Gesundes Volksempfinden und die Pädophilie der ZEiT

Ach, Brüssel! Ist schon jemand schneller entzaubert worden als EU-Präsident Juncker? Selbst seine Verteidiger sind derzeit in Deckung gegangen. Und dieser Mensch soll Brüssel noch fünf Jahre kraftvoll führen und reformieren? Das glauben nicht einmal die Hühner in den subventionierten Legebatterien.

Der Fall Juncker zeigt erneut, dass von einer wirklichen Opposition in der EU nicht gesprochen werden kann. Alle großen Parteien stehen schon deshalb zu Juncker, weil seine Demission das gerade gefundene Gleichgewicht innerhalb der EU-Kommission und damit auch die Postenverteilung empfindlich stören würde. Zudem wäre ein Rücktritt Junckers das Eingeständnis, dass die Staatschefs den Falschen gewählt haben. Und für das Image der EU wäre der Abgang auch nicht förderlich. So macht man die Schotten dicht und hofft auf besseres Wetter und die Vergesslichkeit der Wähler.

Auch die deutsche Politik taucht im Fall Juncker weitgehend ab. Im Ergebnis haben wir einen vom europäischen Steuerzahler hochalimentierten Kommissionspräsidenten, der eben diesen Steuerzahler jahrelang zugunsten eines nutzlosen Zwergstaates und zahlreicher Großunternehmen ausnahm. Das muss man hinbekommen! Chapeau!

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„Er war gescheit, er war logisch, er wusste viel; aber ist das mehr als Barbarei?“ Robert Musil, Mann ohne Eigenschaften

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AfD-Chef Bernd Lucke erklärte kürzlich, die Position seiner Partei sei weder rechts noch links, sondern die des gesunden Menschenverstandes. Das hat er von Maggie Thatcher, die sich ebenso gegen die Etikettierung ‚links’ oder ‚rechts’ wehrte. In Deutschland jedoch wurde nicht dieser Bezug gesehen, sondern von der SZ auf die Nähe zum ‚gesunden Volksempfinden’ verwiesen, mit dem die Nazis ihre angebliche Nähe zum Volk, vor allem aber jeden Rechtsbruch als gleichsam demokratisch legitimiert kaschierten.

Nun hat aber das ‚Volk’, nimmt man nicht mit den Nazis Sozialdemokraten, Juden, Zentrumspolitiker und sonstige Verfolgte des Dritten Reiches aus, kaum einheitlich gedacht und die nationalsozialistischen Mördereien keineswegs begrüßt. Auch im Übrigen waren die Vorbehalte gegenüber den braunen Horden groß, vor allem in christlich geprägten Gegenden, und solange es noch freie Wahlen gab, waren die Ergebnisse für die NSDAP eher dürftig. Anders allerdings sah es bei vielen Intellektuellen aus. Der Kniefall zahlreicher Großdenker, aber auch der Ärzte, Juristen, Professoren, Studentenschaften und nicht zuletzt auch vieler Journalisten vor Deutschlands angeblichem Erwachen ist gut dokumentiert, und vermutlich war es auch ihr Hang zur Radikalität, der viele Intellektuelle zu treuen Parteigenossen der ersten Stunden machte. Sicherlich haben auch einfache Leute versagt; aber noch viel mehr diejenigen, die sich dem Volk überlegen fühlten. Das Empfinden der Intellektuellen ist oft verhängnisvoller als das des Volkes.

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In der ZEIT verweist der sozialdemokratische Parteienforschers Franz Walter auf den segensreichen Einfluss, den Frauen in der Gründungsphase der GRÜNEN hatten. Vor allem an ihrem Widerstand sei die frühere Begeisterung vieler Grüner für die Entkriminalisierung von Sex mit Kindern gescheitert, weil die Frauen sehr viel klarer als ihre Parteigenossen sahen, dass es hier um Fragen des Machtmissbrauchs innerhalb von Beziehungen ging. Doch auch mit Blick auf die Unterdrückung der Frauen im Islam sind diese Fragen offen, und auch hier werden die GRÜNEN irgendwann entscheiden müssen, was sie wollen: Multikulti oder Frauenrechte?

