Person der Zeitgeschichte: Travis Bickle

In den Medien das große Aufatmen: Der Bahnsteigmörder von Frankfurt war kein muslimischer Attentäter, sondern mental instabil, vulgo ein “Psycho”. Tenor: Traurig, aber kann passieren. Doch was unterscheidet einen solchen Psycho von jemandem, der in einem Zug versucht, Passagiere mit einer Axt totzuschlagen? Der einen Lkw-Fahrer tötet, um dann mit dem Lkw in einen Weihnachtsmarkt zu rasen? Der unter Allahu-Akbar-Rufen in einem Supermarkt ihm unbekannte Personen absticht? Jeder Schwachsinn gilt als nachvollziehbares Motiv, wenn er sich religiös vermummt. Aber im einen wie im anderen Fall: Muss man diese Leute im Land haben? 

Bezeichnend auch die vom Kriminologen Christian Pfeiffer erörterte Frage, ob die vorangegangenen Schüsse auf einen Landsmann des Täters die Tat ausgelöst haben könnten – aus Pfeiffers Sicht die “perfekten Voraussetzungen für einen Racheakt”. Racheakte richten sich üblicherweise gegen den Täter oder seine Angehörigen, nicht aber gegen unbeteiligte achtjährige Buben. Aber Pfeiffers Einlassungen zeigen die geradezu zwanghafte Suche nach irgendeinem “deutschen” Anlaß, die selbst den ekelhaftsten Mord letztlich als Reaktion eines eigentlich friedlichen, nur durch die vorangegangene Tat blitzradikalisierten Erdenbürgers erklären soll. 

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In der FAZ, längst im linken Blindstream fest verankert, eine große Reportage von Bord des Schlepperschiffs Alan Kurdi. Nur das Allernötigste hätten die Schiffbrüchigen bei ihrer Havarie retten können, Ausweispapiere hätten sie ausnahmslos keine. Alle seien bescheiden und höflich, auch ihr Geschirr spülten sie selbst. Und nur zwei Wünsche hätten sie: Zigaretten und Zugang zum Internet. Die Frage, warum sie ein internetfähiges Smartphone haben, nicht aber Papiere, wird nicht gestellt. Die Antwort weiß ohnehin jeder: Weil der deutsche Innenminister und die deutsche Kanzlerin auf Ausweispapiere keinen Wert legen. 

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Gehört: “Wenn jemand in seiner Bewerbung schreibt, er sei zivilgesellschaftlich engagiert, weiß man: Hat sich erledigt.”

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Ein Frankfurter Freund, in der Selbsteinschätzung ein “heimatloser Freiliberaler”, berichtet freimütig über seine “Bickle-isierung” – nach Travis Bickle, der Hauptfigur des Films ‘Taxi Driver’. Auch bei ihm sei jener schleichende Perspektivenwechsel eingetreten, wenn der eigene Kiez von einem Ort des Vertrautseins zu einem der Bedrohung wird. Früher habe er gerne am Main gewohnt, heute sei ihm die Stadt, trotz einiger geglückter architektonischer Veränderungen, ein dauerhaftes Missvergnügen. In Maßen sei Zuwanderung vielleicht ein Gewinn, nun aber längst das Gegenteil. Das frühere Gefühl von Heimat, von Zuhausesein, sei verlorengegangen. Seine Entfremdung von der Stadt sei eine Folge zu vieler Fremder.

Selbst rassistische Stereotypen könne er inzwischen nachvollziehen: “95 Prozent der Männer mit dunklerer Hautfarbe hier im Viertel sind aggressiv, laut, arrogant, untätig, oft verwahrlost, meist aus dem kriminellen Milieu – entweder der Typ Shisha-Bar mit Tattoo, Jogginghose und schwarzem Benz; oder der zugeknallte, herumlungernde, bevorzugt vor Schulen oder Kindergärten pissende Afrikaner. Wie soll man da nicht den Phänotyp mit den Phänomenen zusammendenken, also mit Gewalt, Drogen, Schmutz? Und ihre Frauen, all die verschleierten Mißgelaunten, sind zumeist die muslimische Version der häßlichen Deutschen: Immer zickig, immer “Platz da”, immer voller Anspruch, aber ohne irgendeine eigene Leistung.”

Die Weltoffenheit, auf die Frankfurt traditionell stolz war, sei eine der Oberschichten gewesen, der Banker, Manager und Anwälte aus England, Frankreich, USA; heute herrsche in vielen Vierteln die Weltverschlossenheit des Islam. Der Bahnhofsmord an einem Achtjährigen sei ein Exzeß, gewiß; aber das Vertrauen in die öffentliche Sicherheit sei schon lange zerstört. In den letzten zwei Jahren sei dreimal bei ihm eingebrochen worden, ähnlich ginge es vielen Freunden. Nicht wenige verbrächten inzwischen ihre Freizeit auf Schießständen, und bei Tisch würden ernsthaft und kenntnisreich die Vorzüge bestimmter Kurzwaffen erörtert. Auch die bürgerlichen Kreise rüsten auf. 

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Die Identitäre Bewegung (IB)  ist das Spiegelbild der Grünen, Ethnopluralismus und Multikulti zwei Seiten einer Medaille – die eine Kopf, die andere Zahl. Beide träumen von kultureller Vielfalt. Die Multikulturalisten wollen diese Vielfalt in einem Land, die Anhänger der IB in jeweils einem Land. Für ihr Weltbild gilt abgewandelt der alte Satz des britischen Imperiums: A place for every culture, and every culture in its place. 

Beide Ideen sind, scharf ans Ende gedacht, mit dem Grundgesetz schwer zu vereinbaren. Denn beide stellen die kulturelle Identität über das Individuum. Ganz offen sagt dies Alain de Benoist, der wichtigste Vertreter des Ethnopluralismus. Für ihn liegt die Bestimmung der Völker allein in ihren künstlerischen Werken. Umgekehrt ist auch der Multikulturalismus mit seinem Kniefall vor jedem atavistischen Schwachsinn, kann der sich nur als kulturelle Tradition ausgeben, eine anti-individuelle Ideologie. Auch bei ihm zählt nicht der Einzelne, sondern die Identität der Gruppe. Daher die frauenfeindliche Haltung der Grünen zu Verschleierung, Kinder- und Zwangsehe, daher ihr Schweigen zu all den Verbrechen im Namen der islamischen Kultur.  

Nun hat Thomas Haldewang, CDU-Mitglied und parteiischer Chef des Verfassungsschutzes, die IB zum Beobachtungsfall erklärt. Das ist ein klarer Verstoß gegen die Meinungsfreiheit, angesichts der Friedfertigkeit der Bewegung aber auch völlig unverhältnismäßig. Außerdem wirft die Beobachtung die Frage auf, warum nicht auch Grüne, SPD und Linke als Vertreter des Multikulturalismus beobachtet werden – zumal viele ihrer Mitglieder direkte Kontakte zur Antifa und anderen offen terroristischen Gruppierungen unterhalten.

