Lügenpresse und linkes Selbstverständnis

Ein in vielen Filmen wiederkehrender Topos ist die Liebe des Bösewichts zur klassischen romantischen Musik. Ob im ‚007-Bond’ mit Curd Jürgens, in ‚Wannseekonferenz’, oder „Der Anschlag“, immer lauscht der Verderber der Welten den Klängen von Chopin, Schubert, Schumann. Auch Wagners Walkürenritt in ‚Apocalypse Now’ soll den Schrecken steigern, doch ist hier der Kontrast zur Rücksichtslosigkeit des Genießers nicht so groß; gleiches gilt für Beethovens brutalistische 5. Sinfonie in ‚A Clockwork Orange’. Laute, aufdringliche Musik hören nur die Handlanger; der wahre Teufel liebt es zärtlich. 

Das ist weniger von der Wirklichkeit entfernt, als man meint. So habe Lenin einst gegenüber dem kommunistischen Hymnendichter Maxim Gorki geäußert, er kenne „nichts Größeres als Beethovens Apassionata. Ich könnte sie jeden Tag hören. Eine erstaunliche, nicht mehr menschliche Musik. Ich denke immer voll Stolz daran (…), wessen menschliche Wesen fähig sind. Doch kann ich die Musik nicht oft hören, sie greift die Nerven an, man möchte liebevolle Dummheiten sagen und den Menschen die Köpfe streicheln, die in dieser schmutzigen Hölle leben und dennoch etwas so Schönes schaffen können. Aber heutzutage darf man niemandem den Kopf streicheln – (…) man muss auf die Köpfe einschlagen, mitleidlos einschlagen. Hm, hm, eine teuflisch schwere Pflicht.“

* * *

Von der EU kommt ein neuer Anschlag auf das Selbstbestimmungsrecht der europäischen Völker: Die Aufhebung des Visumszwangs für Türken. Zwar erfüllt die Türkei nur rund 50 der 72 Voraussetzungen, doch auch hier gilt das heimliche Motto der EU: Wenn das Recht im Weg steht, muss es eben gebrochen werden. Notfallpläne gegen die Einreise zu vieler Türken, von Frankreich und Deutschland vorgebracht, wurden gerade von der EU abgelehnt.

Die künftigen Entwicklungen sind absehbar: Erdogan wird die Visafreiheit nutzen, ein innenpolitisches Problem zu lösen. So werden vor allem Kurden, in ihrer eigenen Heimat schwer drangsaliert, nach Deutschland kommen, jedoch ohne den Willen, je zurückzukehren. Kontrollieren wird dies ohnehin niemand, zumal die Polizei in den Gegenden der Clans nichts zu sagen hat. Werden die Gäste auch nach Ablauf ihres Visums doch einmal aufgegriffen, schützen Asylrecht, Kirchen-Aktivisten und die letztlich von deutschen Steuerzahlern entlohnten Anwälte. Auch die Türkei wird dafür sorgen, dass die Kurden nicht abgeschoben werden können. So werden die kurdischen Clans von Berlin, Bremen oder Köln, die längst weite Teile des Drogen- und Menschenhandels beherrschen, weiter wachsen. Die Prognose von Manfred Güllner, dem Chef des eher linken Demoskopie-Instituts Forsa, der den Niedergang der AfD sieht, scheint deshalb verfrüht. Denn die EU sorgt weiterhin für beste Werbung.

* * *

„Es gibt keine harmlosen Zivilisten.“ John Rambo

* * *

Kennzeichen moderner Gesellschaften sind Bindungs- und Wahlfreiheit. Man ist weitgehend frei von den Vereinnahmungen durch Sippe, Zunft, Staat oder Religion, kann seine Zugehörigkeiten frei bestimmen. Das ist in traditionellen Sozietäten anders, deshalb wirken sie – wie auch alle totalitären Gesellschaften – so gestrig. Insofern zeigt Merkel mit ihrem Hinweis, wer Angst vor einer Islamisierung habe, solle sein Christentum stärken, dass sie das Grundkonzept moderner Gesellschaften nicht verstanden hat. Gedanklich lebt sie noch immer in der totalitären Welt der Einheitspartei.  

