Eindrücke aus dem Wahlkampf, Anekdoten aus Russland

Für Zwecke des Wahlkampfs ist es Parteien gesetzlich gestattet, Adressen vom Einwohnermeldeamt zu erwerben. So hatte ich 70.000 Haushalte im Wahlkreis Wilmersdorf-Charlottenburg angeschrieben. Einige Empfänger schrieben sehr freundlich zurück, andere weniger. Vor allem die Schreiben der Letzteren geben gewisse Hinweise auf die Psyche, aber auch den Bildungsstand jener Wähler, die der AfD nicht zuneigen. Neben wüsten Beschimpfungen machten sich einige die Mühe, mein Schreiben zu zerreißen, um die Teile dann säuberlich als Collage auf eine größeres Blatt Papier zu kleben – und es mir so zu schicken. Andere stachen auf dem beigelegten Flyer meine Augen aus, viermal erhielt ich größere Umschläge mit den Schnipseln meines Briefes – alle säuberlich frankiert.

Soziologisch interessant auch all jene, die in langen Briefen, wenn auch ohne Kenntnis des Parteiprogramms kundtaten, warum sie die AfD nicht wählen könnten: Weil wir demokratische Wahlen abschaffen, Frauen an den Herd „verbannen“, Homosexuelle einsperren (!) wollten. Welchen Einfluß die AfD selbst jenseits des Atlantiks hat, empörte einen Empfänger: „Sie haben Donald Trump erst möglich gemacht!“

Auch Orthographie und AfD-Kritik scheinen nicht recht zusammenzugehen: „Dep“ las ich häufiger, auch „Trotel“. Mancher verbat sich jeden weiteren Kontakt „unter Androhung rechtlicher Schritte“, verlangte aber gleichzeitig schriftliche Auskunft, wie ich an die Adresse gelangt sein – natürlich „unter Fristsetzung“. Einer schalt mich ein „rassistisches Schwein“, um mit der Feststellung zu enden, die Deutschen hätten ohnehin kein Lebensrecht. Und häufig auch der Typus des ganz kleinen Karos: Leute, die Briefe zurückschickten mit dem Vermerk: „Rückporto zahlt der Hetzer“. Welch ein Aufwand für nichts. Zuweilen eine deutsche Spezialität.

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Deprimierend die Wahlkampf-Besuche an mehreren Berliner Gymnasien. Genereller Eindruck: Das Niveau der angehenden Abiturienten bestenfalls Realschule, auch das mancher Lehrer. Die Schüler überwiegend freundlich, aber schimmerlos, uninformiert, argumentativ schwach. Viele in Auftreten und Kleidung infantil, Sweatshirts mit Mickey-Mäusen und Smileys, nicht selten hingen Stofftiere aus den Schultaschen. Was von der Trivialität der Allerweltsmeinung abweicht, verstört und überfordert. Überhaupt scheint Abweichung nicht erwünscht: Dass sich Schüler auf eine andere Meinung einlassen, sie zumindest einmal zur Kenntnis nehmen und abwägen, passierte so gut wie nie. Alles meinten sie zu wissen, und das selbst auf Gebieten, die üblicherweise ein Studium erfordern. So belehrten mich 17jährige mit großer Entschiedenheit über Rechtsfragen, die selbst im Bundesverfassungsgericht umstritten sind. Eine seltsam arretierte, unrebellische Generation, ohne Zweifel und Fragen, voller Gewißheiten. Ohne Mut, aber hochmütig.

Aufschlußreich die Aussagen von Schüler und Schülerinnen eines Gymnasiums, was sie als positiv oder negativ empfänden. Positiv: „Ehe für alle“, Diversity, Multikulti, Gerechtigkeit, EU, Freundschaften. Negativ: Nationalstaat, Grenzen, Waffen, Militär – und verblüffenderweise ‚Familie’. Das alles ohne Begründung, einfach aus dem Stegreif. 

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In Venezuela herrscht offene Anarchie, geboren aus sozialistischer Politik, die das Land verarmen ließ. Der alte Kalauer, Sozialismus heiße „Trümmer schaffen ohne Waffen“, erfüllt sich auch hier.

Doch wo sind nun all die Jubelperser, die den korrupten Despoten Chavez als „Freund“ bezeichneten, wie beispielsweise Sean Penn, Michael Moore, James Corbyn, Oliver Stone? Keiner äußert sich, alle schauen weg. Die übliche Reaktion von Linken, wenn der Weg ihrer Idole einmal mehr in Blut und Chaos endete.

