Dreierlei Verlogenheit: BILD, Kauder, Internationalismus

Über Jahrzehnte weit vorn in Sachen leichtbekleideter Körperlichkeit war BILD. Die Barbusige von Seite 1 gehörte gleichsam zur Marke, und nie wurde das Versprechen von harter Berichterstattung und leichter Unterhaltung eleganter auf den Punkt gebracht als in dem Slogan: „Nackte Tatsachen? Wir bringen beides!“

Der immer wiederkehrenden Kritik begegnete Chefredakteur Diekmann mal mit Spott über derartige Verklemmtheiten in Zeiten des überall verfügbaren Hardcore-Porns, mal mit Verweisen auf die europäische Malerei, in der Nacktheit und bukolische Motive keineswegs frauenfeindlich gedacht waren. Nun allerdings scheint BILD selbst in halbnackter Haut eine Gefahr zu erkennen. So kommentiert die Zeitung das AfD-Plakat „Burkas? Wir steh’n auf Bikinis“ mit den Worten: „Auch dieses Wahlplakat sorgt für Kritik: Denn was will die AfD damit sagen? Etwa, dass Frauen in erster Linie den Männern gefallen sollen – und sich daher am besten möglichst leichtbekleidet präsentieren?“

Das ist eine große, ehrliche Frage von einer Zeitung, die unter der irreführenden Rubrik Erotik jeden Monat das ‚BILD-Girl’ vorstellt. Dort legt man allerdings mehr Wert auf Aussagen: „Anna kommt immer auf dem Bike“ oder „Christina. Ich liebe Sex!“ Was das uns sagen soll, wird hier niemand fragen.

Tatsächlich ist die AfD-Kampagne ein Beispiel, wie anti-sexistisch das Spiel mit dem Sex zuweilen sein kann. Denn erkennbar geht es nicht um Männerfreuden; es geht um Frauenrechte. Es geht darum, die individuelle Freiheit des Westens gegen kollektivistische Kleider- und Denkvorschriften zu verteidigen – auch gegenüber jenen, die unter dem törichten Slogan „Refugees welcome“ Sexismus und Frauenfeindlichkeit die Tore öffneten.

In Wirklichkeit dürfte auch BILD kein Freund der neuen Prüderie sein. Würde die FDP mit dem AfD-Motiv für die Verteidigung der westlichen Freiheiten kämpfen, wäre die Zeitung sicherlich voll des Lobes. Aber im Kampf gegen die AfD kann man schon mal die eigene argumentative Nacktheit übersehen. Parteilichkeit macht keinen guten Journalismus.

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Wenn die Deutsche Wochenschau wiederkommt, wird sie nicht sagen, ich bin die Deutsche Wochenschau. Sie wird sagen: Ich bin das heute journal.

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Viele Bundesländer entlassen zu den Sommerferien ihre Lehrer, um sie zu Beginn der Schulzeit wieder einzustellen. Die schäbige Praxis soll die Verbeamtung verhindern und Kosten sparen. Da die Lehrer zumeist nicht einmal 12 Monate ohne Unterbrechung tätig waren, erhalten sie auch kein Arbeitslosengeld.

Diesem elenden Treiben hat die große Koalition jahrelang tatenlos zugeschaut. Nichts getan hat also jene angeblich sozialdemokratische Partei, die ausgerechnet jetzt die „Zeit für Gerechtigkeit“ ausruft. Und nichts getan hat auch die Union, deren Vorsitzende Merkel trotz Altersarmut, Erwerbsarmut und Kinderarmut nicht müde wird zu behaupten, Deutschland ginge es so gut wie noch nie.

Dass viele Lehrer hiervon ausgenommen sind, hat nun allerdings Volker Kauder (CDU) entdeckt: „Deutschland muss Lehrer endlich fairer behandeln!“ erkennt der mächtige Fraktionsvorsitzende, der in 12 Jahren nie etwas unternahm, um Zeit- und Kettenverträge zu begrenzen – wie es beispielsweise die AfD in ihrem Programm fordert. Ob das so kurz vor der Wahl den Kauderschen Sinneswandel befördert hat?