Im Grunde entspricht die Bemerkung Merkels dem Satz von Honecker, wonach weder Ochs noch Esel den Lauf des Kommunismus aufhielten. Auch ‘Erich’ glaubte an die Kraft der bestehenden Verhältnisse, an die Attraktivität der kommunistischen Welt. Irgendwann würden die westdeutschen Arbeiter schon zum humaneren, besseren System übertreten, sich dem Lauf der Geschichte fügen. Was im Spielfilm ‘Good-bye Lenin’ den ironischen Handlungsrahmen bildet, dass nämlich der Westen sich dem Osten anschließt, hat er vermutlich im Innersten tatsächlich für möglich gehalten. Darüber sollte man nicht spotten. Die Hoffnung, dass der Islam sich irgendwann europäisieren werde, dass gläubige Moslems der Scharia entsagen, ist davon nicht weit entfernt.

* * *

Heute eine grundsätzliche Frage: Ist „Lügenpresse“ eine zwingende Begleiterscheinung linker Gesellschaften? Anders gefragt: Sind Menschen, die sich links verorten, überhaupt zum Journalismus fähig, genauer: zum politischen Journalismus? Oder sollten sich solche Leute, bei aller persönlichen Wertschätzung, vielleicht eher mit Fragen der Buchkritik, der Zoologie oder auch des Sports befassen, nicht aber mit solchen zu Wirtschaft, Geschichte, Politik? Immerhin setzte der Niedergang vieler renommierter Zeitungen zu dem Zeitpunkt ein, als die Feuilletonisten meinten, nun auch die Kommentierung der gesellschaftspolitischen Welt für sich entdecken zu müssen.

Die Erkundigung wirkt im übrigen anzüglicher, als sie ist. Denn in der Geschichte verzeichnet die Linke immer wieder Momente der umgekehrten Aufklärung, der Regression in die selbstgewählte Unmündigkeit. Man will seinen Verstand nicht gebrauchen, man will die Fakten nicht sehen. Hunderte linker Intellektueller fuhren in den 1920er und 1930er Jahren nach Rußland, sahen die Heerscharen von buchstäblich verhungernden Bauern, von Obdachlosen, verwahrlosten Kindern, sahen bitterste Armut und den Terror der Schauprozesse – und berichteten ihren Landsleuten im Westen von der Lichtgestalt Stalins, vom Glück der Russen und den Segnungen der neuen Zeit. Brecht schrieb Hymnen auf den Stalinismus, ergriffen äußerten sich Neruda, Shaw, Bloch, Hermlin, Aragon oder Dorothy Parker; andere wie H.G.Wells, Romain Rolland und Bertrand Russell nahmen das Wüten der Geheimpolizei wie auch das jedes Maß übersteigende Elend zwar zur Kenntnis, verschwiegen es aber bewusst in ihren Berichten. Der strahlende Morgen der Menschheit, den der Kommunismus versprach, sollte ohne das Grauen hereinbrechen, das jeden Morgen begleitet.

Und so auch später immer und immer wieder. Chrustschows Kritik 1956 am Personenkult um Stalin konnte die Linke nur kurzfristig irritieren. Schon bald richtete sie ihre Verehrungsbedürfnisse auf andere Verbrecher, auf Mao, Fidel, „Onkel Ho“, die roten Khmer, Tito, Enver Hodscha und auf Che, den erneut für die Menschheit gestorbenen Messias. Der Kult um das ‚linke Projekt’ gerann seinen Anhängern immer zum Kult der Person. Und jedes Mal war es ein von Klarsicht wie Menschlichkeit befreites Jubeltum. Millionenfachem Mord applaudierte man, und auch jedem Bruch von Kultur und Recht. Hochmut und Kadergeist verbanden sich zur Amoralität. Die Geschichte der westlichen Linken ist das Gegenprojekt zur Aufklärung.

