Beauty-Contest: Euro-Islam oder Dschihad?

Wer auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung nach Initiativen sucht, die den Rechtsradikalismus bekämpfen, ist so erfreut wie erstaunt über die schiere Zahl. Es gibt ‚Fußball gegen rechts’, ‚Oberstufen gegen rechts’, ‚Klicks gegen rechts’, ‚Schöner Leben ohne Nazis’, ‚Störungsmelder’, ‚Laut gegen Nazis’, ‚der braune mob’, usw, usw. Dazu kommen auf lokaler Ebene dutzende Aktionsbündnisse ‚gegen Vergessen’ sowie zahllose Netzaktivitäten wie die satirische ‚Front deutscher Äpfel’. Geradezu eugenisch will die DGB-Jugend den Nationalsozialismus bekämpfen: ‚Kein Sex mit Nazis’! Eine Gruppe bayrischer Kneipiers verweigert Nazis die Bewirtung, selbst für besser Situierte gibt es Angebote: ‚Golf gegen rechts’. Wie bei vielem Gutgemeinten irgendwann der Eindruck: Kinderkram. Aber vermutlich lässt sich mit solchen Aktivitäten die eine oder andere Subvention abgreifen. Welcher Politiker würde es wagen, solchen Initiativen die Förderung zu versagen?

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In der vorletzten Schweizer Weltwoche plädiert Bassam Tibi, früher Professor für internationale Beziehungen in Göttingen, einmal mehr für einen Euro-Islam, also für einen Islam ohne Scharia, ohne Siadat (Vorrang des Islam gegenüber anderen Religionen) und ohne Dhimmitude (bloße Duldung von ‚Ungläubigen’ statt gleichberechtigter Toleranz). Alles richtig und wünschenswert, nur schreibt er dies schon seit 30 Jahren – und zu sehen ist von einem Euro-Islam immer noch nichts. Wenn die hier und in anderen europäischen Ländern lebenden Muslime wirklich alle so pluralistisch, demokratisch, tolerant und ‚friedlich’ sind, wie immer behauptet, müssten sie dem Euro-Islam eigentlich zu Tausenden zuströmen. Dass sie dies nicht tun, sollte uns daher zu denken geben – nicht zuletzt auch darüber, wie man sie gegebenenfalls dazu zwingen kann.

Warum aber haben die radikalen, intoleranten Strömungen des Islam so viel Erfolg? Vermutlich gerade deshalb: Eben weil sie primitiv und unverstellt vernunftverachtend sind. Das ist für viele extrem attraktiv, stellt es doch das klassische Karriereschema auf den Kopf: Eigenschaften wie Brutalität, Gewissenlosigkeit und intellektuelle Restriktion, die üblicherweise den sozialen Aufstieg zuverlässig hindern, werden plötzlich prämiert. Je rücksichtsloser, grausamer, unbedarfter, desto sicherer die Beförderung. Auch das Dritte Reich war, das zeigen SA wie SS, vor allem für drei Gruppen attraktiv: Für ungebildete, sozial abgehängte Schichten, für Leute mit schweren psychischen Störungen und für radikale Sinnsucher. Den einen Typus schildert das Buch „Der Vorleser“, den zweiten der Film ‚Schindlers Liste’ im KZ-Kommandanten Amon Göth, den dritten der Roman „Die Wohlmeinenden“: Hier eine analphabetische KZ-Aufseherin, dort ein Sadist, schließlich ein schwankender Moralist, der sich nach Reinigung und Erlösung sehnt. Genau das macht auch die radikalen islamischen Bewegungen für labile, kriminelle oder psychopathische Sozietäten so anziehend. Nicht zufällig ist die Rekrutierungsarbeit der Salafisten eigentlich nur bei diesen Gruppierungen erfolgreich: Bei denen, die ein Unbehagen an der Kultur verspüren, weitgehend unabhängig von ihrem wirtschaftlichen Status oder ihren Chancen; und dann bei den Insassen europäischer Gefängnisse, also zumeist Retardierten oder Psychopathen. Die können dann ihre kriminellen Karrieren fortsetzen, nun aber mit ‚Mission’ und gutem Gewissen.

