Person der Zeitgeschichte: Travis Bickle

In den Medien das große Aufatmen: Der Bahnsteigmörder von Frankfurt war kein muslimischer Attentäter, sondern mental instabil, vulgo ein “Psycho”. Tenor: Traurig, aber kann passieren. Doch was unterscheidet einen solchen Psycho von jemandem, der in einem Zug versucht, Passagiere mit einer Axt totzuschlagen? Der einen Lkw-Fahrer tötet, um dann mit dem Lkw in einen Weihnachtsmarkt zu rasen? Der unter Allahu-Akbar-Rufen in einem Supermarkt ihm unbekannte Personen absticht? Jeder Schwachsinn gilt als nachvollziehbares Motiv, wenn er sich religiös vermummt. Aber im einen wie im anderen Fall: Muss man diese Leute im Land haben? 

Bezeichnend auch die vom Kriminologen Christian Pfeiffer erörterte Frage, ob die vorangegangenen Schüsse auf einen Landsmann des Täters die Tat ausgelöst haben könnten – aus Pfeiffers Sicht die “perfekten Voraussetzungen für einen Racheakt”. Racheakte richten sich üblicherweise gegen den Täter oder seine Angehörigen, nicht aber gegen unbeteiligte achtjährige Buben. Aber Pfeiffers Einlassungen zeigen die geradezu zwanghafte Suche nach irgendeinem “deutschen” Anlaß, die selbst den ekelhaftsten Mord letztlich als Reaktion eines eigentlich friedlichen, nur durch die vorangegangene Tat blitzradikalisierten Erdenbürgers erklären soll. 

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In der FAZ, längst im linken Blindstream fest verankert, eine große Reportage von Bord des Schlepperschiffs Alan Kurdi. Nur das Allernötigste hätten die Schiffbrüchigen bei ihrer Havarie retten können, Ausweispapiere hätten sie ausnahmslos keine. Alle seien bescheiden und höflich, auch ihr Geschirr spülten sie selbst. Und nur zwei Wünsche hätten sie: Zigaretten und Zugang zum Internet. Die Frage, warum sie ein internetfähiges Smartphone haben, nicht aber Papiere, wird nicht gestellt. Die Antwort weiß ohnehin jeder: Weil der deutsche Innenminister und die deutsche Kanzlerin auf Ausweispapiere keinen Wert legen. 

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Gehört: “Wenn jemand in seiner Bewerbung schreibt, er sei zivilgesellschaftlich engagiert, weiß man: Hat sich erledigt.”

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Ein Frankfurter Freund, in der Selbsteinschätzung ein “heimatloser Freiliberaler”, berichtet freimütig über seine “Bickle-isierung” – nach Travis Bickle, der Hauptfigur des Films ‘Taxi Driver’. Auch bei ihm sei jener schleichende Perspektivenwechsel eingetreten, wenn der eigene Kiez von einem Ort des Vertrautseins zu einem der Bedrohung wird. Früher habe er gerne am Main gewohnt, heute sei ihm die Stadt, trotz einiger geglückter architektonischer Veränderungen, ein dauerhaftes Missvergnügen. In Maßen sei Zuwanderung vielleicht ein Gewinn, nun aber längst das Gegenteil. Das frühere Gefühl von Heimat, von Zuhausesein, sei verlorengegangen. Seine Entfremdung von der Stadt sei eine Folge zu vieler Fremder.

Selbst rassistische Stereotypen könne er inzwischen nachvollziehen: “95 Prozent der Männer mit dunklerer Hautfarbe hier im Viertel sind aggressiv, laut, arrogant, untätig, oft verwahrlost, meist aus dem kriminellen Milieu – entweder der Typ Shisha-Bar mit Tattoo, Jogginghose und schwarzem Benz; oder der zugeknallte, herumlungernde, bevorzugt vor Schulen oder Kindergärten pissende Afrikaner. Wie soll man da nicht den Phänotyp mit den Phänomenen zusammendenken, also mit Gewalt, Drogen, Schmutz? Und ihre Frauen, all die verschleierten Mißgelaunten, sind zumeist die muslimische Version der häßlichen Deutschen: Immer zickig, immer “Platz da”, immer voller Anspruch, aber ohne irgendeine eigene Leistung.”