Dieses Projekt ging bis zur Selbstverleugnung. Das bleibt der erstaunlichste Unterschied zu konservativen Denkern: Auch sie irrten zuweilen schwer, auch sie verrieten die Ideen der Aufklärung. Aber sie gingen nicht so weit, ihren Einsichten wider besseres Wissen abzuschwören. Zu Arthur Koestlers ‚Sonnenfinsternis’, der eindrucksvollsten Analyse der intellektuellen Unterwerfung unter den Parteigehorsam, findet sich meines Wissens keine Entsprechung im konservativen Milieu. Ihr Bedürfnis nach historischen Gewißheiten brachte Linke letztlich immer auf die Knie – wie auch das nach werktätiger Zugehörigkeit, nach Volksheim und der Solidarität der Völker. Spöttisch bemerkte mein Griechischlehrer gegenüber seinen empörten Schülern: „Links ist nur, wem der Mut zum Individualismus fehlt.“ Auch der angebliche Hang zur eigenständigen Lebensführung ist, neben dem behaupteten Eintreten für die Sache der Aufklärung, eine Lebenslüge der Linken.

Kollektivismus, also die Lust am Mainstream, und kultische Bedürfnisse – wer unter diesen Aspekten die Berichterstattung zur ‚Flüchtlingskrise’ betrachtet, wird Ähnlichkeiten zu früheren Irrwegen erkennen. Erst die falschen Hochrechnungen der Migrationszahlen (400.000, dann 700.000, dann 800.000, dann 1.100.000), dann die von fast allen Medien kolportierte Lüge zum Ausbildungsstand („Facharbeiter“) wie zu Geschlecht und Alter („überwiegend Frauen und Kinder“), dann das Schweigen um Übergriffe und Straftaten, schließlich die Behauptung, die Täter von Köln oder Brüssel seien keine Asylbewerber oder Profiteure der offenen Grenzen – alles mehr oder minder Schwindel, begleitet von einer geradezu skandalösen Bildsprache, die sich fast ausschließlich auf Mütter, Kinder oder alte Menschen konzentrierte. Auch das jüngste Projekt der Linken ist ein Projekt der durchgängigen Lüge, natürlich wieder für höhere Zwecke: Globale Gerechtigkeit und a brave, new, multicultural world. Guter Journalismus kann daraus nicht entstehen.

* * *

Der Unterschied zwischen Kapitalismus und Islam aus ökonomischer Sicht: Hier herrscht die schöpferische, dort die unschöpferische Zerstörung.

* * *

Die gegenwertige Lage des Journalismus erfüllt einen alten Kampfbegriff mit neuem Leben: Den der “repressiven Toleranz”. Erfunden hat ihn Mitte der 1960er Jahre der Philosoph Herbert Marcuse, gemünzt war er auf die angeblich faschistische Konsumgesellschaft der Bundesrepublik. Nachdem die prognostizierte ‚Verelendung der Massen’ ausgeblieben war, statt dessen nicht nur Wohlstand, sondern auch Meinungsvielfalt und Individualismus blühten, brauchte die Linke eine neue Denunziationsformel, und Marcuse lieferte sie. Mit Blick auf den hochherzigen Konformismus der Medien, die jede Gegenposition mitleidslos verleumden, hat der Begriff heute zum ersten Mal seine Berechtigung.

 

Gewaltprobleme und Gekläff

„Hat der Islam ein Gewaltproblem?“, fragte am Montag Frank Plasberg und suggerierte damit, dass darüber ernsthaft zu diskutieren sei. Dabei lässt sich die Antwort in drei Sätzen fassen: Satz 1: Wesentlich für den Islam ist die Einteilung der Welt in Ungläubige und Muslime, in Mann und Frau. Satz 2: Die Ungläubigen sind zu missionieren, die Frau hat dem Mann zu dienen. 3. Satz: Wie setzt man Missionierung und Dienerschaft durch, wenn die so Bedachten dies nicht wollen? Eben. Wer nach dem Gewaltproblem des Islam fragt, hat den Islam nicht verstanden.

