Berliner Luft: Null Toleranz!

Im Zusammenhang mit der “Broken Window”-Theorie und der zivilen Rückeroberung verwahrloster Stadtteile in New York kam um 1995 der Begriff “Null Toleranz” auf. Heute wird der Begriff ständig und meist von jenen Leuten benutzt, die nie tolerant waren, sich aber in den Mantel der kompromißlosen Rechtschaffenheit hüllen möchten.

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Der “Kufsteiner Salon” in Berlin-Schöneberg schließt seine Tore. Ins Leben gerufen von den so großzügigen wie liebenswürdigen Gastgebern Lothar und Christiane Pues, intellektuell über mehrere Jahre geformt von Henning Ritter, war er ein wunderbar zwangloser Treffpunkt für anregende Gespräche. Doch diese Zwanglosigkeit und der bewusst unpolitische Charakter standen gegen den Zeitgeist der Ausgrenzung und Verdächtigung. So war er der Fraktion der Null-Toleranzler unerträglich. Meine gelegentliche Anwesenheit soll deren Vertreter derart gestört haben, dass sie die Gastgeber mit immer neuen Vorhaltungen belästigten. Die aber wollten sich ihre Gäste nicht vorschreiben lassen – und beendeten ihr hochherziges Engagement. Auch ein Zeichen…

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Drei Tage leichte Depressionen: Was habe ich falsch gemacht? Da nennt man – wohl mit zu vielen guten Argumenten – den Islam “toxisch”, “bösartig”, “grundgesetzwidrig”, “atavistisch”, “frauenfeindlich”, “anti-semitisch” und vieles mehr, schreibt eben das in BILD am SONNTAG, der Jungen Freiheit, dem eigenen Blog, lobt die Schließung salafistischer Moscheen in Österreich, fordert hier dasselbe – und wird im “Prüfbericht” zur AfD nicht ein einziges Mal erwähnt. Frechheit!

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Auch die Süddeutsche Zeitung hat ihren Fall Relotius. Zu den Besonderheiten der “Aufarbeitung” gehört, dass die Redaktion den Namen des Fälschers konsequent verheimlicht. Transparenz gilt eben immer nur für andere. Wer mehr wissen möchte, sollte vielleicht bei Dirk Gieselmann nachfragen, ausgezeichnet mit Nannen-, Grimme- und dem Deutschen Reporterpreis.

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Ein Herr Schulze-Tammena von der Berliner Europa-Schule Schiller-Gymnasium fragt an, ob ich an einer Podiumsdiskussion mit Vertretern anderer Parteien teilnehmen könne. Das Thema laute “Populistische Bewegungen in Europa und weitere europapolitische Fragen”. Ich lege ein paar Termine um und sage zu. Daraufhin kommt ein weiteres Schreiben, natürlich mit gendergerechten “*”-Albernheiten, dem eine rechtliche Verpflichtungserklärung anhängt: Ich müsse mich auf die “Einhaltung der Grundsätze des Schulprogramms verpflichten” – welche das sind, wird nicht gesagt, doch dürften bei einer “Europa-Schule” EU-kritische Positionen eher nicht den Grundsätzen entsprechen. Offensichtlich will man schon vorab einen Maulkorb verhängen. Außerdem werden Film- und Fotoaufnahmen untersagt, was zulässig und sinnvoll ist, unter zivilisierten Menschen jedoch üblicherweise per einfacher Bitte vereinbart wird. Hier hingegen werden rechtliche Schritte für den Fall der Nichteinhaltung angedroht.

Ich schreibe zurück, es sei ein wenig “dicke”, einen Gast so zu behandeln. Zudem hätte ich keine Absicht, Fotos oder Filme zu machen, mein Wort müsse genügen. Doch es genügt Herrn Schulze-Tammena nicht. Andere Parteien hätten mit der Verpflichtung keine Probleme, außerdem sei sie eine Forderung der Eltern- und Schülerschaft – so als hätten die und nicht er eingeladen und als sei von irgendeiner Bedeutung, was Vertreter anderer Parteien mit sich machen lassen.

So sage ich ab. Als Gast sollte man geschätzt werden, nicht mit Juristenkram behelligt. Nun gibt es mithin eine Podiumsdiskussion über populistische Parteien, an der – sofern man die AfD als populistisch verorten will – ihr einziger Repräsentant nicht teilnimmt. Das wird sicherlich interessant.

Erwartungsgemäß erhalte ich noch ein Schreiben von Herrn Schulze-Tammena. Er bedaure, dass ich mich “der Diskussion mit den Schülern nicht stellen will”. Davon kann keine Rede sein, doch sagt es viel über den charakterlichen Zuschnitt, wenn sich Leute nachkartend vorgaukeln müssen, im Recht zu sein. Die armen Schüler.

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Die dicke Bednarz, Liane, piepst mich auf einer Lesung hochtonig an: “Sie haben mich eine ‘erschütternd unbegabte Juristin’ genannt!” Ist das so? Selbst wenn, längst vergessen. Doch bezeichnend: Andere als gefährliche Bürger, radikale Christen oder sonstwie als ‘Rechte’ denunzieren, aber auf vergleichsweise milden Spott hin koloraturhaft aufquieken. Richtig ist: Wer so deutlich seine Dünnhäutigkeit erkennen lässt, ist für den öffentlichen Diskurs ungeeignet. Und um mein Urteil abzurunden: Schreiben kann sie auch nicht, Charme ist ihr ein Fremdwort, und ästhetisch ist sie keine Freude.

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In mehrfacher Hinsicht sehr aus der Zeit gefallen: Ernst von Bothmer (1841 – 1906), preußischer Gesandter am rumänischen Hof, ließ einst den rumänischen Ministerpräsidenten samt seiner Minister die Treppe seines Palais hinunterwerfen, als diese ihm einen Ehrensäbel überreichen wollten. Er lasse sich, so die Begründung, “von Hammeldieben keinen Säbel schenken!” Dann ordnete er an, die Treppe abzuseifen. Bismarck zog seinen Gesandten ab und vermerkte, die Bothmers seien besser geeignet, Beziehungen abzubrechen als anzuknüpfen. Milder urteilte der rumänische König Karol I über Bothmer: „Er hat ja sachlich recht, aber es ist doch wohl nicht ganz üblich.“ (Dank an CG)

Sport, Gender und Berliner Freundlichkeiten

In den USA wollen die 2,3 Millionen Boy Scouts, zu deutsch Pfadfinder, kein reiner Jungenverein mehr sein, sondern auch Mädchen aufnehmen. Also ließen sie das ‘Boy’ im Namen fallen. Das aber empörte die 2 Millionen Girl Scouts. Sie erhoben umgehend Klage auf der Basis von Markenschutzrechten. “Allzeit bereit”, das bekannte Motto der Pfadfinder, bedeutet inzwischen “Allzeit klagebereit”. Eine zeitgemäße Lösung, so ein amerikanischer Freund, böte der Zusammenschluß beider Vereine unter dem Kürzel SCS: Social Construct Scouts.

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Der Witz von den Social Construct Scouts ist von der Wirklichkeit bereits überholt. Denn das Ende von Gender ist sichtbar. Sorgen wird dafür der Sport. Gleichberechtigung bedeutet eben nicht Gleichwertigkeit. Männer haben mehr Muskeln. Das macht sportliche Wettkämpfe zwischen Männern und Frauen zu einer klaren Angelegenheit.

So auch im Handball, zu sehen an der australischen Frauenmannschaft. Dort spielt die Transfrau Hannah Mouncey. 1 Meter 88 groß, hundertzehn Kilo schwer, Hände wie Bratpfannen. Mit ihr, früher ein Mitglied der australischen Herrenmannschaft, gewinnt das Team jedes Spiel. Ebenso erfolgreich ist eine Transfrau im Boxen; sie knockt jede Gegnerin aus. Ob die das als fairen Wettbewerb empfinden?

Für im Medaillenranking rückständige Nationen mit einer gewissen Geschmeidigkeit in Fragen erforderlicher Atteste bietet Gender allerdings Möglichkeiten. Sie könnten bei den kommenden olympischen Spielen die Disziplinen der Frauen konsequent mit Transfrauen besetzen. Ob Volleyball, Hockey, Gewichtheben oder Fußball, ob Laufen, Schwimmen oder Speerwurf, überall würden diese Länder – sagen wir mal: Aserbaidschan, Weißrussland und Pakistan – die ersten Plätze unter sich ausmachen. Nur in Disziplinen wie Dressurreiten, Synchron-Schwimmen oder Turmspringen hätten Frauen anderer Nationen Aussicht auf eine Medaille.

Chancengleichheit wäre erst dann wiederhergestellt, wenn alle Länder sich der Diktatur des GenderMainstreaming beugten und Transfrauen ins Rennen schickten. Nur wären dann Frauen aus vielen Sportarten eliminiert – und damit diese Disziplinen uninteressant für Werbetreibende, die auf Frauen zielen. Sicher ist: Wenn das große Geld Druck macht, wird das IOC alle Gendermaßnahmen sofort beenden, und zwar ohne Rücksicht auf Fragen der “Diskriminierung” einiger Transsexueller.

