Gesundes Volksempfinden und die Pädophilie der ZEiT

Ach, Brüssel! Ist schon jemand schneller entzaubert worden als EU-Präsident Juncker? Selbst seine Verteidiger sind derzeit in Deckung gegangen. Und dieser Mensch soll Brüssel noch fünf Jahre kraftvoll führen und reformieren? Das glauben nicht einmal die Hühner in den subventionierten Legebatterien.

Der Fall Juncker zeigt erneut, dass von einer wirklichen Opposition in der EU nicht gesprochen werden kann. Alle großen Parteien stehen schon deshalb zu Juncker, weil seine Demission das gerade gefundene Gleichgewicht innerhalb der EU-Kommission und damit auch die Postenverteilung empfindlich stören würde. Zudem wäre ein Rücktritt Junckers das Eingeständnis, dass die Staatschefs den Falschen gewählt haben. Und für das Image der EU wäre der Abgang auch nicht förderlich. So macht man die Schotten dicht und hofft auf besseres Wetter und die Vergesslichkeit der Wähler.

Auch die deutsche Politik taucht im Fall Juncker weitgehend ab. Im Ergebnis haben wir einen vom europäischen Steuerzahler hochalimentierten Kommissionspräsidenten, der eben diesen Steuerzahler jahrelang zugunsten eines nutzlosen Zwergstaates und zahlreicher Großunternehmen ausnahm. Das muss man hinbekommen! Chapeau!

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„Er war gescheit, er war logisch, er wusste viel; aber ist das mehr als Barbarei?“ Robert Musil, Mann ohne Eigenschaften

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AfD-Chef Bernd Lucke erklärte kürzlich, die Position seiner Partei sei weder rechts noch links, sondern die des gesunden Menschenverstandes. Das hat er von Maggie Thatcher, die sich ebenso gegen die Etikettierung ‚links’ oder ‚rechts’ wehrte. In Deutschland jedoch wurde nicht dieser Bezug gesehen, sondern von der SZ auf die Nähe zum ‚gesunden Volksempfinden’ verwiesen, mit dem die Nazis ihre angebliche Nähe zum Volk, vor allem aber jeden Rechtsbruch als gleichsam demokratisch legitimiert kaschierten.

Nun hat aber das ‚Volk’, nimmt man nicht mit den Nazis Sozialdemokraten, Juden, Zentrumspolitiker und sonstige Verfolgte des Dritten Reiches aus, kaum einheitlich gedacht und die nationalsozialistischen Mördereien keineswegs begrüßt. Auch im Übrigen waren die Vorbehalte gegenüber den braunen Horden groß, vor allem in christlich geprägten Gegenden, und solange es noch freie Wahlen gab, waren die Ergebnisse für die NSDAP eher dürftig. Anders allerdings sah es bei vielen Intellektuellen aus. Der Kniefall zahlreicher Großdenker, aber auch der Ärzte, Juristen, Professoren, Studentenschaften und nicht zuletzt auch vieler Journalisten vor Deutschlands angeblichem Erwachen ist gut dokumentiert, und vermutlich war es auch ihr Hang zur Radikalität, der viele Intellektuelle zu treuen Parteigenossen der ersten Stunden machte. Sicherlich haben auch einfache Leute versagt; aber noch viel mehr diejenigen, die sich dem Volk überlegen fühlten. Das Empfinden der Intellektuellen ist oft verhängnisvoller als das des Volkes.

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In der ZEIT verweist der sozialdemokratische Parteienforschers Franz Walter auf den segensreichen Einfluss, den Frauen in der Gründungsphase der GRÜNEN hatten. Vor allem an ihrem Widerstand sei die frühere Begeisterung vieler Grüner für die Entkriminalisierung von Sex mit Kindern gescheitert, weil die Frauen sehr viel klarer als ihre Parteigenossen sahen, dass es hier um Fragen des Machtmissbrauchs innerhalb von Beziehungen ging. Doch auch mit Blick auf die Unterdrückung der Frauen im Islam sind diese Fragen offen, und auch hier werden die GRÜNEN irgendwann entscheiden müssen, was sie wollen: Multikulti oder Frauenrechte?

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Früher Kommunist, später Chef des Kölner Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung, immer anregend: Wolfgang Streeck. Kühl sieht er im Euro ein neo-liberales Projekt. Denn die Einheitswährung sollte nicht nur den Handel vereinfachen, sondern eben auch Produktivitätsdefizite sichtbar machen und dadurch die Völker zur Ökonomisierung zwingen. Das ist gelungen. Ebenfalls neoliberalen Charakter hat die Freizügigkeit, die Druck auf Tarifregeln macht. Nicht ohne Grund hat sich DGB-Chef Reiner Hoffmann in einem FAZ-Interview schon vor Wochen vorsichtig distanziert. Dennoch halten Sozial- wie auch Christdemokraten sklavisch an Euro und Freizügigkeit fest. Früher waren die Linken gegen den Neoliberalismus, die Konservativen gegen Multikulti. Seit aber beides unter der Flagge ‚Euro’ respektive ‚Europa’ daherkommt, mögen sie sich daran nicht mehr erinnern.

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Gespräch mit einem Freund, der selbst mal für Schröder votierte, über dessen Verbindung zum Hannoveraner Unternehmer Maschmeyer. Jenseits des Eindrucks der Käuflichkeit bedrücke vor allem der gänzliche Mangel an Stil. Natürlich müsse man als Kanzler auch Viertelseiden wie Maschmeyer treffen; aber mit solch primitiven Existenzen gesellschaftlich, vielleicht sogar freundschaftlich verkehren? Nur wenn man ähnlich simpel gestrickt sei, könne man das ertragen – was aber hier wohl der Fall sei.

Die Berliner haben für diesen prosaischen, auf das Kaufmännische reduzierten Typus des Geschäftsmanns den Ausdruck ‚Koofmich’. Das hat Schröder vielleicht wörtlich genommen.

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In dem schon erwähnten ZEIT-Interview weist Franz Walter darauf hin, dass die Bagatellisierung der Pädophilie gerade auch in der ZEIT selbst ihre Fürsprecher hatte und die Zeitung sich diesem Thema bis heute nicht stelle. Antwort der ZEIT-Redakteure Mariam Lau und Peter Dausend: „Das haben wir anders gelesen“. Was das genau heißt, bleibt unklar, doch sollte wohl die Validität der Feststellung in Zweifel gezogen werden. Dankenswerterweise nennt Walter in der FAZ vom 17.11. Ross und Reiter: Vor allem der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der ZEIT, Rudolf Walter Leonhardt, habe sich über Bedenken gegen die Entkriminalisierung der Pädophilie mokiert und sie als „verquere, verquollene Vorstellungen“ von Spießern abgetan. Und er war nicht der einzige, der so in der ZEIT schreiben durfte. Um so rätselhafter die Replik von Dausend und Lau. Was soll man da anders lesen? In Anlehnung an meine Bemerkung aus der ersten Oktoberwoche: Odenwaldschule, nun auch thematisch.