In diesem Zusammenhang eine anekdotische Parallele: 2009 führte ich mit dem früheren Formel-1-Chef Max Mosley ein Interview über dessen zweifelhaftes Verhältnis zum Faschismus: Sein Vater Oswald war der britische Faschistenführer gewesen, Mosley junior hatte sich nie wirklich distanziert, sein Bruder deswegen mit ihm gebrochen. Irgendwann streifte das Gespräch auch die Frage der Apartheid, die sein Vater offen gefordert hatte, und die Antwort Mosleys lag genau auf der Linie von ‚Hart, aber fair’: „Ach, wissen Sie, das sollte doch alles auf freiwilliger Basis sein, mehr aus Einsicht, als mit Zwang!“ Wie der Islam ist auch Apartheid ohne Gewalt denkbar, wenn die Farbigen nur freiwillig auf die guten Schulen, die besseren Jobs und die Plätze der Weißen in Bussen, Kinos und Konzerthäusern verzichten. So einfach. Hat Rassismus ein Gewaltproblem? Aber nicht doch!  

* * *

Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Wie häufig die Erkenntnis, dass auch höchstpersönliche Erlebnisse sich dem Bilderkanon der Moderne unterordnen, der Geist unwillkürlich auf die Vorlagen der Populärkultur zurückgreift: Man sitzt in Berlin, sieht aber innerlich die Folterszene aus dem ‚Marathon-Mann’. Von dort springen die Gedanken zu Abu Ghraib, Jack Bauer in ‚24 hours’ und dem Fall Daschner, also zur Frage der Zulässigkeit von Folter, ob sie mithin ausnahmsweise dort statthaft sein sollte, wo es nicht um Geständnisse zu bereits erfolgten, sondern um die Verhinderung künftiger Straftaten geht. An das wirklich große Tabu rührt allerdings erst abends eine befreundete Ärztin, die lachend erklärt: „Vor dem Bohrer haben viele Schläger mehr Angst als vor dem Gefängnis!“ Wenn das stimmt, der Besuch beim Zahnarzt mehr Disziplinierung verspricht als der vor Gericht, scheint nicht nur im Rachen etwas faul. Schon vor Jahren sagte mir ein Strafrichter unter der Hand, der Verzicht auf körperliche Schmerzen im Strafvollzug sei vielleicht doch voreilig. Aber will man Kafkas Apparatur aus der ‚Strafkolonie’, also die dritte, reinste Form der Folter, ohne irgendeinen Zweck als den, Schmerzen zuzufügen? Richtig ist: Obwohl sich selbst genügend, ist gerade sie von höchster symbolische Bedeutung. Der wehrhafte Staat macht deutlich, dass er seine Feinde nicht nur wegsperren, sondern ihnen richtig weh tun kann.

* * *

Zur oft von linker Seite beklagten Verrohung der Debatte empfiehlt sich ein Blick in den lesenswerten Blog von Jennifer Pyka, dort unter der Überschrift ‚Welcome to the Freakshow’.

* * *

„Aber das Gegenteil von politischer Erziehung bekundet auch das schablonenhafte Gekläff jenes stets anwachsenden Chorus der Wald- und Wiesen-Sozialpolitiker, und ebenso jene menschlich liebenswürdige und achtungswerte, dennoch aber unsäglich spießbürgerliche Erweichung des Gemütes, welche politische Ideale durch ‚ethische’ ersetzen zu können meint und diese wieder harmlos mit optimistischen Glückshoffnungen identifiziert.“ Max Weber, um 1890, als hätte er einen Blick in die heutige Zeit getan.

* * *

Zu Recht wird immer wieder die Frage nach der Unterwanderung der AfD durch extremistische nationale Gruppierungen gestellt; die nach der Unterwanderung von SPD, Linke und GRÜNE durch extremistisch antinationale leider nie.