Noch dazu: Hannah Mouncey, mit zahlreichen Fotos im Netz vertreten, erinnert an die Frauen, die die Länder des Ostblocks in den 1970er Jahren zu den olympischen Spielen schickten – dickschenkelige Kolosse mit Bartwuchs, Baßstimme und Bodybuilder-Maßen. Warum also Doping-Kontrollen und Testosteron-Verbote, wenn über die Zulassung von Transfrauen die muskuläre und hormonelle Differenz doch wieder erlaubt wird? Wer Gender befürwortet, muss schon aus Gründen der Chancengleichheit Doping freigeben.

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Slogan für migrationsbegeisterte Pazifisten: Messer zu Fußfesseln!  

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Aus den Kriegstagebüchern von Astrid Lindgren: “Vom dänischen König werden ziemlich viele Geschichten erzählt. Unter anderen wird behauptet, er habe, als die Deutschen planten, in Dänemark den Judenstern nach deutschem Muster einzuführen, gesagt, dass er der erste sein werde, der in tragen würde. Es wurde nichts aus dem Judenstern in Dänemark. Ferner wird behauptet, dass, als die Deutschen die Hakenkreuzfahne auf Schloss Amalienborg wissen wollten, Christian gesagt habe, dass in diesem Fall ein dänischer Soldat sie auf der Stelle herunterholen würde. “Dann wird der dänische Soldat erschossen”, antwortete der deutsche Oberbefehlshaber. “Der dänische Soldat, das bin ich”, sagte der König. (Dank an CG)

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Gehört: Parteitage sind Dolchstoßgelände.

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Busfahrt in Berlin. Ich steige ein, das Kleingeld abgezählt in der Hand, und bitte um eine Fahrkarte. Der Bus ist bestenfalls zu einem Drittel besetzt, es herrscht kein übermäßiger Verkehr, hinter mir will keiner mehr zusteigen. Eigentlich eine entspannte Situation. Doch der Fahrer raunzt mich an: “Gehen Sie durch!” “Aber ich habe kein Ticket!.” “Haben Sie was an den Ohren? Gehen Sie durch!” Bei der nächsten Haltestelle versuche ich es noch einmal. Gleiche Reaktion, ohne Erklärung. Die anderen Fahrgäste zucken mit den Schultern. Hauptstadt, Rätselstadt.

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Aus Westfalen erhalte ich ein sehr freundliches Schreiben ohne Adresse und Namen, zusammen mit 50 Euro. Diesem und allen anderen Unterstützern ganz herzlichen Dank!

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Im Café bei BMW am Kaiserdamm. Unmittelbar vor dem Tresen auf dem Boden eine handtellergroße, schwarz-schmierige Masse. Als ich einen der Mitarbeiter, neudeutsch Barrista’, darauf aufmerksam mache, dankt der nicht etwa für den Hinweis, sondern meint sichtlich desinteressiert: Ja, das sei Eis, einem Kind sei die Schokokugel aus der Waffel gefallen. Dann wendet er sich wieder dem Tratsch mit seiner ebenso abständlichen Kollegin zu, obwohl jedem klar sein müsste, dass Kunden ausrutschen oder sich zumindest die Schuhe einsauen könnten. Aber keinem der beiden kommt der Gedanke, den Fleck wegzuwischen. Als ich nach einer Dreiviertelstunde gehe, ist der Fleck noch da, wenn auch inzwischen verschmiert; offenkundig ist jemand hineingetreten.

Diese Mischung aus Desinvolture und Vornehmtuerei an der Grenze zum geschäftsschädigenden Verhalten findet sich immer häufiger. Was früher jeder Bedienung selbstverständlich gewesen wäre, scheint heute vielen unter ihrer Würde. Man ist Barrista, keine Putzfrau. Dass heute für jeden Lehrberuf, für jede Hilfstätigkeit ein Diplom oder Zertifikat verlangt wird, hat die Arbeit zwar nicht besser gemacht. Aber sie hat sie gleichsam erhöht, denn was eine Prüfung verlangt, kann so einfach nicht sein. Erhöht hat dieser Unfug vor allem das Selbstbild der Diplomierten. Und so benehmen sie sich auch.

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Zu Polenz, gefunden auf Facebook: “Sei nicht wie Ruprecht. Laber keinen Scheiß!” Als Maxime für jede Talkshow verwendbar.

Der Maulwurf als Giraffe – und anderer öffentlich-rechtlicher Schwachsinn

Kürzlich nahm ich in Dresden teil an einer Podiumsdiskussion zwischen Vertretern der AfD und dem Chefredakteur des ZDF, Peter Frey, sowie dem von ARD-aktuell, Kai Gniffke. Es ging um die Qualität der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung. Eine wirkliche Annäherung fand nicht statt, dazu war die Wahrnehmung zu unterschiedlich: Die Chefredakteure hielten die Arbeit ihrer Redakteure für gut bis sehr gut, der Publizist Michael Klonovsky, große Teile des Publikums und ich waren anderer Ansicht. Doch fielen einige bemerkenswerte Sätze. So meinte Kai Gniffke, verantwortlich für Tagesschau und Tagesthemen: “Ausgewogenheit gehört bei der ARD zum journalistischen Grundprinzip.”

Wie diese Ausgewogenheit aussieht, konnte man letzten Donnerstag im Morgenmagazin der ARD erleben. Maximilian Krah, Vize der AfD in Sachsen, hatte in einer Kolumne behauptet, im Jahr 2018 seien in Chemnitz bisher 60 Frauen vergewaltigt worden, davon die meisten durch Ausländer. Da für das aktuelle Jahr noch keine Polizeistatistik vorliegt, waren die Zahlen nicht verifizierbar; ob sie falsch sind, sei dahingestellt. Zumindest stellte die Chemnitzer Freie Presse im Juni fest, dass “nahezu jeden Tag die Polizei eine sexuell motivierte Straftat melde”.

Auf Befragung durch das Morgenmagazin räumte Krah seinen Fehler ein, wies aber darauf hin, dass seine These, wonach mit den ‘Flüchtlingen’ die Zahl der sexuellen Straftaten gegen Frauen drastisch gestiegen sei, sich ebenso auf die vorliegenden Zahlen von 2017 stützen lasse. Hierzu hatte er dem Fernsehteam die polizeilichen Daten für 2017 übergeben. Sie dokumentieren einen Anstieg der Vergewaltigungen in Chemnitz seit Öffnung der Grenzen im Jahr 2015 von 4 auf 50, also um über 1200 Prozent.

Diese Fakten wurden vom Morgenmagazin unterschlagen. Kein Wort zu den signifikant gestiegenen Sexualstraftaten, kein Wort dazu, dass die These Krahs in diesem Licht eben doch viel für sich hat. Statt dessen interviewte Patricia Klieme die Vertreterinnen zweier Opferhilfe-Vereinen, die sich bemühten abzuwiegeln. Laut ihrer Websites werden beide Vereine direkt von der sächsischen CDU/SPD-Regierung, vom Landratsamt Erzgebirge oder von der Stadt Chemnitz finanziert und hängen mithin vom Wohlwollen jener Politiker ab, die Grenzöffnung und Kontrollverlust unmittelbar zu verantworten haben. Derartige Gewährsfrauen betrachtet die ARD vermutlich als seriös. Noch einmal: “Ausgewogenheit gehört bei der ARD zum journalistischen Grundprinzip.”

Nachtrag: Wildwasser Chemnitz, einer der befragten Vereine, verlinkt auf seiner Seite auf eben jenen von Maximilian Krah und auch oben zitierten Artikel der Chemnitzer Freien Presse vom 1. Juni 2018. Wenn das alles falsch ist, wundert man sich über die Verlinkung und so viel Alarmismus. Denkbar ist jedoch, dass die ARD-Frau Klieme auch aus den Gesprächen mit den Vertreterinnen der Opferhilfe nur solche Sequenzen verwendete, welche die tatsächliche Bedrohungslage contra-faktisch herunterspielen. Ganz im Sinne öffentlich-rechtlicher Ausgewogenheit.

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Wenn der Global Compact on Migration, wie von der Regierung behauptet, nur unverbindliche Lirum-Larum-Regeln enthält – ist dann die Reise Merkels und der deutschen Delegation in Wirklichkeit ein Spaßtrip und Veruntreuung von Steuergeldern?

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Jede Sprache dient der Verständigung. Letztlich geht es um Wahrheit: Was ist und was ist nicht? Diese Verständigung ist nur möglich, wenn hinsichtlich der Begriffe Einigkeit besteht. Natürlich kann man rot auch blau nennen, Vater Mutter oder Terror Demokratie. Aber dann ist Verständigung ausgeschlossen. Wenn die Begriffe keine Wahrheit haben, endet jede Debatte.