Zur Arbeit und Bilanz der Altparteien in Sachen Bildung schreibt mir ein Leser:

Ich habe drei Söhne. Seit der Einschulung des ersten vor 18 Jahren habe ich nichts anderes erlebt als Sparmaßnahmen, Schulschließungen, Klassen auseinanderreißen, um neue zu bilden. Alles Sparmaßnahmen, gegen die wir uns – teilweise mit Erfolg – zur Wehr setzten. Anderen ging und geht es genauso, bis hin zur Schließung von Kindergärten. Es gibt in Würzburg kaum noch ein Schulschwimmbad, das funktioniert. Geldmangel! Schwimmunterricht? Entfällt! Jährlich ertrinken in Deutschland über 500 Personen wg. mangelnder Fähigkeit zu Schwimmen. 

Das eigene Volk wird kaputtgespart! Ganz anders bei den Migranten: 15 Schüler pro Klasse und drei Lehrer, damit sie das Abi schaffen. Großes Lob in der örtlichen Presse, dass jetzt das Studium angesagt ist. Vielen Dank! Meine Kinder waren an die 30 Schüler pro Klasse!

Ich denke, diese Regierung ist die Einzige der Welt, die am eigenen Volk spart und dann das Geld an diese Landnehmer rausschmeißt.

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Gelegentlich zu hören: Deutschland entwickele sich zu einer DDR 2.0. Das ist falsch. In der DDR hatten die Mitarbeiter der Stasi zumindest ein schlechtes Gewissen. Deshalb liebten sie die Heimlichkeit. Offen zur Zerstörung der bürgerlichen Existenz ihrer Gegner bekannten sich nur die Nazis.  

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Vor einigen Wochen sorgte die Sentenz ‚Deutschland den Deutschen’ für einige Aufregung. Vor allem linke Medien waren geradezu traumatisiert ob einer derart brutalen Form des Chauvinismus’. Zudem soll die inkriminierte Formel von der NPD stammen.

Nun stellt sich heraus: Es ist noch viel schlimmer! Nicht die NPD ist Urheber der territorialen Besitzformel, sondern Rotfront. Denn ausgerechnet die kommunistische Combo ‚Roter Wedding’, gegründet 1929, forderte im gleichnamigen Lied ‚Deutschland den Deutschen’:

Links, links, links, links! / Der Kampf wird weiter geführt!

Links, links, links, links! / Ein Lump, wer kapituliert!

Wir tragen die Wahrheit von Haus zu Haus / Und jagen die Lüge zum Schornstein hinaus

Wie Karl Marx es und Lenin gelehrt! / Und schlug auch der Feind unsere Besten tot,

Der Wedding kommt wieder, Berlin bleibt rot, / Damit Deutschland den Deutschen gehört!

Natürlich, muss man anfügen, irrten die Kommunisten auch hier. Deutschland gehört nicht den Deutschen, sondern den Arabern, Irakern oder Afrikanern. Dann auch den Türken, die Deutschland, so Siegmar Gabriel, nach dem Krieg aufgebaut haben. Und zuletzt, wie beim G20-Gipfel in Hamburg zu sehen, gehört Deutschland den internationalen Anarchisten und Gewalttätern, mit freundlicher Billigung von Innenminister de Maizière, Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und den Medien. Den Deutschen ohne Migrationshintergrund gehört Deutschland jedenfalls nicht, so wenig wie den Juden Judäa. Auch das verbindet diese beiden Völker.

Auf YouTube findet sich eine Aufnahme von Roter Wedding’, intoniert von Ernst Busch, einem der Stars des Arbeiter- und Propagandaliedguts.

Noch dazu: Wann die Zeile „Damit Deutschland den Deutschen gehört“ in das Lied eingefügt wurde, ist umstritten. Ob das schon 1929 der Fall war, sich der Vers gegen die französische Besetzung des Rheinlands oder die Annexion von Elsaß-Lothringen wandte, ist unklar. Linke Kommentatoren bestreiten diesen Zusammenhang. Ihnen zufolge sei die Zeile erst Mitte der 1960er Jahre hinzugekommen. In jedem Fall habe sie nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun, sondern sei lediglich die Reaktion auf den Einfluß der Russen in Ost- und der Amerikaner in Westdeutschland.

