Kultur des Wegschauens: Deutsche Medien

Sichtweisen. Merkel: „Nach mir die Sintflut“. Viele andere: „Vor uns die Sintflut“.

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Vor gut einem Jahr berichtete die BILD am SONNTAG mehrfach über ein kleines Mädchen aus Syrien, das vor Malta aus dem Meer gefischt wurde. Bruder und Schwester waren ertrunken, die Mutter schwer traumatisiert. Auch in anderen Zeitungen waren Reportagen zu lesen über das Leid der Fliehenden und die Dramen ihrer Flucht und Rettung. Die ZEIT widmete ein ganzes Dossier den ersten Schritten einer syrischen Familie in Deutschland, ähnlich machten es Süddeutsche und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Auch das Foto des kleinen ertrunkenen Jungen war noch einmal Anlass zu vielen Home(less)-Stories, also der gefühligen Version von Berichterstattung.

Aus und vorbei. Seit der ‚Flüchtling’ nicht mehr nur ein seltsam folkloristisches Phänomen der italienischen Küste ist, sondern als oftmals unerfreulich aggressiver Typus in deutschen Landen auftaucht, meiden viele Zeitungen die allzu große Nähe. Das ist umso erstaunlicher, als diese Woche gleich drei Ereignisse den genauen Blick erfordert hätten. Zunächst wies Rainer Wendt, Chef der Polizeigewerkschaft, auf die Kriminalität innerhalb der Flüchtlingsunterkünfte hin. Vergewaltigung, Nötigung, Raub, Erpressung, sogar Sklaverei und Kindesmißbrauch seien, so Wendt, dort an der Tagesordnung. Dann machte Innenminister de Maizière auf die Gefahr eingeschleuster Terroristen aufmerksam. Und schließlich erschien das Buch der Polizistin Tania Kambouri über ihre Erlebnisse vor allem mit muslimischen Einwanderern, bei denen sich Aggression mit Respektlosigkeit, Anspruchsdenken und offener Verachtung westlicher Werte und Menschen verbänden.

Anlässe genug, diesen Fragen nachzugehen. Doch nicht eine einzige der führenden deutschen Zeitungen fand sich hierzu am Freitag oder Samstag bereit. Niemand scheint in den Lagern recherchiert, niemand sich bei Herrn Wendt erkundigt zu haben, wie denn die Zustände nun tatsächlich seien – oder bei Polizisten, Übersetzern und Betreuern; niemand bei den Einwanderern. Seit dem Interview von Frau Merkel bei Anne Will findet die Invasion und ihre Folgen nur noch auf der Metaebene statt, als theoretische Erörterung: Ob man Grenzen schließen könne, ob das Asylrecht ein Limit habe, ob „wir“ es schaffen könnten, ob der Konflikt zwischen Seehofer und Merkel eskaliere. Der Flüchtling, wenn er denn je einer war, kommt nicht mehr vor. Plötzlich will niemand mehr so genau wissen, wer da nun wirklich im Land ist. Seit sich selbst bei Chefredakteuren herumgesprochen hat, dass nicht alle Invasoren Ärzte, Facharbeiter, hübsche Kinder oder photogene junge Frauen sind, seit immer mehr Klagen selbst der gutmütigsten Helfer über rabiate und unverschämte Migranten bekannt werden, meiden die Medien das Thema, als könnte zu viel Wissen um die Neuankömmlinge die Willkommenskultur endgültig kippen lassen. Statt konkreter Berichterstattung aus den Heimen ergeht man sich jetzt lieber in Erörterungen grundsätzlicher Menschheitsfragen. Und zwar überall, als hätte jemand auf den Knopf gedrückt, als gäbe es eine Vereinbarung zum Wegschauen. Vergewaltigung, Islamismus, gar Sklaverei in den Lagern? Der Migrant nicht als Opfer, sondern als brutaler Täter, als Antisemit und Kinderschänder? Nicht unser Thema! Von der Kernaufgabe der Medien, über gesellschaftliche Fehlentwicklungen und Gefahren zu berichten sowie über die hierfür Verantwortlichen, scheinen die Zeitungen derzeit weit entfernt.