Für die begriffliche Wahrheit ist bei Gegenständen der Phänotyp entscheidend. Ein Maulwurf bleibt ein Maulwurf, auch wenn er selbst vielleicht lieber Giraffe wäre. Das Äußere stellt den Maßstab.

Nur Genderisten bestreiten das, gegen das eigene Vermögen. Wer sie bittet, kurz und verständlich die Unterschiede zwischen den angeblich klar zu trennenden Geschlechtern binär, divers, two-spirit und cis zu benennen, zwischen Unterstrich-weiblich und Sternchen-weiblich, erlebt größte Verlegenheiten. Es käme auf den Willen des Betroffenen an, heißt es. Klar: Dann ist der Maulwurf doch Giraffe.

Was sich als Rücksichtnahme auf individuelle Befindlichkeiten tarnt, ist in Wahrheit ein Kampf um parasitäre Besserstellung. Giraffen beispielsweise sind in Deutschland eine Minderheit. Daher werde sie versorgt, gestriegelt, bekommen ausreichend Futter. Maulwürfe bekommen das nicht. Ihr Leben ist unversorgt, nicht selten sogar bedroht.  

Daher ist es einträglich, Giraffe zu sein. Das ist der ganze Sinn von Gender. Es geht um Zuwendungen, es geht darum, andere für sich arbeiten zu lassen. Wer nicht hetero ist, sondern genderfluid, demigirl, nicht-binär, maverick oder xeno, soll Anspruch auf Förderung haben. Wie bei der Giraffe geht es um Futter und Unterhalt. Und es geht um Macht. Es geht um die Macht, das eigene Klientel auf Kosten anderer versorgen zu lassen, indem man deren Bedürftigkeit gegen jede Wahrheit definiert. Lüge zur Vorteilsgewinnung. Nichts anderes ist Gender.

Das sieht Andrej Reisin, ‘Faktenfinder’ oder Faktenerfinder beim NDR, anders. Er schrieb kürzlich: “Wer gegen Gender ist, ist rechts. Es gibt keinen biologischen Determinismus, der aus dem Vorhandensein bestimmter Organe und Hormonspiegel automatisch ableitet, welche Eigenschaften und Fähigkeiten ein Mensch hat.”

Schon mit Blick auf genetische oder hormonelle Erkrankungen ist das grober Unfug. Aus dem Down-Syndrom lassen sich eben durchaus Schlüsse auf das intellektuelle Potential des Betroffenen ziehen. Richtig ist lediglich, dass auch Menschen ohne Down-Syndrom dem Schwachsinn nahe sein können. Ein Zeichen dafür ist üblicherweise das Bestreiten phänotypischer Merkmale. Wer sich selbst entgegen seinem Erscheinungsbild für Napoleon, Jesus oder Dschingis Khan hält, ist ein Fall für die geschlossene Abteilung. Dass der NDR sich jener annähert, werden angesichts der Äußerung von Herrn Reisin oder mit Blick auf die Realitätsverdrängung in Tagesschau, Morgenmagazin oder Panorama immer weniger bestreiten.

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Ein junger Jude kommt zum Rabbi: “Rabbi, was muss ich tun, um unsterblich zu werden?” “Nun, heirate!” “Macht mich das denn unsterblich?” “Nein, aber es nimmt Dir den Wunsch.”  (mit Dank an CG)

Fischköppe, Fischfilets

Twitter-Perle: “Und der Haifisch, der hat Zähne / und die trägt er im Gesicht! / Und der Flüchtling hat ein Messer / doch der Staatsfunk sieht es nicht!” (Dank an MS)

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Für den 3. September notiert: Punk ist tot! Er war schon lange leere Geste, keine wirkliche Verweigerung, sondern nur die aufgesetzte Selbsthypnose der Wohlstandsverwahrlosten. Mit dem Konzert in Chemnitz, beworben von dem SPD-Funktionär Frank-Walter Fischfilet, ist Punk endgültig in Staatsdienste getreten. Klarer kann er seine Wurzeln nicht verraten. Immerhin: Nicht alles, was Angela Merkel mit ihrer Politik zerstört, gibt Grund zur Trauer.

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Unverändert eine grobe Ungerechtigkeit gegenüber dem weiblichen Geschlecht: Roland Freisler ist immer noch bekannter als Hilde Benjamin.

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Wer nie bei links-grünen Anwälten, Professoren, Lehrern zu Gast war und dort über Benjamin Netanjahu, das neue Nationalitätengesetz oder die ‘jüdische Kontrolle der Medien’ hat sprechen hören, weiß nicht, was willige Vollstrecker sind. 

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Hamburg behauptete über viele Jahre, im Vergleich mit Berlin die feinere, stilvollere, besser angezogene Stadt zu sein. Das scheint, zumindest mit Blick auf die Männer, vorbei. Selbst in gut situierten Kreisen herrscht bei einigen eine Ungezwungenheit in Fragen von Umgang und Kleidung, die man eher in Neukölln und Wedding verorten würde. Immer noch, trotz der Adaption durch Halbwelt- und Sonnenstudio-Szene, ist ‘Proling’ der angesagte Kleiderstil, also kunstvoll beschädigte oder abgewetzte Jeans, die irgendwie suggerieren sollen, ihr Träger gehöre zur Schicht der Arbeiter und verfüge über handwerkliche Fähigkeiten jenseits der Erinnerung an den Sechskant von Ikea. Dazu trägt der Als-ob-Malocher auch im fortgeschrittenen Alter ein schlichtes T-Shirt, das nach nichts aussieht und aussehen soll, aber 120.- Euro kostet. Beide Textilien sind eng geschnitten, was die sich abzeichnende Wampe betont, gleichzeitig aber, wie auch der Verzicht auf Rasur, die Authentizität des Proleten-Theaters erhöht. An den Füßen Chucks, womit die Garderobe der Väter auch beim Schuhwerk der ihrer Söhne gleicht. Wird es am Abend kühl, werden Kapuzenpullover (‘Hoodies’) übergezogen, als sei man im Fitnessstudio, nicht Gast einer Einladung. Die fast durchgehend gut gekleideten Frauen scheinen sich an der Kostümierung ihrer Männer nicht zu stören. Manche spottet zwar über den Rückfall ihres Gemahls ins Studentische, doch erscheint diese Art der Midlife-Crisis den meisten als deren erträglichste Form. Außerdem genießen sie den Kontrast. Denn nichts weist deutlicher auf das wahre Alter als die Betonung einer nicht gegebenen Jugendlichkeit. Nur gefärbte Haare und ein Goldkettchen fehlen noch zum Sugardaddy. Im Büro tragen all diese Leute ausschließlich Anzug.

Und noch eine Mentalitätsverschiebung ist bemerkbar. Nur noch wenige Hamburger zeigen in politischen Fragen die früher so angenehme Gelassenheit der Hanseaten. Statt dessen meinen nicht wenige, dass ein wunderbar lauer Sommerabend danach rufe, Debatten über das “schwachsinnige Parteiprogramm” der AfD zu starten. Das ist nicht ohne Komik. Während draußen die Phalanx der großen Geländewagen steht und die Frauen über den gerade beendeten Familienurlaub in den USA, in Frankreich oder auf Sardinien sprechen, erklingt im Garten das Lamento, die AfD “leugne den Klimawandel”. Andere, deren Berufsweg ausschließlich der Optimierung des persönlichen Vermögens galt, die noch nie freiwillig etwas für dieses Land getan, geschweige denn Abende und Wochenenden irgendeiner Parteiarbeit gewidmet haben, belehren darüber, wie Demokratie funktioniere. Oder sie halten, selbst Banker oder IT-Berater, eine AfD-Mitgliedschaft für “unter meinem Niveau”. Einer kritisiert diesen Blog, den er schon lange nicht mehr lese, ginge es doch “immer um dieselben 4 oder 5 Themen”. Der Hinweis, die meisten Werke, seien es Ilias, Prinz von Homburg, Buddenbrooks oder die kleine Raupe Nimmersatt, kreisten sogar nur um ein Thema, greift irgendwie nicht durch; vermutlich waren drei der Werke dem Kritiker unbekannt. Eine hübsche Mutter möchte keinesfalls “zurück an den Herd”. Dass die AfD dies nirgends fordert, verhallt ungehört. Zuvor klagte dieselbe Frau wortreich über die – finanziell keineswegs notwendige – Doppelbelastung durch Kinder und Beruf.