Noch trostloser allerdings ist die EU. Daher: Bekämpfen + zerschlagen!

Loriot, Hitler und reverser Rassismus

Zur Vereinbarkeit von Islam und westlicher Demokratie. Tatsächlich lässt sich letztlich keine Religion mit der Idee von Toleranz und Pluralismus zusammenbringen. Jede hat ihren ehernen Kern, über den Gläubige nicht diskutieren werden, jede ihre Loyalitäten, die denen des Staates entgegenstehen können; jede ist ihrem Wesen nach totalitär. Auch das nunmehr friedliche Nebeneinander von Katholizismus und Staat war in Deutschland blutig erkämpft, und zwar buchstäblich mit Mord, Verfolgung und Rechtsbeugung. Noch bis in die Zeiten des Dritten Reiches hassten deutsche Katholiken Bismarck, der den politischen Anspruch Roms rücksichtslos bekämpfte, mit guten Gründen mehr als den Teufel. Und unter den Katholiken gab es keine Bombenwerfer, keine Attentäter, keine Terrorkrieger.

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Eine der Lieblingsanekdoten Loriots: Kurz nach seinem 21. Geburtstag wurde Richard Wagners Neffe Wieland bei einem Besuch Hitlers, der mit der Familie eng befreundet war, von diesem persönlich aufgefordert, endlich der NSDAP beizutreten. „Selbstverständlich, Onkel Wolf“, habe Wieland geantwortet und schon am nächsten Tag beim Bayreuther Parteibüro vorgesprochen: „Mein Name ist Wieland Wagner, ich möchte in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei eintreten!“ Der ruhig-fränkische Sekretär habe ihn dafür gelobt, aber auch darauf hingewiesen, dass es für die Aufnahme zweier Bürgen bedürfe. Wieland Wagner, voller Stolz: „Mein Bürge ist unser Führer Adolf Hitler!“ Daraufhin der Sekretär, unbeeindruckt: „Aner genücht net!“ Regeltreue gibt es nicht nur in Preussen. Und manchmal hat sie geradezu subversiven Charakter. (Die Anekdote findet sich in den schönen Erinnerungen Stefan Lukschys an die gemeinsamen Zeiten mit Loriot. Titel: „Der Glückliche schlägt keine Hunde“)

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Österreichs neues Kirchengesetz verbietet, dass sich die dortigen islamischen Religionsgesellschaften ihre gewöhnlichen Aufwendungen von ausländischen Organisationen finanzieren lassen. Das richtet sich frontal gegen die ATIP, den österreichischen Ableger der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet, deren deutsches Gegenstück die DITIB ist. Künftig werden mithin die türkischen Imane in Österreich nicht mehr von der Türkei finanziert werden können. Das wäre auch für Deutschland ein richtiger Schritt, zumal seit jeher unverständlich war, warum eine fremde staatliche Einrichtung, der man bestenfalls Undurchsichtigkeit attestieren kann, hier Religions-Propaganda betreiben und Imame herschicken darf. Auch steht die DITIB im Ruf, nicht immer genügend Distanz zu radikalen islamischen Gruppierungen zu wahren und die Integration zu hintertreiben. So agitierte sie jahrelang gegen Islamunterricht in deutscher Sprache. Auch die Ansicht ihres mittelbar obersten Dienstherrn Erdogan ist eindeutig: Er hält schon Assimilierung für ein Verbrechen, geschweige denn Integration. Während Österreich hieraus die richtigen Schlüsse zieht, schaut Deutschland weiterhin weg.

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Frankreichs Ex-Präsident Giscard d’Estaing präsentiert im FOCUS mal wieder eine neue, alte Idee zur EU: Ein ‚Kerneuropa’ aus erst 6, dann 12 Staaten soll die Integration vorantreiben. Und warum? Schon der erste Satz macht das klar: „Mein Kerneuropa-Projekt (…) versucht, Europa einen Platz im globalen Wettbewerb zu verschaffen.“ Wie immer geht es um Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft. Dabei zeigen die Proteste gerade der Franzosen, dass sie ihre Lebensart höher schätzen als die totale Ökonomisierung aller Lebensbereiche. Hübsch auch der Satz: „Gleiche Währung, gleiche Steuern! Die Bevölkerung würde das sehr begrüßen.“ Sicher. Vor allem, wenn alle die strangulierenden Steuersätze der französischen Sozialisten bekämen. Das Buch, in dem Monsieur d’Estaing seine Thesen vertritt, heißt Die letzte Chance Europas. Das zumindest ist eine Hoffnung.

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„But the age of chivalry is gone. That of sophisters, economists, and calculators has succeeded; and the glory of Europe is extinguished forever.“ Edmund Burke, um 1780

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Die Arab Bank ist von einem amerikanischen Gericht zu Schadensersatz an Opfer terroristischer Anschläge verurteilt worden, weil sie wissentlich die Aktivitäten der Hamas und anderer muslimischer Terrororganisationen unterstützte, beispielsweise Geld an die Familien von (Selbst-)Mordattentätern überwies. Auch in Europa arbeiten mehrere Filialen, darunter in Frankfurt. Doch gebe es, wie ein freundlicher Mitarbeiter der Bafin erklärt, für im Ausland residierende Banken nur sehr kursorische Kontrollrechte, die keine Verbotsmöglichkeiten böten. Hier etwas zu ändern, wäre sinnvoll.

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Ein amerikanischer Kollege weist darauf hin, dass in den USA – andern als  in Deutschland, Frankreich, England, Spanien, Skandinavien – muslimische Radikale bisher eher selten seien; auch gebe es kaum Amerikaner, die auf Seiten der IS kämpften. Seine These: Radikalität entstehe vor allem dort, wo sich Leute dem Nichtstun, dem Selbstmitleid und der Flucht in Ideologien ergeben könnten – also in Sozialstaaten; und in Ländern ohne Aufstiegs- und Arbeitsmöglichkeiten, wie denen der arabischen Welt.