Die Weltoffenheit, auf die Frankfurt traditionell stolz war, sei eine der Oberschichten gewesen, der Banker, Manager und Anwälte aus England, Frankreich, USA; heute herrsche in vielen Vierteln die Weltverschlossenheit des Islam. Der Bahnhofsmord an einem Achtjährigen sei ein Exzeß, gewiß; aber das Vertrauen in die öffentliche Sicherheit sei schon lange zerstört. In den letzten zwei Jahren sei dreimal bei ihm eingebrochen worden, ähnlich ginge es vielen Freunden. Nicht wenige verbrächten inzwischen ihre Freizeit auf Schießständen, und bei Tisch würden ernsthaft und kenntnisreich die Vorzüge bestimmter Kurzwaffen erörtert. Auch die bürgerlichen Kreise rüsten auf. 

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Die Identitäre Bewegung (IB)  ist das Spiegelbild der Grünen, Ethnopluralismus und Multikulti zwei Seiten einer Medaille – die eine Kopf, die andere Zahl. Beide träumen von kultureller Vielfalt. Die Multikulturalisten wollen diese Vielfalt in einem Land, die Anhänger der IB in jeweils einem Land. Für ihr Weltbild gilt abgewandelt der alte Satz des britischen Imperiums: A place for every culture, and every culture in its place. 

Beide Ideen sind, scharf ans Ende gedacht, mit dem Grundgesetz schwer zu vereinbaren. Denn beide stellen die kulturelle Identität über das Individuum. Ganz offen sagt dies Alain de Benoist, der wichtigste Vertreter des Ethnopluralismus. Für ihn liegt die Bestimmung der Völker allein in ihren künstlerischen Werken. Umgekehrt ist auch der Multikulturalismus mit seinem Kniefall vor jedem atavistischen Schwachsinn, kann der sich nur als kulturelle Tradition ausgeben, eine anti-individuelle Ideologie. Auch bei ihm zählt nicht der Einzelne, sondern die Identität der Gruppe. Daher die frauenfeindliche Haltung der Grünen zu Verschleierung, Kinder- und Zwangsehe, daher ihr Schweigen zu all den Verbrechen im Namen der islamischen Kultur.  

Nun hat Thomas Haldewang, CDU-Mitglied und parteiischer Chef des Verfassungsschutzes, die IB zum Beobachtungsfall erklärt. Das ist ein klarer Verstoß gegen die Meinungsfreiheit, angesichts der Friedfertigkeit der Bewegung aber auch völlig unverhältnismäßig. Außerdem wirft die Beobachtung die Frage auf, warum nicht auch Grüne, SPD und Linke als Vertreter des Multikulturalismus beobachtet werden – zumal viele ihrer Mitglieder direkte Kontakte zur Antifa und anderen offen terroristischen Gruppierungen unterhalten.

Auffällig ist einmal mehr die Reaktion dessen, was sich hochmögend Zivilgesellschaft nennt. Tausende Anwälte hat dieses Land, viele von ihnen finanziell längst x-fach abgesichert. Aber keiner findet sich, der pro bono die IB vertritt und die Meinungsfreiheit verteidigt, wie immer er oder sie zum Ethnopluralismus stehen mag. Früher, beispielsweise beim sogenannten Radikalenerlaß, bot ein Heer von Anwälten den ‘Opfern’ ihre Dienste an; heute herrscht lautes Schweigen. Auch die ‘Organe der Rechtspflege’, als die Anwälte gelten, sind zumeist Organe der Feigheit und des konfliktscheuen Wohlverhaltens. 

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Ein Freund empfiehlt den Erwerb eines Stempels “Gelesen & gelacht!”. Perfekt als Ablagenotat für abwegige Zusendungen, zuweilen aber auch als Antwort ausreichend und zeitsparend.