Auffällig ist einmal mehr die Reaktion dessen, was sich hochmögend Zivilgesellschaft nennt. Tausende Anwälte hat dieses Land, viele von ihnen finanziell längst x-fach abgesichert. Aber keiner findet sich, der pro bono die IB vertritt und die Meinungsfreiheit verteidigt, wie immer er oder sie zum Ethnopluralismus stehen mag. Früher, beispielsweise beim sogenannten Radikalenerlaß, bot ein Heer von Anwälten den ‘Opfern’ ihre Dienste an; heute herrscht lautes Schweigen. Auch die ‘Organe der Rechtspflege’, als die Anwälte gelten, sind zumeist Organe der Feigheit und des konfliktscheuen Wohlverhaltens. 

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Ein Freund empfiehlt den Erwerb eines Stempels “Gelesen & gelacht!”. Perfekt als Ablagenotat für abwegige Zusendungen, zuweilen aber auch als Antwort ausreichend und zeitsparend.

Bericht aus Brüssel und Berlin

6:10, Flughafen Tegel, Personalwechsel beim Sicherheitspersonal. Korpulente Männer und Frauen, fast alle tätowiert, schlendern an den wartenden Passagieren vorbei, drängeln sich ohne ein Wort der Erklärung vor den Fluggästen durch die Sicherheitsschleusen. Dann Begrüßung wie unter Straßengangs: Die Frauen strecken ihre Fäuste gegeneinander, die Männer klatschen sich ab, alles mit großem Hallo, alles bewusst langsam. Sollen die Passagiere doch warten. Asiatische Fluggäste schauen irritiert, Deutsche zucken belustigt mit den Schultern. Berliner Zustände. 

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“Übergriffe und sexuelle Belästigung” scheint im Europäischen Parlament ein großes Thema. Es gibt diverse Kurse in den jeweiligen Landessprachen, auch auf Deutsch. Von den insgesamt 114 Abgeordneten aus Deutschland und Österreich hatten sich vier zu einer Teilnahme entschlossen: Neben mir noch Maria Noichl (SPD) sowie Erik Marquardt und Pierrette Gabrielle Herzberger-Fofana von den Grünen.

Während man sich seinen Platz sucht, frage ich die Seminarleiterin, ob es viele Fälle sexueller Belästigung im Europäischen Parlament gebe. Die Bayerin Noichl mischt sich ein und fragt spitz zurück, ob ich meine, dass es Verhältnisse ohne sexuelle Belästigung gebe. Durchaus, erwidere ich, keines meiner Arbeitsverhältnisse war beispielsweise von sexuellen Übergriffen geprägt, ebenso wenig seien es meine Freundschaften. Und auch die meisten Ehen dürften, sofern sie funktionieren, zwar mitunter viel mit Sex zu tun haben, aber nicht mit sexueller Belästigung. Hier sei die Belästigung vielmehr zumeist erwünscht und daher gerade keine. Böse Blicke der beiden Partei-Frauen. Wer der Feind ist, wissen sie nun, auch bevor ich meine Parteizugehörigkeit offenbare. 

Erik Marquardt kommt 20 Minuten zu spät. Dann flegelt er sich auf einen Stuhl und blickt weitere 10 Minuten ausschließlich auf sein Handy, bis die Seminarleiterin ihn bittet, dem Kurs zu folgen. Langatmige Erklärungen, “wichtige Pressesache”, “muss heute noch raus”, “brauche nachher ‘ne Pause für meine Tweets”. Die Welt wartet auf Erik Marquardts Botschaften. Der übliche Mangel an Respekt und Höflichkeit, bemantelt als geschäftige Wichtigtuerei. 

Pierrette Gabrielle Herzberger-Fofana, 1949 in Bamako geboren und im Senegal aufgewachsen, hat laut Wikipedia zwei Studiengänge abgeschlossen und über die Frauenliteratur in der Subsahara-Zone promoviert. Früher war sie eine durchaus attraktive Person, heute ist sie das nicht. Mancher würde sie fett nennen. Außerdem trägt sie offene Sandalen, und damit tut sie sich und anderen keinen Gefallen. Pediküre ist ihr offensichtlich ein Fremdwort, ihre Füße sind plump, rissig, ihre eingewachsenen, schrundigen Fußnägel kein erfreulicher Anblick. Ausgerechnet sie klagt am lautesten über sexuelle Belästigung, und eben auch über die “visuelle”.

Irgendwann wird es mir zu bunt. So weise ich darauf hin, dass ein ins-Auge-fassen allein noch gar nichts besage. So wie Kinder Menschen mit gesichtsdeckenden Tattoos, Piercings oder sonstigen Absonderlichkeiten anstarrten, würde auch ich solche Personen gelegentlich näher betrachten und mich fragen, wie es sich in solcher Aufmachung wohl lebe. Mit sexueller Konnotation habe das so wenig zu tun wie manche Füße mit Fußhygiene. Ein Engel geht durch den Raum. Die Seminarleiterin lächelt in sich hinein. 

Aber nicht nur sexuell hat sich die Welt gegen Frau Herzberger-Fofana verschworen. Auch andere Fallen stellt sie ihr. So habe ihre Assistentin, die schon länger im Europäischen Parlament (EP) arbeitet und mehr Erfahrung hat als die neue Abgeordnete der Grünen, ihr doch tatsächlich erklärt, wie andere MEP (Mitglieder des EP) ihr Büro organisierten. Große Empörung, auch Frau Noichl betrachtet das als übergriffig. Ich sehe darin eher eine freundliche Hilfestellung; wenn Frau Herzberger-Fofana es anders machen wolle, hindere sie niemand. Unwillig schütteln sich meine Kolleginnen. Dem Minderwertigkeits-Komplex ist alles Territorialverletzung und Machtfrage, selbst die schlichteste Organisationsempfehlung.  

Am Ende wird es heiter. Es geht um Grenzen zwischen Abgeordneten und Assistenten, und die Frage kommt auf, ob Assistenten auch private Besorgungen der MEP erledigen, beispielsweise deren Wäsche von der Reinigung holen sollten. Frau Noichl verneint dies strikt, Frau Herzberger-Fofana stimmt ihr auffallend zögerlich bei, Erik Marquardt rutscht unruhig auf seinem Stuhl herum. “Aber wenn die Assistentin das ausdrücklich anbietet…”, fragt er etwas kleinlaut. “Sie hat darum gebettelt, nicht wahr?” erkundige ich mich freundlich. Wieder lächelt die Seminarleiterin. Herr Marquardt lächelt nicht. 