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Gespräch mit Freunden über die ersten, zuweilen etwas seltsamen Lieben der Töchter. Wie würde man reagieren, wenn plötzlich eine ‚Glatze’ sich als künftiger Schwiegersohn vorstellte? Oder, um es weniger einfach zu machen, ein wohlerzogener junger Herr, der aber freimütig bekennt, dass er Demokratie und Gleichberechtigung ebenso ablehne wie Straffreiheit für Homosexuelle und im Übrigen der Ansicht sei, dass den Juden weder ein Staat noch ein Existenzrecht zustehe? Einhellige Ansicht: Man würde jenem die Tür weisen und Tränen wie Streitereien mit der Tochter in Kauf nehmen. Nachfrage: Gelte dies auch, wenn die Tochter mit einem Muslim liiert sei, der in der Sache nicht anders denke als der freundliche deutsche Junge? Allgemeine Ansicht: Wohl kaum, auch scheue man die absehbaren Vorwürfe aus dem Freundeskreis.

Zum Vorigen: Es gibt, vor allem unter Linken, so etwas wie einen reversen Rassismus, der die eigenen Landsleute zum Ziel hat. Deutlich wird dies vor allem im häufig zu hörenden Einwand, diese oder jene Kritik an Ausländern sei nicht ‚differenziert’ genug, denn nicht alle Türken, Roma, Griechen würden… usw, usw. Binsen. Umgekehrt wird jedoch jedes negative Klischee über die Deutschen willig akzeptiert und mit immer neuen eigenen Geschichten koloriert: Dass die Deutschen kinderfeindlich, besonders im Urlaub schlecht gekleidet, dazu humorlos, laut, pedantisch seien. Recht haben beide Seiten. Nur dass man gegenüber den Deutschen solche Klischees auch widerspruchslos bedienen darf.

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“Intellektuelle sind freundlich zum Fremden nicht um des Fremden willen, sondern weil sie grimmig sind gegen das Unsere und alles begrüßen, was es zerstört.” Botho Strauss, Anschwellender Bocksgesang

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EU: BZ!

Faschismus, Pathos und failed states

In der ZEIT vom 6. November plädiert Thea Dorn für mehr Pathos im Umgang mit der Bundeswehr. Das mag richtig sein, viel wichtiger aber wäre, dass die Bundeswehr selbst auf Pathos setzt. In allen angelsächsischen Büchern über die letzten Kriege antworteten die Soldaten auf die Frage, warum sie sich gemeldet hätten, mit mehr oder minder den gleichen Pathos-Formeln: Dass sie etwas der Gemeinschaft zurückgeben und auf etwas im Leben zurückschauen wollten, auf das sie stolz sein könnten, dass Corpsgeist und Kameradschaft, aber auch gerade Gefahr und Risiko sie angezogen hätten. Das macht die Attraktivität einer Armee, nicht Kita-Plätze; und nur für solch hohen Werte opfert man gegebenenfalls sein Leben.

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„Ich bin aus Iowa, und nun bin ich hier in der irakischen Wüste unter dem Sternenhimmel, und morgen ziehe ich los und jage und töte Männer. Ist das nicht romantisch?“ Ein 22-jähriger Soldat einer Eliteeinheit, die im Irakkrieg 2003 zum Einsatz kam, in „Generation Kill“ von Evan Wright

Im Zusammenhang mit dem Töten wirkt der Begriff „romantisch“ zunächst irritierend. Tatsächlich trifft er den Punkt. Auch das Verhältnis der Romantiker zur Wirklichkeit war geprägt von Ironiefreiheit, Pathos, höchstem Einsatz. Krieg ist nur die düstere Seite des romantischen Lebensgefühls.

Das ist den Deutschen kaum noch verständlich. Vielleicht auch deshalb das Erstaunen über jene Landsleute, die sich zum Kampf für die ISIS melden. Doch erinnert deren Bereitschaft nur daran, dass es immer Teile der Gesellschaft gibt, die mit der so verachteten Bürgerlichkeit nichts anfangen können. “Seit meiner Kindheit trieb mich der leidenschaftliche Wunsch nach dem Absoluten und nach Grenzüberschreitung; jetzt hatte mich diese Leidenschaft an den Rand der Massengräber in der Ukraine geführt. Ich war immer bestrebt gewesen, radikal zu denken; nun hatten auch der Staat, die Nation die Radikalität und das Absolute für sich entdeckt; wie hätte ich mich in diesem Augenblick verweigern, nein sagen und mich stattdessen für die Bequemlichkeit der bürgerlichen Gesetze, die laue Sicherheit des Gesellschaftsvertrags entscheiden können?” SS-Obersturmführer Dr. Max Aue in Jonathan Littells „Die Wohlgesinnten“.

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Sehen eigentlich jene, die ihre Karrieren mit Feldzügen gegen die Bürgerlichkeit begannen, in welcher Tradition sie stehen? Und wer sich nun im Geiste an ihre Seite gesellt?

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„Jede Nation spottet über die andere, und alle haben recht“. Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit

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Meine Jugend war faschistisch. Zumindest konnte diesen Eindruck bekommen, wer Anfang der 1980er durch Bonn lief. Nicht nur die Studentenvertretung ASTA, auch viele Plakate machten deutlich, wie es um Land und Welt bestellt war: Hinter allen ‚Machtstrukturen’ lauerten Faschisten. Die Sozialfaschisten der SPD, die Rüstungsfaschisten von Krauss-Maffei, die Wirtschaftsfaschisten der DAX-Konzerne, die Nachrüstungsfaschisten unter Helmut Schmidt. Es gab Konsumfaschisten, Atomfaschisten, dazu US-Faschisten, ein Synonym für fast alle weißen Amerikaner. Ich selbst war, aufgrund meiner Zuneigung zu Parlamentarismus und Grundgesetz, Systemfaschist. Außerdem las ich Faschistenpresse (FAZ, SPIEGEL).

Das Faschistengerede ist aus der Mode gekommen. Vermutlich sind ihre Wortführer inzwischen selbst so weit Teil des Systems, der Wirtschaft oder der Presse, dass sie sich nicht gern erinnern. Wohl deshalb verschließen sie ihre Augen vor der einzig wirklich faschistischen, nämlich totalitären, frauenfeindlichen, autoritären und antisemitischen Bewegung in diesem Land.