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Früher Kommunist, später Chef des Kölner Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung, immer anregend: Wolfgang Streeck. Kühl sieht er im Euro ein neo-liberales Projekt. Denn die Einheitswährung sollte nicht nur den Handel vereinfachen, sondern eben auch Produktivitätsdefizite sichtbar machen und dadurch die Völker zur Ökonomisierung zwingen. Das ist gelungen. Ebenfalls neoliberalen Charakter hat die Freizügigkeit, die Druck auf Tarifregeln macht. Nicht ohne Grund hat sich DGB-Chef Reiner Hoffmann in einem FAZ-Interview schon vor Wochen vorsichtig distanziert. Dennoch halten Sozial- wie auch Christdemokraten sklavisch an Euro und Freizügigkeit fest. Früher waren die Linken gegen den Neoliberalismus, die Konservativen gegen Multikulti. Seit aber beides unter der Flagge ‚Euro’ respektive ‚Europa’ daherkommt, mögen sie sich daran nicht mehr erinnern.

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Gespräch mit einem Freund, der selbst mal für Schröder votierte, über dessen Verbindung zum Hannoveraner Unternehmer Maschmeyer. Jenseits des Eindrucks der Käuflichkeit bedrücke vor allem der gänzliche Mangel an Stil. Natürlich müsse man als Kanzler auch Viertelseiden wie Maschmeyer treffen; aber mit solch primitiven Existenzen gesellschaftlich, vielleicht sogar freundschaftlich verkehren? Nur wenn man ähnlich simpel gestrickt sei, könne man das ertragen – was aber hier wohl der Fall sei.

Die Berliner haben für diesen prosaischen, auf das Kaufmännische reduzierten Typus des Geschäftsmanns den Ausdruck ‚Koofmich’. Das hat Schröder vielleicht wörtlich genommen.

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In dem schon erwähnten ZEIT-Interview weist Franz Walter darauf hin, dass die Bagatellisierung der Pädophilie gerade auch in der ZEIT selbst ihre Fürsprecher hatte und die Zeitung sich diesem Thema bis heute nicht stelle. Antwort der ZEIT-Redakteure Mariam Lau und Peter Dausend: „Das haben wir anders gelesen“. Was das genau heißt, bleibt unklar, doch sollte wohl die Validität der Feststellung in Zweifel gezogen werden. Dankenswerterweise nennt Walter in der FAZ vom 17.11. Ross und Reiter: Vor allem der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der ZEIT, Rudolf Walter Leonhardt, habe sich über Bedenken gegen die Entkriminalisierung der Pädophilie mokiert und sie als „verquere, verquollene Vorstellungen“ von Spießern abgetan. Und er war nicht der einzige, der so in der ZEIT schreiben durfte. Um so rätselhafter die Replik von Dausend und Lau. Was soll man da anders lesen? In Anlehnung an meine Bemerkung aus der ersten Oktoberwoche: Odenwaldschule, nun auch thematisch.

Noch trostloser allerdings ist die EU. Daher: Bekämpfen + zerschlagen!

Loriot, Hitler und reverser Rassismus

Zur Vereinbarkeit von Islam und westlicher Demokratie. Tatsächlich lässt sich letztlich keine Religion mit der Idee von Toleranz und Pluralismus zusammenbringen. Jede hat ihren ehernen Kern, über den Gläubige nicht diskutieren werden, jede ihre Loyalitäten, die denen des Staates entgegenstehen können; jede ist ihrem Wesen nach totalitär. Auch das nunmehr friedliche Nebeneinander von Katholizismus und Staat war in Deutschland blutig erkämpft, und zwar buchstäblich mit Mord, Verfolgung und Rechtsbeugung. Noch bis in die Zeiten des Dritten Reiches hassten deutsche Katholiken Bismarck, der den politischen Anspruch Roms rücksichtslos bekämpfte, mit guten Gründen mehr als den Teufel. Und unter den Katholiken gab es keine Bombenwerfer, keine Attentäter, keine Terrorkrieger.

