Gewaltprobleme und Gekläff

„Hat der Islam ein Gewaltproblem?“, fragte am Montag Frank Plasberg und suggerierte damit, dass darüber ernsthaft zu diskutieren sei. Dabei lässt sich die Antwort in drei Sätzen fassen: Satz 1: Wesentlich für den Islam ist die Einteilung der Welt in Ungläubige und Muslime, in Mann und Frau. Satz 2: Die Ungläubigen sind zu missionieren, die Frau hat dem Mann zu dienen. 3. Satz: Wie setzt man Missionierung und Dienerschaft durch, wenn die so Bedachten dies nicht wollen? Eben. Wer nach dem Gewaltproblem des Islam fragt, hat den Islam nicht verstanden.

In diesem Zusammenhang eine anekdotische Parallele: 2009 führte ich mit dem früheren Formel-1-Chef Max Mosley ein Interview über dessen zweifelhaftes Verhältnis zum Faschismus: Sein Vater Oswald war der britische Faschistenführer gewesen, Mosley junior hatte sich nie wirklich distanziert, sein Bruder deswegen mit ihm gebrochen. Irgendwann streifte das Gespräch auch die Frage der Apartheid, die sein Vater offen gefordert hatte, und die Antwort Mosleys lag genau auf der Linie von ‚Hart, aber fair’: „Ach, wissen Sie, das sollte doch alles auf freiwilliger Basis sein, mehr aus Einsicht, als mit Zwang!“ Wie der Islam ist auch Apartheid ohne Gewalt denkbar, wenn die Farbigen nur freiwillig auf die guten Schulen, die besseren Jobs und die Plätze der Weißen in Bussen, Kinos und Konzerthäusern verzichten. So einfach. Hat Rassismus ein Gewaltproblem? Aber nicht doch!  

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Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Wie häufig die Erkenntnis, dass auch höchstpersönliche Erlebnisse sich dem Bilderkanon der Moderne unterordnen, der Geist unwillkürlich auf die Vorlagen der Populärkultur zurückgreift: Man sitzt in Berlin, sieht aber innerlich die Folterszene aus dem ‚Marathon-Mann’. Von dort springen die Gedanken zu Abu Ghraib, Jack Bauer in ‚24 hours’ und dem Fall Daschner, also zur Frage der Zulässigkeit von Folter, ob sie mithin ausnahmsweise dort statthaft sein sollte, wo es nicht um Geständnisse zu bereits erfolgten, sondern um die Verhinderung künftiger Straftaten geht. An das wirklich große Tabu rührt allerdings erst abends eine befreundete Ärztin, die lachend erklärt: „Vor dem Bohrer haben viele Schläger mehr Angst als vor dem Gefängnis!“ Wenn das stimmt, der Besuch beim Zahnarzt mehr Disziplinierung verspricht als der vor Gericht, scheint nicht nur im Rachen etwas faul. Schon vor Jahren sagte mir ein Strafrichter unter der Hand, der Verzicht auf körperliche Schmerzen im Strafvollzug sei vielleicht doch voreilig. Aber will man Kafkas Apparatur aus der ‚Strafkolonie’, also die dritte, reinste Form der Folter, ohne irgendeinen Zweck als den, Schmerzen zuzufügen? Richtig ist: Obwohl sich selbst genügend, ist gerade sie von höchster symbolische Bedeutung. Der wehrhafte Staat macht deutlich, dass er seine Feinde nicht nur wegsperren, sondern ihnen richtig weh tun kann.

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Zur oft von linker Seite beklagten Verrohung der Debatte empfiehlt sich ein Blick in den lesenswerten Blog von Jennifer Pyka, dort unter der Überschrift ‚Welcome to the Freakshow’.

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„Aber das Gegenteil von politischer Erziehung bekundet auch das schablonenhafte Gekläff jenes stets anwachsenden Chorus der Wald- und Wiesen-Sozialpolitiker, und ebenso jene menschlich liebenswürdige und achtungswerte, dennoch aber unsäglich spießbürgerliche Erweichung des Gemütes, welche politische Ideale durch ‚ethische’ ersetzen zu können meint und diese wieder harmlos mit optimistischen Glückshoffnungen identifiziert.“ Max Weber, um 1890, als hätte er einen Blick in die heutige Zeit getan.

