Berliner Luft: Null Toleranz!

Im Zusammenhang mit der “Broken Window”-Theorie und der zivilen Rückeroberung verwahrloster Stadtteile in New York kam um 1995 der Begriff “Null Toleranz” auf. Heute wird der Begriff ständig und meist von jenen Leuten benutzt, die nie tolerant waren, sich aber in den Mantel der kompromißlosen Rechtschaffenheit hüllen möchten.

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Der “Kufsteiner Salon” in Berlin-Schöneberg schließt seine Tore. Ins Leben gerufen von den so großzügigen wie liebenswürdigen Gastgebern Lothar und Christiane Pues, intellektuell über mehrere Jahre geformt von Henning Ritter, war er ein wunderbar zwangloser Treffpunkt für anregende Gespräche. Doch diese Zwanglosigkeit und der bewusst unpolitische Charakter standen gegen den Zeitgeist der Ausgrenzung und Verdächtigung. So war er der Fraktion der Null-Toleranzler unerträglich. Meine gelegentliche Anwesenheit soll deren Vertreter derart gestört haben, dass sie die Gastgeber mit immer neuen Vorhaltungen belästigten. Die aber wollten sich ihre Gäste nicht vorschreiben lassen – und beendeten ihr hochherziges Engagement. Auch ein Zeichen…

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Drei Tage leichte Depressionen: Was habe ich falsch gemacht? Da nennt man – wohl mit zu vielen guten Argumenten – den Islam “toxisch”, “bösartig”, “grundgesetzwidrig”, “atavistisch”, “frauenfeindlich”, “anti-semitisch” und vieles mehr, schreibt eben das in BILD am SONNTAG, der Jungen Freiheit, dem eigenen Blog, lobt die Schließung salafistischer Moscheen in Österreich, fordert hier dasselbe – und wird im “Prüfbericht” zur AfD nicht ein einziges Mal erwähnt. Frechheit!

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Auch die Süddeutsche Zeitung hat ihren Fall Relotius. Zu den Besonderheiten der “Aufarbeitung” gehört, dass die Redaktion den Namen des Fälschers konsequent verheimlicht. Transparenz gilt eben immer nur für andere. Wer mehr wissen möchte, sollte vielleicht bei Dirk Gieselmann nachfragen, ausgezeichnet mit Nannen-, Grimme- und dem Deutschen Reporterpreis.

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Ein Herr Schulze-Tammena von der Berliner Europa-Schule Schiller-Gymnasium fragt an, ob ich an einer Podiumsdiskussion mit Vertretern anderer Parteien teilnehmen könne. Das Thema laute “Populistische Bewegungen in Europa und weitere europapolitische Fragen”. Ich lege ein paar Termine um und sage zu. Daraufhin kommt ein weiteres Schreiben, natürlich mit gendergerechten “*”-Albernheiten, dem eine rechtliche Verpflichtungserklärung anhängt: Ich müsse mich auf die “Einhaltung der Grundsätze des Schulprogramms verpflichten” – welche das sind, wird nicht gesagt, doch dürften bei einer “Europa-Schule” EU-kritische Positionen eher nicht den Grundsätzen entsprechen. Offensichtlich will man schon vorab einen Maulkorb verhängen. Außerdem werden Film- und Fotoaufnahmen untersagt, was zulässig und sinnvoll ist, unter zivilisierten Menschen jedoch üblicherweise per einfacher Bitte vereinbart wird. Hier hingegen werden rechtliche Schritte für den Fall der Nichteinhaltung angedroht.

Ich schreibe zurück, es sei ein wenig “dicke”, einen Gast so zu behandeln. Zudem hätte ich keine Absicht, Fotos oder Filme zu machen, mein Wort müsse genügen. Doch es genügt Herrn Schulze-Tammena nicht. Andere Parteien hätten mit der Verpflichtung keine Probleme, außerdem sei sie eine Forderung der Eltern- und Schülerschaft – so als hätten die und nicht er eingeladen und als sei von irgendeiner Bedeutung, was Vertreter anderer Parteien mit sich machen lassen.

So sage ich ab. Als Gast sollte man geschätzt werden, nicht mit Juristenkram behelligt. Nun gibt es mithin eine Podiumsdiskussion über populistische Parteien, an der – sofern man die AfD als populistisch verorten will – ihr einziger Repräsentant nicht teilnimmt. Das wird sicherlich interessant.

