Verbrannte Schmetterlinge, geschächtete Debatten

Was heute Tinder ist, waren früher Bücher. In Cafes, in der Bahn oder im Park traf man auf Leserinnen, und die Bücher eröffneten das Gespräch, waren Versprechen oder Warnung: Koeppen tranig, Beauvoir anstrengend, Fromm verlabert-esoterisch. “Ich habe Dir nie einen Rosengarten versprochen” bedeutete: Finger weg! Mädchen, die J.K.Toole oder Dylan Thomas lasen, waren weit vorn. Heute starrt jede auf ihr Handy.

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1965 sorgte der Regisseur Peter Brook mit der Inszenierung von ‘US’ am Londoner Aldwych-Theater für einen großen Moment in der Geschichte der Bühnenkunst – und für einen Skandal. Als Sinnbild für die Bombardierung der vietnamesischen Zivilbevölkerung mit Napalm verbrannte einer der Schauspieler auf der Bühne einen lebenden Schmetterling. Die Empörung war immens: Zuschauer verließen weinend den Saal, es gab Proteste, wüste Anwürfe, Drohungen. Während jeder der Theatergänger in seinem Leben vermutlich schon dutzende Insekten getötet hatte, weil sie ihn beim Schlafen, Essen, Lesen störten oder ihm einfach, wie manches Spinnentier, Unbehagen bereiteten, zeigte er bei der Bühnenverbrennung plötzlich mehr Herz für den Falter als für jedes vietnamesische Kind. Die Erregung war schließlich so groß, dass Brook den Feuertod nur noch simulieren ließ. Die Tierliebe hatte gesiegt – oder, wie andere meinten, Hysterie und Verlogenheit.

Vermint ist das Feld noch immer. Im Verbreitungsgebiet der Hannoverschen Allgemeine (HAZ) tauchten kürzlich Aufkleber mit dem Slogan “Mätoo” auf, eine gegen das Schächten gerichtete Verballhornung der Hashtag-Kampagnen “#Metoo” respektive “#Metwo”. Ich postete den Artikel mit dem Hinweis, dass mich das Thema ‘Schächten’ nicht interessiere (wörtlich: es mir egal sei), um so mehr jedoch die journalistische Einordnung durch die HAZ: Die nämlich vermutete sofort “islamkritische” und gar “rassistische” Motive hinter der Aktion. Selbst eine intelligent-subversive Kritik am Schächten gilt heute manchem Blatt als Ausdruck von Rassismus.

Doch nicht diese Tabuisierung einer notwendigen Debatte erregte die Gemüter, sondern mein Bekenntnis, dass mich die Frage des Schächtens nicht sonderlich interessiere. Einige waren “schockiert”, andere kündigten die Facebook-Freundschaft, eine nannte mich ein “Ekelpaket”. In Fragen des Tierschutzes ist schon Indifferenz ein Vergehen. Auch der Hinweis, dass man sich kaum über das Schächten empören könne, solange man über Massentierhaltung und Tiertransporte hinwegsehe, und dass auch beim ‘normalen’ Schlachten der Tod auf das Tier warte, half nicht. Ich hatte einen Schmetterling verbrannt.

Tatsächlich verfolgt mich dieser Schmetterling mit einer gewissen Hartnäckigkeit. 2002 wurde der Tierschutz als Staatsziel ins Grundgesetz aufgenommen, und auch in den Redaktionen gab es viele Befürworter. Die allerdings störten sich an meiner Prognose: Nehme man die Regelung ernst, müsste man Massentierhaltung untersagen. Dann aber werde Fleisch zum Luxusartikel. Zudem sei auch das Schächten zu verbieten, was sofort den Vorwurf des Antisemitismus nach sich ziehe. Daher werde der Tierschutz als Staatsziel nur eine Luftnummer bleiben: Kein Politiker wolle dem Arbeiter das Aldi-Kotelett wegnehmen, kaum einer sich mit der Landwirtschafts-Lobby anlegen – und mit der jüdischen Gemeinde schon gar nicht. Bei mehreren Kolleginnen war ich damit ‘unten durch’; wochenlang maßen sie mich mit bösen Blicken, so als hätte ich die Vergiftung ihrer Katzen und Sittiche zu Unterhaltungszwecken gefordert.

Neues zum Thema Schächten kommt nun aus Österreich. Dort entschied ein Landesverwaltungsgericht, dass die Versorgung mit geschächtetem Fleisch mit Blick auf das Leid der Tiere eng gefasst werden müsse. Nur wer glaubwürdig religiöse Motive vorweisen könne, dürfe, so das Gericht, derartiges Fleisch erwerben. Anderenfalls bestünde die Gefahr, dass alle Schlachtereien zum Schächten übergingen, um sich – neben der sonstigen – auch die muslimisch-jüdische Klientel zu sichern. Diese Entwicklung sei jedoch mit dem Tierschutz unvereinbar.

