Pegida, Raubkunst, Sayn-Wittgenstein

Schutzsuchende – der neue Begriff für junge Frauen in Deutschland.

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Erwartbar öde der SPIEGEL über Doris von Sayn-Wittgenstein. Die politischen Positionen der AfD-Politikerin werden nur gestreift, wichtig ist die angeblich fragwürdige Weise, mit der die Adelige zu ihrem Namen kam. Doch kann man Titelkauf berechtigterweise nur als Konservativer kritisieren. Wer dagegen alles und sogar Geschlecht oder Familie für Konstrukte hält, sollte das auch beim Namen akzeptieren. Bejubelte nicht gerade der SPIEGEL eine Person wie Conchita Wurst, weil sie sich „neu erfand“? Doris von Sayn-Wittgenstein hat das eben auch gemacht.

Kleine Münze auch die Kritik anderer Adeliger. Immerhin sicherte die Nobilitierung von reichen Bürgern mit dem Ziel, deren Töchter unter Mitnahme großer Mitgiften als dann standesgemäße Partnerinnen zu ehelichen, lange Zeit das finanzielle Auskommen zahlreicher Adelsfamilien. Der Tausch Geld gegen Namen ist nichts Neues. 

Dennoch empfinden ihn viele als degoutant – und zwar gerade Angehörige des linken Lagers. Dabei sollten die eigentlich jubeln, beweist der Namenserwerb doch die Einschätzung Karls Marxens, wonach der Kapitalismus alle Traditionen abräume – und damit auch den Zusammenhalt des Adels. Wie allerorten zu beobachten: Die reaktionäre Linke weiß nicht, was sie will. Nur wenn es gegen die AfD geht, erkennt sie den Weg.

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Ein Freund: Wer Familienzusammenführung für ein Gebot der Nächstenliebe hält, hat nie ein Weihnachtsfest bei uns erlebt.

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In den letzten Wochen erlebte Brüssel mehrere schwere Straßenschlachten, jedesmal ausgelöst und betrieben von zugewanderten Jugendlichen des muslimisch-kriminellen Milieus. Der hiesigen Sagrotan-Presse war das keine Berichterstattung wert, auch die öffentlich-rechtlichen Staatsmedien verschwiegen die Ausschreitungen. Und niemand erinnerte an Präsident Trump, der schon im Januar 2016 die EU-Hauptstadt als „Höllenloch“ bezeichnet hatte – zwei Monate vor dem schweren Anschlag mit 32 Toten.

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Ein Artikel der NZZ aus dem Jahr 1985 nennt am Ende die Privatanschrift des Autors zu Korrespondenzzwecken. Glückliche Zeiten.

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Nicht nur in Brüssel erodiert die öffentliche Sicherheit; auch in vielen dänischen, schwedischen, holländischen, französischen oder deutschen Städten ist sie längst auf den Hund gekommen. Überall herrscht Angst, überall zieht sich der Bürger aus bestimmten Gegenden zurück. Niemand, der bei Sinnen ist, hält sich abends noch im Bereich des ‚Kleinen Tiergarten’ in Berlin auf, auf dem Kölner Ebertplatz, um den Hamburger Hauptbahnhof. Schwimmbäder sind im Sommer für junge Frauen Gefahrenzonen, bestimmte Viertel für Juden nur dann betretbar, wenn sie ihren Glauben nicht offen leben; ihre Kinder werden von Schulen gemobbt. Und auch die dümmlichen Gesänge derer sind verstummt, die nach jedem Anschlag meinten, wir dürften uns von Terror und sexuellen Massenattacken unsere westliche Lebensart nicht zerstören lassen. Tatsächlich ist die Zerstörung im vollen Gange. Längst ist jedem klar, der mit wachem Sinn auf Europa blickt: Die ‚offene Gesellschaft’ ist nur dort noch möglich, wo keine muslimischem Migranten leben.

Doch nicht nur die öffentliche Sicherheit und Ordnung ist bedroht; ebenso ist es, das machen nicht nur die Vorgänge an der Berliner Polizeiakademie deutlich, die Verläßlichkeit der Institutionen. Dass die Großrazzia, die letzte Woche gegen Linksradikale lief, „durchgestochen“ wurde, kann keinen verwundern, der die linke Durchsetzung vieler Ermittlungsbehörden kennt. Schwerer noch wiegt der gezielte Versuch, Beweise im Fall des Berliner Goldmünzenraubs zu vernichten, der einem arabischen Clan zur Last gelegt wird. Offensichtlich wussten die Täter, wo die Beweise gelagert waren. Auch die Clans haben ihre Verbindungsleute bei der Polizei.