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Ein paar Betrachtungen zum zurückliegenden EU-Wahlkampf. FDP-Kandidat Carl Grouwet, Lebenspartner des Journalisten Gustav Seibt, erklärt den Schülern der Zehlendorfer Peter-Lenné-Schule seine Beweggründe für den Kampf um ein EU-Mandat: “Und dann möchte ich nach Brüssel, weil ich dort vor 25 Jahren meinen Mann kennenlernte, mit dem seit 10 Jahren verheiratet bin”! Großer Applaus. Seit “Wowi” scheint kein homosexueller Politiker auf dieses Bekenntnis verzichten zu können, und auch hier lautet die Unterzeile: “Ich bin schwul, und das ist gut so!” – wobei es nicht um gut, sondern um “besser” geht. Denn die eigentliche Botschaft des Outings ist: Homosexuelle sind die sensibleren, ehrlicheren, weniger stromlinienförmigen Politiker. Tatsächlich sind sie vor allem die spießigeren, die selbst ihr Privat- und Intimleben für politische Zwecke instrumentalisieren. Kaum ein heterosexueller Politiker tut das heute noch, nutzt den Ehepartner als Argument im Wahlkampf; bei Schwulen ist es ein verlässlicher Topos. Sie sind die neuen Heroen der Bausparvertrags-Idylle, und der immer ein bißchen zu geschniegelte, zu glatte, zu adrette Grouwet ist ihr Prototyp. Diese Idylle kann Grouwet nun fortsetzen, wenn auch nur in Berlin. Grouwet wurde nicht gewählt.

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RDA, der Internationale Bustouristik-Verband, schickt seine Wahlprüfsteine für die EU-Wahl. Im Anschreiben heißt es: “Es ist der Reisebus, der Europa für Reisegäste aus fernen Ländern im besten Sinne erfahrbar macht. So werden aus Vorurteilen Freundschaften und Kulturen wachsen zusammen. Der Reisebus leistet so tagtäglich einen ganz erheblichen Beitrag zur Friedenssicherung in Europa.” 

Der Reisebus als Friedensmission – darauf muss man kommen. Dass die Betreiber dieser Friedensmissionen erheblich an der illegalen Migration nach Europa mitverdient haben, dass sie auch Mörder und Terroristen nach Deutschland beförderten, ist vermutlich ein anderes Thema.

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“Die Parteiposition ist folgende: Nach der Machtübernahme werden sämtliche Personen, die sich für TTIP eingesetzt haben, an die Wand gestellt.” Aus dem Buch “Herr Sonneborn geht nach Brüssel” des früheren Titanic-Chefredakteurs und wiedergewählten EP-Abgeordneten der “PARTEI”. Nach der Ermordung Joachim Lübckes bekommen solche Späße wirkliche Tiefe.

Marx, Strache, Constantin

In eigener Sache: Auf den Wahllisten zur kommenden EU-Wahl tauche ich als Constantin Fest auf. Meine Eltern waren großzügig bei der Vergabe von Vornamen, und Constantin, nicht Nicolaus, Johannes oder Joachim steht an erster Stelle. Bei der Übermittlung der Daten an den Bundeswahlleiter ist der Rufname irgendwie auf der Strecke geblieben, doch hat dies rechtlich keine Bedeutung. Auch wer Constantin wählt, bekommt Nicolaus Fest!

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Im letzten Eintrag hatte ich festgestellt, dass Kunstwerke im Laufe der Zeit zuweilen neu verstanden werden. Auch die ZEIT hat das nun entdeckt und schreibt: “So verwendete der AfD-Politiker Nicolaus Fest auf seiner Website die Abbildung einer Stahlskulptur der Hamburger Künstlerin Rahel Bruns, die den Bundesadler in stark deformierter Form zum Gegenstand hat. Als die Skulptur 2007 entstand, war sie von Bruns als links-autonome Geste gegen Obrigkeit und Staatsmacht gedacht…”

Aha. Abgesehen davon, dass ich mit Eintritt in die Politik die Skulptur gerade nicht mehr verwendete, war 2007 Frau Merkel bereits im Amt. War der Adler mithin Ausdruck subversiven Aufbegehrens gegen das erste Kabinett Merkel und dessen sozialdemokratischen Vize Franz Müntefering? Und haben Begriffe wie “Obrigkeit” und “Staatsmacht” außerhalb verstaubter ZEIT-Blasen und linksautonomer Wirrköpfe noch irgendeine Wahrheit in einem Land, dass schon 2007 auf Abschiebungen verzichtete und Clankriminalität nicht zur Kenntnis nahm?

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Übernachtung in Trier. Der WLAN-Code des Hotels lautet, in Erinnerung an den einflußreichsten Schreibtischtäter der Stadt, ‘KarlMarx’. Selbst in Kambodscha habe ich nie ‘PolPot’ erlebt, in Russland nicht ‘JosefStalin’.

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Durchsage im ICE um 8:45: “Liebe Bahnkunden, wie wär’s mit einem leckeren süßen Frühstück, dazu ein Heißgetränk oder ein Bier?”

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In der Süddeutschen die Zeitungsbeilage ‘Südtirol’ und darin ein ganzseitiger Artikel über das italienische Stabilitätsgesetz und die dortige Offerte an Ausländer, mit einem Umzug nach Italien die Einkommenssteuer unabhängig von der Höhe der Einkünfte auf 100.000 Euro zu begrenzen. Auch deshalb dürfte der Wechsel nach Italien für Cristiano Ronaldo attraktiv gewesen sein. Doch auch einen Berliner Freund zieht es in die Toscana. Die Armutsmigranten kommen, die Reichtumsmigranten gehen. Kluge Länder holen diese, andere jene. Denn mit den Erfolgreichen gehen oft auch Unternehmertum, Kreativität, Wissen.

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Die Süddeutsche Zeitung stellt fest, die Debattenkultur in Deutschland sei verkümmert. Wer Forderungen aufstelle, die von der herrschenden Meinung abwichen, werde nicht ernst genommen oder ausgegrenzt. Als Beispiel gelten dem Blatt Kevin Kühnert und Greta Thunberg. Wie oft wurden beide schon aus Talkshows ausgeladen, wie oft ihre Autos angezündet und Wohnungen attackiert, wie oft ihnen der Zutritt zu einem Restaurant verwehrt?

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Von der Berliner Datenschutzbeauftragten erhält der Landesverband Berlin eine Abmahnung nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Grund der Sanktion sind Briefe, die ich im Bundestagswahlkampf 2017 an 70.000 Haushalte in Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf verschickt hatte. Das hatte zu einigen Nachfragen geführt, wie ich an die Adressen gekommen sei.

Die Antwort findet sich in § 50 Meldegesetz. Danach ist es Parteien erlaubt, für Wahlkampfzwecke Adressdaten von den Einwohnermeldeämtern zu erwerben. Nach der Wahl müssen die Daten gelöscht werden, und so geschah es auch. Wer sich per Mail nach der Rechtsgrundlage erkundigte, bekam eine Antwort, wer sich unflätig benahm oder nur seine Postanschrift angab, bekam sie nicht. Das wäre zu viel Aufwand für eine Sache, die man ohne weiteres googlen kann.

Erstaunlich das Vorgehen der Berliner Datenschutzbeauftragten. Nicht nur ist ihr offensichtlich § 50 Meldegesetz unbekannt, auch der Grundsatz des rechtlichen Gehörs scheint ihr nicht vertraut: Der Landesverband wurde vor der Abmahnung nicht kontaktiert. Unbekannt muss ihr zudem das verfassungsrechtliche Rückwirkungsverbot sein, dem zufolge Rechtsregeln nur für Fälle gelten, die dem Erlass nachfolgen. Die DSGVO trat jedoch erst 2018, also ein Jahr nach dem Bundestagswahlkampf in Kraft. Und schließlich steht auch die Frage im Raum, warum der Landesverband abgemahnt wird, wenn es doch um einen Vorgang geht, der auf meinen Entscheidungen beruht.