* * *

Zur Gewaltgeneigtheit des Islam und seiner Vereinbarkeit mit westlichen Standards folgende Statistik des Pew Research Centers von 2013 (Mit Dank an BT):

Zwischen 75-100 % der Muslime aus Nord-Irak, Afghanistan, Marokko und Palästina würden die Einführung der Scharia als offizielles Recht ihres Landes begrüßen. Über alle berücksichtigten Länder halten es 58% für richtig, wenn die Scharia zumindest auf Muslime Anwendung fände.

Rund 28% halten Gewalt gegenüber Zivilisten für gerechtfertigt, 25% auch Selbstmordattentate. 35% haben Verständnis für ‚Ehrenmorde’.

56% der Muslime aus dem Bereich Mittlerer Osten / Nordafrika (MENA) meinen, dass der Abfall vom Islam mit dem Tod bestraft werden sollte.

0% würden eine Ehe ihrer Tochter mit einem Christen erlauben.

* * *

Journalistenschulen, aufgepasst! Wer sich zu Unterrichtszwecken ein beispielhaftes Stück darüber sichern will, wie man es auf keinen Fall machen darf, sollte die aktuelle ZEIT kaufen. Dort zeigen Bernd Ulrich und Matthias Geis im Interview mit dem stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Gauland alle Fehler, die nur denkbar sind: Voreingenommenheit, Hochmut, Desinteresse an den Positionen des Interviewten, dem sogar empfohlen wird, wie er künftig auf Parteiveranstaltungen formulieren sollte. Ein äußerst lehrreiches Gespräch, auch zur Qualität der ZEIT – leider online noch nicht abrufbar.

* * *

„Gelobt sei Angela Merkel, die Warmherzige, die Vorausschauende. Sie hat alles dafür getan, dass der Terror in Europa Fuß fassen kann (…).“ Diese doch eher harmlose Ansicht postete die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin und heutige Publizistin Vera Lengsfeld nach den Anschlägen von Brüssel. Für den grünen Abgeordneten Özcan Mutlu Grund genug, den Kollegen Philip Lengsfeld (CDU) aufzufordern, sich öffentlich von seiner Mutter zu distanzieren. Kann irgendjemand Herrn Mutlu gelegentlich erklären, dass in Deutschland keine Sippenhaft herrscht und auch keine stalinistische Kultur des öffentlichen Abschwörens – mag das auch Herrn Mutlu unverständlich scheinen?  

* * *

Wer es übersehen hat: Ein lesenswertes Interview Interview mit der Labour-Abgeordneten Gisela Stuart, die die Kampagne für den Brexit leitet.

* * *

Die Niederländer haben das Assoziierungsabkommen mit der Ukraine abgelehnt. Nun jammert die Funktionärselite der EU, ob EU-Ratspräsident Martin Schulz (SPD) oder die Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN, Rebecca Harms. Beide monieren, assistiert von vielen Medien, dass sich die Wähler bei ihrem ablehnenden Votum gar nicht mit der Frage der Ukraine befasst hätten, sondern eher ihrem Unwillen gegenüber Brüssel Ausdruck verschaffen wollten. Ja, und? Tatsächlich müsste gerade dies die Brüsseler Funktionärskaste endlich aufwecken. Offensichtlich sind selbst die eigentlich pro-europäischen Niederländer so bedient mit ‚Brüssel’, dass die sogar einem eigentlich für sie irrelevanten Abkommen eine Abfuhr erteilen. Andere Möglichkeiten, ihre Meinung zu Brüssel kund zu tun, haben sie ja auch nicht. Brüssel ist tot, nur die Zombies merken es noch immer nicht.

* * *

Nachdem inzwischen selbst erfundene Interviews mit Herrn Böhmermann, die weder den Medienrummel noch die Person Böhmermann karikieren, als Satire ausgegeben werden, erkläre ich nun auch alle vorigen Zeilen zur Satire, mag das verstehen, wer will. Und damit genug zu jenem Fall.