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Bericht eines Freundes über kulturelle Unterschiede zwischen Russland und Westeuropa. Generell zeigten die Russen eine gewisse Gelassenheit im protokollarischen Umgang. So übernähmen am Moskauer Flughafen Männer auch die Leibesvisitation von Frauen. Computer und Toilettenartikel müssten, wenn im Handgepäck mitgenommen, nicht ausgepackt werden. Als ein Mann eine Flasche Schnaps an Bord schmuggeln will, befehlen ihm die Offiziere, die Flasche zu entleeren. „Aber das ist Jägermeister!“ Die Offiziere schauen sich an, zucken mit den Schultern, winken den Mann durch.

Dunkelhäutige Barbie-Puppen kosten in Moskau nur den halben Preis ihrer hellhäutigen Schwestern. Die Nachfrage ist offensichtlich gering.

Auf der russischen App der Firma Yandex, eines Konkurrenten des Chauffeurdienstes Uber, kann man vorgeben, welche Fahrer man nicht haben möchte: Tschetschenen, Kosaken, Tartaren…

Bei der Einweihung eines Denkmals für Michail Kalashnikov bezeichnet der Laudator den Geehrten als „Mann des Friedens“ – weil, hohoho, Frieden herrsche, wenn das Magazin geleert sei.

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Im ZDF-Dreiteiler „Maximilian“ (Teil 2, ab Minute 44) wandeln die Herzogin von Burgund und ihr Berater bedrückt durch eine Kirche voller Flüchtlinge. Dann folgt dieser staatstragende Dialog eines staatsfernen Senders:

Berater: „Tausende sind geflüchtet. Und täglich kommen mehr. Sie haben nichts. Nur die Hoffnung, dass es hier besser ist.“

Herzogin: „Nächstenliebe zu üben, ist unsere Pflicht.”

Berater: „Aber wer bezahlt das? Die Verpflegung, Kleidung, die Unterkunft?“

Herzogin: „Alle, denen es besser geht.“

Berater: „Eure Untertanen werden unruhig. Die Bürger wollen keine Fremden!“

Dramatische Pause, dann die Herzogin: „Wir schaffen das!“

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Medien, die die AfD „außerhalb des demokratischen Spektrums“ verorten, bewegen sich außerhalb des journalistischen.

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Bei Diskussionen mit Schülern immer wieder zu beobachten: Der Tod fremder Flüchtlingskinder wird empört kommentiert, das ‚Recht’ auf Abtreibung ebenso erregt verteidigt.

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Über die Organisation Abgeordnetenwatch, auch von mir einst unterstützt, können Bürger die Abgeordneten und Kandidaten nach ihren Ansichten befragen. So wurde ich kürzlich um Auskunft gebeten, ob die Zahl der muslimischen Bürger in Deutschland steige, ob die meisten Zuwanderer muslimischen Glaubens seien, ob muslimische Frauen mehr Kinder als nicht-muslimische bekämen, ob das mittelfristig zu einer Veränderung der Bevölkerungsstruktur führe und was ich gegebenenfalls dagegen unternehmen wolle.

Meine Antwort: Sehr geehrter Herr …. , die Fragen 1) – 4) sind statistisch belegt respektive per Hochrechnung zu ermitteln. Auch wenn man nicht allen Thesen Thilo Sarrazins in seinem Buch “Deutschland schafft sich ab” folgen möchte, hat bis heute niemand seine statistischen Grundlagen und Berechnungen bestritten. Zu Frage 5): Dass ich den Islam für eine totalitäre Ideologie halte, die der westlichen Idee von Demokratie, individueller Freiheit, Frauen- und Minderheitenrechten diametral entgegensteht, habe ich schon häufiger gesagt. Bezeichnenderweise gibt es kein islamisches Land, das unseren Vorstellungen von einer “offenen Gesellschaft” entspricht. Wo immer der Islam Verfassung ist, herrschen Einparteien-Systeme, Frauenentrechtung und systematischer Terror gegen Minderheiten, seien es Christen, Juden, Buddhisten oder Homosexuelle. In der “Kairoer Erklärung” haben die führenden muslimischen Rechtsgelehrten und Länder zudem von sich aus die Unvereinbarkeit des Islam mit Demokratie, Gleichberechtigung und Glaubensfreiheit festgestellt. Entsprechend sollte der Westen den Islam so behandeln, wie er sich selbst sieht: Als Feind unserer Werte.

Schon die mir gestellten Fragen mussten wohl mehrfach überarbeitet werden, weil Abgeordnetenwatch sie nicht zulassen wollte. Auch meine Antwort wird moniert und nicht veröffentlicht – sie enthalte islamophobe Äußerungen, schreibt mir eine Mitarbeiterin, sie bitte um mein Verständnis. Was sie damit meint, wo ich falsch liege und welches islamische Land einer ‚offenen Gesellschaft’ entspricht, schreibt sie nicht. Eine Organisation, deren Ziele angeblich Transparenz und Öffentlichkeit sind, verweigert feige und kleinmütig beides.