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Europa sei ein „Powerhouse“, ein „Wirtschaftsblock“, eine „ökonomische Weltmacht“. So oder ähnlich haben sich alle letzten Kommissionspräsidenten geäußert. Dabei sagen zahlreiche Studien das Gegenteil. Die meisten europäischen Länder sind hinsichtlich Produktivität und Innovationskraft weit hinterher. Bulgarien, Rumänien, der Balkan sind in allen Rankings faktisch „failed states“, ohne funktionierende Wirtschaft, ohne funktionierendes Ausbildungssystem, ohne Innovationen, ohne Zukunft. Kein Wunder, das viele der Bürger wegwollen. Nicht viel besser steht es um Portugal, Spanien, Italien, Griechenland. Gegen Länder wie Korea oder China, die Milliarden in Forschung und Ausbildung investieren, sind Teile von Europa Dritte Welt.

Die Frage ist, ob man das ändern kann. Dagegen spricht schon die endemische Korruption und faktische Rechtsfreiheit in vielen der genannten Staaten. Aber selbst wenn es diese Probleme nicht gäbe, wäre zu fragen, ob nicht Brüssel selbst Hauptfeind der zukunftsfähigen wirtschaftlichen Entwicklung ist.

Über Jahrzehnte versenkte Brüssel rund 70 Prozent seines Haushalts in der Landwirtschaft. Hunderte von Milliarden gingen in einen Sektor, der weder Arbeitsplätze noch Innovationen schafft. Noch im aktuellen Haushaltsplan sind rund 30 Prozent der 1 Billion Euro, die Brüssel für die nächsten 5 Jahre verplant, für die Bauern vorgesehen. Während die USA mit Google, Amazon, Facebook, Apple und Tausenden anderen erfolgreichen Firmen Schlüsselbereiche wie Genforschung, Digitaltechnik, Medizin und Rüstung beherrschen, investiert Brüssel in Äpfel und Schweinefleisch. Während die EU eine Wirtschaftspolitik betreibt, als wollte sie den Morgenthau-Plan endlich Wirklichkeit werden lassen, investieren auch Korea und China massiv in den technologischen Fortschritt.

Nun visiert die EU schon die Aufnahme von Ukraine, Moldawien, Georgien an, also von weiteren schwer korrupten, rein agrarischen Ländern. Und das heißt: Noch mehr Geld für den landwirtschaftlichen Sektor, mit zahlreichen unsinnigen Folgeinvestitionen in Infrastruktur und Maschinen.

Für alle jungen, fähigen Leute müsste das ein klares Signal sein: Wirtschaftlich hat Europa keine Zukunft, und persönlich daher auch nicht – will man nicht Bauer, Bürokrat oder Pfleger werden. Die Zukunft liegt jenseits des Ozeans oder der Mongolei.

Verantwortlich dafür ist Brüssel. Auch deshalb muss man die EU bekämpfen und zerschlagen!

Humanität als Verantwortungslosigkeit

Im Radio ein Gespräch mit einem Deutschen, der im EU-Auftrag Wahlen in Afrika beobachtet. Die naheliegende Frage, wie es eigentlich um die Wahlgerechtigkeit in der EU selbst bestellt sei, wird leider nicht gestellt. Dabei ist die Antwort ziemlich einfach: Deutschland schickt 96 Vertreter ins EU-Parlament, Litauen, mit nicht einmal 3 Millionen Einwohnern, entsendet 11. Rechnerisch wiegt eine Stimme in Litauen dreimal mehr als in Deutschland – ein klarer Verstoß gegen den Grundsatz „one man, one vote“. Was in Afrika zur Ungültigkeit der Wahl führt, wird dem europäischen Wähler als selbstverständlich zugemutet.

Die ungleiche Stimmengewichtung mag dabei in Zeiten, als jedes Land weitgehend unabhängig voneinander seine Arbeits- und Wirtschaftspolitik betrieb, akzeptabel gewesen sein. Mit der Errichtung der europäischen Transfer- und Schulden-Union ist es das nicht mehr. Aber nicht einmal jetzt kommt von irgendeiner Partei die Forderung, das Wahlrecht den neuen politischen Gegebenheiten und Rettungsschirmen anzupassen.

Tatsächlich liegt hier das demokratische Fundamentaldefizit der EU. Würde jede Stimme gleiches Gewicht haben, wären Länder wie Luxemburg, Tschechien oder Litauen faktisch entmachtet; behält man den gegenwärtigen Schlüssel bei, werden die Stimmen der bevölkerungsreichen Länder marginalisiert – und damit der Einfluss der Hauptzahler. Ein unlösbarer Konflikt. Und jede Behauptung, die EU sei demokratisch legitimiert, entlarvt sich als Lüge.

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„I was fucking busy – or vice versa!“ Die amerikanische Schriftstellerin Dorothee Parker über ihre Hochzeitsreise.

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In der Süddeutschen entwirft Heribert Prantl ein Konzept zur Flüchtlingspolitik: Unbegrenzte Aufnahme, Sicherung der Fluchtrouten, freie Wahl des Aufnahmelandes, Bleiberecht, großzügige Gewährung von Wohnungen, Kita- & Schulplätzen. Das alles unter dem Rubrum der Humanität. Es ist die Humanität der Verantwortungslosigkeit: Soll doch der Staat darüber kaputtgehen, so lange ich ein guter Mensch bin. Das Prinzip Käßmann, Grass, Grönemeyer, Emcke, Augstein junior. Letztlich äußert sich hier das alte linke Unbehagen gegenüber der Bundesrepublik, das auch zu all den üblen Ranschmeißereien an die DDR führte. Schon vor über 20 Jahren meinte Botho Strauß, in der linken Xenophilie äußere sich weniger Toleranz als „der verklemmte deutsche Selbsthaß, der die Fremden nur deshalb willkommen heiße, damit sich die Verhältnisse endlich in der berühmten ‚faschistoiden’ Kenntlichkeit zeigten“, die die Linke den Deutschen schon immer unterstellte. Das gilt weiterhin.

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Wieder einmal rühmt sich die LINKE ihrer angeblich pazifistischen Tradition. Lachhaft. Ganz im Gegenteil ist sie als Nachfolgerin der SED diejenige Partei im Deutschen Bundestag, die als erste nach 1945 einen Krieg von deutschem Boden aus führte. 1968 standen Truppen der DDR an der Grenze bereit, um in die Tschechoslowakei einzumarschieren – völkerrechtlich eindeutig eine Kriegshandlung. Nur die Bedenken Moskaus, 23 Jahre nach Kriegsende wieder deutsche Soldaten durch Prag marschieren zu lassen, verhinderten den Grenzübertritt.

