Flughäfen als Seismographen

Mancher wird es schon bemerkt haben: Die Berliner Flughäfen haben weniger eine Verkehrs-Funktion als eine seismographische – sie zeigen an, wohin es mit diesem Land geht. Der BER repräsentiert zweierlei: Erstens und neben Hamburger Philharmonie, Bundeswehrdrohnen, dem Transportflugzeug A 400 M oder den Klimaanlagen der Bundesbahn den technologischen Stand dieses Landes; zweitens die Kultur der Verantwortungslosigkeit. Statt Manager und Politiker zu belangen und dauerhaft wegzusperren, werden sie als Elder Statesman, Innenminister oder altweise Unternehmenslenker hofiert und geschützt. Der Flughafen Tegel dagegen, ein immer noch genialisches Konzept der ultrakurzen Wege, ist Symbol für den Niedergang öffentlicher Dienstleistungen. Die Wartehallen ungepflegt, die Uhren unabhängig von der Tageszeit immer auf 12, der Service nichtexistent. Am Samstag brauchte es 50 Minuten, bis nach der Landung der erste Koffer auf dem Förderband erschien. Neunmal war es angesprungen, neunmal nach wenigen Sekunden wieder in Stillstand verfallen. Ab dem fünften Start nur noch Gelächter, der erste Koffer wurde mit höhnischem Beifall begrüßt. Während der Warterei keine Ansage, nirgends jemand, der Auskunft geben konnte. Servicetechnisch ist Tegel schon lange ein NoGo-Area, eher Vierte als Dritte Welt. Während man die gerade ins Land holt, ist der Flughafen schon jetzt so weit. Nicht mal die einfachsten Dienstleistungen klappen, aber dennoch: „Wir schaffen das!“ Verantwortlich für die Berliner Flughäfen und Geschäftsführer dieser gesellschaftspolitischen Wasserstandsmelder ist ein Karsten Mühlenfeld.

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Überhaupt „Wir schaffen das!“. In den griechischen Sagen, dem ewig gültigen Katalog menschlicher Verfehlungen, immer der erste Satz der Hybris. Wer ihn ausspricht, ist schon verloren.

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Wer die keineswegs überraschende, eben deshalb auch weltweite Unverträglichkeit von Demokratie und Islam moniert, wird oft auf Malaysia verwiesen. Dort würde das Gelingen eines demokratischen Islam seit Jahren vorgeführt. Ob jedoch ein Land, in dem seit 1957 das immer gleiche Parteienbündnis mit Zweidrittelmehrheit herrscht, wirklich demokratischen Grundprinzipien entspricht, mag mancher bezweifeln. Auch die jährliche Vergabe der Zeitungslizenzen durch den Innenminister entspricht nicht ganz den westlichen Vorstellungen von der Unabhängigkeit der Presse. Dass Apostaten in Umerziehungslager eingewiesen werden, ergänzt dieses Bild vom demokratischen Islam ebenso wie die brutale Verfolgung Homosexueller. Nun verurteilte der High Court in Kota Kinabalu einen Politiker wegen eines Islam-kritischen Facebook-Eintrags zu 16 Monaten (!) Gefängnis. Doch auch das wird die Apologeten des Islam nicht beirren. Schließlich sind die malaiischen Gefängnisse bekannt für ihren Komfort.  

