Generalsekretär, innere Pressefreiheit und ‘Nazi-Cup’

Auf Grabsteinen im republikanischen Rom, die an verstorbene Ehefrauen erinnerten, hieß es oft lobend: Domiseda, lanifica. Zu Hause gesessen, Wolle gesponnen. (Danke an CG für den Hinweis)

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Focus meldet, ich sei als Generalsekretär im Gespräch. Viele Telefonate, noch mehr Anfragen von Medien. Standardantwort: Mich hat keiner gefragt, ich werde mich dazu nicht äußern. Zudem müsse jedem klar sein, dass diese Frage fünf Wochen vor der AfD-Vorstandswahl eine Gespensterdebatte sei. Wer sollte über derartige Dinge nachdenken, wenn er nicht weiß, mit wem er im Vorstand zusammenarbeiten wird? Aberwitzig. Auch der Berliner Tagesspiegel bekommt diese Antwort mit dem zweimaligen Hinweis, dass ich mich in der Sache nicht äußere. Am nächsten Tag im Blatt: „Fest äußert sich offen“.

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Freunde beobachten in Berlin den Streit zwischen einem jungen Paar mit Migrationshintergrund. Sie wirft ihm vor, er habe sie betrogen, er sagt ihr ähnlich freundliche Dinge. Großes Gebrülle, Tätlichkeiten sind nicht auszuschließen. Wie soll man reagieren? Zu schlichten versuchen? Das könnte die Wut des Paares auf die Schlichter lenken. Auch weiß man nicht, ob nicht einer bewaffnet ist, ein Messer ziehen könnte. So rufen die Freunde die Polizei – oder versuchen es zumindest. 4, 5 Minuten gehen ins Land, niemand reagiert auf den Notruf. Dann endlich meldet sich die Zentrale, schickt eine Streife. Als die weitere 5 Minuten später eintrifft, hat sich das Pärchen beruhigt. Auf die lange Wartezeit angesprochen, meinen die Polizisten, den Notruf zu wählen sei eigentlich sinnlos, die Zentrale sei chronisch unterbesetzt. Besser, man suche sich die Nummer des örtlichen Reviers. Das könnte deutlich schneller reagieren.

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Zustimmend kommentieren viele Medien die Ablehnung Albrecht Glasers als Bundestagsvizepräsident, häufig verbunden mit dem Hinweis auf die Friedlichkeit der meisten Muslime. Rätselhaft. Tatsächlich liegt der Islam seit 1400 Jahren im Krieg mit der nicht-muslimischen Welt. Über Jahrhunderte wurden Millionen Afrikaner, Europäer, Asiaten und Inder versklavt, gefoltert, kastriert, umgebracht. Auch die Kreuzzüge waren eine Reaktion auf die islamischen Eroberungen, auf die Bedrohung des orthodoxen Christentums in Byzanz und die Unterjochung urchristlicher Länder wie Libanon, Syrien, die Cyreneika. Selbst die USA zahlten noch im 18. Jahrhundert hohe Tribute an die nordafrikanischen Sultane. Erst die Entwicklung weit überlegener Waffen führte zum Ende der muslimischen Eroberungen und zur Einhegung des Islam, neudeutsch ‚Containment’. Nun lässt man die Bestie wieder frei.

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Nichts ist für die Menschen schädlicher als der Gedanke, dass die Ursachen ihrer Notlage nicht in ihnen selbst, sondern in den äußeren Bedingungen lägen. Leo Tolstoi

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Aufregung über eine Kolumne im SPIEGEL von Sibylle Berg, eigentlich eine passable Theaterautorin. Sie verkündet, es sei genug mit „Rechten“ geredet worden, nun sei es Zeit zu handeln. Was sie darunter versteht, macht ihr Lob der Antifa deutlich. Man kann sagen: Berg hat mitgeschossen.

Ähnlich trüb geht es in der taz zu. Dort schreibt Hengameh Yaghoobifarah viele Zeilen Hass über „deutsche Dreckskultur“ und „engherzige, trotzige, bittere und kleinliche“, außerdem „ignorante, geschichtsverdrossene und besserwisserische Kartoffeln“. Ihr Urteil gründet darauf, dass sich manche Deutschen gegen die Islamisierung wehren. Das ist unverzeihlich.