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„Die beste Regierungsform ist eine freundliche Tyrannei, gezähmt durch gelegentliche Mordanschläge.“ Ein berühmtes Zitat, nur weiß keiner, von wem. Voltaire wird es zugeschrieben, aber auch Edmund Burke und einigen deutschen Diplomaten. Erstaunlicherweise erfunden vor dem Aufkommen des Sozialstaats.

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Ende Juli hatte ich in einem Kommentar in der BILD am SONNTAG die Frage aufgeworfen, ob dieses Land nicht besser verfolgte Christen, Juden oder Atheisten aufnehmen solle als weitere Muslime, von denen sich ohnehin viele der Integration verweigerten. Das ist nun einige Zeit her, doch noch immer bekomme ich gelegentlich wüste Zuschriften. Ganz abgesehen von der Frage, ob solche Anwürfe nicht der Behauptung eines toleranten Islam widersprechen, erzeugen diese Tiraden vor allem einen Eindruck: Den der Infantilität. Fäkalsprache, Dicketuerei, dazu Orthografie und Syntax bestenfalls auf Vorschul-Niveau. Eben „Hurensonne“ statt „Hurensohn“, wie schon Anfang Oktober zitiert. Das passt zu sonstigen Beobachtungen: Ehrpusseligkeit, mangelnde Selbstreflexion, dazu pubertär aufgemotzte Autos, puerile Outfits, auch die Läden immer wie von Kindern betrieben: Übervolle Regale, zugeballerte Auslagen, basarig. Nirgends die Kennzeichen des Erwachsenseins: Reduktion, Strenge, Disziplin, Zurücknahme. Statt dessen: Bling-bling-culture, aber ohne die herbe Kreativität des amerikanischen Gangsta-Rap, sondern nur als leistungsfreie Imitation von Männlichkeit. Nicht wirklich ein Gewinn.

Die Appellation „Alter“, in soziokulturell rückständigen Gruppierungen nicht selten zu hören, fügt sich hier ein: Alle anderen sind erwachsen, man selbst bleibt Kind.

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Auch wegen ihrer demokratischen Defizite hier eine Erinnerung zur EU: Bekämpfen, zerschlagen!

Journalismus als Eskapismus

Wann immer es um die Hilfe für Völker geht, die unter Krieg, Hunger, Seuchen leiden, wird die umgehende Bereitstellung großer Steuermittel von Politikern mit der Standardfloskel begründet, „Ein so reiches Land wie Deutschland…“. Gerade hörte man dies wieder von Claudia Roth. Erstaunlich. Deutschland ist bis über beide Ohren verschuldet, und rechnet man Pensionsverpflichtungen, Target2-Salden, Schutzschirm-Bürgschaften sowie die notwendigen Investitionen in Infrastruktur und Bildung hinzu, ist es bankrott. In den Kommunen merken das die Menschen jeden Tag. Aber dennoch: „In einem so reichen Land…“. Reich ist dieses Land nur an Doofheit.

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Kurzer Prozess heißt immer ohne Prozess.

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 „Der Schlüssel zum Glück ist die Freiheit, aber der Schlüssel zur Freiheit ist der Mut!“ Perikles. Wirkt wie ein Kalenderspruch, benennt aber die wahre Grundlage jedes freiheitlichen Gemeinwesens. Nicht Wahlen oder Gesetze sind die Basis, sondern Mut. Mit Mut löst man jedes Problem; ohne ist man verloren. Aber kaum ein Deutscher begreift das. In den USA oder Israel dagegen fast jeder.

Woran mag das liegen? Nur eine Vermutung, ins Blaue hinein: In den USA würden, so sagt ein Freund, an jeder besseren Schule die großen Staatsreden erörtert. Cicero, Demosthenes, Lincoln. Das wäre auch ein Gedanke für Deutschland.

Aus eigener Erfahrung: Warum sind die meisten Deutschen nur so feige? Warum wagt kaum jemand, Probleme offen und öffentlich anzusprechen, ob sie nun Jugendkriminalität, Islam, Freizügigkeit, Flüchtlinge, Zuwanderung heißen? Warum dieser lemminghafte Hang zur Konformität? Dabei droht niemandem der Besuch von Stasi oder Gestapo. Wäre die Feigheit ein Verbrechen, hätten ihn allerdings viele verdient.

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Journalismus: Der schönste Beruf, der erbärmlichste Berufsstand.

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Der Shitstorm gegen die Ukraine-Berichterstattung der Tagesschau hält an. Tatsächlich ist das Misstrauen der Menschen gerechtfertigt. Nimmt man nur die Themen, welche sie am meisten beschäftigen, also Euro-Krise, Zuwanderung, Flüchtlinge, Brüssel, gibt es kein einziges bundesdeutsches Medium, das fundamental gegen den Mainstream argumentiert – von ganz wenigen Autoren abgesehen.

Exemplarisch vorgeführt wurde das von der SZ in ihrer großen EU-Beilage am 8. Mai. Nichts zu drängenden Fragen wie der Brüsseler Korruption, dem Nepotismus, der Verschwendung, nichts zur rechtswidrigen Bankenrettung, zum Bürokratismus oder zum ökologischen Raubbau, für den die Fischerei- & Landwirtschaftspolitik der EU steht. Statt dessen als Hauptstück ‚Civis Europaeus sum’ von Gustav Seibt, ein Aufsatz über die Entwicklung des Staatsangehörigkeitsbegriffs seit der Römerzeit. Sehr gelehrt, sehr klug, wie immer bei Seibt. Aber ist Staatsangehörigkeit wirklich das Kern-Problem der EU?