Die Berliner Datenschutzbeauftrage heißt Maja Smoltczyk und soll Juristin sein. Vor sieben Wochen schrieb ich ihr und bat um Erläuterung. Bis heute keine Antwort.

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Debatte bei Anne Will über den Fall Strache. Empörend finden die Spitzenkandidaten Manfred Weber (CSU), Ska Keller (Grüne) und Katarina Barley (SPD) das Angebot Straches an die angebliche Investorin, bei einer Übernahme der österreichischen Kronenzeitung mitzuhelfen. Das sei, so der Vorwurf, ein Angriff auf die Meinungsfreiheit gewesen!

Unabhängig von der schäbigen, geradezu stasi-haften Form der Intrige war Straches Offerte tatsächlich skandalös. Einzigartig war der Vorgang allerdings nicht. Kanzler Gerhard Schröder (SPD) traf sich 2002 mit seinem ehemaligen Kanzleramtsminister Bodo Hombach sowie Vertretern von Deutsche Bank und Bertelsmann im Restaurant Wichmann in Hannover, um über die Aufteilung des Medienimperiums Kirch zu verhandeln – vor allem über dessen 40-Prozent-Beteiligung an Axel Springer. Hombach war – praktisch, praktisch – kurz zuvor Geschäftsführer der traditionell SPD-nahen WAZ-Zeitungsgruppe geworden.

Doch das war vermutlich etwas völlig anderes, kein Angriff auf die Freiheit der Presse durch Zerschlagung eines privaten Konkurrenten. Die Deutsche Bank zahlte später fast 1 Milliarde Euro Schadensersatz samt Zinsen an die Rechtsnachfolger von Kirch. Wenigstens das muss Herr Strache nicht befürchten.

Dank an Greta, stürzende Adler

Cocktailparty, unter den Gästen eine sehr amüsante Zahnärztin. Ihre drei Kinder – 14, 14 und 16 Jahre – hätten mit Greta Thunberg die Liebe zur Klimarettung entdeckt – was zu Dauerdiskussionen mit den Eltern über deren angeblich rücksichtslosen, klimaschädlichen Lebenswandel führte. Zwei Wochen sei es etwas mühsam gewesen, Türen hätten geknallt, Tränen, wütende Blicke des Nachwuchses ob der elterlichen Ignoranz. Nicht nur der Planet, auch das häusliche Klima stand auf der Kippe.

Aber nun sei alles gut, man habe sich den Wünschen des Nachwuchses gebeugt. Daher sei Fleisch, weil in der Produktion klimaschädlich, aus dem Speiseplan gestrichen, ebenso die bei den Kindern sehr beliebten Avocados. Zu weite Transportwege, grauenhafte CO2-Bilanz. Man ernähre sich jetzt vornehmlich regional, also auf der Basis von Kartoffeln, Möhren, Eiern, Salat. Bei Obst sei die Lage etwas schwierig, denn natürlich entfielen Bananen, Orangen oder Kiwi; aber Äpfel würden auch schmecken. Die früher übliche Pizza zum ‘Tatort’ per Bringdienst sei gestrichen, selbstverständlich auch Häagen Dazs. Und sie selbst könne nun länger im Bett bleiben: Der morgendliche Fahrdienst wurde eingestellt.

Noch machten die Kinder gute Miene; aber es gäbe erste Auflösungserscheinungen. Der Älteste wurde bei McDonalds mit einem Double-Burger gesichtet, die Zwillinge seien auffällig oft zum Mittagessen bei Freundinnen. Und die Ankündigung des Vaters, man werde im Sommer nicht wie geplant mit dem Wohnmobil durch Kanada reisen, es sei schließlich auch an der Ostsee schön, führte zu einem heulenden Abgang ins Kinderzimmer.

Gegenüber Greta Thunberg empfinde sie große Dankbarkeit. Keine Chauffeurdienste mehr, viel weniger Kocherei, und selten habe sie so viel gelacht wie bei den wöchentlichen Treffen im Steakhaus, wenn sie und ihr Mann besprächen, mit welchen neuen Ideen des privaten Klimaschutzes sie ihre Kinder quälen könnten. Deren bedingungslose Kapitulation, so die fröhliche Mama, sei nur noch eine Frage von Tagen.

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Nicht selten ist “Konsens” die kleine Schwester der Gleichschaltung.

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Leser, die diesen Blog schon länger verfolgen, werden sich erinnern: Früher war hier im Kopf ein in sich verkanteter Adler zu sehen, ein Werk der Hamburger Künstlerin Rahel Bruns, ein kleiner Verwandter des hier zu sehenden Vogels. http://rahelbruns.com/adler/

Bruns hatte einst aus der ersten sogenannten BILD-Bibel Kunstwerke geformt, darüber kamen wir ins Gespräch, und da sie eine Hoffnung war, aber kein Geld hatte, kaufte ich ihr ein paar Werke ab – darunter auch den Adler, der den Blog zierte. Als ich in die AfD eintrat, bat sie um Entfernung, und dem Wunsch kam ich umgehend nach, zumal ich als Politiker mich selbst in den nicht immer geliebten Vordergrund stellen musste.

Wer seitdem meine Seite aufrief, konnte den Adler nicht mehr sehen. Doch blieb, wie ich zu spät erfuhr, auf den Servern des Websitenprovider sein Bild trotz Löschung der Verknüpfung erhalten, und dort war es weiterhin über Google zu finden – sofern man die Namen Bruns und Fest eingab. Das machte die Künstlerin – und verklagte mich auf Unterlassung. Angesichts unseres zuvor durchaus freundschaftlichen Umgangs eine etwas verblüffende Reaktion, aber im Kampf gegen die AfD leiden nicht selten auch menschliche Qualitäten.

In der Sache hatte ich keine Chance, also beugte ich mich und zahlte die Kosten für den von ihr beauftragten Anwalt. Der Adler und zwei seiner Geschwister, gestürzt aus dem Horst meines Wohlwollens, kamen in den Keller, aber auch dort standen sie hauptsächlich im Wege. Ein befreundeter Kunsthändler versprach Hilfe, und schon kurze Zeit später meldete er Vollzug: Alle drei hätten einen neuen Besitzer gefunden, ihre Qualität sei dem Erwerber nicht verborgen geblieben.

Der neue Eigentümer sei Marxist, Unternehmer und Sammler klassischer Gemälde – aber auch von Nazi-Memorabilia. Kurios. Sollten die Adler nun als eherne Ergänzung von NS-Schrott dienen, von Werkausgaben Hubert Lanzingers oder Ehrendolchen der SS? Ein, zwei Tage war ich irritiert, verunsichert hinsichtlich des eigenen Geschmacks. Die Wirklichkeit hat ihren subversiven Witz.