Wie aber die Vorgabe umsetzen? Der Vorschlag eines Landeshauptmanns, wonach sich jüdische oder muslimische Käufer namentlich anmelden sollten, führte zu einem Aufschrei der jüdischen Gemeinde, natürlich unter Hinweis auf die Deportations-Listen der Nazis. Eine eigene Lösung blieb die Gemeinde schuldig.

Eben das monierte ich gegenüber einer Berliner Jüdin, die mich auf den Fall aufmerksam gemacht hatte. Als religiös oder gar orthodox war sie mir bisher nicht aufgefallen, und so erlaubte ich mir zu bemerken, dass religiöse Speiseverbote auf einen Agnostiker wie mich wie ein negativer Gottesbeweis wirkten. “Wenn der Herr auf so etwas achtet, befasst er sich mit Dingen, die an seiner Weisheit, Allmacht und damit an seiner Existenz zweifeln lassen.” Auch das war ein verbrannter Schmetterling. “Ich dachte”, so die Antwort, “Sie sind ein Demokrat und kein Faschist”. Selbst Agnostizismus steht heute unter Faschismus-Verdacht, und jeder Spott über steinzeitliche Rituale. So erfasst die Absolutierung der Kultur nun auch das Denken ehemals vernünftiger Leute. Und jede Debatte wird geschächtet.

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Nicht ganz ohne Verbindung zum Vorigen: “Nichts können viele deutsche Juden weniger ertragen als einen Deutschen ohne anti-semitische Vorurteile.” Nahum Goldman (1895 – 1982), Chef des World Jewish Congress.

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Café Savigny, Grolmanstraße, Treffen mit einem Parteikollegen. Mitten im Gespräch tritt die Besitzerin des Cafés an den Tisch, unterbricht uns und maßregelt aus dem Blauen heraus den Kollegen. Er habe sich hier vor einem Jahr mit einer Journalistin von Cicero getroffen, und die hätte den Namen des Cafés in ihrem Artikel gebracht. Das sei unerhört, er wie auch die Journalistin hätten vorher um Erlaubnis fragen müssen. Man sei ein weltoffenes Café, usw, usw. Lauter dummes Zeug. Wie so oft: Mangel an Manieren, Mangel an Toleranz, verbrämt als Verteidigung von Weltoffenheit.

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Gehört: “Winselfächer” als Sammelbegriff für GenderStudies, Erziehungswissenschaften, Psychologie…

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Ein amerikanischer Freund will eine Diskriminierungs-App entwickeln. Erfasst würden Herkunft, sozialer Status, Geschlecht, Religion, Gewicht, Hautfarbe, sexuelle Orientierung und anderes mehr. Index 100 sei der weiße, alte, schlanke Mann aus Iowa. In Gesellschaften, in denen Leistung immer weniger, Diskriminierung immer mehr zähle, sei eine solche App für Behörden, Personalabteilungen und Migrationsstellen unverzichtbar. Endlich lasse sich zweifelsfrei ermitteln, ob der übergewichtige, verpickelte Analphabet aus Kirgisistan oder die einbeinige Lesbe aus Swasiland im Diskriminierungsranking höher stehe! Tatsächlich ein Gewinn.

Fuckheads, Deerns und ‘Gesockst’

Einige einfache Geister halten es immer noch für eine originelle Meinung, die Verschwörer des 20. Juli als ‘Verräter’ zu bezeichnen. Ihnen der Hinweis: Bei Staatsstreichen und Seitensprüngen ist Treue oftmals hinderlich.

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Auf Amazon die Serie ‘Goliath’ entdeckt. Die erste Staffel gut, die zweite zu brutal. Aber immer sehenswert: Billy Bob Thornton als Anwalt McBride. Zu ihm eine kleine Anekdote, in Teilen einst in BILD berichtet, aber zu schräg und amüsant, als dass sie nicht noch einmal erinnert werden sollte. Also: Eine Zeitlang schrieb ich auch Filmkritiken, und als 2001 ‘Banditen’ in die Kinos kam, lud Metro-Goldwyn-Meyer zu Interviews mit zwei der Hauptdarstellern, Thornton und Willis, nach Los Angeles. Business Class, Limo-Service, Luxushotel, man trieb einigen Aufwand. Und so auch Bruce Willis. Er lag beim Interview in fötaler Haltung auf einem dieser seltsamen, nur in Hotelzimmern anzutreffenden 2-sitzigen Sofas, die Knie an den Bauch gezogen, das Gesicht zur Rückenlehne. Zu seiner Seite, auf winzigen französischen Empire-Stühlchen, seine Bodyguards: Ein gewaltiger, kahlköpfiger, über und über tätowierter und mit Bling-Bling behangener Farbiger, dessen Oberarme an den langen Mißbrauch von Anabolika denken ließen. Auf der anderen Seite der Bruder des schweigsamen Indianers aus ‘Einer flog über’s Kuckucksnest’. Ob seine Lider funktionierten, war nicht auszumachen; zumindest während des Interviews blinzelte er nicht. Auch sein Kollege starrte mich durchgehend an, durch gitterartig verschränkte Finger, die er sich vors Gesicht hielt. Zwei Charmeure…

