Tritte gegen den Kopf, Tritte gegen den Verstand

Heinrich Bedford-Strohm ist der neue Ratsvorsitzende der EKD. Aber schon nach dem ersten Interview in der FAZ weiß man: Er ist der falsche Mann, intellektuell eine Fehlbesetzung. Und dass man sich Sorgen machen muss. So nennt Bedford-Strohm Kritik am Islam in einem Zug mit Ausländerfeindlichkeit, und vermutlich nimmt er, wie viele einfache Geister, das eine tatsächlich für das andere. Zu den Mördereien, Vergewaltigungen und Kindesentführungen, die weltweit im Namen des Propheten erfolgen, fällt ihm ein, dass „derzeit diese Herausforderung im Islam stärker ausgeprägt ist als im europäischen Christentum“. Man mag das Verharmlosung nennen oder auch Zynismus. Doch hat der Hang zur Blindheit gegenüber totalitären Ideen im Protestantismus fast schon Tradition. Auch die Wähler Hitlers kamen wesentlich aus dem protestantischen Bürgertum.

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„Most men would rather die, than think. Many do.“ Bertrand Russell

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Leider ist das obige Zitat von Bedford-Strohm nicht der einzige Satz, der einen schaudern lässt. „Ich halte nichts davon, wenn Christen als Ankläger des Islam auftreten“. Jesus hat harmlose Händler mit der Peitsche aus dem Tempel getrieben, aber der EKD-Ratsvorsitzende will sogar Mord und Vertreibung so wenig kritisieren wie die Verfolgung von Minderheiten? Im Kern ist das nichts anderes als die Preisgabe jedes moralischen Anspruchs. Wen gelegentlich das Gefühl beschlich, die EKD sei im Grunde nicht anderes als ein politisierender, von jeder Spiritualität befreiter Hausfrauenverein, dessen wahre Gottheit das Immer-Wohlfeile ist, mag sich bestätigt fühlen.

Muss man noch erwähnen, dass Bedford-Strohm auf die vielen Muslime verweist, die friedlich in Deutschland leben? Kinderkram. Was es dazu zu sagen gibt, stand schon in diesem Blog. Ansonsten setzt Bedford-Strohm auf Dialog. Aber selbst die EKD sollte sich einmal fragen, was dieser Dialog, der immer nur von christlicher Seite ausging, gebracht hat. In fast allen muslimischen Ländern werden zivilgesellschaftliche Organisationen massiv unterdrückt, Andersgläubige verfolgt, Pluralität und Toleranz offen verachtet. Jeder Hoffnung, dass sich dies ändern könne, hat der Schriftsteller Esber gerade in der ZEIT eine Absage erteilt. Und auch hierzulande hat der Dialog nichts bewirkt. Oder stehen antisemitische Demonstrationen, ‚Scharia-Polizisten’ und ‚Friedensrichter’ für irgendeinen gesellschaftlichen Gewinn? Trotzdem Dialog. Aber der ist hier nicht viel mehr als ein Zeichen der Selbstaufgabe.

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„Im Kern hat sich die arabische Kultur seit fünfzehn Jahrhunderten nicht verändert. Sie negiert die Freiheit des Individuums, sie negiert seine Rechte, sie negiert die Weiblichkeit.“ Der Schriftsteller Ali Ahmed Said Esber in der ZEIT

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Anläßlich eines schweren Raubüberfalls auf einen Anwalt erwähnt die Frankfurter Allgemeine beiläufig ein Pilotprojekt, das 2013 in Nürnberg auf Betreiben der bayrischen Justizministerin Beate Merk gestartet wurde. Danach sollen Tritte gegen Kopf und Thorax nicht mehr von der jeweiligen Dienststelle, sondern von der Mordkommission untersucht werden.

Das ist ein richtiger Schritt. Doch recht eigentlich ist dieses ‚Pilotprojekt’ nur ein Ausdruck für die langjährige Verweigerung von Rechtsschutz. Denn dass Tritte gegen Kopf und Thorax immer tödlich sein können und dies von den Tätern auch so gesehen wird, weiß man bereits seit der aufsehenerregenden Studie der Universität Bremen aus dem Jahre 2009. Schon damals war klar: Tritte gegen den Kopf entsprechen einem Sturz aus 30 Meter Höhe. Wieso sollte in solchen Fällen wegen eines anderen Delikts als Mord oder Totschlag angeklagt werden? Und man braucht dafür auch keine Pilotprojekte, sondern einfach nur eine Hausmitteilung, in der Polizisten und Staatsanwälte angewiesen werden, in all solchen Fällen wegen versuchter oder vollendeter Tötung zu ermitteln und anzuklagen. Und eben nicht nur in Nürnberg, sondern überall im Land. So einfach.

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Schon zweimal hatte ich auf Botho Strauss hingewiesen, der bereits vor Jahren vermutete, dass sich hinter der Fremdenliebe vieler Linker nur deutscher Selbsthass verberge. Das mag das seltsame Verhältnis der GRÜNEN zu den Maut-Plänen der CSU erklären. Nachdem sie über Jahrzehnte alles begrüßten, was das Autofahren verteuerte, soll es nun plötzlich unerhört sein, wenn Ausländer für die hiesige Straßennutzung zahlen.