Ein Freund deutet den Verbleib der Adler anders: Man könne in der Skulptur des in sich selbst gefangenen Wappentieres der Bundesrepublik nicht nur eine Warnung vor der Überforderung der Demokratie sehen, sondern – aus andere Perspektive – eine Verheißung: Endlich sei das verhasste System, lächerlich verkeilt und bar jeder Größe, am Ende. Das sei auch heute noch die Position sehr vieler linker Künstler, aber auch eine von Reichsbürgern und Nationalbolschewisten. Denkbar. Die Extreme berühren sich, die Symbolik wechselt ihre Adepten. Ein schönes neues Klientel für Rahel Bruns.

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Gehört: Die Liebe vieler Journalisten zur EU ist eine Form des medialen Stockholm-Syndroms.

Berliner Luft: Null Toleranz!

Im Zusammenhang mit der “Broken Window”-Theorie und der zivilen Rückeroberung verwahrloster Stadtteile in New York kam um 1995 der Begriff “Null Toleranz” auf. Heute wird der Begriff ständig und meist von jenen Leuten benutzt, die nie tolerant waren, sich aber in den Mantel der kompromißlosen Rechtschaffenheit hüllen möchten.

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Der “Kufsteiner Salon” in Berlin-Schöneberg schließt seine Tore. Ins Leben gerufen von den so großzügigen wie liebenswürdigen Gastgebern Lothar und Christiane Pues, intellektuell über mehrere Jahre geformt von Henning Ritter, war er ein wunderbar zwangloser Treffpunkt für anregende Gespräche. Doch diese Zwanglosigkeit und der bewusst unpolitische Charakter standen gegen den Zeitgeist der Ausgrenzung und Verdächtigung. So war er der Fraktion der Null-Toleranzler unerträglich. Meine gelegentliche Anwesenheit soll deren Vertreter derart gestört haben, dass sie die Gastgeber mit immer neuen Vorhaltungen belästigten. Die aber wollten sich ihre Gäste nicht vorschreiben lassen – und beendeten ihr hochherziges Engagement. Auch ein Zeichen…

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Drei Tage leichte Depressionen: Was habe ich falsch gemacht? Da nennt man – wohl mit zu vielen guten Argumenten – den Islam “toxisch”, “bösartig”, “grundgesetzwidrig”, “atavistisch”, “frauenfeindlich”, “anti-semitisch” und vieles mehr, schreibt eben das in BILD am SONNTAG, der Jungen Freiheit, dem eigenen Blog, lobt die Schließung salafistischer Moscheen in Österreich, fordert hier dasselbe – und wird im “Prüfbericht” zur AfD nicht ein einziges Mal erwähnt. Frechheit!

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Auch die Süddeutsche Zeitung hat ihren Fall Relotius. Zu den Besonderheiten der “Aufarbeitung” gehört, dass die Redaktion den Namen des Fälschers konsequent verheimlicht. Transparenz gilt eben immer nur für andere. Wer mehr wissen möchte, sollte vielleicht bei Dirk Gieselmann nachfragen, ausgezeichnet mit Nannen-, Grimme- und dem Deutschen Reporterpreis.

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Ein Herr Schulze-Tammena von der Berliner Europa-Schule Schiller-Gymnasium fragt an, ob ich an einer Podiumsdiskussion mit Vertretern anderer Parteien teilnehmen könne. Das Thema laute “Populistische Bewegungen in Europa und weitere europapolitische Fragen”. Ich lege ein paar Termine um und sage zu. Daraufhin kommt ein weiteres Schreiben, natürlich mit gendergerechten “*”-Albernheiten, dem eine rechtliche Verpflichtungserklärung anhängt: Ich müsse mich auf die “Einhaltung der Grundsätze des Schulprogramms verpflichten” – welche das sind, wird nicht gesagt, doch dürften bei einer “Europa-Schule” EU-kritische Positionen eher nicht den Grundsätzen entsprechen. Offensichtlich will man schon vorab einen Maulkorb verhängen. Außerdem werden Film- und Fotoaufnahmen untersagt, was zulässig und sinnvoll ist, unter zivilisierten Menschen jedoch üblicherweise per einfacher Bitte vereinbart wird. Hier hingegen werden rechtliche Schritte für den Fall der Nichteinhaltung angedroht.

Ich schreibe zurück, es sei ein wenig “dicke”, einen Gast so zu behandeln. Zudem hätte ich keine Absicht, Fotos oder Filme zu machen, mein Wort müsse genügen. Doch es genügt Herrn Schulze-Tammena nicht. Andere Parteien hätten mit der Verpflichtung keine Probleme, außerdem sei sie eine Forderung der Eltern- und Schülerschaft – so als hätten die und nicht er eingeladen und als sei von irgendeiner Bedeutung, was Vertreter anderer Parteien mit sich machen lassen.

So sage ich ab. Als Gast sollte man geschätzt werden, nicht mit Juristenkram behelligt. Nun gibt es mithin eine Podiumsdiskussion über populistische Parteien, an der – sofern man die AfD als populistisch verorten will – ihr einziger Repräsentant nicht teilnimmt. Das wird sicherlich interessant.

Erwartungsgemäß erhalte ich noch ein Schreiben von Herrn Schulze-Tammena. Er bedaure, dass ich mich “der Diskussion mit den Schülern nicht stellen will”. Davon kann keine Rede sein, doch sagt es viel über den charakterlichen Zuschnitt, wenn sich Leute nachkartend vorgaukeln müssen, im Recht zu sein. Die armen Schüler.

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Die dicke Bednarz, Liane, piepst mich auf einer Lesung hochtonig an: “Sie haben mich eine ‘erschütternd unbegabte Juristin’ genannt!” Ist das so? Selbst wenn, längst vergessen. Doch bezeichnend: Andere als gefährliche Bürger, radikale Christen oder sonstwie als ‘Rechte’ denunzieren, aber auf vergleichsweise milden Spott hin koloraturhaft aufquieken. Richtig ist: Wer so deutlich seine Dünnhäutigkeit erkennen lässt, ist für den öffentlichen Diskurs ungeeignet. Und um mein Urteil abzurunden: Schreiben kann sie auch nicht, Charme ist ihr ein Fremdwort, und ästhetisch ist sie keine Freude.

