Charlie Hebdo – und zur Abgrenzung Islam / Islamismus

Der Anschlag auf Charlie Hebdo. Alle deutschen Meiden bemühen sich einmal mehr um klare sprachliche Trennung. Verantwortlich für den Anschlag sind Islamisten; und die haben mit dem Islam nichts zu tun.

Wer nach Belegen für diese Behauptung fragt, stößt bestenfalls auf Erstaunen; meist wird, wie häufig gegenüber Glaubenssätzen, schon die Frage als Zumutung empfunden. Aber wo liegt die Grenze? Gehört die Scharia, gehören Steinigungen und die Tötung von Apostaten zum Islam, oder sind sie islamistisch? Welcher Form des Islam ist die soziale Diskriminierung der Frauen zuzuschlagen, welcher der Djihad?

Zumindest in der Fachliteratur gibt es eine klare Antwort. Der Islamwissenschaftler und Orientalist Prof. Tilman Nagel, Verfasser mehrerer Standard­werke zum Islam wie auch der wichtigsten Mohammed-Biographie, verneinte in seinem Essay Islam oder Islamismus? Probleme einer Grenzziehung schon 2005 klar die Möglichkeit einer Abgrenzung.

Aber auch empirisch müsste jedem auffallen, dass die angebliche Trennung nicht mehr ist als Agitprop der Muslimverbände. Keine Koranschule welt­weit, kein einziger der großen historischen Geistlichen vertritt diese Differenzierung. Abgelehnt wird die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus selbstverständlich auch von allen fundamentalistischen Be­wegungen und allen Staaten, in denen der Islam Staatsreligion ist. Zumindest von offizieller Seite dürften somit weit über 90 Prozent der Muslime eine Differen­zierung zwischen Islam und Islamismus ablehnen. Selbst ein vergleichsweise ge­mäßigter Muslim wie der türkische Premier Erdogan stellte 2013 in einer TV-Sendung fest: „Es gibt keinen moderaten oder nicht-moderaten Islam. Islam ist Islam, und damit hat es sich.“

Was die Medien hartnäckig verbreiten, widerspricht mithin offen den Erkenntnissen renommierter Wissenschaftler wie der Selbsteinschätzung führender Koranschulen und Muslime. Ideologie statt Analyse. Wenn der Begriff nicht so belastet wäre, könnte man schon von ‚Lügenpresse’ sprechen.

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“Islam is a religion of peace. A piece of you here and a piece of you there”. Der amerikanische Comedian Bill Maher

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Die größte Lüge: „Je suis Charlie“. Als Jyllands-Posten und Kurt Westergaard 2006 bedroht wurden, hat keine wichtige westliche Zeitung die inkriminierte Karikatur nachgedruckt: Nicht Le Monde, nicht New York Times, nicht London Times, nicht BILD, Süddeutsche, FAZ. Die Männer von Charlie Hebdo haben den Preis der Freiheit bezahlt; aber mehr den der Feigheit. Von anderen.

Die größte Furcht: Dass der Anschlag nun politisch ‚mißbraucht’ werde. So die SPD, so andere Parteien, so selbst die FAZ. Gewiß: Augen zu und weiter so! Zwölf Menschen, darunter acht mutige Repräsentanten der Meinungsfreiheit, werden umgebracht, alle Medien sehen dies als Angriff auf die Grundfesten der westlichen Welt – aber eine politische Debatte, nämlich über Totalitarismus und Integrationsfähigkeit des Islam, ist in Deutschland unerwünscht. Man kann schon zweifeln an diesem Land.

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Nun wieder die ewige Leier von der “friedfertigen Mehrheit der Muslime”. Sicherlich, niemand würde das Gegenteil behaupten. Aber auch viele Nazis waren friedliebend, waren keine Terroristen – doch eben Anhänger einer totalitären Gesinnung. Und aus dem Totalitären folgt, das zeigen Faschismus, Stalinismus, Nationalsozialismus, immer terroristisches Denken, wenn auch nicht jeder höchstpersönlich Bomben wirft. Die Grenze ist immer das Totalitäre, nicht erst das Terroristische.

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Ein großer Stilist war Michel Houellebecq noch nie; aber immer hatte er ein untrügliches Gespür für die bösen, tabuisierten Wahrheiten. Auch sein neues Buch „Unterwerfung“ zeigt diesen Sinn für die Verlogenheiten des Mainstream. Vordergründig geht es um die Errichtung einer islamischen Republik in Frankreich, tatsächlich aber um den Verrat der säkularen republikanischen Verfassungsgrundlagen durch Medien und etablierte Parteien: Lieber machen sie einen Feind der Republik zum Präsidenten als mit den Konservativen zusammenzugehen. Nicht nur in Frankreich ein Thema.

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Kaum weckt der Anschlag auf Charlie Hebdo neue Befürchtungen, wiegelt SPIEGEL ONLINE schon wieder ab, natürlich mit Hilfe einer der berüchtigten Bertelsmann-Studien. 90 Prozent der sunnitischen Muslime in Deutschland, heißt es dort, sind der Ansicht, dass Demokratie eine gute Regierungsform sei. Unklar bleibt, ob die Befragten sie auch für die beste halten. Außerdem wurden, das wird etwas verschämt eingeräumt, nur 85 Gläubige befragt. Valide Forschung sieht anders aus, aber veröffentlichen tut man dies trotzdem. Außerdem: Wer würde ernsthaft auf eine entsprechende Frage einräumen, dass er totalitäre Gesinnungsdiktaturen bevorzugt, zudem die Steinigung von Ehebrecherinnen und Enthauptung von Apostaten? Selbst bei den Schwachköpfen der NPD käme man vermutlich auf ähnliche Zustimmungsraten. Aber würde man solche Ergebnisse, also „90 Prozent der Neonazis für Demokratie“, ernstnehmen? Die Überschrift des Artikels auf SPIEGEL ONLINE lautet im übrigen: „Muslime integrieren sich, Deutsche schotten sich ab“. Die Parallelgesellschaft, die die Deutschen seit Jahren gegen die Muslime errichten, wird wirklich zum Problem.

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Man stelle sich vor, ein paar radikalisierte Deutsche, gerade er AfD beigetreten, stürmen eine Redaktion und erschießen mehrere der dortigen Mitarbeiter. Sofort distanziert sich die AfD, und zwar, da sie uneingeschränkt für Parlamentarismus, Demokratie und damit auch Meinungsfreiheit eintritt, völlig zu Recht. Würde ihr das irgendetwas nützen, würden STERN, SPIEGEL, ZEIT, BILD, FR, TAGESSPIEGEL oder SZ geneigt sein, eine Grenze zu ziehen zwischen ‚der großen Menge friedfertiger AfDler’ und zwei oder drei radikalen Mördern? Kaum.

Zum Beleg Hans-Ulrich Jörges, stellvertretender Chefredakteur des STERN. Er nennt Pegida „Fleisch vom Fleische der AfD“. Solche biologistischen Formulierungen hat man lange nicht mehr zur Politik gehört. Früher hieß das „vom Stamme Juda“. Blockwart-Rhetorik.