Ein wenig wirkte der Artikel wie ein Stück aus der DDR am Vorabend der Revolution 1989. Draußen demonstrieren die Massen gegen das Regime, und das Neue Deutschland schreibt über die goldene Zukunft des Marxismus-Leninismus. Und wie dort herrschte auch im Frühjahr 2014 die große systemische Affirmation: Wenn überhaupt Kritik geäußert wurde, dann nur nach grundsätzlicher Bejahung. Die Kabinettsfrage, ob all die Probleme der EU vielleicht struktureller Natur sind und das ganze Projekt ein einziger Irrweg, stellte dagegen niemand. Statt dessen Nichtigkeiten: Ob Martin Schulz oder Jean-Claude Juncker der richtige Kommissionspräsident, ob die Wahl für die Regierungschefs bindend, ob eine Niederlage von Juncker für Merkel gefährlich sei. Usw, usw…

Was hier als Journalismus daherkam, war im Kern dessen Gegenteil, nämlich Verweigerung, Weggucken an der Grenze zur Desinformation, Eskapismus. Und zwar, cum grano salis, in allen deutschen Medien – und bei vielen Themen ist es auch aktuell nicht anders. Dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen nur noch dem Mainstream folgt und jede politische Frage von Belang per Talkshow sediert, ist gelernt. Aber auch die Printmedien beteiligen sich inzwischen fast ausnahmslos an der Pazifizierung jeder Debatte, sei es EU, Zuwanderung, Abschiebung, Jugendstrafrecht. Auch das erinnert an die DDR: Dass es weitgehend egal ist, welche Zeitung man aufschlägt, weil überall der Tenor identisch ist: Gut sind Frieden, Solidarität, EU, Einwanderer, Patchwork, multikulturelle Vielfalt, Ukraine, Islam; schlecht sind Nationalstaat, Interessenspolitik, Kapitalismus, Leitkultur, Militär und Konservatismus. Kann es wirklich verwundern, dass die Medien an Glaubwürdigkeit und Auflage verlieren?

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“Immer, wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen”. Mark Twain, zitiert auf der Trauerfeier für Peter Scholl-Latour.

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Statt des schon bekannten Schlusses zum favorisierten Umgang mit der EU heute nur ein Kürzel: EU:BZ!

Jodie Foster oder die Erbsünde des Politischen

Nach den Schlägereien zwischen Salafisten und Yesiden in Celle meint ein muslimischer Einwohner, „es könne nicht sein, dass diese Auseinandersetzungen nun in Deutschland ausgetragen würden“. Doch, kann es. Der Clash of Civilisations ist kein Regionalkonflikt, sondern, das zeigen die Anschläge in London, Madrid, New York, Bali oder Mumbai, im buchstäblichen Sinn ein Weltkrieg.

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Louvre, vor dem berühmten Gemälde von Antoine-Jean Gros, das Napoleon bei den Pestkranken von Jaffa zeigt, festgehalten als heroischer Akt der Barmherzigkeit. Ein PR-Bild. Anschließend soll Bonaparte befohlen haben, die Kranken zu vergiften.

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Gedankenspiel: Wie würde unsere Justiz heute den Fall Hitler behandeln? Dass Hitler ein Intensivtäter war, lässt sich kaum bestreiten, auch nicht die Schwere der Schuld. Da aber jeder Verurteilte Anspruch auf eine zweite Chance hat, müsste auch Hitler nach rund 25 Jahre auf Bewährung freigelassen werden. Geht man, ohne die Opfer des Krieges und der dort durchgeführten Mordaktionen, von 6 Millionen getöteten Juden, Zigeunern, Homosexuellen, Behinderten und Oppositionellen aus, kommt man auf etwas über 2 Minuten Haft pro Mord. Das mag absurd erscheinen. Tatsächlich läuft es nach bundesrepublikanischen Resozialisierungsmaßstäben in Fällen wie denen der serbischen Schlächter Karadzic oder Milosevic auf ähnlich unverhältnismäßige Strafen hinaus.

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„Kinder, lasst uns über Hochzeiten reden und über schöne Blumen.“ Unmissverständlicher Hinweis einer älteren Norddeutschen, das politische Lamento zu beenden.

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Interessant auch die Frage, wie es mit Hitler nach der Verbüßung von 25 Jahren, also Mitte 1970, weitergegangen wäre. Wie schon in der Landsberger Festungshaft hätte der nun über 80-jährige, seit jeher abstinent, vegan, Nichtraucher und bei bester Gesundheit, einige Bestseller geschrieben; der Versuch der bayrischen Staatsregierung, ein Publikationsverbot zu erwirken, wird vom Verfassungsgericht unter Hinweis auf Berufs- und Meinungsfreiheit kassiert. Anhänger gründen eine neue Partei des nationalen Sozialismus, natürlich fest auf dem Boden der Verfassung, die in Zeiten von Studentenunruhen und Terrorismus großen Zulauf erhält. Auch der linke Antisemitismus findet hier eine Heimstatt, ebenso das ökologische Ideal der nachhaltigen Schollenpflege und generell der deutsche Hang zum Kollektivismus, sei er völkisch, international oder europäisch. Ein neuer, brauner „Marsch durch die Institutionen“ beginnt. Die Irritationen der Amerikaner beseitigt der ‚Führer’ mit seiner anti-kommunistischen Haltung und dem Hinweis, die Freiheit des Westens werde am Mekong verteidigt; die der Russen mit dem einstigen guten Einvernehmen in der polnischen Frage.

Gespenstisch? Sicher. Unwahrscheinlich? Kaum. Der Haltungswandel gegenüber dem syrischen Diktator Assad zeigt, was möglich ist. Und der Gerichtshof in Den Haag ist weniger ein Beweis für die Macht als für die Ohnmacht des Rechtsstaat gegenüber Diktatoren. Bei politischen Verbrechern, ob Hitler, Ceausescu oder Honecker, sind Todesstrafe oder standrechtliche Erschießung die einzig sinnvollen Optionen.

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“23 Jahre – und nichts für die Unsterblichkeit getan.”

Don Carlos, Schiller

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Noch einmal „The Accused“ gesehen, den großartigen Film mit der großartigen Jodie Foster. Es geht um eine Vergewaltigung, bei der die Zuschauer grölen, anfeuern, skandieren. Dass diese wegen Anstiftung oder Beihilfe zu verurteilen wären, ist nach deutschem Recht gesetzt. Schwieriger ist die Frage, ob auch derjenige, der angeekelt weggeht, schuldig ist. Strafrechtlich wohl nicht; moralisch sicher. Auch Passivität kann schuldig machen.

Das hat vor allem politische Bedeutung. Die allermeisten Deutschen, so kürzlich Henryk Broder, hätten Hitler nicht gewählt, keine Juden totgeschlagen, keine Behinderten umgebracht, keine Oppositionellen gefoltert. Trotzdem seien sie schuldig. Weil sie den Nazis nicht in den Arm fielen, weil sie die braunen Horden gewähren ließen.