Warum das nicht fremdenfeindlich sein soll, bleibt allerdings schleierhaft. Immerhin sind Amerikaner wie Russen staatsbürgerlich und rechtlich Fremde. Und in beiden Fällen ging es um einen als fremd empfundenen Einfluß von Ausländern. Doch muss aus Sicht des Zeitgeistes links immer internationalistisch sein und gewesen sein, nie national oder gar xenophob. Dass beides oft gut zusammenging und Fremdenfeindlichkeit in vielen Ländern des Ostblocks alltäglich war, wird verdrängt. Die Vertreter des Nationalbolschewismus’ würden schallend lachen.  

Lorenz Maroldt, Volker Beck und der häßliche Deutsche

Beobachtung aus dem Wahlkampf: Der hässliche Deutsche ist fast immer der linke.

Das spiegelt sich auch in den Kommentaren auf Facebook. Von Personen, die Sympathien für mich oder die AfD erkennen lassen, kommen zuweilen rüpelhafte, derbe, schotige Anmerkungen; aber das Oberlehrerhafte, die kleinbürgerliche Freude am Zurechtweisen und Sich-Erheben, fehlt dort völlig. Das findet sich nur auf Seiten der Linken. Von ihnen wissen viele, wie mein Vater und Großvater über mein politisches Engagement gedacht hätten; andere bezweifeln irgendwelche Notate und verlangen die Angabe der Quelle, um dann, kommt man der im Befehlston ergangenen Aufforderung freundlich nach, die Vertrauenswürdigkeit der NZZ, des Economist oder von Polizeimeldungen anzuzweifeln. Und beliebt ist auch der Gestus der altväterlichen Herablassung, nicht selten von Leuten, die eher meine Kinder sein könnten: Mein Sohn, das sollten Sie sich noch einmal überlegen…

Aber noch eine Sache unterscheidet links und rechts: Entschuldigungen kommen nur von letzteren. Selbst bei offenkundigen Fehlern ihrerseits agieren Linke wie immunisiert, Worte des Bedauern scheinen in ihrem Repertoire des zivilen Umgangs zu fehlen. Statt dessen immer nur Rechthaberei und ödeste Beharrung.

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Vor über vier Monaten erstattete Volker Beck von den GRÜNEN Strafanzeige gegen mich wegen eines Eintrags in diesem Blog – und der Berliner Tagesspiegel, nie um eine Dummheit verlegen, sorgte tatsächlich für Berichterstattung. Wie die zu werten ist, schrieb ich hier. Bis heute habe ich nichts von der Staatsanwaltschaft gehört, vermutlich wurde das Verfahren eingestellt. In jedem Fall hätte der Tagesspiegel längst nachfassen und berichten müssen. Doch Selbstverständlichkeiten des journalistischen Anstands waren noch nie die starke Seite des Tagesspiegel und seines Chefredakteurs Lorenz Maroldt – so musste ich ihn heute dazu auffordern.

Sehr geehrter Herr Maroldt,

im März berichtete der Tagesspiegel über zwei Strafanzeigen, die Volker Beck und eine bedeutungslose Abgeordnete der Berliner Grünen gegen mich erstatteten. Anlaß war mein Hinweis, wonach das bekannte Wort von Max Frisch, wir hätten Gastarbeiter gerufen, aber Menschen bekommen, auch um eine weniger optimistische Variante ergänzt werden müsste: Dass wir nämlich, der Alltag zeige das ebenso wie der Hang vieler Deutschtürken zu antidemokratischen Führern, auch Leute ins Land geholt hätten, die freiheitlichen Werten wie zivilen Anstandsregeln feindlich gegenüberstünden, vulgo: Gesindel.

Die Berliner Staatsanwaltschaft scheint meine ironische Ergänzung als nicht strafwürdig zu betrachten; zumindest habe ich bis heute nichts von ihr gehört. Daher sollten Sie, wenn Sie schon über PR-Gags in Form aussichtsloser Strafanzeigen berichten, Ihre Leser auch über den Ausgang informieren. Anderenfalls müssten diese Leser annehmen, der Tagesspiegel betreibe nicht Journalismus, sondern Denunziation.