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Eine der Lieblingsanekdoten Loriots: Kurz nach seinem 21. Geburtstag wurde Richard Wagners Neffe Wieland bei einem Besuch Hitlers, der mit der Familie eng befreundet war, von diesem persönlich aufgefordert, endlich der NSDAP beizutreten. „Selbstverständlich, Onkel Wolf“, habe Wieland geantwortet und schon am nächsten Tag beim Bayreuther Parteibüro vorgesprochen: „Mein Name ist Wieland Wagner, ich möchte in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei eintreten!“ Der ruhig-fränkische Sekretär habe ihn dafür gelobt, aber auch darauf hingewiesen, dass es für die Aufnahme zweier Bürgen bedürfe. Wieland Wagner, voller Stolz: „Mein Bürge ist unser Führer Adolf Hitler!“ Daraufhin der Sekretär, unbeeindruckt: „Aner genücht net!“ Regeltreue gibt es nicht nur in Preussen. Und manchmal hat sie geradezu subversiven Charakter. (Die Anekdote findet sich in den schönen Erinnerungen Stefan Lukschys an die gemeinsamen Zeiten mit Loriot. Titel: „Der Glückliche schlägt keine Hunde“)

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Österreichs neues Kirchengesetz verbietet, dass sich die dortigen islamischen Religionsgesellschaften ihre gewöhnlichen Aufwendungen von ausländischen Organisationen finanzieren lassen. Das richtet sich frontal gegen die ATIP, den österreichischen Ableger der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet, deren deutsches Gegenstück die DITIB ist. Künftig werden mithin die türkischen Imane in Österreich nicht mehr von der Türkei finanziert werden können. Das wäre auch für Deutschland ein richtiger Schritt, zumal seit jeher unverständlich war, warum eine fremde staatliche Einrichtung, der man bestenfalls Undurchsichtigkeit attestieren kann, hier Religions-Propaganda betreiben und Imame herschicken darf. Auch steht die DITIB im Ruf, nicht immer genügend Distanz zu radikalen islamischen Gruppierungen zu wahren und die Integration zu hintertreiben. So agitierte sie jahrelang gegen Islamunterricht in deutscher Sprache. Auch die Ansicht ihres mittelbar obersten Dienstherrn Erdogan ist eindeutig: Er hält schon Assimilierung für ein Verbrechen, geschweige denn Integration. Während Österreich hieraus die richtigen Schlüsse zieht, schaut Deutschland weiterhin weg.

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Frankreichs Ex-Präsident Giscard d’Estaing präsentiert im FOCUS mal wieder eine neue, alte Idee zur EU: Ein ‚Kerneuropa’ aus erst 6, dann 12 Staaten soll die Integration vorantreiben. Und warum? Schon der erste Satz macht das klar: „Mein Kerneuropa-Projekt (…) versucht, Europa einen Platz im globalen Wettbewerb zu verschaffen.“ Wie immer geht es um Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft. Dabei zeigen die Proteste gerade der Franzosen, dass sie ihre Lebensart höher schätzen als die totale Ökonomisierung aller Lebensbereiche. Hübsch auch der Satz: „Gleiche Währung, gleiche Steuern! Die Bevölkerung würde das sehr begrüßen.“ Sicher. Vor allem, wenn alle die strangulierenden Steuersätze der französischen Sozialisten bekämen. Das Buch, in dem Monsieur d’Estaing seine Thesen vertritt, heißt Die letzte Chance Europas. Das zumindest ist eine Hoffnung.

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„But the age of chivalry is gone. That of sophisters, economists, and calculators has succeeded; and the glory of Europe is extinguished forever.“ Edmund Burke, um 1780

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Die Arab Bank ist von einem amerikanischen Gericht zu Schadensersatz an Opfer terroristischer Anschläge verurteilt worden, weil sie wissentlich die Aktivitäten der Hamas und anderer muslimischer Terrororganisationen unterstützte, beispielsweise Geld an die Familien von (Selbst-)Mordattentätern überwies. Auch in Europa arbeiten mehrere Filialen, darunter in Frankfurt. Doch gebe es, wie ein freundlicher Mitarbeiter der Bafin erklärt, für im Ausland residierende Banken nur sehr kursorische Kontrollrechte, die keine Verbotsmöglichkeiten böten. Hier etwas zu ändern, wäre sinnvoll.