Beide Kolumnen werden von Lesern in den Kommentarspalten scharf kritisiert. Der taz wird Rassismus vorgeworfen, dem SPIEGEL ein Aufruf zur Gewalt. Beides ist richtig. Ähnlich sind sich beide Blätter darin, dass die Mitarbeiter umfangreiche Mitspracherechte haben. Verantwortlich für die Veröffentlichung der beiden Kolumnen sind also nicht nur die Chefredakteure Georg Löwisch (taz) und Klaus Brinkbäumer (SPIEGEL) bzw Barbara Hans (SPON), sondern die Redaktionen insgesamt. Doch auch aus denen scheint kein Protest gekommen zu sein. So desavouieren die beiden linken Blätter selbst das letzte Argument für die „innere Pressefreiheit“, für Einspruchsrechte der Redaktion gegen den Chefredakteur. Auch die „Schwarmintelligenz“ der Redaktion ist kein Damm gegen rassistische oder gewaltverherrlichende Hetzschriften.

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Abendessen bei Freunden im herbstlich-ruhigen Dahlem. Natürlich drehen sich die Gespräche um den Einzug der AfD in den Bundestag, um den Mord an einer Berliner Museumsdirektorin im Tiergarten, um den Verfall der öffentlichen Sicherheit und die persönlichen Folgen. Die Diskussion ist angeregt, der Gastgeber muss mehrfach ordnend eingreifen. Mitten hinein platzen die Kinder, 15 und 17 Jahre alt, gerade zurück von abendlichen Aktivitäten. Die Debatte bricht ab, alle reißen sich zusammen. Darauf der Ältere: „Leute, macht weiter! Endlich ist hier mal was los!“

Bei jenem Essen erzählt eine Ärztin für Allgemeinmedizin von einem neuen Spiel unter Kollegen: „Nazi-Cup“. Wer am häufigsten pro Monat von Patienten mit Vokabeln wie „Nazi“, “Rassist”, „Schlampe“ belegt werde, habe gewonnen. Früher habe sie unter solchen Ausfällen gelitten, nun betrachte sie sie als Punkte zum Sieg.

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Ein Phänomen auf Facebook: Die radikale Sofortfeindschaft. Man wechselt mit nicht näher bekannten ‚Freunden’ Nachrichten über dies oder jenes, stimmt in vielen Fragen überein, aber die Haltung zu, sagen wir, Nordkorea oder Timbuktu sorgt plötzlich für Verwünschungen an der Grenze zum Justiziablen. Drollig.

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Blick in ein amerikanisches Vorlesungsverzeichnis. Erstaunlich viele Kurse sind der Selbstoptimierung gewidmet, von Schreibmaschinenlehrgängen über Gedächtnistechniken, Speed-Reading, Tagesorganisation, Auftreten. Und nicht nur im Bereich Betriebswirtschaftslehre gilt ein großer Vorlesungsblock dem Thema „Leadership“, Führung. Dahinter der richtige Gedanke: Wissen ist sinnlos, wenn es der Wissende nicht erwerben, kategorisieren und anwenden kann – und er seine Mitarbeiter nicht überzeugt. Das Humboldtsche Bildungsideal von Forschung und Lehre hat hier eine Leerstelle.

Eindrücke aus dem Wahlkampf, Anekdoten aus Russland

Für Zwecke des Wahlkampfs ist es Parteien gesetzlich gestattet, Adressen vom Einwohnermeldeamt zu erwerben. So hatte ich 70.000 Haushalte im Wahlkreis Wilmersdorf-Charlottenburg angeschrieben. Einige Empfänger schrieben sehr freundlich zurück, andere weniger. Vor allem die Schreiben der Letzteren geben gewisse Hinweise auf die Psyche, aber auch den Bildungsstand jener Wähler, die der AfD nicht zuneigen. Neben wüsten Beschimpfungen machten sich einige die Mühe, mein Schreiben zu zerreißen, um die Teile dann säuberlich als Collage auf eine größeres Blatt Papier zu kleben – und es mir so zu schicken. Andere stachen auf dem beigelegten Flyer meine Augen aus, viermal erhielt ich größere Umschläge mit den Schnipseln meines Briefes – alle säuberlich frankiert.