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Zu Recht wird immer wieder die Frage nach der Unterwanderung der AfD durch extremistische nationale Gruppierungen gestellt; die nach der Unterwanderung von SPD, Linke und GRÜNE durch extremistisch antinationale leider nie.

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Zur Gewaltgeneigtheit des Islam und seiner Vereinbarkeit mit westlichen Standards folgende Statistik des Pew Research Centers von 2013 (Mit Dank an BT):

Zwischen 75-100 % der Muslime aus Nord-Irak, Afghanistan, Marokko und Palästina würden die Einführung der Scharia als offizielles Recht ihres Landes begrüßen. Über alle berücksichtigten Länder halten es 58% für richtig, wenn die Scharia zumindest auf Muslime Anwendung fände.

Rund 28% halten Gewalt gegenüber Zivilisten für gerechtfertigt, 25% auch Selbstmordattentate. 35% haben Verständnis für ‚Ehrenmorde’.

56% der Muslime aus dem Bereich Mittlerer Osten / Nordafrika (MENA) meinen, dass der Abfall vom Islam mit dem Tod bestraft werden sollte.

0% würden eine Ehe ihrer Tochter mit einem Christen erlauben.

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Journalistenschulen, aufgepasst! Wer sich zu Unterrichtszwecken ein beispielhaftes Stück darüber sichern will, wie man es auf keinen Fall machen darf, sollte die aktuelle ZEIT kaufen. Dort zeigen Bernd Ulrich und Matthias Geis im Interview mit dem stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Gauland alle Fehler, die nur denkbar sind: Voreingenommenheit, Hochmut, Desinteresse an den Positionen des Interviewten, dem sogar empfohlen wird, wie er künftig auf Parteiveranstaltungen formulieren sollte. Ein äußerst lehrreiches Gespräch, auch zur Qualität der ZEIT – leider online noch nicht abrufbar.

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„Gelobt sei Angela Merkel, die Warmherzige, die Vorausschauende. Sie hat alles dafür getan, dass der Terror in Europa Fuß fassen kann (…).“ Diese doch eher harmlose Ansicht postete die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin und heutige Publizistin Vera Lengsfeld nach den Anschlägen von Brüssel. Für den grünen Abgeordneten Özcan Mutlu Grund genug, den Kollegen Philip Lengsfeld (CDU) aufzufordern, sich öffentlich von seiner Mutter zu distanzieren. Kann irgendjemand Herrn Mutlu gelegentlich erklären, dass in Deutschland keine Sippenhaft herrscht und auch keine stalinistische Kultur des öffentlichen Abschwörens – mag das auch Herrn Mutlu unverständlich scheinen?  

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Wer es übersehen hat: Ein lesenswertes Interview Interview mit der Labour-Abgeordneten Gisela Stuart, die die Kampagne für den Brexit leitet.

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Die Niederländer haben das Assoziierungsabkommen mit der Ukraine abgelehnt. Nun jammert die Funktionärselite der EU, ob EU-Ratspräsident Martin Schulz (SPD) oder die Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN, Rebecca Harms. Beide monieren, assistiert von vielen Medien, dass sich die Wähler bei ihrem ablehnenden Votum gar nicht mit der Frage der Ukraine befasst hätten, sondern eher ihrem Unwillen gegenüber Brüssel Ausdruck verschaffen wollten. Ja, und? Tatsächlich müsste gerade dies die Brüsseler Funktionärskaste endlich aufwecken. Offensichtlich sind selbst die eigentlich pro-europäischen Niederländer so bedient mit ‚Brüssel’, dass die sogar einem eigentlich für sie irrelevanten Abkommen eine Abfuhr erteilen. Andere Möglichkeiten, ihre Meinung zu Brüssel kund zu tun, haben sie ja auch nicht. Brüssel ist tot, nur die Zombies merken es noch immer nicht.

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Nachdem inzwischen selbst erfundene Interviews mit Herrn Böhmermann, die weder den Medienrummel noch die Person Böhmermann karikieren, als Satire ausgegeben werden, erkläre ich nun auch alle vorigen Zeilen zur Satire, mag das verstehen, wer will. Und damit genug zu jenem Fall.