Genau vor dieser Entwicklung hatte einst eine Bewegung gewarnt, die heute übel beleumundet ist: Pegida, die Sammlung „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Und sie hatten dies schon 2014 getan, also Monate vor der Merkelschen Grenzöffnung, vor den vielen ausgeführten und verhinderten Anschlägen, vor all den Morden, Vergewaltigungen, Messerstechereien.

Heute sieht man, wie recht ihre Gründer hatten; und wie falsch all jene Politiker und Journalisten lagen, die die friedlichen Dresdner Demonstranten als „Pack“ verunglimpften, als Psychopathen und Verschwörungsgläubige. Eine Entschuldigung wäre angebracht.

Noch dazu: Erstaunlich ist der Gleichmut, mit der Bevölkerung und Medien auf die kriminelle Metastasierung grundlegender Rechtsinstitutionen reagieren. Während schlecht plazierte Komplimente zu landesweiten Empörungswellen führen, während jede Nazikritzelei Lichterketten und besorgte Kommentare auslöst, scheint die Unterwanderung zentraler Einrichtungen des Staates durch Angehörige faschistoider, grundrechtsfeindlicher Kulturen kaum jemanden zu beunruhigen. Vielmehr zeigen gerade solche Menschen, die sich bei jeder Gelegenheit als besonders kritisch gerieren, ein unerklärliches Vertrauen in die immer neuen Ausflüchte der Politik, wonach es sich um Einzelfälle, Ausreißer, Versehen handele. Und niemand fordert irgendeinen Rücktritt.

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Auf älteren Visitenkarten der Bundestagsverwaltung firmiert das Jakob-Kaiser-Haus als Jakon-Kaiser-Haus. Die Karten werden verwendet, offensichtlich hielt man den Fehler für nicht so bedeutend. Knauserigkeit geht vor Selbstachtung.

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Im Zusammenhang mit der Sexismusdebatte („#metoo“) um die sozialdemokratische Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli erinnert ein Freund an das eher zweischneidige Kompliment, das Rheinländer für einen bestimmten Frauentyp verwenden: lecker-doof.

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Außerordentlich lesenswert ist das kürzlich erschienene Buch „Der Fall Gurlitt“ von Maurice Philipp Remy. Ein alter, etwas verwirrter, völlig zurückgezogen lebender Mann, Erbe des berühmten Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, war 2012 ins Visier der bayrischen Zollfahndung geraten. Die trat ihm kurzerhand die Tür ein und beschlagnahmte Hunderte Bilder, die sie über Monate behielt – weil es sich angeblich um „Raubkunst“ handelte, also um Werke, die jüdischen Eigentümern von den Nazis abgepresst wurden. Tatsächlich sind selbst nach mehreren Jahren der Provenienzforschung nur eine Handvoll Bilder problematisch; der allergrößte Teil wurde vom Vater völlig korrekt erworben. So bleibt das Fazit: Ein räuberischer, auf das Grundrecht des Eigentums pfeifender Staat räumt in Gestalt der Staatsanwaltschaft Augsburg einem unbescholtenen Mann die Wohnung aus. Als sie später merkt, dass sie auf dünnem Eis wandelt, sticht sie, so darf man vermuten, die Affäre unter dem Rubrum „Raubkunst“ an FOCUS durch, verletzt also auch die Unschuldsvermutung. FOCUS und andere Medien berichten dann im Sinne der Staatsanwaltschaft, veröffentlichen zudem Fotos vom Wohnort des Beschuldigten. Und am Ende versucht dieser Staat, Gurlitt die Sammlung abzupressen, ihn noch im Krankenhaus auf dem Totenbett zu einer Stiftung zu überreden. Der allerdings schenkt die Werke dem Museum Bern. So sind sie nun für Deutschland verloren.

FOCUS hatte den Fall als „Raubkunstskandal“ tituliert, und das war er tatsächlich, aber in einem völlig anderen Sinn. Der Staat Bundesrepublik hat einen unbescholtenen Mann ausgeraubt, seinen Ruf ruiniert, ihn gebrochen und ins Grab getrieben. Am Ende war die Bundesrepublik der betrogene Betrüger: Mit der Vergabe der Sammlung nach Bern ist dem Land einen Millionenschaden entstanden. Verantwortlich an oberster Stelle: Kunststaatssekretärin Monika Grütters (CDU), der bayrische Innenminister Joachim Hermann, die Augsburger Staatsanwaltschaft, der damalige FOCUS-Chefredakteur Jörg Quoos.