Heiko Maas und die Wirklichkeit

Justizminister Heiko Maas weiß es: Niemand in Deutschland müsse „Angst haben vor einer sogenannten Islamisierung“. Ausnehmen sollte er vielleicht Juden, die mit Kippa beispielsweise durch Neukölln laufen; gleiches gilt dort für junge Frauen, wenn sie sich nicht der muslimischen Kleiderordnung unterwerfen, oder Homosexuelle. Und auch vor muslimischen Clans, gewalttätigen Intensivtätern oder selbsternannten ‚Scharia-Polizisten’ haben seltsamerweise doch ein paar Leute Angst – wenn auch möglicherweise nur außerhalb gepanzerter Limousinen, wie sie der Minister nutzt. Muss man sich darüber wundern, wenn die Menschen das Gefühl haben, dass die Politik weit von ihnen entfernt sei?

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Pegida. Naja. Bei allem Respekt vor dem Souverän waren zumindest diejenigen Demonstranten, die sich vor die Kamera drängten, in der Mehrzahl weder klug noch sympathisch. Möglicherweise aber auch eine Auswahl der Sender. Davon unabhängig die Frage, ob die richtige Sache dadurch falsch wird, dass die falschen Leute für sie werben. Auch erklärte Feinde des demokratischen ‚Systems’ haben zu recht gegen den Krieg in Vietnam demonstriert.

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Lieblingswort der Woche: Sascha Lobos „Latenznazi“. Die perfekte Verleumdung.

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Angst, wissen nun wieder viele mit Blick auf Pegida, sei ein schlechter Ratgeber. Eine der vielen Kalenderweisheiten, die in einem geschichtsvergessenen Land immer Konjunktur haben. Tatsächlich kann Angst ein sehr guter Ratgeber sein. Zumindest hätten viele Juden überlebt, wenn sie nach 1933 ihrer Angst vertraut hätten und nicht den Glückskekssprüchen der Appeaser. Aber vermutlich betrachtet Heiko Maas selbst Parolen wie „Hamas, Hamas, Juden ins Gas!“ oder „Komm heraus, Du Judenschwein, komm heraus und kämpf allein!“, in vielen deutschen Städten im Sommer von Muslimen skandiert, nur als Folklore – und nicht als Feuerzeichen an der Wand.