Erwartungsgemäß erhalte ich noch ein Schreiben von Herrn Schulze-Tammena. Er bedaure, dass ich mich “der Diskussion mit den Schülern nicht stellen will”. Davon kann keine Rede sein, doch sagt es viel über den charakterlichen Zuschnitt, wenn sich Leute nachkartend vorgaukeln müssen, im Recht zu sein. Die armen Schüler.

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Die dicke Bednarz, Liane, piepst mich auf einer Lesung hochtonig an: “Sie haben mich eine ‘erschütternd unbegabte Juristin’ genannt!” Ist das so? Selbst wenn, längst vergessen. Doch bezeichnend: Andere als gefährliche Bürger, radikale Christen oder sonstwie als ‘Rechte’ denunzieren, aber auf vergleichsweise milden Spott hin koloraturhaft aufquieken. Richtig ist: Wer so deutlich seine Dünnhäutigkeit erkennen lässt, ist für den öffentlichen Diskurs ungeeignet. Und um mein Urteil abzurunden: Schreiben kann sie auch nicht, Charme ist ihr ein Fremdwort, und ästhetisch ist sie keine Freude.

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In mehrfacher Hinsicht sehr aus der Zeit gefallen: Ernst von Bothmer (1841 – 1906), preußischer Gesandter am rumänischen Hof, ließ einst den rumänischen Ministerpräsidenten samt seiner Minister die Treppe seines Palais hinunterwerfen, als diese ihm einen Ehrensäbel überreichen wollten. Er lasse sich, so die Begründung, “von Hammeldieben keinen Säbel schenken!” Dann ordnete er an, die Treppe abzuseifen. Bismarck zog seinen Gesandten ab und vermerkte, die Bothmers seien besser geeignet, Beziehungen abzubrechen als anzuknüpfen. Milder urteilte der rumänische König Karol I über Bothmer: „Er hat ja sachlich recht, aber es ist doch wohl nicht ganz üblich.“ (Dank an CG)

Sport, Gender und Berliner Freundlichkeiten

In den USA wollen die 2,3 Millionen Boy Scouts, zu deutsch Pfadfinder, kein reiner Jungenverein mehr sein, sondern auch Mädchen aufnehmen. Also ließen sie das ‘Boy’ im Namen fallen. Das aber empörte die 2 Millionen Girl Scouts. Sie erhoben umgehend Klage auf der Basis von Markenschutzrechten. “Allzeit bereit”, das bekannte Motto der Pfadfinder, bedeutet inzwischen “Allzeit klagebereit”. Eine zeitgemäße Lösung, so ein amerikanischer Freund, böte der Zusammenschluß beider Vereine unter dem Kürzel SCS: Social Construct Scouts.

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Der Witz von den Social Construct Scouts ist von der Wirklichkeit bereits überholt. Denn das Ende von Gender ist sichtbar. Sorgen wird dafür der Sport. Gleichberechtigung bedeutet eben nicht Gleichwertigkeit. Männer haben mehr Muskeln. Das macht sportliche Wettkämpfe zwischen Männern und Frauen zu einer klaren Angelegenheit.

So auch im Handball, zu sehen an der australischen Frauenmannschaft. Dort spielt die Transfrau Hannah Mouncey. 1 Meter 88 groß, hundertzehn Kilo schwer, Hände wie Bratpfannen. Mit ihr, früher ein Mitglied der australischen Herrenmannschaft, gewinnt das Team jedes Spiel. Ebenso erfolgreich ist eine Transfrau im Boxen; sie knockt jede Gegnerin aus. Ob die das als fairen Wettbewerb empfinden?

Für im Medaillenranking rückständige Nationen mit einer gewissen Geschmeidigkeit in Fragen erforderlicher Atteste bietet Gender allerdings Möglichkeiten. Sie könnten bei den kommenden olympischen Spielen die Disziplinen der Frauen konsequent mit Transfrauen besetzen. Ob Volleyball, Hockey, Gewichtheben oder Fußball, ob Laufen, Schwimmen oder Speerwurf, überall würden diese Länder – sagen wir mal: Aserbaidschan, Weißrussland und Pakistan – die ersten Plätze unter sich ausmachen. Nur in Disziplinen wie Dressurreiten, Synchron-Schwimmen oder Turmspringen hätten Frauen anderer Nationen Aussicht auf eine Medaille.

Chancengleichheit wäre erst dann wiederhergestellt, wenn alle Länder sich der Diktatur des GenderMainstreaming beugten und Transfrauen ins Rennen schickten. Nur wären dann Frauen aus vielen Sportarten eliminiert – und damit diese Disziplinen uninteressant für Werbetreibende, die auf Frauen zielen. Sicher ist: Wenn das große Geld Druck macht, wird das IOC alle Gendermaßnahmen sofort beenden, und zwar ohne Rücksicht auf Fragen der “Diskriminierung” einiger Transsexueller.