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GenderStudies sind keine neue Erfindung. Schon die alten Griechen kannten Versuche, das Geschlecht zu konstruieren. So steckt die Meerjungfrau Thetis ihren kleinen Sohn Achill in Mädchenkleider und lässt ihn zusammen mit den Töchtern des Lykomedes erziehen. Die Verweiblichung soll das Orakel überlisten, wonach Achill zwar ein Held, jedoch im Trojanischen Krieg sterben werde. Doch die Griechen brauchen Achill, denn ohne ihn, auch das eine Prophezeiung, werden sie den Krieg nicht gewinnen. So schicken sie, als einige Jahre später der Krieg unausweichlich wird, den listigen Odysseus auf die Suche, der als Kaufmann verkleidet den Töchtern des Lykomedes Gastgeschenke überreicht: Schmuck, Haute Couture, aber auch einen Speer und Schild. Als einzige der ‘Töchter’ greift Achill sofort voller Freude zu den Waffen… (mit Dank an CG)

Verbrannte Schmetterlinge, geschächtete Debatten

Was heute Tinder ist, waren früher Bücher. In Cafes, in der Bahn oder im Park traf man auf Leserinnen, und die Bücher eröffneten das Gespräch, waren Versprechen oder Warnung: Koeppen tranig, Beauvoir anstrengend, Fromm verlabert-esoterisch. “Ich habe Dir nie einen Rosengarten versprochen” bedeutete: Finger weg! Mädchen, die J.K.Toole oder Dylan Thomas lasen, waren weit vorn. Heute starrt jede auf ihr Handy.

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1965 sorgte der Regisseur Peter Brook mit der Inszenierung von ‘US’ am Londoner Aldwych-Theater für einen großen Moment in der Geschichte der Bühnenkunst – und für einen Skandal. Als Sinnbild für die Bombardierung der vietnamesischen Zivilbevölkerung mit Napalm verbrannte einer der Schauspieler auf der Bühne einen lebenden Schmetterling. Die Empörung war immens: Zuschauer verließen weinend den Saal, es gab Proteste, wüste Anwürfe, Drohungen. Während jeder der Theatergänger in seinem Leben vermutlich schon dutzende Insekten getötet hatte, weil sie ihn beim Schlafen, Essen, Lesen störten oder ihm einfach, wie manches Spinnentier, Unbehagen bereiteten, zeigte er bei der Bühnenverbrennung plötzlich mehr Herz für den Falter als für jedes vietnamesische Kind. Die Erregung war schließlich so groß, dass Brook den Feuertod nur noch simulieren ließ. Die Tierliebe hatte gesiegt – oder, wie andere meinten, Hysterie und Verlogenheit.

Vermint ist das Feld noch immer. Im Verbreitungsgebiet der Hannoverschen Allgemeine (HAZ) tauchten kürzlich Aufkleber mit dem Slogan “Mätoo” auf, eine gegen das Schächten gerichtete Verballhornung der Hashtag-Kampagnen “#Metoo” respektive “#Metwo”. Ich postete den Artikel mit dem Hinweis, dass mich das Thema ‘Schächten’ nicht interessiere (wörtlich: es mir egal sei), um so mehr jedoch die journalistische Einordnung durch die HAZ: Die nämlich vermutete sofort “islamkritische” und gar “rassistische” Motive hinter der Aktion. Selbst eine intelligent-subversive Kritik am Schächten gilt heute manchem Blatt als Ausdruck von Rassismus.

Doch nicht diese Tabuisierung einer notwendigen Debatte erregte die Gemüter, sondern mein Bekenntnis, dass mich die Frage des Schächtens nicht sonderlich interessiere. Einige waren “schockiert”, andere kündigten die Facebook-Freundschaft, eine nannte mich ein “Ekelpaket”. In Fragen des Tierschutzes ist schon Indifferenz ein Vergehen. Auch der Hinweis, dass man sich kaum über das Schächten empören könne, solange man über Massentierhaltung und Tiertransporte hinwegsehe, und dass auch beim ‘normalen’ Schlachten der Tod auf das Tier warte, half nicht. Ich hatte einen Schmetterling verbrannt.

Tatsächlich verfolgt mich dieser Schmetterling mit einer gewissen Hartnäckigkeit. 2002 wurde der Tierschutz als Staatsziel ins Grundgesetz aufgenommen, und auch in den Redaktionen gab es viele Befürworter. Die allerdings störten sich an meiner Prognose: Nehme man die Regelung ernst, müsste man Massentierhaltung untersagen. Dann aber werde Fleisch zum Luxusartikel. Zudem sei auch das Schächten zu verbieten, was sofort den Vorwurf des Antisemitismus nach sich ziehe. Daher werde der Tierschutz als Staatsziel nur eine Luftnummer bleiben: Kein Politiker wolle dem Arbeiter das Aldi-Kotelett wegnehmen, kaum einer sich mit der Landwirtschafts-Lobby anlegen – und mit der jüdischen Gemeinde schon gar nicht. Bei mehreren Kolleginnen war ich damit ‘unten durch’; wochenlang maßen sie mich mit bösen Blicken, so als hätte ich die Vergiftung ihrer Katzen und Sittiche zu Unterhaltungszwecken gefordert.

Neues zum Thema Schächten kommt nun aus Österreich. Dort entschied ein Landesverwaltungsgericht, dass die Versorgung mit geschächtetem Fleisch mit Blick auf das Leid der Tiere eng gefasst werden müsse. Nur wer glaubwürdig religiöse Motive vorweisen könne, dürfe, so das Gericht, derartiges Fleisch erwerben. Anderenfalls bestünde die Gefahr, dass alle Schlachtereien zum Schächten übergingen, um sich – neben der sonstigen – auch die muslimisch-jüdische Klientel zu sichern. Diese Entwicklung sei jedoch mit dem Tierschutz unvereinbar.

Wie aber die Vorgabe umsetzen? Der Vorschlag eines Landeshauptmanns, wonach sich jüdische oder muslimische Käufer namentlich anmelden sollten, führte zu einem Aufschrei der jüdischen Gemeinde, natürlich unter Hinweis auf die Deportations-Listen der Nazis. Eine eigene Lösung blieb die Gemeinde schuldig.

Eben das monierte ich gegenüber einer Berliner Jüdin, die mich auf den Fall aufmerksam gemacht hatte. Als religiös oder gar orthodox war sie mir bisher nicht aufgefallen, und so erlaubte ich mir zu bemerken, dass religiöse Speiseverbote auf einen Agnostiker wie mich wie ein negativer Gottesbeweis wirkten. “Wenn der Herr auf so etwas achtet, befasst er sich mit Dingen, die an seiner Weisheit, Allmacht und damit an seiner Existenz zweifeln lassen.” Auch das war ein verbrannter Schmetterling. “Ich dachte”, so die Antwort, “Sie sind ein Demokrat und kein Faschist”. Selbst Agnostizismus steht heute unter Faschismus-Verdacht, und jeder Spott über steinzeitliche Rituale. So erfasst die Absolutierung der Kultur nun auch das Denken ehemals vernünftiger Leute. Und jede Debatte wird geschächtet.

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Nicht ganz ohne Verbindung zum Vorigen: “Nichts können viele deutsche Juden weniger ertragen als einen Deutschen ohne anti-semitische Vorurteile.” Nahum Goldman (1895 – 1982), Chef des World Jewish Congress.

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Café Savigny, Grolmanstraße, Treffen mit einem Parteikollegen. Mitten im Gespräch tritt die Besitzerin des Cafés an den Tisch, unterbricht uns und maßregelt aus dem Blauen heraus den Kollegen. Er habe sich hier vor einem Jahr mit einer Journalistin von Cicero getroffen, und die hätte den Namen des Cafés in ihrem Artikel gebracht. Das sei unerhört, er wie auch die Journalistin hätten vorher um Erlaubnis fragen müssen. Man sei ein weltoffenes Café, usw, usw. Lauter dummes Zeug. Wie so oft: Mangel an Manieren, Mangel an Toleranz, verbrämt als Verteidigung von Weltoffenheit.

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Gehört: “Winselfächer” als Sammelbegriff für GenderStudies, Erziehungswissenschaften, Psychologie…

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Ein amerikanischer Freund will eine Diskriminierungs-App entwickeln. Erfasst würden Herkunft, sozialer Status, Geschlecht, Religion, Gewicht, Hautfarbe, sexuelle Orientierung und anderes mehr. Index 100 sei der weiße, alte, schlanke Mann aus Iowa. In Gesellschaften, in denen Leistung immer weniger, Diskriminierung immer mehr zähle, sei eine solche App für Behörden, Personalabteilungen und Migrationsstellen unverzichtbar. Endlich lasse sich zweifelsfrei ermitteln, ob der übergewichtige, verpickelte Analphabet aus Kirgisistan oder die einbeinige Lesbe aus Swasiland im Diskriminierungsranking höher stehe! Tatsächlich ein Gewinn.

Fuckheads, Deerns und ‘Gesockst’

Einige einfache Geister halten es immer noch für eine originelle Meinung, die Verschwörer des 20. Juli als ‘Verräter’ zu bezeichnen. Ihnen der Hinweis: Bei Staatsstreichen und Seitensprüngen ist Treue oftmals hinderlich.

