälle”, mit der die Medien Messerstechereien, Vergewaltigungen und Gewaltdelikte kleinreden, bemerkte ich im März, dass nach dieser Deutung wohl auch der Holocaust eine Häufung von Einzelfällen sei, wenn auch eben von 6 Millionen. Das haben bayrische Grüne wörtlich genommen. Sie empörten sich, diese Bemerkung zeige meine Sicht auf den Holocaust. Dass ich ihn als Folge einer “bösartigen Ideologie der Weltherrschaft und Vernichtung” bezeichnete, müssen sie überlesen haben. All jenen Freunden des Vereins zur Pflege der Dyslexie e.V. daher mit Bismarck folgender Hinweis: “Ich bediene mich gelegentlich der Redefigur der Ironie, einer Redefigur, bei der die Worte nicht immer das meinen, was sie buchstäblich bedeuten, sondern mitunter auch das Gegenteil.”

Noch dazu. Könnte man heute noch einen Film wie ‘Hair’ drehen? Lange Haare standen einst für Witz und originellen Protest; heute sind sie meistens Ausdruck all dessen, was Biographien verlässlich scheitern lässt: Phonemische Rechtschreibung, GenderStudies und anderer Bildungsverlust.

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“Mit allem”. Nicht nur die bevorzugte Version des Döners, sondern auch Motto Merkelscher Einwanderung: Mit Vergewaltigern, Mördern, Kinderschändern, Terroristen…