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Ein amerikanischer Kollege weist darauf hin, dass in den USA – andern als  in Deutschland, Frankreich, England, Spanien, Skandinavien – muslimische Radikale bisher eher selten seien; auch gebe es kaum Amerikaner, die auf Seiten der IS kämpften. Seine These: Radikalität entstehe vor allem dort, wo sich Leute dem Nichtstun, dem Selbstmitleid und der Flucht in Ideologien ergeben könnten – also in Sozialstaaten; und in Ländern ohne Aufstiegs- und Arbeitsmöglichkeiten, wie denen der arabischen Welt.

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Gespräch mit Freunden über die ersten, zuweilen etwas seltsamen Lieben der Töchter. Wie würde man reagieren, wenn plötzlich eine ‚Glatze’ sich als künftiger Schwiegersohn vorstellte? Oder, um es weniger einfach zu machen, ein wohlerzogener junger Herr, der aber freimütig bekennt, dass er Demokratie und Gleichberechtigung ebenso ablehne wie Straffreiheit für Homosexuelle und im Übrigen der Ansicht sei, dass den Juden weder ein Staat noch ein Existenzrecht zustehe? Einhellige Ansicht: Man würde jenem die Tür weisen und Tränen wie Streitereien mit der Tochter in Kauf nehmen. Nachfrage: Gelte dies auch, wenn die Tochter mit einem Muslim liiert sei, der in der Sache nicht anders denke als der freundliche deutsche Junge? Allgemeine Ansicht: Wohl kaum, auch scheue man die absehbaren Vorwürfe aus dem Freundeskreis.

Zum Vorigen: Es gibt, vor allem unter Linken, so etwas wie einen reversen Rassismus, der die eigenen Landsleute zum Ziel hat. Deutlich wird dies vor allem im häufig zu hörenden Einwand, diese oder jene Kritik an Ausländern sei nicht ‚differenziert’ genug, denn nicht alle Türken, Roma, Griechen würden… usw, usw. Binsen. Umgekehrt wird jedoch jedes negative Klischee über die Deutschen willig akzeptiert und mit immer neuen eigenen Geschichten koloriert: Dass die Deutschen kinderfeindlich, besonders im Urlaub schlecht gekleidet, dazu humorlos, laut, pedantisch seien. Recht haben beide Seiten. Nur dass man gegenüber den Deutschen solche Klischees auch widerspruchslos bedienen darf.

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“Intellektuelle sind freundlich zum Fremden nicht um des Fremden willen, sondern weil sie grimmig sind gegen das Unsere und alles begrüßen, was es zerstört.” Botho Strauss, Anschwellender Bocksgesang

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EU: BZ!

Faschismus, Pathos und failed states

In der ZEIT vom 6. November plädiert Thea Dorn für mehr Pathos im Umgang mit der Bundeswehr. Das mag richtig sein, viel wichtiger aber wäre, dass die Bundeswehr selbst auf Pathos setzt. In allen angelsächsischen Büchern über die letzten Kriege antworteten die Soldaten auf die Frage, warum sie sich gemeldet hätten, mit mehr oder minder den gleichen Pathos-Formeln: Dass sie etwas der Gemeinschaft zurückgeben und auf etwas im Leben zurückschauen wollten, auf das sie stolz sein könnten, dass Corpsgeist und Kameradschaft, aber auch gerade Gefahr und Risiko sie angezogen hätten. Das macht die Attraktivität einer Armee, nicht Kita-Plätze; und nur für solch hohen Werte opfert man gegebenenfalls sein Leben.