Noch dazu: Hannah Mouncey, mit zahlreichen Fotos im Netz vertreten, erinnert an die Frauen, die die Länder des Ostblocks in den 1970er Jahren zu den olympischen Spielen schickten – dickschenkelige Kolosse mit Bartwuchs, Baßstimme und Bodybuilder-Maßen. Warum also Doping-Kontrollen und Testosteron-Verbote, wenn über die Zulassung von Transfrauen die muskuläre und hormonelle Differenz doch wieder erlaubt wird? Wer Gender befürwortet, muss schon aus Gründen der Chancengleichheit Doping freigeben.

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Slogan für migrationsbegeisterte Pazifisten: Messer zu Fußfesseln!  

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Aus den Kriegstagebüchern von Astrid Lindgren: “Vom dänischen König werden ziemlich viele Geschichten erzählt. Unter anderen wird behauptet, er habe, als die Deutschen planten, in Dänemark den Judenstern nach deutschem Muster einzuführen, gesagt, dass er der erste sein werde, der in tragen würde. Es wurde nichts aus dem Judenstern in Dänemark. Ferner wird behauptet, dass, als die Deutschen die Hakenkreuzfahne auf Schloss Amalienborg wissen wollten, Christian gesagt habe, dass in diesem Fall ein dänischer Soldat sie auf der Stelle herunterholen würde. “Dann wird der dänische Soldat erschossen”, antwortete der deutsche Oberbefehlshaber. “Der dänische Soldat, das bin ich”, sagte der König. (Dank an CG)

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Gehört: Parteitage sind Dolchstoßgelände.

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Busfahrt in Berlin. Ich steige ein, das Kleingeld abgezählt in der Hand, und bitte um eine Fahrkarte. Der Bus ist bestenfalls zu einem Drittel besetzt, es herrscht kein übermäßiger Verkehr, hinter mir will keiner mehr zusteigen. Eigentlich eine entspannte Situation. Doch der Fahrer raunzt mich an: “Gehen Sie durch!” “Aber ich habe kein Ticket!.” “Haben Sie was an den Ohren? Gehen Sie durch!” Bei der nächsten Haltestelle versuche ich es noch einmal. Gleiche Reaktion, ohne Erklärung. Die anderen Fahrgäste zucken mit den Schultern. Hauptstadt, Rätselstadt.

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Aus Westfalen erhalte ich ein sehr freundliches Schreiben ohne Adresse und Namen, zusammen mit 50 Euro. Diesem und allen anderen Unterstützern ganz herzlichen Dank!

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Im Café bei BMW am Kaiserdamm. Unmittelbar vor dem Tresen auf dem Boden eine handtellergroße, schwarz-schmierige Masse. Als ich einen der Mitarbeiter, neudeutsch Barrista’, darauf aufmerksam mache, dankt der nicht etwa für den Hinweis, sondern meint sichtlich desinteressiert: Ja, das sei Eis, einem Kind sei die Schokokugel aus der Waffel gefallen. Dann wendet er sich wieder dem Tratsch mit seiner ebenso abständlichen Kollegin zu, obwohl jedem klar sein müsste, dass Kunden ausrutschen oder sich zumindest die Schuhe einsauen könnten. Aber keinem der beiden kommt der Gedanke, den Fleck wegzuwischen. Als ich nach einer Dreiviertelstunde gehe, ist der Fleck noch da, wenn auch inzwischen verschmiert; offenkundig ist jemand hineingetreten.

Diese Mischung aus Desinvolture und Vornehmtuerei an der Grenze zum geschäftsschädigenden Verhalten findet sich immer häufiger. Was früher jeder Bedienung selbstverständlich gewesen wäre, scheint heute vielen unter ihrer Würde. Man ist Barrista, keine Putzfrau. Dass heute für jeden Lehrberuf, für jede Hilfstätigkeit ein Diplom oder Zertifikat verlangt wird, hat die Arbeit zwar nicht besser gemacht. Aber sie hat sie gleichsam erhöht, denn was eine Prüfung verlangt, kann so einfach nicht sein. Erhöht hat dieser Unfug vor allem das Selbstbild der Diplomierten. Und so benehmen sie sich auch.

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Zu Polenz, gefunden auf Facebook: “Sei nicht wie Ruprecht. Laber keinen Scheiß!” Als Maxime für jede Talkshow verwendbar.