Bericht aus Brüssel und Berlin

6:10, Flughafen Tegel, Personalwechsel beim Sicherheitspersonal. Korpulente Männer und Frauen, fast alle tätowiert, schlendern an den wartenden Passagieren vorbei, drängeln sich ohne ein Wort der Erklärung vor den Fluggästen durch die Sicherheitsschleusen. Dann Begrüßung wie unter Straßengangs: Die Frauen strecken ihre Fäuste gegeneinander, die Männer klatschen sich ab, alles mit großem Hallo, alles bewusst langsam. Sollen die Passagiere doch warten. Asiatische Fluggäste schauen irritiert, Deutsche zucken belustigt mit den Schultern. Berliner Zustände. 

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“Übergriffe und sexuelle Belästigung” scheint im Europäischen Parlament ein großes Thema. Es gibt diverse Kurse in den jeweiligen Landessprachen, auch auf Deutsch. Von den insgesamt 114 Abgeordneten aus Deutschland und Österreich hatten sich vier zu einer Teilnahme entschlossen: Neben mir noch Maria Noichl (SPD) sowie Erik Marquardt und Pierrette Gabrielle Herzberger-Fofana von den Grünen.

Während man sich seinen Platz sucht, frage ich die Seminarleiterin, ob es viele Fälle sexueller Belästigung im Europäischen Parlament gebe. Die Bayerin Noichl mischt sich ein und fragt spitz zurück, ob ich meine, dass es Verhältnisse ohne sexuelle Belästigung gebe. Durchaus, erwidere ich, keines meiner Arbeitsverhältnisse war beispielsweise von sexuellen Übergriffen geprägt, ebenso wenig seien es meine Freundschaften. Und auch die meisten Ehen dürften, sofern sie funktionieren, zwar mitunter viel mit Sex zu tun haben, aber nicht mit sexueller Belästigung. Hier sei die Belästigung vielmehr zumeist erwünscht und daher gerade keine. Böse Blicke der beiden Partei-Frauen. Wer der Feind ist, wissen sie nun, auch bevor ich meine Parteizugehörigkeit offenbare. 

Erik Marquardt kommt 20 Minuten zu spät. Dann flegelt er sich auf einen Stuhl und blickt weitere 10 Minuten ausschließlich auf sein Handy, bis die Seminarleiterin ihn bittet, dem Kurs zu folgen. Langatmige Erklärungen, “wichtige Pressesache”, “muss heute noch raus”, “brauche nachher ‘ne Pause für meine Tweets”. Die Welt wartet auf Erik Marquardts Botschaften. Der übliche Mangel an Respekt und Höflichkeit, bemantelt als geschäftige Wichtigtuerei. 

Pierrette Gabrielle Herzberger-Fofana, 1949 in Bamako geboren und im Senegal aufgewachsen, hat laut Wikipedia zwei Studiengänge abgeschlossen und über die Frauenliteratur in der Subsahara-Zone promoviert. Früher war sie eine durchaus attraktive Person, heute ist sie das nicht. Mancher würde sie fett nennen. Außerdem trägt sie offene Sandalen, und damit tut sie sich und anderen keinen Gefallen. Pediküre ist ihr offensichtlich ein Fremdwort, ihre Füße sind plump, rissig, ihre eingewachsenen, schrundigen Fußnägel kein erfreulicher Anblick. Ausgerechnet sie klagt am lautesten über sexuelle Belästigung, und eben auch über die “visuelle”.

Irgendwann wird es mir zu bunt. So weise ich darauf hin, dass ein ins-Auge-fassen allein noch gar nichts besage. So wie Kinder Menschen mit gesichtsdeckenden Tattoos, Piercings oder sonstigen Absonderlichkeiten anstarrten, würde auch ich solche Personen gelegentlich näher betrachten und mich fragen, wie es sich in solcher Aufmachung wohl lebe. Mit sexueller Konnotation habe das so wenig zu tun wie manche Füße mit Fußhygiene. Ein Engel geht durch den Raum. Die Seminarleiterin lächelt in sich hinein. 