Soziologisch interessant auch all jene, die in langen Briefen, wenn auch ohne Kenntnis des Parteiprogramms kundtaten, warum sie die AfD nicht wählen könnten: Weil wir demokratische Wahlen abschaffen, Frauen an den Herd „verbannen“, Homosexuelle einsperren (!) wollten. Welchen Einfluß die AfD selbst jenseits des Atlantiks hat, empörte einen Empfänger: „Sie haben Donald Trump erst möglich gemacht!“

Auch Orthographie und AfD-Kritik scheinen nicht recht zusammenzugehen: „Dep“ las ich häufiger, auch „Trotel“. Mancher verbat sich jeden weiteren Kontakt „unter Androhung rechtlicher Schritte“, verlangte aber gleichzeitig schriftliche Auskunft, wie ich an die Adresse gelangt sein – natürlich „unter Fristsetzung“. Einer schalt mich ein „rassistisches Schwein“, um mit der Feststellung zu enden, die Deutschen hätten ohnehin kein Lebensrecht. Und häufig auch der Typus des ganz kleinen Karos: Leute, die Briefe zurückschickten mit dem Vermerk: „Rückporto zahlt der Hetzer“. Welch ein Aufwand für nichts. Zuweilen eine deutsche Spezialität.

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Deprimierend die Wahlkampf-Besuche an mehreren Berliner Gymnasien. Genereller Eindruck: Das Niveau der angehenden Abiturienten bestenfalls Realschule, auch das mancher Lehrer. Die Schüler überwiegend freundlich, aber schimmerlos, uninformiert, argumentativ schwach. Viele in Auftreten und Kleidung infantil, Sweatshirts mit Mickey-Mäusen und Smileys, nicht selten hingen Stofftiere aus den Schultaschen. Was von der Trivialität der Allerweltsmeinung abweicht, verstört und überfordert. Überhaupt scheint Abweichung nicht erwünscht: Dass sich Schüler auf eine andere Meinung einlassen, sie zumindest einmal zur Kenntnis nehmen und abwägen, passierte so gut wie nie. Alles meinten sie zu wissen, und das selbst auf Gebieten, die üblicherweise ein Studium erfordern. So belehrten mich 17jährige mit großer Entschiedenheit über Rechtsfragen, die selbst im Bundesverfassungsgericht umstritten sind. Eine seltsam arretierte, unrebellische Generation, ohne Zweifel und Fragen, voller Gewißheiten. Ohne Mut, aber hochmütig.

Aufschlußreich die Aussagen von Schülern und Schülerinnen eines Gymnasiums, was sie als positiv oder negativ empfänden. Positiv: „Ehe für alle“, Diversity, Multikulti, Gerechtigkeit, EU, Freundschaften. Negativ: Nationalstaat, Grenzen, Waffen, Militär – und verblüffenderweise ‚Familie’. Das alles ohne Begründung, einfach aus dem Stegreif. 

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In Venezuela herrscht offene Anarchie, geboren aus sozialistischer Politik, die das Land verarmen ließ. Der alte Kalauer, Sozialismus heiße „Trümmer schaffen ohne Waffen“, erfüllt sich auch hier.

Doch wo sind nun all die Jubelperser, die den korrupten Despoten Chavez als „Freund“ bezeichneten, wie beispielsweise Sean Penn, Michael Moore, James Corbyn, Oliver Stone? Keiner äußert sich, alle schauen weg. Die übliche Reaktion von Linken, wenn der Weg ihrer Idole einmal mehr in Blut und Chaos endete.

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Bericht eines Freundes über kulturelle Unterschiede zwischen Russland und Westeuropa. Generell zeigten die Russen eine gewisse Gelassenheit im protokollarischen Umgang. So übernähmen am Moskauer Flughafen Männer auch die Leibesvisitation von Frauen. Computer und Toilettenartikel müssten, wenn im Handgepäck mitgenommen, nicht ausgepackt werden. Als ein Mann eine Flasche Schnaps an Bord schmuggeln will, befehlen ihm die Offiziere, die Flasche zu entleeren. „Aber das ist Jägermeister!“ Die Offiziere schauen sich an, zucken mit den Schultern, winken den Mann durch.

Dunkelhäutige Barbie-Puppen kosten in Moskau nur den halben Preis ihrer hellhäutigen Schwestern. Die Nachfrage ist offensichtlich gering.