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Auf Amazon die Serie ‘Goliath’ entdeckt. Die erste Staffel gut, die zweite zu brutal. Aber immer sehenswert: Billy Bob Thornton als Anwalt McBride. Zu ihm eine kleine Anekdote, in Teilen einst in BILD berichtet, aber zu schräg und amüsant, als dass sie nicht noch einmal erinnert werden sollte. Also: Eine Zeitlang schrieb ich auch Filmkritiken, und als 2001 ‘Banditen’ in die Kinos kam, lud Metro-Goldwyn-Meyer zu Interviews mit zwei der Hauptdarstellern, Thornton und Willis, nach Los Angeles. Business Class, Limo-Service, Luxushotel, man trieb einigen Aufwand. Und so auch Bruce Willis. Er lag beim Interview in fötaler Haltung auf einem dieser seltsamen, nur in Hotelzimmern anzutreffenden 2-sitzigen Sofas, die Knie an den Bauch gezogen, das Gesicht zur Rückenlehne. Zu seiner Seite, auf winzigen französischen Empire-Stühlchen, seine Bodyguards: Ein gewaltiger, kahlköpfiger, über und über tätowierter und mit Bling-Bling behangener Farbiger, dessen Oberarme an den langen Mißbrauch von Anabolika denken ließen. Auf der anderen Seite der Bruder des schweigsamen Indianers aus ‘Einer flog über’s Kuckucksnest’. Ob seine Lider funktionierten, war nicht auszumachen; zumindest während des Interviews blinzelte er nicht. Auch sein Kollege starrte mich durchgehend an, durch gitterartig verschränkte Finger, die er sich vors Gesicht hielt. Zwei Charmeure…

Herr Willis hingegen war unleidlich. Ob die Haltung bequem sei oder er das Interview lieber im Sitzen führen möge? “You’re fuckheads!” Was ihn am Drehbuch von Harley Payton gereizt, ob er es noch verändert habe? “You’re fuckheads!” Wie lange seine Vorbereitung auf den Film gedauert hätte? “Fuckheads, fuckheads, fuckheads!” Was er seinen Kindern sagen würde, warum sie den Film sehen müssten? “Fuckheads. All journalists are fuckheads!” Und so weiter, und so weiter. Ich ging meine Fragen durch, Willis antwortete in bestechender Variationsbreite. Innerlich jubelte ich. Klar war: Das war großes Kino! Keine ernsthafte Antwort hätte mir so viel Stoff gegeben.

Nur die PR-Frau, die später ins Zimmer trat, fand all das nicht komisch, meine fröhliche Amüsiertheit war ihr suspekt. Das könne ich keinesfalls schreiben, “Bruce” sei heute etwas angeschlagen und sie “so sorry, so sorry, so sorry”. Musste sie nicht sein. Der Film war leicht und gut, und das Interview ein Glücksfall.

Später dann mit Billy Bob Thornton. Entspannt, freundlich und mit dieser professionellen amerikanischen Zugewandtheit, so als könne sich Thornton nichts Schöneres vorstellen, als mit einem deutschen Journalisten zu reden. Am Ende zitierte er die erste Strophe von Heines ‘Loreley’. Seitdem: Mehr als ein Stein im Brett.

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Ein Dogan Murat schreibt mir auf Facebook: “Du dummes Stück Scheiße. Du und deine ganze Sippschaft seid Gesindel. Ich braunes gesockst.” Dem letzten Satz ist schwer zu widersprechen, und “Gesockst” made my day. Der Duden sollte es aufnehmen.

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Freunde hatten kürzlich auf eine neue Form des linken Ritterschlags hingewiesen: Entstellende Einträge auf Wikipedia. So einer findet sich nun auch beim Eintrag, der meine Person betrifft. Meine Haltung zum Holocaust wird in ihr Gegenteil verkehrt, ein offensichtlich ironischer Eintrag wörtlich genommen. Die Arbeit von Denunzianten. Ich hatte die Anwerferei einmal löschen lassen, nun ist sie wieder da. Soll sie bleiben, so wichtig ist Wiki nicht. Aber dass es Leute gibt, die ihre Zeit mit derartigen Nickligkeiten verbringen… Das Leben der Anderen, hier dokumentiert.

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Ihren Verfassungspatriotismus haben viele Linke erst in dem Moment entdeckt, als sie feststellten, dass sie die Verfassung jederzeit brechen können.

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Ende 2012 ging der MEDIENDIENST INTEGRATION online. Er bezeichnet sich als Informations-Plattform für Medienschaffende. “Hier”, so die Selbstdarstellung, “finden Journalisten mit wenigen Klicks die wesentlichen Informationen zu den Themenfeldern Migration, Integration und Asyl in Deutschland.”

Das ist kaum zu hoffen. Denn geleitet wird der Dienst von Mehmet Ata, dem ehemaligen Sprecher des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Spätestens seit den jüngsten Skandalen steht dieser Arbeitgeber nicht mehr in dem Ruf, die “wesentlichen Informationen zum Themenfeld Migration” zu liefern, sondern eher, sie zu hintertreiben. Unterstützt wird Herr Ata von der Journalistin Rana Göröglu (ehemals ZDF, radio multikulti, Berliner Zeitung) und dem früheren taz-Redakteur Daniel Bax. Auch deren Lebensläufe klingen nicht unbedingt nach journalistischer Distanz zum Gegenstand ihrer Arbeit.

Wie es um diese Arbeit qualitativ bestellt ist, machte letzte Woche ein Interview mit der Sprachforscherin Elisabeth Wehling deutlich. Sie wusste zu berichten, dass es gar keine Islamkritik geben kann: “Man kann kritisieren, dass es Menschen gibt, die an Religionen glauben. Oder bestimmte Aspekte einer Religion. Aber eine Religion an sich kann man nicht kritisieren.” Zudem laufe “das, was ‘Islamkritik’ genannt wird, meist darauf hinaus, die Religion verantwortlich zu machen für alle Dinge, die in ihrem Namen getan werden. Das spiegelt sich auch in Begriffen wie “islamistischer” Terror wieder. Manche reden sogar von “islamischem Terror”. Damit etabliert man eine Interpretation der gesamten Religion, die sie per se in die Nähe von Gewalt rückt.”

Stimmt. Aber diese Interpretation ist eben zutreffend, wenn die Religion selbst die Nähe zur Gewalt sucht, weil sie Gewalt und Weltherrschaft verherrlicht. Und genau das tut der Islam, genau das steht in seinem Gründungswerk. Im Koran ist von Juden als ‘Affen und Schweine’ die Rede, dort findet sich der Befehl, Apostaten zu töten, dort ist die Entrechtung der Frau in vielen Versen verankert wie auch die Homophobie. Und dort wird zum immerwährenden Kampf gegen Andersgläubige aufgerufen, der jede Grausamkeit rechtfertigt. Der Koran ist ein Buch der Gewalt und des Krieges; das ist der Geist, der in ihm herrscht. Und das ist auch der fundamentale Unterschied zum Neuen Testament. Kein Christ kann sich für irgendeine Schandtat auf ihren Gründer und seine Worte berufen; Muslime können das.

Verstehen kann die Einschätzungen von Frau Wehling daher nur, wer so Hamburger-Deern-haft unbeleckt in die Welt schaut wie die Sprachwissenschaftlerin auf ihrer Homepage. Was sie im Gespräch mit dem schon erwähnten Herrn Bax von sich gibt, was der MEDIENDIENST INTEGRATION der Veröffentlichung für wert hält, sind nichts als Dummheiten. Es ist die pseudo-wissenschaftlich verbrämte Version der alten Exkulpationsformel der Muslimverbände, wonach kein Anschlag, kein ‘Ehrenmord’ und kein antisemitischer Übergriff etwas mit dem Islam zu tun habe. Es ist, mit einem Wort, Lüge. Oder Desinformation.

Finanziert wird dieser Desinformationsdienst von der Bundesregierung und dem Asyl- und Integrationsfonds der EU, also aus Steuermitteln. Dazu kommen einigen Stiftungen, darunter die berüchtigt linkslastige Amadeu-Antonio-Stiftung. Auch die lebt weitgehend von Steuergeldern. Wer daher den Eindruck gewinnt, hier handele es sich um eine staatliche finanzierte Propaganda- und Versorgungsstelle für gescheiterte linke Journalisten, liegt vermutlich nicht ganz falsch. Und damit keine Kritik an solcher Amigo-, Klientel- und Bestechungspolitik der Regierung aufkommt, hat man Vertreter der meisten etablierten Medien im Fachbeirat versammelt: ZDF, FAZ, DIE WELT, Tagesspiegel, RTL, Süddeutsche, SPIEGEL, WDR. Und natürlich auch die besonders korrupte ZEIT, die auch bei der Amadeu-Antonio-Stiftung mitmischt. Selbst Hans-Jörg Vehlewald, ein geschätzter Ex-Kollege von BILD, lässt sich für diesen Schmarrn mißbrauchen. Eine Schande.