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„Ich bin aus Iowa, und nun bin ich hier in der irakischen Wüste unter dem Sternenhimmel, und morgen ziehe ich los und jage und töte Männer. Ist das nicht romantisch?“ Ein 22-jähriger Soldat einer Eliteeinheit, die im Irakkrieg 2003 zum Einsatz kam, in „Generation Kill“ von Evan Wright

Im Zusammenhang mit dem Töten wirkt der Begriff „romantisch“ zunächst irritierend. Tatsächlich trifft er den Punkt. Auch das Verhältnis der Romantiker zur Wirklichkeit war geprägt von Ironiefreiheit, Pathos, höchstem Einsatz. Krieg ist nur die düstere Seite des romantischen Lebensgefühls.

Das ist den Deutschen kaum noch verständlich. Vielleicht auch deshalb das Erstaunen über jene Landsleute, die sich zum Kampf für die ISIS melden. Doch erinnert deren Bereitschaft nur daran, dass es immer Teile der Gesellschaft gibt, die mit der so verachteten Bürgerlichkeit nichts anfangen können. “Seit meiner Kindheit trieb mich der leidenschaftliche Wunsch nach dem Absoluten und nach Grenzüberschreitung; jetzt hatte mich diese Leidenschaft an den Rand der Massengräber in der Ukraine geführt. Ich war immer bestrebt gewesen, radikal zu denken; nun hatten auch der Staat, die Nation die Radikalität und das Absolute für sich entdeckt; wie hätte ich mich in diesem Augenblick verweigern, nein sagen und mich stattdessen für die Bequemlichkeit der bürgerlichen Gesetze, die laue Sicherheit des Gesellschaftsvertrags entscheiden können?” SS-Obersturmführer Dr. Max Aue in Jonathan Littells „Die Wohlgesinnten“.

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Sehen eigentlich jene, die ihre Karrieren mit Feldzügen gegen die Bürgerlichkeit begannen, in welcher Tradition sie stehen? Und wer sich nun im Geiste an ihre Seite gesellt?

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„Jede Nation spottet über die andere, und alle haben recht“. Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit

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Meine Jugend war faschistisch. Zumindest konnte diesen Eindruck bekommen, wer Anfang der 1980er durch Bonn lief. Nicht nur die Studentenvertretung ASTA, auch viele Plakate machten deutlich, wie es um Land und Welt bestellt war: Hinter allen ‚Machtstrukturen’ lauerten Faschisten. Die Sozialfaschisten der SPD, die Rüstungsfaschisten von Krauss-Maffei, die Wirtschaftsfaschisten der DAX-Konzerne, die Nachrüstungsfaschisten unter Helmut Schmidt. Es gab Konsumfaschisten, Atomfaschisten, dazu US-Faschisten, ein Synonym für fast alle weißen Amerikaner. Ich selbst war, aufgrund meiner Zuneigung zu Parlamentarismus und Grundgesetz, Systemfaschist. Außerdem las ich Faschistenpresse (FAZ, SPIEGEL).

Das Faschistengerede ist aus der Mode gekommen. Vermutlich sind ihre Wortführer inzwischen selbst so weit Teil des Systems, der Wirtschaft oder der Presse, dass sie sich nicht gern erinnern. Wohl deshalb verschließen sie ihre Augen vor der einzig wirklich faschistischen, nämlich totalitären, frauenfeindlichen, autoritären und antisemitischen Bewegung in diesem Land.

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Europa sei ein „Powerhouse“, ein „Wirtschaftsblock“, eine „ökonomische Weltmacht“. So oder ähnlich haben sich alle letzten Kommissionspräsidenten geäußert. Dabei sagen zahlreiche Studien das Gegenteil. Die meisten europäischen Länder sind hinsichtlich Produktivität und Innovationskraft weit hinterher. Bulgarien, Rumänien, der Balkan sind in allen Rankings faktisch „failed states“, ohne funktionierende Wirtschaft, ohne funktionierendes Ausbildungssystem, ohne Innovationen, ohne Zukunft. Kein Wunder, das viele der Bürger wegwollen. Nicht viel besser steht es um Portugal, Spanien, Italien, Griechenland. Gegen Länder wie Korea oder China, die Milliarden in Forschung und Ausbildung investieren, sind Teile von Europa Dritte Welt.