Hierzu noch eine Lektüreempfehlung: Die Liste der Vergewaltigungsfälle, veröffentlicht schon am 18. September vom Gatestone-Institut. Autor Soeren Kern spricht von einer “Vergewaltigungsepidemie” unter Migranten. (Dank an G.H. für den Hinweis)

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Lieblingsfund der Woche: Was haben die Diktatoren des Nahen Ostens und Libyens in den letzten 20 Jahren gemacht? Ihre Länder ausgebeutet, andere destabilisiert, dem internationalen Terrorismus Geld gegeben? Auch. Aber vor allem „bewachen diese Männer für uns die Ölquellen und halten uns die arabischen und afrikanischen Flüchtlinge vom Hals.“ So Bernd Ulrich in der ZEIT. Saudi-Arabien, Katar, Irak, vor allem aber der Iran als Freunde des Westens, die uns die Flüchtlinge vom Hals halten. Drollig. Und so auch alles andere im Aufmacher der ZEIT.

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Kennt jedes Kind: Wenn man die Augen zusammenkneift, ‚sieht’ man Farben. Das ist eine hübsche Metapher für Multikulti: Buntheit stellt sich ein, wenn man die Augen fest verschließt.

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Über 90% der BILD-Leser, so schreibt der BILD-Autor Hugo Müller-Vogg bei Tichy,  seien gegen die Invasion der Flüchtlinge und damit gegen den Refugees-Welcome-Kurs ihrer Zeitung. Das dürfte bei vielen anderen Blättern, nimmt man taz, SZ und ZEIT aus, kaum anders sein. Dennoch kaum eine kritische Stimme zur Einwanderung. Muss man sich ernsthaft über den Einbruch der Auflagenzahlen wundern? Rätselhaft allein ist das Verhalten der verantwortlichen Verlagsleiter, Vorstände, Geschäftsführer. Würden BEEF oder KICKER so konsequent an den Einstellungen ihrer Leser vorbeischreiben und beispielsweise plötzlich die Vorteile der veganen Ernährung oder des Handballs bejubeln, würden die Chefredakteure nicht lange überleben. 

Ein kluger Kopf bemerkt dazu: „Es ist wie 1989. Auch da haben die Chefredakteure von STERN, ZEIT, taz und SPIEGEL erst am Abend des 9. November bemerkt, wie hartnäckig sie jahrzehntelang ihre Leser über die DDR desinformiert hatten. Das wiederholt sich nun in der Flüchtlingskrise.“

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Zur Klarstellung: Asylberechtigt im Sinne von Artikel 16a Grundgesetz sind die Migranten aus Syrien, dem Irak und Afrika zumeist nicht, nicht einmal ‚Flüchtlinge’ im Sinne der EU-Richtlinie. In beiden Fällen fehlt die persönliche Verfolgung; Krieg allein genügt nie als Asyl- oder Fluchtgrund. Insofern ist die Diskussion um angeblich notwendige Änderungen des Asylrechts eine Scheindebatte, ein Taschenspielertrick: Wird die Migrations- zur Asylfrage, fällt jede Regulierungsmaßnahme in den Bereich des Grundgesetzes. Das ist psychologisch eine ganz andere Hürde als die Änderung beispielsweise einer Verwaltungsvorschrift zum Leinenzwang. Auch Frau Merkel befeuert diese Irreführung. Ihr Verweis auf die fehlenden Asylobergrenzen ist nichts anderes als der Versuch, ihre eigene Untätigkeit als grundgesetzlich vorgegeben und damit alternativlos erscheinen zu lassen. Was sie tatsächlich sagt, klingt weniger grundgesetzlich-erhaben: Illegale Einreise kennt bei mir keine Obergrenze.

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Linkes Mantra: Europäischer Nationalismus ist böse; der viel rabiatere Nationalismus aller arabischen Völker – und damit auch vieler Migranten – ist dagegen Ausdruck ihrer kulturellen Eigenständigkeit.