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Einst hatte ich in diesem Blog auf den skandalösen Rentenbetrug zu Lasten jener Deutschen hingewiesen, die aus der DDR geflohen sind, oftmals nach Jahren großer Entbehrungen, Schikanen, Enteignungen. Diese Menschen trugen maßgeblich dazu bei, das Honecker-Regime zu destabilisieren, auch gerade moralisch. Denn sie waren der Beweis, dass die DDR eben doch eine totalitäre Cliquenherrschaft war und nicht das Arbeiter- und Bauern-Paradies, wie es die DDR-Propaganda kundtat, assistiert von ZEIT und SPIEGEL. Vielleicht greifen deshalb diese Blätter den Skandal nicht auf, geradegestellt ist die Sache jedenfalls immer noch nicht. Dass dies mit voller Absicht der Regierungschefin und der links besetzten Ministerien geschieht, die im nachhinein Rache an denen nehmen, die aus dem ‘besseren, sozialistischen Deutschland’ geflohen sind, ist keine abwegige Spekulation. Nun gibt es eine Petition, die jeder unterzeichnen sollte, dem Haltung und Rechtsstaatlichkeit am Herzen liegen. Der Link zur Petition ist hier.

Coffee Togo und andere Narrheiten

Der Artikel von Mariam Lau in der ZEIT zur Seenotrettung wirft unter den Lesern hohe Wellen. Barbarisch sei die Sicht der Autorin, inhuman, menschenverachtend, demagogisch, ein Plädoyer für’s Ersaufenlassen. Sie solle sich schämen, mal Artikel 1 Grundgesetz lesen oder Anne Frank fragen. Sofern Lau selbst einmal in Seenot gerate, sei zu überlegen, ob man sie rette. Und so weiter, und so fort. Auch ZEIT-Leser wollen so verroht sein, wie es die Redaktion in ihrer Nähe zur grünen Päderastie oder zur “Systemalternative DDR” oftmals schon war.

Schön auch der Gedanke, von vielen Empörten so oder ähnlich zitiert: “Menschen zu retten ist menschenrechtliche Pflicht!” Jene 100.000 Kinder, die jedes Jahr allein in Deutschland abgetrieben werden, scheinen von dieser Pflicht ausgenommen.

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“Ich würde mich freuen, wenn jemand wie Helene Fischer mal auf ihrem Konzert sagen würde: Ich finde die AfD doof,” meint der Schauspieler Ulrich Matthes, ein Bewunderer der Kanzlerin und Wolfgang Schäubles. Mit ihm würde er gern Shakespeares King Lear inszenieren. Eine gute Wahl: Das Drama um einen König, der ebenfalls zu Kindersprache und kindischer Naivität zurückkehrt, Politik für doof hält und das Land ins Chaos stürzt. “Thou shouldst not have been old till thou hadst been wise”.

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Dialog mit einer erregten Silversurferin bei einer Diskussionsveranstaltung: “Sie wollen ernsthaft den Migrationshintergrund von Straftätern feststellen lassen, Herr Fest?” – “Ja, gewiß.” – “Und wie soll das gehen? Wollen Sie von jedem in Deutschland ein genetisches Profil erstellen? Vielleicht sind auch Sie nicht reinrassig, vielleicht hat Ihre Mutter mit einem Schweden oder Russen geschlafen.” – “Charmant. Aber es geht hier um den Migrations-, also den kulturell-weltanschaulichen Hintergrund, nicht um den genetischen. Insofern würde ich einfach fragen, woher Eltern und Großeltern stammen.” – “Das ist Rassismus!”

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Sitzung des akademischen Senats einer linksrheinischen Uni. Die Rektorin ermahnt einen Professor, seine Anträge künftig in gendergerechter Sprache zu stellen, wie von der Verwaltung beschlossen. Der Professor wehrt sich: Das stünde nirgends im Gesetz, und wissenschaftlich lasse sich weder Neutrum noch ein ‘drittes’ oder sonstiges Geschlecht ermitteln. Insofern sei der Beschluß reine Willkür, und der werde er sich nicht beugen. “Aber Sie sollten schon Menschen so ansprechen, wie jene das für richtig halten.” “Wenn das so ist, bin ich für Sie und alle in der Verwaltung ab heute ‘Mein Führer’”. Totenstille. Die anwesenden Kollegen hätten so getan, als seien sie vertieft in ihre Akten.

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Ein Freund, ausgestattet mit Ruderboot und allen notwendigen Berechtigungen, angelt bei Sonnenaufgang im Chiemsee. Ein Elektroboot nähert sich und geht längsseits. Es ist der Beamte für die Kontrolle des ordnungsgemäßen Angelwesens. Hier ist nicht alles ordnungsgemäß: Der gerade gefangene Fisch ist noch nicht ins Angelverzeichnis mit Länge und Fangort eingetragen, dennoch die Angel schon wieder ausgeworfen. Das ist, man glaubt es nicht, eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem deutlichen Bußgeld geahndet wird. Hier funktioniert der Rechtsstaat.

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“Bitte einen Coffee Togo zum Mitnehmen”. Fangstricke des Alltags-Germish, keine Reminiszenz an deutsche Kolonialgeschichte.

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Schlussworte aus einem Brief des zu früh verstorbenen FAZ-Redakteurs Hennig Ritter an einen überschätzten Sozialhistoriker: “Für Ihren weiteren Lebensweg, den ich schon jetzt aus den Augen verliere, wünsche ich Ihnen alles Gute.”

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Absehbar: Die ZEIT ist eingeknickt. Sie entschuldigt sich dafür, dass man angeblich den Artikel von Mariam Lau missverstehen konnte. Doch missverständlich war hier nichts. Es ging vielmehr um das bewusste Nichtverstehenwollen mit dem Ziel, Lau zu diskreditieren. Das übliche Verfahren von Denunzianten – und es wird nun von Giovanni di Lorenzo, Sabine Rückert und Bernd Ulrich gedeckt. Zu den Anwürfen gegen die Autorin kommt die Feigheit der Chefredaktion. Wieder bestätigt sich der erste Eintrag in diesem Blog: Die ZEIT als Odenwaldschule des deutschen Journalismus.

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Hübsche Idee eines Freundes: Eine Ehrennadel für alle, die von ihrer Redaktion im Stich gelassen und verraten wurden. Da hätte man bald ein Ressort zusammen. Und es würden täglich mehr.

Lebenslanges Lernen, lebenslanges Labern

Wenn es ein symbolisches Bild gibt für den Zustand der EU, dann ist es jenes, das Jean-Claude Juncker abgab beim jüngsten Nato-Gipfel in Brüssel. Volltrunken, wirr mit den Händen nach Halt suchend und nicht in der Lage, ohne Hilfe Dritter ein Podest zu besteigen oder zu verlassen. Symbolträchtig auch die Reaktionen: Während Donald Trump sichtlich auf Distanz hielt, stützten die europäischen Regierungschefs den torkelnden EU-Kommissionspräsidenten. Keiner von ihnen widersprach der offen wahrheitswidrigen Pressemitteilung, die schweren Gleichgewichtsstörungen seien Folge von Rückenproblemen; niemand stellte die Frage, ob Juncker für sein Amt noch geeignet sei. Das eben ist Brüssel: Die Herrschaft des Wegschauens, das Ausblenden selbst offenkundiger Probleme. Kein Manager, der derart tief ins Glas blickt, wäre lange auf seinem Posten; übersähe er derartige Ausfälle bei Mitarbeitern, dürfte er sich bald wegen Verletzung der Fürsorgepflicht verantworten. Und der Nato-Gipfel war nicht der erste schwankende Auftritt Junckers. Doch in Brüssel kann auch ein schwerer Alkoholiker lustig in seinem Amt bleiben. Und so ist dann auch die dortige Politik.

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Evangelischer Pfarrer zu einer Freundin nach der Beerdigung ihrer Mutter: “Und was ist Ihr nächstes Projekt?”

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Humboldt-Universität Berlin, Treffen der Wertekommission. Der 2005 gegründete Gesprächskreis von Managern und Unternehmern, finanziert von deutscher Wirtschaft und Banken, befasste sich einst mit ethischen Fragen der Unternehmenskultur, neudeutsch Corporate Identity. Wer solche hochgemezzten Talkrunden als Alibi-Veranstaltungen abtat, um exzessives Profitstreben moralisch aufzuladen, darf sich heute bestätigt fühlen: Volkswagen, Siemens, Deutsche Bank. Viel gebracht haben die Appelle ans gesellschaftskompatible Wohlverhalten nicht. Wenn’s um Werte oder Wertschöpfung geht, entscheiden sich Manager meistens für letztere. Denn nicht nur sie, auch Aktionäre wollen Geld sehen. Der Bonus ist vielen wichtiger als das Paradies.