Herr Willis hingegen war unleidlich. Ob die Haltung bequem sei oder er das Interview lieber im Sitzen führen möge? “You’re fuckheads!” Was ihn am Drehbuch von Harley Payton gereizt, ob er es noch verändert habe? “You’re fuckheads!” Wie lange seine Vorbereitung auf den Film gedauert hätte? “Fuckheads, fuckheads, fuckheads!” Was er seinen Kindern sagen würde, warum sie den Film sehen müssten? “Fuckheads. All journalists are fuckheads!” Und so weiter, und so weiter. Ich ging meine Fragen durch, Willis antwortete in bestechender Variationsbreite. Innerlich jubelte ich. Klar war: Das war großes Kino! Keine ernsthafte Antwort hätte mir so viel Stoff gegeben.

Nur die PR-Frau, die später ins Zimmer trat, fand all das nicht komisch, meine fröhliche Amüsiertheit war ihr suspekt. Das könne ich keinesfalls schreiben, “Bruce” sei heute etwas angeschlagen und sie “so sorry, so sorry, so sorry”. Musste sie nicht sein. Der Film war leicht und gut, und das Interview ein Glücksfall.

Später dann mit Billy Bob Thornton. Entspannt, freundlich und mit dieser professionellen amerikanischen Zugewandtheit, so als könne sich Thornton nichts Schöneres vorstellen, als mit einem deutschen Journalisten zu reden. Am Ende zitierte er die erste Strophe von Heines ‘Loreley’. Seitdem: Mehr als ein Stein im Brett.

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Ein Dogan Murat schreibt mir auf Facebook: “Du dummes Stück Scheiße. Du und deine ganze Sippschaft seid Gesindel. Ich braunes gesockst.” Dem letzten Satz ist schwer zu widersprechen, und “Gesockst” made my day. Der Duden sollte es aufnehmen.

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Freunde hatten kürzlich auf eine neue Form des linken Ritterschlags hingewiesen: Entstellende Einträge auf Wikipedia. So einer findet sich nun auch beim Eintrag, der meine Person betrifft. Meine Haltung zum Holocaust wird in ihr Gegenteil verkehrt, ein offensichtlich ironischer Eintrag wörtlich genommen. Die Arbeit von Denunzianten. Ich hatte die Anwerferei einmal löschen lassen, nun ist sie wieder da. Soll sie bleiben, so wichtig ist Wiki nicht. Aber dass es Leute gibt, die ihre Zeit mit derartigen Nickligkeiten verbringen… Das Leben der Anderen, hier dokumentiert.

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Ihren Verfassungspatriotismus haben viele Linke erst in dem Moment entdeckt, als sie feststellten, dass sie die Verfassung jederzeit brechen können.

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Ende 2012 ging der MEDIENDIENST INTEGRATION online. Er bezeichnet sich als Informations-Plattform für Medienschaffende. “Hier”, so die Selbstdarstellung, “finden Journalisten mit wenigen Klicks die wesentlichen Informationen zu den Themenfeldern Migration, Integration und Asyl in Deutschland.”

Das ist kaum zu hoffen. Denn geleitet wird der Dienst von Mehmet Ata, dem ehemaligen Sprecher des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Spätestens seit den jüngsten Skandalen steht dieser Arbeitgeber nicht mehr in dem Ruf, die “wesentlichen Informationen zum Themenfeld Migration” zu liefern, sondern eher, sie zu hintertreiben. Unterstützt wird Herr Ata von der Journalistin Rana Göröglu (ehemals ZDF, radio multikulti, Berliner Zeitung) und dem früheren taz-Redakteur Daniel Bax. Auch deren Lebensläufe klingen nicht unbedingt nach journalistischer Distanz zum Gegenstand ihrer Arbeit.