Insofern verfehlt der oft zu hörende Einwand, die Mehrheit der Muslime führe ein friedliches, unschuldiges Leben, den Kern des Problems. Denn es gibt es keine unschuldigen Mehrheiten, so lange es kriminelle und bösartige Minderheiten gibt. Das ist die Erbsünde des Politischen: Schuldig zu werden ohne eigenes Handeln. In diesem Sinne Edmund Burke: „Nichts anderes braucht es zum Triumph des Bösen,
als dass gute Menschen gar nichts tun.“

Anflug von Depression: Warum wird an Schulen eigentlich Primo Levi, Anne Frank oder Judith Kerr gelesen, wenn solch selbstverständliche Schlüsse nicht gezogen werden? Selbst von klugen Leuten häufig der Hinweis auf die ‚unschuldige Mehrheit’. Für manche scheint Lesen auch im höheren Alter in erster Linie Buchstabieren.

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„Ich liebe es, das Ego eines anderen zu zerbrechen“. Bobby Fischer, ehemaliger Schach-Weltmeister

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Der Germanist und Romanist Siegfried Kohlhammer, einer der klügsten deutschen Köpfe und glänzender Essayist, ist Lesern der Monatszeitschrift Merkur wohlbekannt. Ein anderer kluger Kopf weist mich darauf hin, dass seine Aufsätze zum Islam auch zusammengefasst erhältlich sind in dem kleinen Buch „Islam und Toleranz“. Intelligent, nüchtern, kenntnisreich. Man sollte mit dem titelgebenden Kapitel beginnen, dann die folgenden lesen, dann die ersten vier. Ein Vergnügen auch wegen der vielen Hinweise auf andere Werke, die schon häufiger großen Gewinn brachten!

Was tun mit der EU? Bekämpfen, zerschlagen!

Plädoyer für den Nationalstaat

Im Gespräch mit Freunden einmal mehr die These, die EU habe für den inner-europäischen Frieden gesorgt. Fast schon ein Glaubenssatz. Dabei dürfte allein der Kalte Krieg, der bis 1989 die westeuropäischen Länder gegenüber dem kommunistischen Ostblock zusammenschweißte, den der Waffen verhindert haben. Für inner-europäische Konflikte war so kein Platz – zumal die Amerikaner sie ohnehin unterbunden hätten. Den Jugoslawien-Krieg hat Brüssel weder verhindert noch beendet. Um so mehr wirkt die These von der Friedensmacht EU wie die blödeste Propaganda.

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Die Uhr schlägt. Alle.

Stanislav Lez

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Noch so ein Mantra: Dass der Nationalstaat eine Gefahr sei, die man überwinden müsse – und zwar durch Einbindung in die EU, die Ex-Kommissionschef Barroso oft als Imperium bezeichnete, also als Vereinigung vieler Länder unter einer supra-nationalen Führung.

Wer auf die politische Bilanz solch meta-staatlicher Gebilde schaut, kann das nicht ernsthaft wollen; immer ist sie deutlich schlechter als die des Nationalstaats. Den römischen Cäsaren waren die Belange ihrer Untertanen in fernen Ländern ebenso egal wie Queen Victoria die Wünsche der Inder oder Südafrikaner. Im Imperium der UdSSR hatten Bulgaren, Rumänen, Polen oder Ost-Deutsche nichts zu melden, und auch das spanische Imperium war für Azteken oder Holländer keine Freude.

Der Nationalstaat mag nicht immer ein Hort der Freiheit sein – Imperien sind es nie. Ihre Herrscher sind zu weit weg von den Problemen, es fehlt an politischer Kontrolle durch die betroffenen Menschen, und immer bevorzugt die Zentrale sich selbst vor den Provinzen: Brot und Spiele in Rom, selbst wenn andere dafür hungern. Auch Hitler war im Übrigen kein Freund des Nationalstaats. Er wollte ein „Reich“ – das deutsche Wort für Imperium. Nur Barroso und Befürworter der EU haben damit kein Problem.

Auch bemerkenswert: Die asiatischen Länder, politisch in Fragen totalitärer Staatsformen nicht unerfahren, streben keine politische Union an. Das haben sie auf der letzten ASEAN-Konferenz unmissverständlich deutlich gemacht. Wenn aber die EU tatsächlich so ein Erfolgsmodell ist – warum wird es weder in Asien noch in Lateinamerika oder sonst auf der Welt kopiert? Weil alle wissen, dass nur der Nationalstaat politische Kontrolle ermöglicht.

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Gedanken im Krankenhaus. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Tatsächlich ist es genau umgekehrt. Wenn man schon längst nicht mehr will, klammert sich der Körper berserkerhaft an jeden Atemzug.

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Der größte Feind der Wahrheit sei der Mythos, soll John F. Kennedy einst bemerkt haben. Und tatsächlich ist Verklärung Gift für jedes objektive Urteil. Ähnlich giftig mag auch Charme wirken. Davon hatte, glaubt man einer jüngst erschienenen Biographie, Paul de Man im Überfluss. Der amerikanische Literaturprofessor belgischer Abstammung (1919-83) war eine Größe seiner Zunft, hochgeehrt, allseits beliebt. Erst fünf Jahre nach seinem Tod fiel 1988 ein Schatten auf sein Leben, waren doch einige stramm collaborative Artikel aus den frühen 1940er Jahren aufgetaucht. Nun gibt es eine Biographie, die noch ein paar andere Lässlichkeiten nachweist: Als Bankrotteur, der Verträge fingierte und sogar die Einlagen seiner Hausangestellten für den persönlichen Luxus verjubelte, entzog er sich einer langjährigen Haftstrafe durch Flucht in die USA. Frau und Kind ließ er zurück, zahlte niemals Unterhalt, heiratete trotz fortbestehender Ehe eine Studentin und fälschte, da er nie einen Studienabschluss erworben hatte, seine Zeugnisse, wodurch sich die Professorenlaufbahn eröffnete. Mehrfach wurde er von Universitäten wegen Unregelmäßigkeiten und Betrügereien gefeuert – aber der Karriere schadete das nie. Fast alle mochten ihn, er verband höchste Intelligenz mit entwaffnender Liebenswürdigkeit, seine Aufsätze veränderten maßgeblich die Literaturwissenschaft. Gott hält seine Hand nicht nur über Gerechte.

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“Das Leben ist das einzige Eigenthum, das nur dann etwas werth ist, wenn wir es nicht achten.”

Heinrich von Kleist

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Gespräch mit Henryk Broder über säkularisierte Moslems. Die gebe es genauso wie säkularisierte Christen, für Broder „Kulturchristen“: Weihnachten in die Kirche und in Italien in jeden Dom, aber ansonsten konfessionslos und eher kirchenkritisch. Broder: „Es gibt viele aufgeklärte, tolerante und pluralistisch denkende Moslems; einen aufgeklärten, toleranten, pluralistischen Islam gibt es nicht.“

Das klingt überzeugend. Aber würde man gegenüber Nazis ebenso nachsichtig sein und die Kritik allein auf die Weltanschauung, nicht aber auf ihre Anhänger richten? Auch bei den Nazis gab es hochgebildete, dem Christentum, amerikanischem Jazz oder ‚jüdischer’ Literatur gegenüber tolerante Parteigänger; und dennoch haben sie, wenn es drauf ankam, jedes Verbrechen mitgetragen.