Die Frage ist, ob man das ändern kann. Dagegen spricht schon die endemische Korruption und faktische Rechtsfreiheit in vielen der genannten Staaten. Aber selbst wenn es diese Probleme nicht gäbe, wäre zu fragen, ob nicht Brüssel selbst Hauptfeind der zukunftsfähigen wirtschaftlichen Entwicklung ist.

Über Jahrzehnte versenkte Brüssel rund 70 Prozent seines Haushalts in der Landwirtschaft. Hunderte von Milliarden gingen in einen Sektor, der weder Arbeitsplätze noch Innovationen schafft. Noch im aktuellen Haushaltsplan sind rund 30 Prozent der 1 Billion Euro, die Brüssel für die nächsten 5 Jahre verplant, für die Bauern vorgesehen. Während die USA mit Google, Amazon, Facebook, Apple und Tausenden anderen erfolgreichen Firmen Schlüsselbereiche wie Genforschung, Digitaltechnik, Medizin und Rüstung beherrschen, investiert Brüssel in Äpfel und Schweinefleisch. Während die EU eine Wirtschaftspolitik betreibt, als wollte sie den Morgenthau-Plan endlich Wirklichkeit werden lassen, investieren auch Korea und China massiv in den technologischen Fortschritt.

Nun visiert die EU schon die Aufnahme von Ukraine, Moldawien, Georgien an, also von weiteren schwer korrupten, rein agrarischen Ländern. Und das heißt: Noch mehr Geld für den landwirtschaftlichen Sektor, mit zahlreichen unsinnigen Folgeinvestitionen in Infrastruktur und Maschinen.

Für alle jungen, fähigen Leute müsste das ein klares Signal sein: Wirtschaftlich hat Europa keine Zukunft, und persönlich daher auch nicht – will man nicht Bauer, Bürokrat oder Pfleger werden. Die Zukunft liegt jenseits des Ozeans oder der Mongolei.

Verantwortlich dafür ist Brüssel. Auch deshalb muss man die EU bekämpfen und zerschlagen!

Humanität als Verantwortungslosigkeit

Im Radio ein Gespräch mit einem Deutschen, der im EU-Auftrag Wahlen in Afrika beobachtet. Die naheliegende Frage, wie es eigentlich um die Wahlgerechtigkeit in der EU selbst bestellt sei, wird leider nicht gestellt. Dabei ist die Antwort ziemlich einfach: Deutschland schickt 96 Vertreter ins EU-Parlament, Litauen, mit nicht einmal 3 Millionen Einwohnern, entsendet 11. Rechnerisch wiegt eine Stimme in Litauen dreimal mehr als in Deutschland – ein klarer Verstoß gegen den Grundsatz „one man, one vote“. Was in Afrika zur Ungültigkeit der Wahl führt, wird dem europäischen Wähler als selbstverständlich zugemutet.

Die ungleiche Stimmengewichtung mag dabei in Zeiten, als jedes Land weitgehend unabhängig voneinander seine Arbeits- und Wirtschaftspolitik betrieb, akzeptabel gewesen sein. Mit der Errichtung der europäischen Transfer- und Schulden-Union ist es das nicht mehr. Aber nicht einmal jetzt kommt von irgendeiner Partei die Forderung, das Wahlrecht den neuen politischen Gegebenheiten und Rettungsschirmen anzupassen.

Tatsächlich liegt hier das demokratische Fundamentaldefizit der EU. Würde jede Stimme gleiches Gewicht haben, wären Länder wie Luxemburg, Tschechien oder Litauen faktisch entmachtet; behält man den gegenwärtigen Schlüssel bei, werden die Stimmen der bevölkerungsreichen Länder marginalisiert – und damit der Einfluss der Hauptzahler. Ein unlösbarer Konflikt. Und jede Behauptung, die EU sei demokratisch legitimiert, entlarvt sich als Lüge.

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„I was fucking busy – or vice versa!“ Die amerikanische Schriftstellerin Dorothee Parker über ihre Hochzeitsreise.