Presseschau und Wertungswidersprüche

Immer wieder zu hören: Die meisten Opfer der muslimischen Terroristen seien Muslime. Das ist genauso richtig und dennoch falsch wie der Hinweis, die meisten Opfer der SS-Einsatzgruppen seien keine Juden gewesen, sondern Sowjet-Bürger.

* * *

Zu den rätselhaften Entwicklungen dieser rätselhaften Zeit gehört die Blindheit gegenüber offenen Wertungswidersprüchen. Was an einem Tag noch Anlass zur Empörung gibt, wird am nächsten schon gelobt. Beispiele findet man derzeit in allen Zeitungen, besonders amüsant war eines auf BILD-online. Dort wurde am 22. März die Schriftstellerin Vera Lengsfeld für einen Post auf Facebook gerüffelt. Lengsfeld hatte nach den Anschlägen in Brüssel der Kanzlerin ironisch gedankt, „alles dafür getan (zu haben), damit der Terror in Europa Fuß fassen kann“. Für BILD.online ein „zynischer“ Eintrag, eine „absurde“ Aussage. Am Tag darauf kam Julian Reichelt, Chef von BILD.online, allerdings zu einem sehr ähnlichen Ergebnis: „Junge Männer, von ISIS trainiert und radikalisiert, können fast ungehindert nach Europa einreisen. Das ist nicht weniger als ein Skandal von tödlichen Proportionen (…). Politiker, die weiterhin nichts dagegen tun, unterstützen in der Sache den Vormarsch von ISIS.“ Das ist inhaltlich kaum entfernt von dem, was Vera Lengsfelds schrieb.  

Doch scheint BILD ohnehin beizudrehen, zumindest online. So wurde nach den Anschlägen von Brüssel und Lahore die bisherige BILD-Sicht, dass der Islam Frieden bedeute und der allgegenwärtige Terror allein dem dunklen Bruder Islamismus zuzuordnen sei, fallengelassen. Stattdessen kommentierte der schon erwähnte Julian Reichelt die Anschläge unter Verzicht auf die bisherige Differenzierung zwischen Islam und Islamismus mit den Worten: „Ja, der Islam hat ein Terrorproblem“. Zu ergänzen ist: Er hat auch ein Problem mit Frauen, mit Meinungs- und Religionsfreiheit, mit Antisemitismus, Homosexualität, sexueller Selbstbestimmung – und mit vielen anderen Obsessionen einer rückständigen, spirituell primitiven, faulen und gänzlich unproduktiven Kultur. Denn der Terror ist nur die radikale Konsequenz dieser Prägungen.

* * *

Hamburg, Anfang der 70er Jahre: Der Vater eines Schülers antwortet auf die Frage der Deutschlehrerin, ob der Sohn denn gar keine Bücher lese: „Bei uns zu Hause lesen wir Bilanzen. Damit verdienen wir unser Geld.“

* * *

Kaum hat der Westen die Sanktionen gegen den Iran gelockert, danken radikale iranische Organisationen mit einer Erhöhung des Kopfgeldes auf den Schriftsteller Salman Rushdie um 600.000 auf rund 4 Millionen Dollar. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf die iranische Nachrichtenagentur Fars. Reaktionen der deutschen Politik, der Schriftstellerverbände, Verlage und all jener, die selbst rechtskonforme Abschiebungen als menschenverachtend perhorreszieren: Keine. (Dank für den Hinweis an IR)