Der Lackmustest ist immer: Würde jemand in grundsätzlichen Fragen wie Gleichberechtigung, Diskriminierungsverbot, Rechtstaatlichkeit, Gewaltmonopol oder Parlamentarismus der Verfassung oder der Religion Vorrang einräumen? Das gilt für Christen ebenso wie für Juden oder Moslems. Wählt er die Religion, ist er ein Feind der Verfassung. Wählt er die Verfassung, ist er nüchtern betrachtet kein Gläubiger, weil er die Maßstäbe der Religion letztlich nicht für verbindlich hält. Eine vermittelnde Position gibt es da nicht.

Hatte ich es schon erwähnt? Die EU muss man bekämpfen + zerschlagen!

 

‘Hurensonne’ und toxische Kultur

Wie immer ein seltsam disparates Gefühl beim Lesen der ZEIT. Gute Artikel, gute Autoren, trotzdem leichter Ekel. Vermutlich stört mich die Historie. Jahrelang war die ZEIT die Odenwaldschule des deutschen Journalismus: Geleckte Fassade, dahinter komplett verkommen. Nie wirklich liberal, sondern links-konformistisch, voll Servilität gegenüber der DDR, die noch 1989, kurz vor ihrem Untergang, ernsthaft als Alternative gepriesen wurde. Aberwitzig. Und der Gräfin, die wesentlich für all diese Verirrungen und für anti-demokratische Kriecherei steht, ist sogar ein Preis gewidmet. Deutsche Helden. Ohne die schrägen Eigensinnigkeiten von Fritz J. Raddatz und einiger anderer Autoren gäbe es nichts aus diesen Jahren, das irgendwie für dieses Blatt spräche.

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An alle Achmeds und Rachids, die mich kürzlich auf Twitter beschimpften: Aufgepasst bei der Rechtschreibung! Es heißt “Du Hurensohn”, nicht “Du Hurensonne”. Merkt euch das fürs nächste Mal!

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Der Dichter Gottfried Benn urteilte wenig freundlich über seine Landsleute. „Von konfuser idealistischer Begrifflichkeit“ seien die Deutschen, „prosaistisch dumpf und unpointiert“, ein Volk ohne Verfeinerung, das „hinsichtlich des Geschmacks immer auf das plumpste Pferd setze“. Und das sind noch die geringsten Bosheiten.

Benn schrieb über seine Erfahrungen im Dritten Reich, und man mag ihm nicht widersprechen. Abgesehen von Architektur und Foto haben die Nazis in allen Bereichen der bildenden Kunst und Literatur versagt. Fast kann man von einem Ingenium im Negativen sprechen, so sicher war ihre Begeisterung für das Mediokre, Banale, für den blödesten Kitsch. Und fast alles, was gut war, lehnten sie instinktiv ab.

Aber sind die Abfälligkeiten von Benn eigentlich rassistisch? Man stelle sich vor, jemand würde heute frei heraus bemerken, dass er Dönerbuden, Intensivtätertum und Turksprech kulturell und ästhetisch nicht als Bereicherung empfände. Den öffentlichen Aufschrei kann man sich vorstellen, und ‚Kulturchauvinismus’ wäre der geringste Vorwurf.

Das ist umso erstaunlicher, als die positive Beurteilung eines Volkes oder einer Kulturgemeinschaft nach seinen respektive ihren kulturellen Leistungen durchaus gebilligt wird. Dass die Ermordung oder Vertreibung von rund 650.000 Menschen jüdischer Abstammung im Dritten Reich, viele von ihnen hochgebildet, musisch, leistungsorientiert, dieses Land tatsächlich so „dumpf und unpointiert“ gemacht haben, wie es heute oftmals ist, wird niemand bestreiten; ebenso wird der Aufstieg der Asiaten in den USA als Erfolgsgeschichte dieser Einwanderer gesehen. Warum soll also umgekehrt die kritische Beurteilung von Zuwanderern unzulässig sein? Konkret: Was haben Muslime zur Entwicklung dieses Landes in den letzten 60 Jahren auf den Gebieten Kunst, Forschung, Wirtschaft beigetragen, und würde sich ihr Verschwinden negativ bemerkbar machen in Musik, Literatur, Malerei, Wissenschaft, Ökonomie, irgendwo?

Einige werden schon allein diese Frage für unzulässig halten; tatsächlich hat sie eine lange Tradition, die mit Max Webers Arbeit über den Zusammenhang von Kapitalismus und protestantischer Ethik beginnt. Doch in Deutschland ist die öffentliche Debatte um den Einfluss des Kulturkreises auf wissenschaftliche oder kreative Leistungen fast erstorben, während sie vor allem in den Vereinigten Staaten und Groß-Britannien Gegenstand immer neuer Publikationen ist. Denn auch dem hartnäckigsten Vertreter von der angeblichen Gleichheit und Gleichwertigkeit aller Kulturen muss auffallen, dass einige Kulturkreise eben doch egalitärer, friedlicher, leistungsbereiter sind und weniger von Korruption, Nepotismus oder Frauenfeindlichkeit geprägt als andere.

Wie man die Frage beantwortet, bleibt jedem selbst überlassen; sie lohnt des Nachdenkens wie auch, ob sich der Einfluss der Kulturkreise über die Jahrhunderte verändert. Zu empfehlen ist, auch wegen seiner erfrischend unkorrekten Wortwahl, das immer noch außerordentlich anregende Hauptwerk The Wealth and Poverty of Nations des im letzten Jahr verstorbenen Wirtschaftshistoriker David S. Landes, jahrelang Professor in Harvard und an der George-Washington-Universität. Er hielt den Islam für eine ‚toxische’ Kultur, die der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung vor allem durch die Unterdrückung der Frauen, religiöse Dogmen, Bildungsferne, Trägheit und dem islamischen Machismo entgegenstehe. Viele seiner Forschungskollegen sahen und sehen es ähnlich. Nur in Deutschland wird diese überfällige Debatte leider nicht geführt.

Im übrigen bin ich der Ansicht, dass man die EU bekämpfen und zerschlagen sollte.