Die Kultur des Islam – und andere Mythen

Nun muss auch noch Außenminister Steinmeier in die Debatte um Pegida eingreifen. Steinmeier weiß: Die Mehrheit der Deutschen will eine offene Gesellschaft! Völlig richtig, höchstwahrscheinlich wollen das sogar alle. Aber genau diese offene Gesellschaft wird von vielen in Politik und Medien verraten und aufgegeben. Oder wie soll man die muslimischen ‚No-go-Areas’ zahlreicher Städte einordnen, in die sich nicht einmal die Polizei traut? Ist ‚No-go’ ein Synonym für ‚offene Gesellschaft’? Steht ‚offene Gesellschaft’ für Fatwas, Ehrenmorde, Homosexuellenverfolgung, Frauenentrechtung? Und ist ein Mensch mit einer solchen Wahrnehmungsschwäche als Außenminister geeignet?

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Die Sozialdemokraten sind bekanntlich stolz auf ihren Widerstand gegen das Ermächtigungsgesetz. Seitdem haben sie leider jedes Gespür für totalitäre Bedrohungen verloren. Unvergessen die weit über die bloße Entspannungspolitik hinausgehende Anbiederung an die terroristischen Regime der Sowjetunion und DDR, unvergessen auch das berüchtigte ‚Ideologiepapier’, ebenso die schäbige Haltung der SPD-Länder gegenüber der Erfassungsstelle für DDR-Verbrechen in Salzgitter. Immer komplette Blindheit. Heute nun gegenüber dem Islam. Eine Tradition hat 1933 nicht begründet.

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Geht es um den Islam, wird nicht selten auf dessen kulturelle Leistungen verwiesen, vor allem in den Bereichen Architektur, Medizin, Astronomie, Mathematik; selbst große Nautiker sollen die Araber gewesen sein.

Das ist erstaunlich. Denn zumindest heute und in den letzten 600 Jahren, also keiner kurzen Zeit, wirkt der Islam allem Geistigen gegenüber feindlich, geradezu anti-intellektuell. Wenn er etwas schuf, dann im Handwerklichen: Hübsche Handschriften und Illustrationen, ein paar gelungene Bauwerke. Aber ansonsten? Ob in Kultur, Wissenschaft, Technik, nirgends wurde in dieser Zeit von Muslimen etwas Bleibendes geschaffen; und wenn, wie von einigen Schriftstellern, dann meist gerade in Abkehr von der Religion. Dass auch die Moschee in Köln-Ehrenfeld keinen muslimischen Baumeister hat, ist bezeichnend. Sollte es also in früheren Jahrhunderten einmal anders gewesen sein?

Dazu später. In jedem Fall äußert sich in dem Verweis auf die Kultur als Legitimation ein ästhetischer Blick auf Geschichte: Die Pyramiden lassen das Elend der ägyptischen Fellachen vergessen, die Paläste der Renaissance die Verbrechen der Sforza und Medici, die griechischen Dramen und Skulpturen die Unterdrückung der Sklaven. Und auch die großen Moscheen werden in diesem Sinne gesehen, als Beweis für das angeblich humane und schöpferische Potential des Islam.

Doch auch das Berliner Olympia-Stadion ist architektonisch eindrucksvoll, und dass die Deutschen im Dritten Reich in vielen Bereichen der Physik, Chemie oder Technik führend waren, ist weithin bekannt. Sollte man deshalb gnädiger auf dessen Monstrositäten blicken? Wohl kaum.

Im Übrigen sind die historischen Kulturleistungen des Islam durchaus umstritten. Folgt man dem Technik- und Wissenschaftshistoriker Donald Hill, war vieles, was den Muslimen gutgeschrieben wird, die Arbeit von Dhimmis, also – aus muslimischer Sicht – von Heiden unter arabischer Kontrolle, die aber gerade nicht muslimischen Glaubens waren. Die großen Mediziner seien überwiegend Christen, die Mathematiker Hindus, Syrer und Perser gewesen. Die arabischen Flotten wurden von Christen gebaut und befehligt, wie in der Schlacht bei Lepanto; auch die berühmtesten „muslimischen“ Astronome waren ehemalige Juden, Perser und Sabier. Dass sie auf Arabisch publizierten, mache sie nicht zu Muslimen.