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In der Süddeutschen entwirft Heribert Prantl ein Konzept zur Flüchtlingspolitik: Unbegrenzte Aufnahme, Sicherung der Fluchtrouten, freie Wahl des Aufnahmelandes, Bleiberecht, großzügige Gewährung von Wohnungen, Kita- & Schulplätzen. Das alles unter dem Rubrum der Humanität. Es ist die Humanität der Verantwortungslosigkeit: Soll doch der Staat darüber kaputtgehen, so lange ich ein guter Mensch bin. Das Prinzip Käßmann, Grass, Grönemeyer, Emcke, Augstein junior. Letztlich äußert sich hier das alte linke Unbehagen gegenüber der Bundesrepublik, das auch zu all den üblen Ranschmeißereien an die DDR führte. Schon vor über 20 Jahren meinte Botho Strauß, in der linken Xenophilie äußere sich weniger Toleranz als „der verklemmte deutsche Selbsthaß, der die Fremden nur deshalb willkommen heiße, damit sich die Verhältnisse endlich in der berühmten ‚faschistoiden’ Kenntlichkeit zeigten“, die die Linke den Deutschen schon immer unterstellte. Das gilt weiterhin.

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Wieder einmal rühmt sich die LINKE ihrer angeblich pazifistischen Tradition. Lachhaft. Ganz im Gegenteil ist sie als Nachfolgerin der SED diejenige Partei im Deutschen Bundestag, die als erste nach 1945 einen Krieg von deutschem Boden aus führte. 1968 standen Truppen der DDR an der Grenze bereit, um in die Tschechoslowakei einzumarschieren – völkerrechtlich eindeutig eine Kriegshandlung. Nur die Bedenken Moskaus, 23 Jahre nach Kriegsende wieder deutsche Soldaten durch Prag marschieren zu lassen, verhinderten den Grenzübertritt.

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„Die beste Regierungsform ist eine freundliche Tyrannei, gezähmt durch gelegentliche Mordanschläge.“ Ein berühmtes Zitat, nur weiß keiner, von wem. Voltaire wird es zugeschrieben, aber auch Edmund Burke und einigen deutschen Diplomaten. Erstaunlicherweise erfunden vor dem Aufkommen des Sozialstaats.

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Ende Juli hatte ich in einem Kommentar in der BILD am SONNTAG die Frage aufgeworfen, ob dieses Land nicht besser verfolgte Christen, Juden oder Atheisten aufnehmen solle als weitere Muslime, von denen sich ohnehin viele der Integration verweigerten. Das ist nun einige Zeit her, doch noch immer bekomme ich gelegentlich wüste Zuschriften. Ganz abgesehen von der Frage, ob solche Anwürfe nicht der Behauptung eines toleranten Islam widersprechen, erzeugen diese Tiraden vor allem einen Eindruck: Den der Infantilität. Fäkalsprache, Dicketuerei, dazu Orthografie und Syntax bestenfalls auf Vorschul-Niveau. Eben „Hurensonne“ statt „Hurensohn“, wie schon Anfang Oktober zitiert. Das passt zu sonstigen Beobachtungen: Ehrpusseligkeit, mangelnde Selbstreflexion, dazu pubertär aufgemotzte Autos, puerile Outfits, auch die Läden immer wie von Kindern betrieben: Übervolle Regale, zugeballerte Auslagen, basarig. Nirgends die Kennzeichen des Erwachsenseins: Reduktion, Strenge, Disziplin, Zurücknahme. Statt dessen: Bling-bling-culture, aber ohne die herbe Kreativität des amerikanischen Gangsta-Rap, sondern nur als leistungsfreie Imitation von Männlichkeit. Nicht wirklich ein Gewinn.

Die Appellation „Alter“, in soziokulturell rückständigen Gruppierungen nicht selten zu hören, fügt sich hier ein: Alle anderen sind erwachsen, man selbst bleibt Kind.

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Auch wegen ihrer demokratischen Defizite hier eine Erinnerung zur EU: Bekämpfen, zerschlagen!