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Welche Erwartungen man unter sozio-ökonomischen Aspekten an die illegalen Einwanderer haben kann, zeigt der Blick der kanadischen Online-Zeitung The Globe and Mail nach Schweden. Seit Jahren bekannt für seine großzügige Immigrations- und Integrationspolitik, hat das Nordland vor allem Menschen aus Afrika und dem mittleren Osten angezogen – also genau die Leute, die nun auch nach Deutschland strömen. Ökonomisch oder sozial sinnvoll, so der kurdisch-schwedische Ökonom Tino Sanandaji, selbst im Alter von 10 Jahren eingewandert, war diese Zuwanderung nicht. 48% der nicht-europäischen Immigranten seien arbeitslos, nirgends divergiere der Grad der Beschäftigung mehr als zwischen diesen Einwanderern und den Einheimischen. Obwohl sie nur 16% der Bevölkerung stellen, gingen 58% der Sozialleistungen an Immigranten. Auch bei den Schulnoten seien die nicht-europäischen Zuwanderer überdurchschnittlich unterdurchschnittlich: Fast die Hälft der ‚low performer’ seien Kinder dieser Immigranten – weshalb, so ist zu ergänzen, auch künftige Generationen zumeist Transferempfänger bleiben. Und da kulturkreis- wie selbstverschuldete Trägheit oft den Weg in die Kriminalität ebnet, kämpft ein bekanntermaßen friedliebendes Land heute mit hoher importierter Kriminalität: Die Mehrheit derjenigen, gegen die in Schweden wegen Mordes, Totschlags oder Vergewaltigung Anklage erhoben werde, seien Immigranten der ersten der zweiten Generation. Trotz aller Fördermaßnahmen nehme die Ungleichheit innerhalb der schwedischen Gesellschaft immer mehr zu. Dass die Zuwanderung irgendeinen ökonomischen Nutzen habe, so das Fazit der Zeitung, sei daher ‚a fantasy’. Ein Hirngespinst.

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Fundstücke: Friedhelm Farthmann (85), Gewerkschafter, SPD-Urgestein und von 1975 -1985 Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen, in der Deutschen Jagdzeitung: „Aber besonders freue ich mich über jede Katze, die ich gesetzeskonform umniete.“ Ebenso hübsch eine Bemerkung Karl Lagerfelds in der Septemberausgabe von JÄGER: „Leute zahlen heute weniger für ein Haus als für einen Zobel-Mantel. Es ist unglaublich!“ Wie wahr.

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Gespräch mit einem freundlichen alten Kroaten, der einst in Sonthofen arbeitete, seit dem Kriegsende 1995 aber wieder in Zadar lebt. Den Krieg müsse man vergessen, nach vorne schauen. Die Vergangenheit sei vergangen, jetzt zähle die Zukunft. Ob er denn seinen Segen gebe, wollte seine Tochter einen Serben heiraten? Sofort die Antwort: Niemals!

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Immer wieder gesagt, überall bestätigt: Der einzig erfolgreiche Weg zur Integration ist Arbeit. Das sollte die Politik ernst nehmen – indem sie die Möglichkeiten, ohne Arbeit durchs Leben zu gehen, radikal beschränkt. Sinnvoll wäre beispielsweise die Einführung mehrjähriger ‚sozialer Jahre’ als Gegenleistung für die Aufnahme in diesem Land. Schon heute haben freiwillige Feuerwehren und Technisches Hilfswerk zu wenig ‚Nachwuchs,’ auch an Rettungssanitätern und Helfern beim Krankentransport fehlt es. Hier könnte man kurzfristig viel bewegen – und es würde deutlich machen, dass dieses Land von den ‚Flüchtlingen’ mehr erwartet als Moscheenbesuche. Vor allem aber sollte man sich ein Beispiel an den USA nehmen. Dort ist die Entsprechung von Hartz IV auf fünf Jahre im Leben begrenzt. Wer diese fünf Jahre ausschöpft, muss danach sehen, wo er bleibt. Einen Anspruch auf Unterstützung durch den Steuerzahler hat er nicht mehr. Nicht ohne Grund kennen die USA kaum das Problem der internen muslimischen Radikalisierung. Arbeit schützt vor Selbstmitleid und dummen Ideen.  

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Ein alter Kalauer: ‚Warum gibt es vor Sylt so viele Haie? Weil die Mitarbeiter von Axel Springer so gut schmecken: Große Leber, wenig Rückgrat.’ Heute allerdings ein gesamtdeutsches Presseproblem, gefasst im derzeit kursierenden Spott über den Chefredakteur eines anderen Verlages: ‘Rückgrat wie ein Qualle, aber weniger Feuer.’

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Abendgespräche über Regierung und Kanzlerin. Ein Gast: „Die wahre Bedeutung der Flaggen-Episode vom Wahlabend 2013 ist mir erst in den letzten Wochen klargeworden. Dies wird das bleibende Bild von Merkels Kanzlerschaft.“