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In mehrfacher Hinsicht sehr aus der Zeit gefallen: Ernst von Bothmer (1841 – 1906), preußischer Gesandter am rumänischen Hof, ließ einst den rumänischen Ministerpräsidenten samt seiner Minister die Treppe seines Palais hinunterwerfen, als diese ihm einen Ehrensäbel überreichen wollten. Er lasse sich, so die Begründung, “von Hammeldieben keinen Säbel schenken!” Dann ordnete er an, die Treppe abzuseifen. Bismarck zog seinen Gesandten ab und vermerkte, die Bothmers seien besser geeignet, Beziehungen abzubrechen als anzuknüpfen. Milder urteilte der rumänische König Karol I über Bothmer: „Er hat ja sachlich recht, aber es ist doch wohl nicht ganz üblich.“ (Dank an CG)

Sport, Gender und Berliner Freundlichkeiten

In den USA wollen die 2,3 Millionen Boy Scouts, zu deutsch Pfadfinder, kein reiner Jungenverein mehr sein, sondern auch Mädchen aufnehmen. Also ließen sie das ‘Boy’ im Namen fallen. Das aber empörte die 2 Millionen Girl Scouts. Sie erhoben umgehend Klage auf der Basis von Markenschutzrechten. “Allzeit bereit”, das bekannte Motto der Pfadfinder, bedeutet inzwischen “Allzeit klagebereit”. Eine zeitgemäße Lösung, so ein amerikanischer Freund, böte der Zusammenschluß beider Vereine unter dem Kürzel SCS: Social Construct Scouts.

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Der Witz von den Social Construct Scouts ist von der Wirklichkeit bereits überholt. Denn das Ende von Gender ist sichtbar. Sorgen wird dafür der Sport. Gleichberechtigung bedeutet eben nicht Gleichwertigkeit. Männer haben mehr Muskeln. Das macht sportliche Wettkämpfe zwischen Männern und Frauen zu einer klaren Angelegenheit.

So auch im Handball, zu sehen an der australischen Frauenmannschaft. Dort spielt die Transfrau Hannah Mouncey. 1 Meter 88 groß, hundertzehn Kilo schwer, Hände wie Bratpfannen. Mit ihr, früher ein Mitglied der australischen Herrenmannschaft, gewinnt das Team jedes Spiel. Ebenso erfolgreich ist eine Transfrau im Boxen; sie knockt jede Gegnerin aus. Ob die das als fairen Wettbewerb empfinden?

Für im Medaillenranking rückständige Nationen mit einer gewissen Geschmeidigkeit in Fragen erforderlicher Atteste bietet Gender allerdings Möglichkeiten. Sie könnten bei den kommenden olympischen Spielen die Disziplinen der Frauen konsequent mit Transfrauen besetzen. Ob Volleyball, Hockey, Gewichtheben oder Fußball, ob Laufen, Schwimmen oder Speerwurf, überall würden diese Länder – sagen wir mal: Aserbaidschan, Weißrussland und Pakistan – die ersten Plätze unter sich ausmachen. Nur in Disziplinen wie Dressurreiten, Synchron-Schwimmen oder Turmspringen hätten Frauen anderer Nationen Aussicht auf eine Medaille.

Chancengleichheit wäre erst dann wiederhergestellt, wenn alle Länder sich der Diktatur des GenderMainstreaming beugten und Transfrauen ins Rennen schickten. Nur wären dann Frauen aus vielen Sportarten eliminiert – und damit diese Disziplinen uninteressant für Werbetreibende, die auf Frauen zielen. Sicher ist: Wenn das große Geld Druck macht, wird das IOC alle Gendermaßnahmen sofort beenden, und zwar ohne Rücksicht auf Fragen der “Diskriminierung” einiger Transsexueller.

Noch dazu: Hannah Mouncey, mit zahlreichen Fotos im Netz vertreten, erinnert an die Frauen, die die Länder des Ostblocks in den 1970er Jahren zu den olympischen Spielen schickten – dickschenkelige Kolosse mit Bartwuchs, Baßstimme und Bodybuilder-Maßen. Warum also Doping-Kontrollen und Testosteron-Verbote, wenn über die Zulassung von Transfrauen die muskuläre und hormonelle Differenz doch wieder erlaubt wird? Wer Gender befürwortet, muss schon aus Gründen der Chancengleichheit Doping freigeben.

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Slogan für migrationsbegeisterte Pazifisten: Messer zu Fußfesseln!  

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Aus den Kriegstagebüchern von Astrid Lindgren: “Vom dänischen König werden ziemlich viele Geschichten erzählt. Unter anderen wird behauptet, er habe, als die Deutschen planten, in Dänemark den Judenstern nach deutschem Muster einzuführen, gesagt, dass er der erste sein werde, der in tragen würde. Es wurde nichts aus dem Judenstern in Dänemark. Ferner wird behauptet, dass, als die Deutschen die Hakenkreuzfahne auf Schloss Amalienborg wissen wollten, Christian gesagt habe, dass in diesem Fall ein dänischer Soldat sie auf der Stelle herunterholen würde. “Dann wird der dänische Soldat erschossen”, antwortete der deutsche Oberbefehlshaber. “Der dänische Soldat, das bin ich”, sagte der König. (Dank an CG)

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Gehört: Parteitage sind Dolchstoßgelände.

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Busfahrt in Berlin. Ich steige ein, das Kleingeld abgezählt in der Hand, und bitte um eine Fahrkarte. Der Bus ist bestenfalls zu einem Drittel besetzt, es herrscht kein übermäßiger Verkehr, hinter mir will keiner mehr zusteigen. Eigentlich eine entspannte Situation. Doch der Fahrer raunzt mich an: “Gehen Sie durch!” “Aber ich habe kein Ticket!.” “Haben Sie was an den Ohren? Gehen Sie durch!” Bei der nächsten Haltestelle versuche ich es noch einmal. Gleiche Reaktion, ohne Erklärung. Die anderen Fahrgäste zucken mit den Schultern. Hauptstadt, Rätselstadt.

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Aus Westfalen erhalte ich ein sehr freundliches Schreiben ohne Adresse und Namen, zusammen mit 50 Euro. Diesem und allen anderen Unterstützern ganz herzlichen Dank!

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Im Café bei BMW am Kaiserdamm. Unmittelbar vor dem Tresen auf dem Boden eine handtellergroße, schwarz-schmierige Masse. Als ich einen der Mitarbeiter, neudeutsch Barrista’, darauf aufmerksam mache, dankt der nicht etwa für den Hinweis, sondern meint sichtlich desinteressiert: Ja, das sei Eis, einem Kind sei die Schokokugel aus der Waffel gefallen. Dann wendet er sich wieder dem Tratsch mit seiner ebenso abständlichen Kollegin zu, obwohl jedem klar sein müsste, dass Kunden ausrutschen oder sich zumindest die Schuhe einsauen könnten. Aber keinem der beiden kommt der Gedanke, den Fleck wegzuwischen. Als ich nach einer Dreiviertelstunde gehe, ist der Fleck noch da, wenn auch inzwischen verschmiert; offenkundig ist jemand hineingetreten.

Diese Mischung aus Desinvolture und Vornehmtuerei an der Grenze zum geschäftsschädigenden Verhalten findet sich immer häufiger. Was früher jeder Bedienung selbstverständlich gewesen wäre, scheint heute vielen unter ihrer Würde. Man ist Barrista, keine Putzfrau. Dass heute für jeden Lehrberuf, für jede Hilfstätigkeit ein Diplom oder Zertifikat verlangt wird, hat die Arbeit zwar nicht besser gemacht. Aber sie hat sie gleichsam erhöht, denn was eine Prüfung verlangt, kann so einfach nicht sein. Erhöht hat dieser Unfug vor allem das Selbstbild der Diplomierten. Und so benehmen sie sich auch.

