Gescheiterte Staaten: Italien, EU!

Küppersbusch, Prantl, Özdemir: Viele Linke kritisieren die Montagsdemonstrationen in Dresden. Richtig ist: Sie waren schon gegen die Demonstrationen vor 25 Jahren.

Überhaupt erstaunlich: Mit welcher Selbstsicherheit die Linke das Wort führt. Keinerlei Selbstzweifel, kein Ernstnehmen der Demonstranten und ihrer Anliegen, nur Verachtung und Besserwisserei. Dabei demaskierte 1989 nicht nur den Sozialismus, sondern mehr noch die erbärmliche Verirrung vieler westlicher Linker, die im Sozialismus ernsthaft eine Alternative zur liberalen Demokratie gesehen hatten. Trotzdem jetzt wieder dicke Lippe. Beispielhaft Friedrich Küppersbusch auf Radio 1, der den Ostdeutschen mitteilt, dass die meisten hier lebenden Moslems vor ihnen Bundesbürger waren. Nie werden Linke den Ostdeutschen den 9. November 1989 verzeihen.

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„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“ Hajo Friedrichs. Oft zitiert, nie befolgt.

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Nicholas Farrell, englischer Autor für Spectator, Telegraph und andere Zeitungen, hat lange in Italien gelebt, dem Land aber vor einiger Zeit den Rücken gekehrt. Italien sei ein gescheiterter Staat, im endgültigen Niedergang, jenseits jeder Hilfe; Urlaub könne man dort machen, aber Leben und Arbeiten sei ein Albtraum. Nichts funktioniere, noch für die kleinsten Dienste werde Backshish verlangt. Korruption allerorten, dazu die völlige Überversorgung der Beamten. Die Musiker der römischen Oper hätten eine 28-Stunden Woche, erhielten 16 Monatsgehälter und bei Auftritten im Freien doppeltes Entgelt – wegen der Luftfeuchtigkeit und des damit verbundenen Gesundheitsrisikos. Die verbeamteten Friseure im italienischen Parlament erhielten 136.120 € pro Jahr, alle Beamte eine Pension in der Nähe ihres letzten Netto-Gehalts. Allein Sizilien beschäftige 28.000 Forstbeamte, mehr als Kanada und obwohl es auf der Insel kaum noch Wald gebe. Die Staatsverschuldung erreiche immer neue Höhen, die Sparvorgaben der EU würden bewusst unterlaufen. Usw, usw…

Das deckt sich mit persönlichen Erfahrungen. Wer durch Sizilien oder Süditalien reist, erlebt das Ende des italienischen Traums. Wilde Müllkippen, überall unfertige, aufgegebene Häuser, Einkaufsmalls, Autobahnteile. Gespensterstädte, Gespensterlandschaften. Gleichzeitig verrottet, was eigentlich der Reichtum Süditaliens sein sollte: Aus Barockkirchen und Palästen wachsen armdicke Birken und Feigenbäume, sprengen die Fundamente. Aber niemand kümmert sich. Lieber verschleudert die staatliche Tourismus-Agentur 98 Prozent ihres Budgets für Gehälter – und für aufwendige Repräsentanzen. So leistete sich die Region Kampanien bis vor kurzem eine Residenz auf der 5th Avenue in New York. Kein Wunder, dass der Tourismus im freien Fall ist. War Italien in den 70er Jahren noch das beliebteste Reiseziel weltweit, liegt es nun auf Platz 5.

Und natürlich ist, geht es um Geldverschwendung, auch die EU dabei. Glaubt man dem aktuellen Baedecker, gab Brüssel zwischen 2001 und 2007 rund 8,5 Milliarden Euro nach Sizilien. 2010 wurden die 43.000 Projekte überprüft: Keines war fertiggestellt, viele noch nicht einmal begonnen, das Geld verschwunden. Und die Qualität der Wasserversorgung, der Schwerpunkt der Programme, hatte sogar dramatisch abgenommen. So selbstverständlich ist die EU-Verschwendung, dass sie es sogar in Reiseführer schafft.

Wie es um Italien steht, wie weit die Fundamente erodiert sind, illustrieren auch folgende Anekdoten. Eine junge Italienerin, in Saarbrücken aufgewachsen und seit 15 Jahren in Sizilien, berichtet, dass kurz vor ihrem Examen sämtliche Zeugnisse verschwunden waren; erst eine Schwarzzahlung von 500 Euro an die Universitätsverwaltung in Palermo hätte dann die Zeugnisse wieder auftauchen lassen. Und ganz ähnlich ein Freund, der mit seinem Wagen in eine öffentliche Tiefgarage in Mailand einfahren wollte. Bedauern des Parkwächters, kein Platz sei mehr frei. 20 Euro heben dann doch die Schranke. Unten freie Auswahl: Bewachte Plätze, unbewachte, sogar gesicherte Boxen. Aber alle finden diese Korruption bis in die untersten Ränge selbstverständlich.

Italien ist nicht mehr zu helfen. Doch wie selbstverständlich hat das keinerlei Konsequenzen für die EU. Auch deshalb: Bekämpfen und zerschlagen!