Wie es um diese Arbeit qualitativ bestellt ist, machte letzte Woche ein Interview mit der Sprachforscherin Elisabeth Wehling deutlich. Sie wusste zu berichten, dass es gar keine Islamkritik geben kann: “Man kann kritisieren, dass es Menschen gibt, die an Religionen glauben. Oder bestimmte Aspekte einer Religion. Aber eine Religion an sich kann man nicht kritisieren.” Zudem laufe “das, was ‘Islamkritik’ genannt wird, meist darauf hinaus, die Religion verantwortlich zu machen für alle Dinge, die in ihrem Namen getan werden. Das spiegelt sich auch in Begriffen wie “islamistischer” Terror wieder. Manche reden sogar von “islamischem Terror”. Damit etabliert man eine Interpretation der gesamten Religion, die sie per se in die Nähe von Gewalt rückt.”

Stimmt. Aber diese Interpretation ist eben zutreffend, wenn die Religion selbst die Nähe zur Gewalt sucht, weil sie Gewalt und Weltherrschaft verherrlicht. Und genau das tut der Islam, genau das steht in seinem Gründungswerk. Im Koran ist von Juden als ‘Affen und Schweine’ die Rede, dort findet sich der Befehl, Apostaten zu töten, dort ist die Entrechtung der Frau in vielen Versen verankert wie auch die Homophobie. Und dort wird zum immerwährenden Kampf gegen Andersgläubige aufgerufen, der jede Grausamkeit rechtfertigt. Der Koran ist ein Buch der Gewalt und des Krieges; das ist der Geist, der in ihm herrscht. Und das ist auch der fundamentale Unterschied zum Neuen Testament. Kein Christ kann sich für irgendeine Schandtat auf ihren Gründer und seine Worte berufen; Muslime können das.

Verstehen kann die Einschätzungen von Frau Wehling daher nur, wer so Hamburger-Deern-haft unbeleckt in die Welt schaut wie die Sprachwissenschaftlerin auf ihrer Homepage. Was sie im Gespräch mit dem schon erwähnten Herrn Bax von sich gibt, was der MEDIENDIENST INTEGRATION der Veröffentlichung für wert hält, sind nichts als Dummheiten. Es ist die pseudo-wissenschaftlich verbrämte Version der alten Exkulpationsformel der Muslimverbände, wonach kein Anschlag, kein ‘Ehrenmord’ und kein antisemitischer Übergriff etwas mit dem Islam zu tun habe. Es ist, mit einem Wort, Lüge. Oder Desinformation.

Finanziert wird dieser Desinformationsdienst von der Bundesregierung und dem Asyl- und Integrationsfonds der EU, also aus Steuermitteln. Dazu kommen einigen Stiftungen, darunter die berüchtigt linkslastige Amadeu-Antonio-Stiftung. Auch die lebt weitgehend von Steuergeldern. Wer daher den Eindruck gewinnt, hier handele es sich um eine staatliche finanzierte Propaganda- und Versorgungsstelle für gescheiterte linke Journalisten, liegt vermutlich nicht ganz falsch. Und damit keine Kritik an solcher Amigo-, Klientel- und Bestechungspolitik der Regierung aufkommt, hat man Vertreter der meisten etablierten Medien im Fachbeirat versammelt: ZDF, FAZ, DIE WELT, Tagesspiegel, RTL, Süddeutsche, SPIEGEL, WDR. Und natürlich auch die besonders korrupte ZEIT, die auch bei der Amadeu-Antonio-Stiftung mitmischt. Selbst Hans-Jörg Vehlewald, ein geschätzter Ex-Kollege von BILD, lässt sich für diesen Schmarrn mißbrauchen. Eine Schande.

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Einst hatte ich in diesem Blog auf den skandalösen Rentenbetrug zu Lasten jener Deutschen hingewiesen, die aus der DDR geflohen sind, oftmals nach Jahren großer Entbehrungen, Schikanen, Enteignungen. Diese Menschen trugen maßgeblich dazu bei, das Honecker-Regime zu destabilisieren, auch gerade moralisch. Denn sie waren der Beweis, dass die DDR eben doch eine totalitäre Cliquenherrschaft war und nicht das Arbeiter- und Bauern-Paradies, wie es die DDR-Propaganda kundtat, assistiert von ZEIT und SPIEGEL. Vielleicht greifen deshalb diese Blätter den Skandal nicht auf, geradegestellt ist die Sache jedenfalls immer noch nicht. Dass dies mit voller Absicht der Regierungschefin und der links besetzten Ministerien geschieht, die im nachhinein Rache an denen nehmen, die aus dem ‘besseren, sozialistischen Deutschland’ geflohen sind, ist keine abwegige Spekulation. Nun gibt es eine Petition, die jeder unterzeichnen sollte, dem Haltung und Rechtsstaatlichkeit am Herzen liegen. Der Link zur Petition ist hier.