Kochkünste, Christkind und Faschismus

Ein Freund beantragt ein Visum für eine Reise in die USA. Neben den üblichen Fragen, ob man einen Genozid, Sprengstoffattentate, Spionage oder Drogenhandel plane, ob man einem Clan angehöre und wie viele Frauen man habe (Höchstzahl: 99), wird nun für den Fall, dass man seinen personenrechtlichen Status mit “geschieden” angibt, auch nach dem Grund der Scheidung gefragt. In einem Anflug von Wahrheitsliebe schwankt der Befragte zwischen “kein Sex” und “die ewige Meckerei”, um dann die freundliche Variante zu wählen: “Sie konnte nicht kochen”. 

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Nachbargespräche: Wenige Tage vor Weihnachten hätte sich die Direktorin einer Berliner Schule gemeldet und zum Elterngespräch gebeten. Die neunjährige Tochter habe ihren Mitschüler Erkan geohrfeigt. Grund war ein interreligiöser Diskurskonflikt: Erkan hatte das Christkind als “haram” bezeichnet. Das wollte die Tochter leitkulturell nicht dulden. Dafür wurden nun die Eltern einbestellt. Dabei sind allein die Schule und die Eltern Erkans zu tadeln. Offenkundig haben Sie jene religiöse Toleranz, die von Deutschen immer eingefordert wird, ihrem Schützling nicht vermitteln können. 

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Der Brüsseler Sumpf ist sprichwörtlich, wenn auch wenig überraschend. Schon der Name ist eine Verbindung vom niederländischen Bruk (Sumpf) und Sele, einer Ableitung vom germanischen sali (Ort). Im französischen Bruxelles klingt das phonetisch noch an, im Deutschen ist Bruchsal das Pendant zu Brüssel – und auch Berlin. Berl oder Birl heißt im alten Polnisch “Sumpf”, das Suffix “-in” bedeutet im Slawischen “Siedlung”. Mit Bären hat Berlin nichts zu tun, das Wappentier war eine spätere Umdeutung (Dank an C.G.).

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”Wir riefen Gastarbeiter, und es kamen Menschen”. Angeregt durch manch unerfreuliche Begegnung mit Vertretern der 2. oder 3. Generation dieser Gerufenen hatte ich in diesem Blog einst eine Neuformulierung vorgeschlagen. Nicht alle verstanden den Spott über die eher unterkomplexe Bemerkung von Max Frisch, vor allem der Begriff “Gesindel” sorgte für Wellen der Empörung – auch in Clankreisen und bei ähnlichen Stützen der Gesellschaft.  


Nun informiert mich eine Staatsanwaltschaft, dass ein Ermittlungsverfahren gegen mich wegen Volksverhetzung eingestellt wurde. Es ist ein ausführliches Schreiben mit zahlreichen Fußnoten zur Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, klug aufgebaut und abgewogen. Seltsam allerdings: Nicht nur war ich Beschuldigter, vielmehr hätte ich laut Schreiben auch die Anzeige erstattet: Fest gegen Fest. Zwei Erklärungen sind denkbar: Entweder ein kapitaler Bock. Oder ein Staatsanwalt wollte mich über Wege der rechtlichen Argumentation informieren, sollten andere, übereifrig-ideologisierte Staatsanwälte zu anderen Schlüssen kommen. 

Abschließend zu dem Vorgang: Politisch war meine Neuformulierung nicht nur von Vorteil. Intellektuell und unter dem Gesichtspunkt der Wirklichkeitsnähe wie des notwendigen Kampfes gegen linke Dummheiten war sie unumgänglich. Man muss sich entscheiden. 

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In Europa existiert ein klares Gefälle der politischen Vernunft: Je weiter man nach Osten kommt, desto höher ist der Sinn für Realitäten. Das zeigt sich in Deutschland, aber auch im EU-Parlament. Bulgaren, Polen und Rumänen sind selbst dann, wenn sie linken Parteien angehören, vergleichsweise vernünftig. Dagegen liegen die Äusserungen ihrer Kollegen aus Spanien und Portugal meist im Bereich der Hysterie; und die Linksaußen-Schweden sind ohnehin jenseits aller Debatte. 

Jüngst trafen diese Mentalitäten im LIBE-Ausschuss des Europäischen Parlaments aufeinander. Der soll sich dem Namen nach mit Justiz, bürgerlichen Freiheitsrechten und Sicherheit befassen, kümmert sich aber tatsächlich – unter der Leitung des spanischen Sozialisten Lopez-Aguilar – um Umsiedlung, Erleichterung des Schleuserwesens und die Islamisierung Europas. Hinderlich diesen Zielen ist ein funktionierender Grenzschutz, und daher sind er und seine Verteidiger Ziel besonders wüster Attacken. Diese Erfahrung machten nun auch der kroatische Innen- wie Justizminister, die als Gäste im Ausschuß über die Lage an den Grenzen Kroatiens berichten sollten. Kroatien, mit den längsten Landgrenzen zum Nicht-Schengen-Raum, setzt dabei auf eine robuste und wenig zimperliche Art, illegale Grenzübertritte zu verhindern. “Es ist sehr einfach”, meinte der kroatische Innenminister. “Leute, die ihre Papiere vernichten und deren Identität wir nicht feststellen können, lassen wir nicht ins Land. Wenn sie es dennoch versuchen, tun wir ihnen weh.” Daraufhin kreischend eine nordische Grüne: “Papiere sind Faschismus!” Viele ihrer Kollegen, darunter nicht wenige aus Deutschland, klatschten Beifall. 

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Die USA senden keine Sprengstoffspürhunde mehr nach Ägypten und Jordanien, nachdem mehrere der Tiere infolge von Unterernährung und falscher Haltung zugrundegingen. Selbst dafür zu doof…

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Maybrit Illner diese Woche, die Runde mit Gauland zur Wahl in Thüringen. Dabei auch Dagmar Rosenfeld, Chefredakteurin der WELT, die den abwesenden FDP-Chef Lindner scharf kritisierte. Rosenfeld (45) war bis vor zwei Jahren mit Lindner liiert, dann trennte man sich angeblich freundschaftlich – oder möglicherweise auch wegen der deutlich jüngeren Moderatorin, mit der Lindner nun verbunden ist. In jedem Fall hätte Illner die WELT-Redakteurin nicht einladen, diese die Einladung nicht annehmen dürfen. Doch so funktioniert heute Amiga-Journalismus: Keinen Sinn für Grenzen, keinen Anstand, Seilschaften. Und dem Zuschauer wird all dies als Objektivität verkauft.