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Zu Polenz, gefunden auf Facebook: “Sei nicht wie Ruprecht. Laber keinen Scheiß!” Als Maxime für jede Talkshow verwendbar.

Der Maulwurf als Giraffe – und anderer öffentlich-rechtlicher Schwachsinn

Kürzlich nahm ich in Dresden teil an einer Podiumsdiskussion zwischen Vertretern der AfD und dem Chefredakteur des ZDF, Peter Frey, sowie dem von ARD-aktuell, Kai Gniffke. Es ging um die Qualität der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung. Eine wirkliche Annäherung fand nicht statt, dazu war die Wahrnehmung zu unterschiedlich: Die Chefredakteure hielten die Arbeit ihrer Redakteure für gut bis sehr gut, der Publizist Michael Klonovsky, große Teile des Publikums und ich waren anderer Ansicht. Doch fielen einige bemerkenswerte Sätze. So meinte Kai Gniffke, verantwortlich für Tagesschau und Tagesthemen: “Ausgewogenheit gehört bei der ARD zum journalistischen Grundprinzip.”

Wie diese Ausgewogenheit aussieht, konnte man letzten Donnerstag im Morgenmagazin der ARD erleben. Maximilian Krah, Vize der AfD in Sachsen, hatte in einer Kolumne behauptet, im Jahr 2018 seien in Chemnitz bisher 60 Frauen vergewaltigt worden, davon die meisten durch Ausländer. Da für das aktuelle Jahr noch keine Polizeistatistik vorliegt, waren die Zahlen nicht verifizierbar; ob sie falsch sind, sei dahingestellt. Zumindest stellte die Chemnitzer Freie Presse im Juni fest, dass “nahezu jeden Tag die Polizei eine sexuell motivierte Straftat melde”.

Auf Befragung durch das Morgenmagazin räumte Krah seinen Fehler ein, wies aber darauf hin, dass seine These, wonach mit den ‘Flüchtlingen’ die Zahl der sexuellen Straftaten gegen Frauen drastisch gestiegen sei, sich ebenso auf die vorliegenden Zahlen von 2017 stützen lasse. Hierzu hatte er dem Fernsehteam die polizeilichen Daten für 2017 übergeben. Sie dokumentieren einen Anstieg der Vergewaltigungen in Chemnitz seit Öffnung der Grenzen im Jahr 2015 von 4 auf 50, also um über 1200 Prozent.

Diese Fakten wurden vom Morgenmagazin unterschlagen. Kein Wort zu den signifikant gestiegenen Sexualstraftaten, kein Wort dazu, dass die These Krahs in diesem Licht eben doch viel für sich hat. Statt dessen interviewte Patricia Klieme die Vertreterinnen zweier Opferhilfe-Vereinen, die sich bemühten abzuwiegeln. Laut ihrer Websites werden beide Vereine direkt von der sächsischen CDU/SPD-Regierung, vom Landratsamt Erzgebirge oder von der Stadt Chemnitz finanziert und hängen mithin vom Wohlwollen jener Politiker ab, die Grenzöffnung und Kontrollverlust unmittelbar zu verantworten haben. Derartige Gewährsfrauen betrachtet die ARD vermutlich als seriös. Noch einmal: “Ausgewogenheit gehört bei der ARD zum journalistischen Grundprinzip.”

Nachtrag: Wildwasser Chemnitz, einer der befragten Vereine, verlinkt auf seiner Seite auf eben jenen von Maximilian Krah und auch oben zitierten Artikel der Chemnitzer Freien Presse vom 1. Juni 2018. Wenn das alles falsch ist, wundert man sich über die Verlinkung und so viel Alarmismus. Denkbar ist jedoch, dass die ARD-Frau Klieme auch aus den Gesprächen mit den Vertreterinnen der Opferhilfe nur solche Sequenzen verwendete, welche die tatsächliche Bedrohungslage contra-faktisch herunterspielen. Ganz im Sinne öffentlich-rechtlicher Ausgewogenheit.

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Wenn der Global Compact on Migration, wie von der Regierung behauptet, nur unverbindliche Lirum-Larum-Regeln enthält – ist dann die Reise Merkels und der deutschen Delegation in Wirklichkeit ein Spaßtrip und Veruntreuung von Steuergeldern?

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Jede Sprache dient der Verständigung. Letztlich geht es um Wahrheit: Was ist und was ist nicht? Diese Verständigung ist nur möglich, wenn hinsichtlich der Begriffe Einigkeit besteht. Natürlich kann man rot auch blau nennen, Vater Mutter oder Terror Demokratie. Aber dann ist Verständigung ausgeschlossen. Wenn die Begriffe keine Wahrheit haben, endet jede Debatte.

Für die begriffliche Wahrheit ist bei Gegenständen der Phänotyp entscheidend. Ein Maulwurf bleibt ein Maulwurf, auch wenn er selbst vielleicht lieber Giraffe wäre. Das Äußere stellt den Maßstab.

Nur Genderisten bestreiten das, gegen das eigene Vermögen. Wer sie bittet, kurz und verständlich die Unterschiede zwischen den angeblich klar zu trennenden Geschlechtern binär, divers, two-spirit und cis zu benennen, zwischen Unterstrich-weiblich und Sternchen-weiblich, erlebt größte Verlegenheiten. Es käme auf den Willen des Betroffenen an, heißt es. Klar: Dann ist der Maulwurf doch Giraffe.

Was sich als Rücksichtnahme auf individuelle Befindlichkeiten tarnt, ist in Wahrheit ein Kampf um parasitäre Besserstellung. Giraffen beispielsweise sind in Deutschland eine Minderheit. Daher werde sie versorgt, gestriegelt, bekommen ausreichend Futter. Maulwürfe bekommen das nicht. Ihr Leben ist unversorgt, nicht selten sogar bedroht.  

Daher ist es einträglich, Giraffe zu sein. Das ist der ganze Sinn von Gender. Es geht um Zuwendungen, es geht darum, andere für sich arbeiten zu lassen. Wer nicht hetero ist, sondern genderfluid, demigirl, nicht-binär, maverick oder xeno, soll Anspruch auf Förderung haben. Wie bei der Giraffe geht es um Futter und Unterhalt. Und es geht um Macht. Es geht um die Macht, das eigene Klientel auf Kosten anderer versorgen zu lassen, indem man deren Bedürftigkeit gegen jede Wahrheit definiert. Lüge zur Vorteilsgewinnung. Nichts anderes ist Gender.

Das sieht Andrej Reisin, ‘Faktenfinder’ oder Faktenerfinder beim NDR, anders. Er schrieb kürzlich: “Wer gegen Gender ist, ist rechts. Es gibt keinen biologischen Determinismus, der aus dem Vorhandensein bestimmter Organe und Hormonspiegel automatisch ableitet, welche Eigenschaften und Fähigkeiten ein Mensch hat.”

