‘Hurensonne’ und toxische Kultur

Wie immer ein seltsam disparates Gefühl beim Lesen der ZEIT. Gute Artikel, gute Autoren, trotzdem leichter Ekel. Vermutlich stört mich die Historie. Jahrelang war die ZEIT die Odenwaldschule des deutschen Journalismus: Geleckte Fassade, dahinter komplett verkommen. Nie wirklich liberal, sondern links-konformistisch, voll Servilität gegenüber der DDR, die noch 1989, kurz vor ihrem Untergang, ernsthaft als Alternative gepriesen wurde. Aberwitzig. Und der Gräfin, die wesentlich für all diese Verirrungen und für anti-demokratische Kriecherei steht, ist sogar ein Preis gewidmet. Deutsche Helden. Ohne die schrägen Eigensinnigkeiten von Fritz J. Raddatz und einiger anderer Autoren gäbe es nichts aus diesen Jahren, das irgendwie für dieses Blatt spräche.

 * * *

An alle Achmeds und Rachids, die mich kürzlich auf Twitter beschimpften: Aufgepasst bei der Rechtschreibung! Es heißt “Du Hurensohn”, nicht “Du Hurensonne”. Merkt euch das fürs nächste Mal!

* * *

Der Dichter Gottfried Benn urteilte wenig freundlich über seine Landsleute. „Von konfuser idealistischer Begrifflichkeit“ seien die Deutschen, „prosaistisch dumpf und unpointiert“, ein Volk ohne Verfeinerung, das „hinsichtlich des Geschmacks immer auf das plumpste Pferd setze“. Und das sind noch die geringsten Bosheiten.

Benn schrieb über seine Erfahrungen im Dritten Reich, und man mag ihm nicht widersprechen. Abgesehen von Architektur und Foto haben die Nazis in allen Bereichen der bildenden Kunst und Literatur versagt. Fast kann man von einem Ingenium im Negativen sprechen, so sicher war ihre Begeisterung für das Mediokre, Banale, für den blödesten Kitsch. Und fast alles, was gut war, lehnten sie instinktiv ab.

Aber sind die Abfälligkeiten von Benn eigentlich rassistisch? Man stelle sich vor, jemand würde heute frei heraus bemerken, dass er Dönerbuden, Intensivtätertum und Turksprech kulturell und ästhetisch nicht als Bereicherung empfände. Den öffentlichen Aufschrei kann man sich vorstellen, und ‚Kulturchauvinismus’ wäre der geringste Vorwurf.

Das ist umso erstaunlicher, als die positive Beurteilung eines Volkes oder einer Kulturgemeinschaft nach seinen respektive ihren kulturellen Leistungen durchaus gebilligt wird. Dass die Ermordung oder Vertreibung von rund 650.000 Menschen jüdischer Abstammung im Dritten Reich, viele von ihnen hochgebildet, musisch, leistungsorientiert, dieses Land tatsächlich so „dumpf und unpointiert“ gemacht haben, wie es heute oftmals ist, wird niemand bestreiten; ebenso wird der Aufstieg der Asiaten in den USA als Erfolgsgeschichte dieser Einwanderer gesehen. Warum soll also umgekehrt die kritische Beurteilung von Zuwanderern unzulässig sein? Konkret: Was haben Muslime zur Entwicklung dieses Landes in den letzten 60 Jahren auf den Gebieten Kunst, Forschung, Wirtschaft beigetragen, und würde sich ihr Verschwinden negativ bemerkbar machen in Musik, Literatur, Malerei, Wissenschaft, Ökonomie, irgendwo?

Einige werden schon allein diese Frage für unzulässig halten; tatsächlich hat sie eine lange Tradition, die mit Max Webers Arbeit über den Zusammenhang von Kapitalismus und protestantischer Ethik beginnt. Doch in Deutschland ist die öffentliche Debatte um den Einfluss des Kulturkreises auf wissenschaftliche oder kreative Leistungen fast erstorben, während sie vor allem in den Vereinigten Staaten und Groß-Britannien Gegenstand immer neuer Publikationen ist. Denn auch dem hartnäckigsten Vertreter von der angeblichen Gleichheit und Gleichwertigkeit aller Kulturen muss auffallen, dass einige Kulturkreise eben doch egalitärer, friedlicher, leistungsbereiter sind und weniger von Korruption, Nepotismus oder Frauenfeindlichkeit geprägt als andere.

Wie man die Frage beantwortet, bleibt jedem selbst überlassen; sie lohnt des Nachdenkens wie auch, ob sich der Einfluss der Kulturkreise über die Jahrhunderte verändert. Zu empfehlen ist, auch wegen seiner erfrischend unkorrekten Wortwahl, das immer noch außerordentlich anregende Hauptwerk The Wealth and Poverty of Nations des im letzten Jahr verstorbenen Wirtschaftshistoriker David S. Landes, jahrelang Professor in Harvard und an der George-Washington-Universität. Er hielt den Islam für eine ‚toxische’ Kultur, die der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung vor allem durch die Unterdrückung der Frauen, religiöse Dogmen, Bildungsferne, Trägheit und dem islamischen Machismo entgegenstehe. Viele seiner Forschungskollegen sahen und sehen es ähnlich. Nur in Deutschland wird diese überfällige Debatte leider nicht geführt.

Im übrigen bin ich der Ansicht, dass man die EU bekämpfen und zerschlagen sollte.