In diesem Zusammenhang noch Folgendes: Herr Beck hat einst im Sammelband „Der pädosexuelle Komplex“ für die Freigabe von Sex mit Kindern plädiert, seine Urheberschaft später bestritten. Als die Urschrift auftauchte, zog er bis vor den Bundesgerichtshof, um eine unabhängige Veröffentlichung zu verhindern. Heute gilt als erwiesen, dass alle Passagen zur ‚Entkriminalisierung’ von Sex mit Kindern entgegen seinen Beteuerungen direkt von ihm selbst stammen.

Im März 2016, zehn Tage vor der Wahl in Baden-Württemberg, aus der Winfried Kretschmann als Sieger hervorging, wurde Herr Beck vor der Wohnung eines Dealers am Nollendorfplatz mit Chrystal Meth erwischt, einer harten Droge. Die Gegend soll der Wohnort von Herrn Beck sein, ist aber auch bekannt als Straßenstrich minderjähriger Homosexueller. Obwohl Herr Beck im strafrechtlichen Sinn nur eine ‚geringe Menge’ der Droge bei sich führte und nicht vorbestraft war, trat er sofort von allen Parteiämtern zurück und ließ sich wochenlang krankschreiben. Eine geradezu panische Reaktion, die kaum plausibel scheint.

Ganz abstrakt gesprochen und ohne Bezug zu Herrn Beck sind Drogen auch ein Mittel, um abhängige minderjährige Prostituierte zu bezahlen. In solchen Fällen geht es nicht um Eigenkonsum, sondern um ein massives kriminelles Delikt, nämlich um Dealerei zum Zwecke des sexuellen Mißbrauchs Minderjähriger. Und ebenfalls völlig abstrakt lässt sich sagen, dass eine solche Debatte zehn Tage vor einer Wahl, bei der ein Parteifreund gute Aussichten auf den Sieg hat, den Chancen nicht unbedingt förderlich ist.

Mit Blick auf Herrn Beck stellt sich in jedem Fall die Frage, ob harter Drogen­konsum oder sein Plädoyer für Päderastie oder seine nachfolgenden Lügen ihn in Ihren Augen zu einem besonderen Gewährs­mann der öffentlichen Ordnung machen. Dass Herr Beck die Staatsanwaltschaft gern für seine Zwecke einspannt und schon mehrfach ergebnislose Anzeigen erstattet hat, sollten Sie ebenfalls berücksichtigen. Ist Volker Beck ein Mann Ihres Vertrauens, Herr Maroldt?

Ihrer Antwort wie auch Berichterstattung sehe ich mit Freuden entgegen!

Mit freundlichem Gruß

Dr. Nicolaus Fest

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Mantra aller EU-Befürworter: Für die großen Probleme kann es nur einheitlich europäische Lösungen geben. Nur die Atompolitik ist davon ausgenommen.

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„Junge Frau, was hatten die Muslime, als die Christen zum Kreuzzug rüsteten, Ihrer Ansicht nach im jüdisch-christlichen Jerusalem zu schaffen?“ Antwort der Lehrerin, die kaum AfD wählen wird: „Wieso, die waren doch schon vor den Juden da.“

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Beim Gang durch Ausstellungen: Wie seit Jahrzehnten triumphiert die Kunst der ‚Ehrlichkeit’, die so verlogene wie brutalistische Anti-Ästhetik: Immer der gleiche Müllhaufen-Charme, eklige Sujets und Art brut. Auf den Gedanken, die Schönheit zum Ziel seines Schaffens zu machen, kommt kaum ein Künstler. Vermutlich aus Furcht: Nichts ist schwieriger, zudem liegt der Vorwurf des Kitsches, der gesellschaftspolitischen Irrelevanz und Weltfremdheit nie fern. Aber haben sich früher die Künstler darum geschert? Bei vielen finden sich Anmut und Schrecken zu gleichen Teilen in ihren Werken; sie waren, bei aller Abhängigkeit, freier und mutiger. Heute ist Ästhetik nur noch im Reich des Banalen zuhause: Bei Konsumgegenständen, vor allem bei Autos und Computern. Der so anrührende wie richtige Gedanke, den Menschen durch Vollkommenheit zu betören und zu bessern, hat heute nur im Design eine Heimat.