Schon mit Blick auf genetische oder hormonelle Erkrankungen ist das grober Unfug. Aus dem Down-Syndrom lassen sich eben durchaus Schlüsse auf das intellektuelle Potential des Betroffenen ziehen. Richtig ist lediglich, dass auch Menschen ohne Down-Syndrom dem Schwachsinn nahe sein können. Ein Zeichen dafür ist üblicherweise das Bestreiten phänotypischer Merkmale. Wer sich selbst entgegen seinem Erscheinungsbild für Napoleon, Jesus oder Dschingis Khan hält, ist ein Fall für die geschlossene Abteilung. Dass der NDR sich jener annähert, werden angesichts der Äußerung von Herrn Reisin oder mit Blick auf die Realitätsverdrängung in Tagesschau, Morgenmagazin oder Panorama immer weniger bestreiten.

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Ein junger Jude kommt zum Rabbi: “Rabbi, was muss ich tun, um unsterblich zu werden?” “Nun, heirate!” “Macht mich das denn unsterblich?” “Nein, aber es nimmt Dir den Wunsch.”  (mit Dank an CG)

Fischköppe, Fischfilets

Twitter-Perle: “Und der Haifisch, der hat Zähne / und die trägt er im Gesicht! / Und der Flüchtling hat ein Messer / doch der Staatsfunk sieht es nicht!” (Dank an MS)

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Für den 3. September notiert: Punk ist tot! Er war schon lange leere Geste, keine wirkliche Verweigerung, sondern nur die aufgesetzte Selbsthypnose der Wohlstandsverwahrlosten. Mit dem Konzert in Chemnitz, beworben von dem SPD-Funktionär Frank-Walter Fischfilet, ist Punk endgültig in Staatsdienste getreten. Klarer kann er seine Wurzeln nicht verraten. Immerhin: Nicht alles, was Angela Merkel mit ihrer Politik zerstört, gibt Grund zur Trauer.

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Unverändert eine grobe Ungerechtigkeit gegenüber dem weiblichen Geschlecht: Roland Freisler ist immer noch bekannter als Hilde Benjamin.

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Wer nie bei links-grünen Anwälten, Professoren, Lehrern zu Gast war und dort über Benjamin Netanjahu, das neue Nationalitätengesetz oder die ‘jüdische Kontrolle der Medien’ hat sprechen hören, weiß nicht, was willige Vollstrecker sind. 

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Hamburg behauptete über viele Jahre, im Vergleich mit Berlin die feinere, stilvollere, besser angezogene Stadt zu sein. Das scheint, zumindest mit Blick auf die Männer, vorbei. Selbst in gut situierten Kreisen herrscht bei einigen eine Ungezwungenheit in Fragen von Umgang und Kleidung, die man eher in Neukölln und Wedding verorten würde. Immer noch, trotz der Adaption durch Halbwelt- und Sonnenstudio-Szene, ist ‘Proling’ der angesagte Kleiderstil, also kunstvoll beschädigte oder abgewetzte Jeans, die irgendwie suggerieren sollen, ihr Träger gehöre zur Schicht der Arbeiter und verfüge über handwerkliche Fähigkeiten jenseits der Erinnerung an den Sechskant von Ikea. Dazu trägt der Als-ob-Malocher auch im fortgeschrittenen Alter ein schlichtes T-Shirt, das nach nichts aussieht und aussehen soll, aber 120.- Euro kostet. Beide Textilien sind eng geschnitten, was die sich abzeichnende Wampe betont, gleichzeitig aber, wie auch der Verzicht auf Rasur, die Authentizität des Proleten-Theaters erhöht. An den Füßen Chucks, womit die Garderobe der Väter auch beim Schuhwerk der ihrer Söhne gleicht. Wird es am Abend kühl, werden Kapuzenpullover (‘Hoodies’) übergezogen, als sei man im Fitnessstudio, nicht Gast einer Einladung. Die fast durchgehend gut gekleideten Frauen scheinen sich an der Kostümierung ihrer Männer nicht zu stören. Manche spottet zwar über den Rückfall ihres Gemahls ins Studentische, doch erscheint diese Art der Midlife-Crisis den meisten als deren erträglichste Form. Außerdem genießen sie den Kontrast. Denn nichts weist deutlicher auf das wahre Alter als die Betonung einer nicht gegebenen Jugendlichkeit. Nur gefärbte Haare und ein Goldkettchen fehlen noch zum Sugardaddy. Im Büro tragen all diese Leute ausschließlich Anzug.

Und noch eine Mentalitätsverschiebung ist bemerkbar. Nur noch wenige Hamburger zeigen in politischen Fragen die früher so angenehme Gelassenheit der Hanseaten. Statt dessen meinen nicht wenige, dass ein wunderbar lauer Sommerabend danach rufe, Debatten über das “schwachsinnige Parteiprogramm” der AfD zu starten. Das ist nicht ohne Komik. Während draußen die Phalanx der großen Geländewagen steht und die Frauen über den gerade beendeten Familienurlaub in den USA, in Frankreich oder auf Sardinien sprechen, erklingt im Garten das Lamento, die AfD “leugne den Klimawandel”. Andere, deren Berufsweg ausschließlich der Optimierung des persönlichen Vermögens galt, die noch nie freiwillig etwas für dieses Land getan, geschweige denn Abende und Wochenenden irgendeiner Parteiarbeit gewidmet haben, belehren darüber, wie Demokratie funktioniere. Oder sie halten, selbst Banker oder IT-Berater, eine AfD-Mitgliedschaft für “unter meinem Niveau”. Einer kritisiert diesen Blog, den er schon lange nicht mehr lese, ginge es doch “immer um dieselben 4 oder 5 Themen”. Der Hinweis, die meisten Werke, seien es Ilias, Prinz von Homburg, Buddenbrooks oder die kleine Raupe Nimmersatt, kreisten sogar nur um ein Thema, greift irgendwie nicht durch; vermutlich waren drei der Werke dem Kritiker unbekannt. Eine hübsche Mutter möchte keinesfalls “zurück an den Herd”. Dass die AfD dies nirgends fordert, verhallt ungehört. Zuvor klagte dieselbe Frau wortreich über die – finanziell keineswegs notwendige – Doppelbelastung durch Kinder und Beruf.

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GenderStudies sind keine neue Erfindung. Schon die alten Griechen kannten Versuche, das Geschlecht zu konstruieren. So steckt die Meerjungfrau Thetis ihren kleinen Sohn Achill in Mädchenkleider und lässt ihn zusammen mit den Töchtern des Lykomedes erziehen. Die Verweiblichung soll das Orakel überlisten, wonach Achill zwar ein Held, jedoch im Trojanischen Krieg sterben werde. Doch die Griechen brauchen Achill, denn ohne ihn, auch das eine Prophezeiung, werden sie den Krieg nicht gewinnen. So schicken sie, als einige Jahre später der Krieg unausweichlich wird, den listigen Odysseus auf die Suche, der als Kaufmann verkleidet den Töchtern des Lykomedes Gastgeschenke überreicht: Schmuck, Haute Couture, aber auch einen Speer und Schild. Als einzige der ‘Töchter’ greift Achill sofort voller Freude zu den Waffen… (mit Dank an CG)