Auf der russischen App der Firma Yandex, eines Konkurrenten des Chauffeurdienstes Uber, kann man vorgeben, welche Fahrer man nicht haben möchte: Tschetschenen, Kosaken, Tartaren…

Bei der Einweihung eines Denkmals für Michail Kalashnikov bezeichnet der Laudator den Geehrten als „Mann des Friedens“ – weil, hohoho, Frieden herrsche, wenn das Magazin geleert sei.

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Im ZDF-Dreiteiler „Maximilian“ (Teil 2, ab Minute 44) wandeln die Herzogin von Burgund und ihr Berater bedrückt durch eine Kirche voller Flüchtlinge. Dann folgt dieser staatstragende Dialog eines staatsfernen Senders:

Berater: „Tausende sind geflüchtet. Und täglich kommen mehr. Sie haben nichts. Nur die Hoffnung, dass es hier besser ist.“

Herzogin: „Nächstenliebe zu üben, ist unsere Pflicht.”

Berater: „Aber wer bezahlt das? Die Verpflegung, Kleidung, die Unterkunft?“

Herzogin: „Alle, denen es besser geht.“

Berater: „Eure Untertanen werden unruhig. Die Bürger wollen keine Fremden!“

Dramatische Pause, dann die Herzogin: „Wir schaffen das!“

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Medien, die die AfD „außerhalb des demokratischen Spektrums“ verorten, bewegen sich außerhalb des journalistischen.

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Bei Diskussionen mit Schülern immer wieder zu beobachten: Der Tod fremder Flüchtlingskinder wird empört kommentiert, das ‚Recht’ auf Abtreibung ebenso erregt verteidigt.

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Über die Organisation Abgeordnetenwatch, auch von mir einst unterstützt, können Bürger die Abgeordneten und Kandidaten nach ihren Ansichten befragen. So wurde ich kürzlich um Auskunft gebeten, ob die Zahl der muslimischen Bürger in Deutschland steige, ob die meisten Zuwanderer muslimischen Glaubens seien, ob muslimische Frauen mehr Kinder als nicht-muslimische bekämen, ob das mittelfristig zu einer Veränderung der Bevölkerungsstruktur führe und was ich gegebenenfalls dagegen unternehmen wolle.

Meine Antwort: Sehr geehrter Herr …. , die Fragen 1) – 4) sind statistisch belegt respektive per Hochrechnung zu ermitteln. Auch wenn man nicht allen Thesen Thilo Sarrazins in seinem Buch “Deutschland schafft sich ab” folgen möchte, hat bis heute niemand seine statistischen Grundlagen und Berechnungen bestritten. Zu Frage 5): Dass ich den Islam für eine totalitäre Ideologie halte, die der westlichen Idee von Demokratie, individueller Freiheit, Frauen- und Minderheitenrechten diametral entgegensteht, habe ich schon häufiger gesagt. Bezeichnenderweise gibt es kein islamisches Land, das unseren Vorstellungen von einer “offenen Gesellschaft” entspricht. Wo immer der Islam Verfassung ist, herrschen Einparteien-Systeme, Frauenentrechtung und systematischer Terror gegen Minderheiten, seien es Christen, Juden, Buddhisten oder Homosexuelle. In der “Kairoer Erklärung” haben die führenden muslimischen Rechtsgelehrten und Länder zudem von sich aus die Unvereinbarkeit des Islam mit Demokratie, Gleichberechtigung und Glaubensfreiheit festgestellt. Entsprechend sollte der Westen den Islam so behandeln, wie er sich selbst sieht: Als Feind unserer Werte.

Schon die mir gestellten Fragen mussten wohl mehrfach überarbeitet werden, weil Abgeordnetenwatch sie nicht zulassen wollte. Auch meine Antwort wird moniert und nicht veröffentlicht – sie enthalte islamophobe Äußerungen, schreibt mir eine Mitarbeiterin, sie bitte um mein Verständnis. Was sie damit meint, wo ich falsch liege und welches islamische Land einer ‚offenen Gesellschaft’ entspricht, schreibt sie nicht. Eine Organisation, deren Ziele angeblich Transparenz und Öffentlichkeit sind, verweigert feige und kleinmütig beides.