Vielleicht ist man daher ein wenig von der alten Thematik und Zielsetzung abgekommen. Beim 49. Treffen, hochmögend “Werteforum” genannt, spielten Werte nur noch im Titel eine Rolle: “Werte und Führung: Welche Charaktere und Werte brauchen Unternehmen in Zeiten disruptiver Veränderungen?” In der Sache ging es um den ewig neuen Quark von Unternehmensführung und deren Instrumente – um Coaching, Fortbildung und Führungsseminare. Und tatsächlich scheint all das allmählich ein Wert an sich, so wie Teamfähigkeit oder Lebenslanges Lernen. Ob die deutsche Wirtschaft auch deshalb immer mehr ins Hintertreffen gerät, weil sie so etwas ernsthaft glaubt? Ein Bauer, der den Wert seiner Arbeit nicht an der Ernte bemisst, sondern an Aussaat und glücklichen Ähren, wäre nicht lange im Geschäft.

Erstaunlicherweise zeigte gerade das Gesprächsformat, dass jene Leute, die angeblich für Zukunft stehen und für ‘disruptiven Wandel’, am Hergebrachten so festhalten wie der DFB an Jogi Löw. Während selbst die öffentlich-rechtlichen Siebenschläfer Zweifel an Formaten wie Maischberger, Will oder Illner bekommen, inszeniert sich die Zukunftsbranche als Grundschulklasse: Wenn der Lehrer ruft, trägt ein jeder sein Sätzchen vor, zumeist ohne Bezug auf das zuvor Gesagte. Statements statt Diskussion. Immerhin gab Moderator Philipp Busch der Sache Form und Schärfe. Würde er die Scheindebatte als Selbstgespräch führen, wäre sie unterhaltsamer; auch würde man vermutlich mehr lernen. Denn die Gäste, nennen wir sie karätig, hatten nicht einen Gedanken beizutragen.

Am Ende allerdings ein Lichtblick, ein schöner Service, auch jeder Talkshow zu empfehlen: Ein Co-Referent hatte sich der Mühe unterzogen, die wichtigsten Statements der vorangegangenen 90 Minuten zu notieren. Die trug er nun vor, rund 30 Sentenzen. “Führung braucht Verantwortung”, “Unternehmen sind lernende Gebilde”, “Ohne Freiräume keine Eigenständigkeit”. Und ähnliche Küchenweisheiten mehr. Die alte Erkenntnis: Gespräche über Werte tun entweder weh, weil sie nach  persönlicher Verantwortung fragen; oder sie sind quälend banal. Das war hier der Fall. Und das macht gute Predigten so selten.

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Thailand, Chang Rai. Wo sind eigentlich die multikulturellen und Transgender-Taucher im Rettungsteam, wo die bekennend lesbischen Frauen? Irgendwie scheinen die Thais nicht viel von Diversität zu halten – wie die meisten Rettungskräfte dieser Welt.

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Mein Blick auf Coaching und Führungs-Workshops ist, mancher mag es bemerkt haben, von Skepsis geprägt. Erfahrungen mit einigen dauergecoachten Chefs trugen dazu bei: Wenn es hektisch wurde, wenn sich ihr Vorgehen als falsch, ihre Sicht als irrig erwies, waren all die schönen Seminar-Stanzen schnell vergessen. Dann herrschte nicht das Argument, sondern ‘Oben sticht Unten’.

Dennoch gilt vielen Unternehmen die ständige Optimierung ihrer Mitarbeiter als Schlüssel für die Zukunft – gestützt auf eine stetig wachsende Coaching-Industrie. Das ist erstaunlich, denn die Erfahrung sagt eher das Gegenteil: Menschen sind durch Argumente kaum zu beeindrucken. Jede Talkshow zeigt das dutzendfach. Und noch viel weniger sind sie bereit, ihr Verhalten aufgrund guten Zuredens zu ändern. Wäre es anders, würden beispielsweise Gesprächs-, Paar- und Verhaltenstherapien wirken, müsste die Zahl der Scheidungen deutlich sinken. Das aber ist bekanntlich nicht der Fall, obwohl hier die persönlichen Folgen ungleich dramatischer ausfallen als in Unternehmen. Vielleicht ist der Mensch doch weniger Knetmasse, als mancher Coach glaubt. Mit Goethe: “Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen / Die Sonne stand zum Gruße der Planeten…”

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Zur fortgesetzten Lügenmär der “Einzelfälle”, mit der die Medien Messerstechereien, Vergewaltigungen und Gewaltdelikte kleinreden, bemerkte ich im März, dass nach dieser Deutung wohl auch der Holocaust eine Häufung von Einzelfällen sei, wenn auch eben von 6 Millionen. Das haben bayrische Grüne wörtlich genommen. Sie empörten sich, diese Bemerkung zeige meine Sicht auf den Holocaust. Dass ich ihn als Folge einer “bösartigen Ideologie der Weltherrschaft und Vernichtung” bezeichnete, müssen sie überlesen haben. All jenen Freunden des Vereins zur Pflege der Dyslexie e.V. daher mit Bismarck folgender Hinweis: “Ich bediene mich gelegentlich der Redefigur der Ironie, einer Redefigur, bei der die Worte nicht immer das meinen, was sie buchstäblich bedeuten, sondern mitunter auch das Gegenteil.”

Noch dazu. Könnte man heute noch einen Film wie ‘Hair’ drehen? Lange Haare standen einst für Witz und originellen Protest; heute sind sie meistens Ausdruck all dessen, was Biographien verlässlich scheitern lässt: Phonemische Rechtschreibung, GenderStudies und anderer Bildungsverlust.

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“Mit allem”. Nicht nur die bevorzugte Version des Döners, sondern auch Motto Merkelscher Einwanderung: Mit Vergewaltigern, Mördern, Kinderschändern, Terroristen…

Goodbye, Agenda-Setting! Über den Hirntod deutscher Medien.

Vor einiger Zeit wies ich in einer Rede auf die konzeptionellen Ähnlichkeiten zwischen der AfD und der erfolgreichen BILD alter Tage hin. Wie heute die AfD stand die BILD der 1980 und 1990 Jahre klar gegen Regierung und Establishment; wie die AfD war die alte BILD realistisch-konservativ, folgte also nicht den Tagesparolen der Refugees-Welcome-Utopisten; wie die AfD war die vergangene BILD unverstellt patriotisch, nationalstaatlich und skeptisch gegenüber der Brüsseler Bürokratie; wie die ‘Alternative’ war BILD politisch unkorrekt und stolz darauf, ‘populistisch’ zu sein, also Sprachrohr des Volkes; wie der AfD galt BILD aus diesem Grunde der Haß des linken, volksfernen Juste Milieu. Beide fassten ihr Markenversprechen in ähnliche Claims: “Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht”, hieß es bei BILD, “Mut zur Wahrheit” verlangt die AfD. Und bei beiden war manche Formulierung unzulässig schief: “Vogelschiss” korrespondiert mit “Asyl: Deutschland gibt Gas” oder mit der unerreichten Feststellung: “Schlimm: Aids trifft nicht nur Fixer und Homosexuelle, sondern auch Unschuldige!”

Und noch eine Parallele gibt es: Früher setzte BILD die großen Themen, heute tut es die AfD: Euro, EU, Islamisierung, Ausländerkriminalität, Herrschaft des Unrechts, Patriotismus respektive – als Gegenstück – die sehr fragliche Loyalität der hiesigen Türken. Und schließlich das übergroße Thema der ‘sozialen Frage’, also der finanziellen Diskriminierung der Deutschen gegenüber Flüchtlingen, verbunden mit der Plünderung der Sozialkassen zugunsten parasitärer Existenzen aus fernen Ländern. Alle die Themen, die vor der Bundestagswahl von den Altparteien als Hirngespinste und Verschwörungstheorien abgetan wurden, sind plötzlich jene, die den politischen Alltag von Union und SPD, von Grüne und Linke bestimmen: Kreuze in Amtsstuben, Italienkrise, BAMF, Zurückweisung von Migranten, Özil & Gündogan, Susanna, EU-Spaltung, Altersarmut.

Wie toxisch die Ära Merkel und ihrer Claqueure war und ist, zeigt sich auch daran: Dass weder Altparteien, Gewerkschaften noch Kirchen in der Lage sind und waren, irgendeine gesellschaftspolitische Debatte anzustoßen; und schon gar nicht die Medien. SPIEGEL, STERN, ZEIT, WELT, Süddeutsche, vom Fernsehen ganz zu schweigen – alle sind mit Blick auf den innergesellschaftlichen Diskurs vollkommen abgemeldet. Während die Deutschen seit Monaten über die Folgen der Merkelschen Grenzöffnung debattierten, verbissen sich die Medien in Trump, Putin, Nordkorea oder, immer hochaktuell, in Kapitalismuskritik. Und wenn es doch mal über die Zustände in Deutschland ging, dann in Form des betreuten Denkens, exemplarisch exekutiert von SPIEGEL, Süddeutsche und ZEIT: Gewiß, Bandenvergewaltigung, ‘Ehrenmorde’ und Messerattacken seien unerfreulich, aber doch nur Einzelfälle, Blitzradikalisierungen, posttraumatische Störung, Beziehungstaten. So adaptierten die Printmedien den Sedierungsjournalismus Anne Wills und Maybrit Illners: Diskurstheater im ängstlich zementierten Meinungskorridor des illiberalen Mainstreams. Entweder offene Lüge oder schlicht Laber, Rhabarber.