Doch nicht nur die Politik versagt. Auch der Fußball, dessen Repräsentanten bei jeder Gelegenheit die angeblich enorme gesellschaftspolitische Bedeutung der Balltreterei betonen, wirkt seltsam sprachlos. Weder Fifa, Uefa noch der deutsche Fußballbund stellte nach Brüssel die Frage, die man schon nach den Anschlägen von Paris hätte stellen müssen: Ob eine Fußball-WM in Katar, ganz unabhängig von all den Skandalen um Korruption und Arbeitsbedingungen, mit jener katarischen Finanzierung radikalislamischer Organisationen zusammenpasst, über die man immer wieder lesen kann. Sollte das tatsächlich zutreffen, ist Katar als Austragungsort inakzeptabel. Will man einem Terrorregime, das den Westen offensiv bekämpft, tatsächlich eine weltweite Bühne zur Selbstdarstellung von Toleranz, Zukunftsfähigkeit und Frieden liefern? Schon aufgrund der Arbeitsbedingungen auf den Baustellen sind die Sitzplätze der Stadien mit Blut besudelt; vermutlich aber auch mit dem der Terroropfer.

* * *

Lob des Facebooks: Es informiert zuverlässig über die Eitelkeit seiner Nutzer und damit, nach einem Wort Bismarcks, über deren Wert. Nach dem Tod Genschers posten nicht wenige Fotos, die sie in Gesellschaft des Verstorbenen zeigen. Tod als Selbsterhöhung.

* * *

In der FAZ die Meldung, irgendein NPD-Politiker lobe die AfD. Daraus ließe sich eine dauerhafte Denunziations-Serie machen: Die Stasi-Kader der Amadeu-Antonio-Stiftung loben Merkel für ihre Flüchtlingspolitik, der iranische Diktator Rohani den deutschen Wirtschaftsminister Gabriel, Donald Trump vielleicht irgendwann mal die FDP. Damit könnte man jede Zeitung tagtäglich füllen!

* * *

Noch zu Wertungswidersprüchen: Nach Margarete Bause, GRÜNEN-Chefin in Bayern, müssen sich Migranten nicht an eine „schwammige, undefinierte (deutsche) Leitkultur“ halten, sondern allein an die Werte des Grundgesetzes. „Welche Werte sind für ein gelingendes Zusammenleben unverzichtbar? Sie stehen in unserer Verfassung: Achtung vor der Würde des Einzelnen, Gleichberechtigung, Respekt vor Andersdenkenden und Anderslebenden, Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Und natürlich die Religionsfreiheit – die Freiheit, seine Religion zu leben genauso wie keine Religion zu leben.“ Wenn Frau Bause sich selbst ernst nehmen würde, müsste sie nunmehr allen die Einwanderung versagen, die dem Islam huldigen. Denn ob beim Blick auf Saudi-Arabien, Katar, Pakistan, Ägypten, Türkei etc oder auf die muslimischen Parallelwelten in Deutschland, überall gilt: Respekt vor der Würde des Einzelnen? Nein. Vor Andersdenkenden und Anderslebenden? Zweimal nein. Achtung von Gleichberechtigung und sexueller Selbstbestimmung, von Religions- und Meinungsfreiheit? Nein, nein, nein, nein. Scharia und Koran bilden in all diesen Fällen den genauen Gegenentwurf. Nicht das individuelle Lebensglück soll gelten, sondern die Vorgaben einer atavistischen Religion. Doch Frau Bause will dies so wenig wahrnehmen wie ihre Parteikollegen auf Bundesebene. Wie lange die Homosexuellen- und Frauenverbände, also die Kernwählerschaft der GRÜNEN, diese Liebe zum Islam mittragen werden, bleibt abzuwarten. Irgendwann werden sich die GRÜNEN entscheiden müssen; oder untergehen.

* * *

„Nazis wurden integriert. Warum nicht auch Flüchtlinge?“ Die Kernfrage des deutschen Selbsthasses, des linken Leidens am Fortbestand der Deutschen nach dem 3. Reich. Wenn Deutschland nicht mal mehr mit der Teilung für die nationalsozialistischen Verbrechen zahlt, soll es wenigstens an Flüchtlingen zugrundegehen, die keinerlei Recht haben, hier zu sein. Gefunden nicht in Jakob Augsteins FREITAG, sondern in der WELT.