Aber nicht nur sexuell hat sich die Welt gegen Frau Herzberger-Fofana verschworen. Auch andere Fallen stellt sie ihr. So habe ihre Assistentin, die schon länger im Europäischen Parlament (EP) arbeitet und mehr Erfahrung hat als die neue Abgeordnete der Grünen, ihr doch tatsächlich erklärt, wie andere MEP (Mitglieder des EP) ihr Büro organisierten. Große Empörung, auch Frau Noichl betrachtet das als übergriffig. Ich sehe darin eher eine freundliche Hilfestellung; wenn Frau Herzberger-Fofana es anders machen wolle, hindere sie niemand. Unwillig schütteln sich meine Kolleginnen. Dem Minderwertigkeits-Komplex ist alles Territorialverletzung und Machtfrage, selbst die schlichteste Organisationsempfehlung.  

Am Ende wird es heiter. Es geht um Grenzen zwischen Abgeordneten und Assistenten, und die Frage kommt auf, ob Assistenten auch private Besorgungen der MEP erledigen, beispielsweise deren Wäsche von der Reinigung holen sollten. Frau Noichl verneint dies strikt, Frau Herzberger-Fofana stimmt ihr auffallend zögerlich bei, Erik Marquardt rutscht unruhig auf seinem Stuhl herum. “Aber wenn die Assistentin das ausdrücklich anbietet…”, fragt er etwas kleinlaut. “Sie hat darum gebettelt, nicht wahr?” erkundige ich mich freundlich. Wieder lächelt die Seminarleiterin. Herr Marquardt lächelt nicht. 

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Ein paar Betrachtungen zum zurückliegenden EU-Wahlkampf. FDP-Kandidat Carl Grouwet, Lebenspartner des Journalisten Gustav Seibt, erklärt den Schülern der Zehlendorfer Peter-Lenné-Schule seine Beweggründe für den Kampf um ein EU-Mandat: “Und dann möchte ich nach Brüssel, weil ich dort vor 25 Jahren meinen Mann kennenlernte, mit dem seit 10 Jahren verheiratet bin”! Großer Applaus. Seit “Wowi” scheint kein homosexueller Politiker auf dieses Bekenntnis verzichten zu können, und auch hier lautet die Unterzeile: “Ich bin schwul, und das ist gut so!” – wobei es nicht um gut, sondern um “besser” geht. Denn die eigentliche Botschaft des Outings ist: Homosexuelle sind die sensibleren, ehrlicheren, weniger stromlinienförmigen Politiker. Tatsächlich sind sie vor allem die spießigeren, die selbst ihr Privat- und Intimleben für politische Zwecke instrumentalisieren. Kaum ein heterosexueller Politiker tut das heute noch, nutzt den Ehepartner als Argument im Wahlkampf; bei Schwulen ist es ein verlässlicher Topos. Sie sind die neuen Heroen der Bausparvertrags-Idylle, und der immer ein bißchen zu geschniegelte, zu glatte, zu adrette Grouwet ist ihr Prototyp. Diese Idylle kann Grouwet nun fortsetzen, wenn auch nur in Berlin. Grouwet wurde nicht gewählt.

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RDA, der Internationale Bustouristik-Verband, schickt seine Wahlprüfsteine für die EU-Wahl. Im Anschreiben heißt es: “Es ist der Reisebus, der Europa für Reisegäste aus fernen Ländern im besten Sinne erfahrbar macht. So werden aus Vorurteilen Freundschaften und Kulturen wachsen zusammen. Der Reisebus leistet so tagtäglich einen ganz erheblichen Beitrag zur Friedenssicherung in Europa.” 

Der Reisebus als Friedensmission – darauf muss man kommen. Dass die Betreiber dieser Friedensmissionen erheblich an der illegalen Migration nach Europa mitverdient haben, dass sie auch Mörder und Terroristen nach Deutschland beförderten, ist vermutlich ein anderes Thema.

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“Die Parteiposition ist folgende: Nach der Machtübernahme werden sämtliche Personen, die sich für TTIP eingesetzt haben, an die Wand gestellt.” Aus dem Buch “Herr Sonneborn geht nach Brüssel” des früheren Titanic-Chefredakteurs und wiedergewählten EP-Abgeordneten der “PARTEI”. Nach der Ermordung Joachim Lübckes bekommen solche Späße wirkliche Tiefe.