Auf der Strecke blieb dabei das legendäre Agenda-Setting von BILD, und auch das der FAZ Frank Schirrmachers – beide erstickt in der Hirntodzone politischer Korrektheit. Bezeichnenderweise entstand die letzte große Debatte vor dem Aufkommen der AfD gegen die Medien: Thilo Sarrazins Buch “Deutschland schafft sich ab” wurde von den Bürgern heftig diskutiert, von Regierung, Fernsehen und Zeitungen totgeschwiegen oder skandalisiert. Auch BILD mochte in die Debatte um ‘Kopftuchmädchen’ und die intellektuellen wie sozialen Nachteile des muslimischen Zuzugs zunächst nicht einsteigen, die oft behauptete ‘Lesernähe’ war schon damals erodiert. Erst als der SPIEGEL Auszüge druckte, fand auch BILD den Mut aus zweiter Hand. Schon damals wurde deutlich: Der einzige Modus der Medien für den Umgang mit Thesen, die dem linken Mainstream entgegenlaufen, ist Nichtbeachtung und Denunziation.

Das gilt unverändert. Und es ist der Grund für die quälende Langeweile, die einem aus vielen Zeitungen und Fernsehsendungen entgegenschlägt. Selbst Tatort und Polizeiruf sind inzwischen Dauerwerbesendungen der guten Absicht. Dass Auflagen und Einschaltquoten massiv zurückgehen, erschreckt daher nur das mediale Establishment. Tatsächlich zeugt es von der Klugheit der Bürger. Die spüren längst: Die meisten deutschen Medien sind unter demokratietheoretischen Gesichtspunkten überflüssig. Weder informieren sie umfassend, noch braucht es sie für irgendeine Debatte. Ob es Deutschland ohne diese Medien besser ginge, kann man durchaus diskutieren.

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Ein gleichermaßen tiefdunkles wie helles Bonmot, gelesen in der Jungen Freiheit: “Die Lieblingsjuden der Deutschen: Herr und Frau Stolperstein”.

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Die Nazis fürchteten ein ‘Volk ohne Raum’. Heute scheint die Furcht eher dem ‘Raum ohne Volk’ zu gelten, oft dem ‘Raum ohne Rentenzahler’ oder zuletzt: Dem ‘Raum ohne Konsumenten’. Das nämlich scheint der neueste Dreh von Politik und Medien, um illegale Grenzöffnung und Invasion zu rechtfertigen. Denn inzwischen steht fest: Nur sehr wenige Flüchtlinge, prozentual im niedrigsten Promille-Bereich, sind Ärzte, Facharbeiter oder IT-Spezialisten. Wenige werden eine Ausbildung schaffen, die zu mehr als Hilfsjobs eignet – oder zum korrumptiven Wegschauen in einer der Außenstellen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Klar ist damit auch: Die Renten der sie jetzt alimentierenden Deutschen werden diese Leute nie erwirtschaften. Vielmehr sind es dauerhaft parasitäre Kostgänger – natürlich nur ökonomisch betrachtet. Kulturell, gesellschaftlich und bildungspolitisch, das zeigen Stadtteile wie Berlin-Neukölln, Duisburg-Marxloh oder Hamburg-Wilhelmsburg, ist weiterhin von großer Bereicherung auszugehen.

Ökonomisch jedoch ist die Aussicht düster – und damit auch die Zukunft des Sozialstaats. Wenn Deutsche nach 40 Jahren Arbeit Flaschen sammeln müssen, um über die Runden zu kommen, illegale Einwanderer aber Wohnung, Ausbildung und privatärztliche Vollversorgung auf Staatskosten erhalten, darf von einer “Gerechtigkeitslücke” ausgegangen werden. Die aber ist nicht nur Gift für den Zusammenhalt der Bevölkerung. Sie ist vor allem Gift für jede Regierung. Denn die ‘soziale Frage’ kehrt sich immer gegen sie.

So sinnt die Politik, zusammen mit den ihr verbundenen Medien, auf eine neue Rechtfertigung der rechtswidrigen Einwanderung. Sie wird seit einiger Zeit als Stärkung des Binnenmarktes verkauft. Sind arbeitsscheue Aggressoren auch für Erwerbstätigkeiten ungeeignet, sind sie doch als Konsumenten ein Gewinn. Selbst linke Presseorgane entdecken ihr Herz für Konsumismus, Verbrauchernachfrage und Binnenkonjunktur. So wandelt sich der Mensch vom Kultur- zum Konsumträger. Und aus jedem Nichts wird noch ein Nutz!

Das dürfte auch der Grund für die plötzlich wiederbelebte Debatte um das “bedingungslose Grundeinkommen” sein. Denn Konsumenten erfüllen nur dann ihren Zweck, wenn sie Geld haben, das sie ausgeben können. Also muss man für Alimentierung sorgen. Dass viele Zuwanderer große Teile ihrer Geldleistungen in die Heimat überweisen, ist für den Konsum in Deutschland allerdings abträglich.

Wie die Alimentierung der Massen dauerhaft finanziert werden soll, kann ohnehin niemand sagen. Ohne Goldesel dürfte es schwierig werden. Denn auch die immer wieder ins Spiel gebrachte Vermögenssteuer wird irgendwann verfrühstückt sein, selbst wenn sie von den ‘Superreichen’ auf die ‘Reichen’, dann auf die ‘Nicht-ganz-so-Reichen’ und schließlich auf alle ausgeweitet wird.

Zudem dürften die Einnahmen aus Einkommens- und Lohnsteuern zurückgehen. Laut einer englischen Studie vernichtet die Digitalisierung allein in Deutschland rund 20 Millionen Arbeitsplätze. Schon in nicht zu ferner Zukunft werden Lastwagen ohne Spediteure fahren, Züge ohne Zugführer, Schiffe ohne Kapitän. Der Beruf des Taxifahrers wird verschwinden. Logistikzentren versenden vollautomatisch Pakete, die selbstfahrende Last-Rikschas an Abholzentren liefern. Auch ärztliche Versorgung und Bankwesen werden sich grundlegend wandeln, ebenso Militär, Landwirtschaft und Verwaltung. Und der Einzelhandel. Die mancherorts bereits installierten Scannerkassen zur Selbstnutzung sind nur ein erster Schritt in Richtung vollautomatisierter Supermarkt.

Was aber tun mit den Millionen, die ihren Job verlieren oder keinen finden werden? Sie der Konkurrenz versorgungsbedürftiger Prekariatsbataillone aus Afrika oder dem Nahen Osten auszusetzen, scheint keine Lösung. Eher wäre zu fragen, was an Bevölkerungsgrößen des 18. oder 19. Jahrhundert so nachteilig wäre. Dass Deutschland auch mit nur 40 oder 50 Millionen Einwohnern ein schönes, lebenswertes Land sein kann, werden allenfalls Konsumartikel-Hersteller bestreiten.

Tatsächlich ist der geringe Bevölkerungszuwachs der Europäer wohl nicht ganz unbeteiligt an ihrem enormen und vergleichsweise verträglichen Wohlstand. Hätten sie sich nach dem 2. Weltkrieg wie in Nigeria oder im Kongo vermehrt, lebten nun rund 350 Millionen in Deutschland, 300 Millionen in Frankreich, 250 Millionen in Italien. Hamburg hätte 11 Millionen Einwohner, Berlin über 18 Millionen. Ob das in jeder Hinsicht ein Gewinn wäre, scheint fraglich. Gewiß wäre die Nachfrage des Binnenmarkts gewaltig, aber ebenso Land- und Ressourcenverbrauch. Das Bevölkerungswachstum hätte seinen volkswirtschaftlichen Nutzen längst überschritten, die sozialen Probleme würden sich, wie in Pakistan oder Indien, potenzieren.

Gerade Linke müssten die offenen Grenzen daher fürchten. Wenn alle Neubürger auf das Konsumniveau von Joschka Fischer, Oskar Lafontaine oder Peer Steinbrück gehievt würden, dürfte es mit dem Umweltschutz vorbei sein. Denn ökologisch haben Araber wie Afrikaner mit ihrem Hang zu ostentativem Konsum selten einen CO2-Fußabdruck unter Größe 158. Und dass sie sich von Fahrverbots- oder 30er-Zonen beeindrucken lassen, ist auch nicht zu erwarten. Verzicht ist eben nicht ihr Ding. Das dürfte vielen Linken wieder sympathisch sein.

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„Vergangenheit ist keine Option. Vergangenheit ist stets das Opium ,verspäteter Nationen’, die auf diese Art und Weise ihre Verspätung zementieren.“ Jiri Grusa, der frühere tschechische Botschafter