Doch nicht nur die sozialen Aufstiegsmöglichkeiten des radikalen Islam sind anziehend. Mindestens ebenso locken die Abenteuer des Krieges, die Lust an Gewalt und die moralische Umkehrung: Alles, was üblicherweise unter schwerste Strafen gestellt ist und gesellschaftlich geächtet, ist plötzlich nicht nur erlaubt, sondern erwünscht – Vergewaltigung, Massenmord, bestialische Exekutionen. Wie jeder Tabubruch hat auch dieser seine Attraktivität, und der Verstoß gegen das absolute Tabu des Mordes ist auch in seiner Attraktivität absolut. In den Erinnerungen spezialisierter Kampfeinheiten wie den berüchtigten ‚Tunnel-Ratten’ im Vietnam-Krieg findet man immer wieder ähnliche Äußerungen: Dass nichts ein solches Glücksgefühl verschaffe wie die erfolgreiche Tötung des Gegners, gerade weil es ein Tabu ist, weil es die Grenzen der üblichen Moral sprengt. Die massenhafte Vergewaltigung und Ermordung von Frauen durch IS-Djihadisten ist daher keine überschießende Enthemmung, sondern das erfüllte Versprechen einer Bewegung, die den Tabubruch ermöglicht und gutheißt. In der Schändung und Tötung der Wehrlosen fallen zwei Tabus zusammen, und damit auch zwei Reize: Sex-Appeal und Kill-Appeal. Mehr geht nicht.

Und gegen diese Reize von Abenteuer, Allmacht und prämierter Enthemmung, verbunden mit dem Glück der Kameradschaft, will Bassam Tibi den Euro-Islam setzen, also all die Restriktionen, die für Demokratie und Toleranz stehen: Rücksichtnahme, Minderheitenrechte, die komplizierten Spielregeln des Pluralismus. Wenn ich jung wäre, fände ich das auch nicht spannend.

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„Schäuble zeigt Härte“, so kommentierten mehr oder minder wörtlich am Freitag mehrere Zeitungen die Zurückweisung des griechischen ‘Angebots’ durch den Finanzminister. Nicht einmal 24 Stunden später bekommen die Griechen erneut für 4 Monate Überbrückungskredite. Wo Journalismus zu nah an der Politik ist, übernimmt er auch deren Halbwertszeiten. 

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Wie sehr das Gerede von den sozio-ökonomischen Umständen an der Psychologie der Djihadisten vorbeigeht, zeigt auch die Karriere des Attentäters von Kopenhagen. Intelligent, mit guten Schulleistungen, hätte ihm eine bürgerliche Laufbahn offengestanden. Dass er sie nicht wählte, müsste eigentlich auch die überzeugtesten Sozialtherapeuten an den ewig gleichen Formeln von der angeblichen  Benachteiligung der Muslime zweifeln lassen – zumal immer offen bleibt, warum ärmere Menschen aus anderen Kulturkreisen nicht zu Terroristen werden.  

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Star der Woche: Wieder einmal Jean-Claude Juncker. Eigenmächtig brachte sein Stab ein Papier in Umlauf, dass die Bemühungen um ein geschlossenes Auftreten der Geber-Länder gegenüber Griechenland konterkariert und der Troika einen ‚Verstoß gegen die Würde der Völker, gerade in Griechenland’ attestierte. Im Kern, das legen solche Formulierungen nahe, betrachtet Juncker die damaligen Kredithilfen als sittenwidrig – eine hübsche Ohrfeige für alle Staatschefs, die sich den Bedingungen der Troika gebeugt haben. Nicht nur der portugiesische Premier ist verständlicherweise empört. Kann man sich überhaupt noch irgendeine Absurdität ausdenken, zu der sich Juncker und seine Mannen nicht versteigen? Später behauptete dessen Kabinettschef Selmayr, das Papier sei mit den anderen Finanzstaatssekretären abgestimmt, was diese umgehend dementieren. Unfähigkeit, Lügen, Winkelzüge, am Ende sind alle beschädigt – Brüssel bleibt Brüssel.

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In der SZ vom Mittwoch ein langer Artikel über den jüdischen Exodus aus Europa. Kein einziges Mal fällt der Ausdruck „muslimisch“ oder „Islam“, der Kopenhagener Djihadist ist einfach nur ein „Attentäter“. Nur beim ungarischen Anti-Semitismus wird der Urheber benannt, die Jobbik-Partei. Ansonsten aber kein Wort zu Ursachen und Tätern. Dass Dänemark nie eine anti-semitische Bewegung hatte, der Anti-Semitismus erst mit den muslimischen Einwanderern ins Land kam, bleibt unerwähnt. 

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Viele Linke halten sozio-ökonomische Benachteiligungen für die Ursache der muslimischen Radikalisierung in Europa. Könnte es jedoch sein, dass auch die Duldung der ‚autonomen’ Szene wesentlich zur Gewaltbereitschaft beiträgt? Warum haben Städte, in denen linksradikales Gesindel regelmäßig für Krawall sorgt, auch immer große Probleme mit Muslimen, ob nun Hamburg, Berlin oder Bremen? Kann es sein, dass die linksradikale Verachtung demokratischer Werte auf viele Muslime abfärbt? Und dass der muslimische Terrorismus auch eine Folge der Deeskalationspolitik von Grünen und SPD ist?