Vollverschleierung, Koranverbot – Politik als Placebo

Mal wieder am Reichstag. Versetzt vor dem Eingang seit Jahren Container, in denen sich die Besucher registrieren lassen müssen. Ein sprechendes Symbol für dieses Land: Ohne Sinn für Ästhetik und Willen zur Gestaltung; selbst der Raum vor dem Reichstag ein Provisorium mit der Anmutung eines Hafenlagers. Letztlich zeigt sich hier die Hybris der politischen Elite: Für Besucher, für das dumme Volk reichen Container. Undenkbar vor Congress oder Unterhaus.

* * *

In Augustdorf bei Bielefeld hat ein Mann aus Guinea, der nach Ablehnung seines Asylantrags lediglich ‚geduldet’ wird, eine Prostituierte gewürgt und ihr die halbe Zunge abgerissen. „Ich war unzufrieden mit der Arbeit der Dame“, sagte der Täter bei der Vernehmung. In Berlin tritt ein Lump mit Migrationshintergrund eine junge Frau ohne Warnung und Anlass hinterrücks eine Treppe hinunter. In Münster vergewaltigt ein Eritreer, eingereist 2013, eine 79jährige. In Hameln zieht ein Deutsch-Türke seine Lebensgefährtin an einem Seil mit dem Auto 250 Meter durch die Innenstadt; das Opfer überlebt schwerverletzt. In Kiel zündet jemand, der noch nicht lange hier wohnt, seine Frau auf offener Straße an; die Frau stirbt an ihren Verbrennungen. In Freiburg tötet ein Afghane eine 19jährige, in Bochum vergewaltigt ein Syrer zwei Studentinnen. Angesichts solcher Taten wirkt das Lamento über die ‚Verrohung der Sprache’, angestimmt von unserem Bundespräsidenten, Angela Merkel, Carolin Emcke und anderen Narren von ZEIT und SPIEGEL, noch deplazierter als bisher.  

* * *

Sure 2, Vers 193: „Und kämpft gegen sie, bis es keine Verfolgung mehr gibt und die Religion (allein) Allahs ist.“ Vermutlich die Erfindung der ‚strukturellen Gewalt’. Die Mohammedaner als die ewig Verfolgten, deren hemmungslose Brutalität immer Notwehr.

* * *

Ein Unternehmer aus Kiel, vor dessen Firma die schon erwähnte Frau verbrannte, kommentiert das Verbrechen: „So etwas gab es in den Ländern, aus denen diese Leute kommen, immer“, in Deutschland „sogar noch vor 70 Jahren. Die maßvolle Aufnahme von Asylbewerbern ist ein super erstklassiges Marketinginstrument für D und unseren Export.“ Die Tötung von Kiel als akzeptable kulturelle Prägung, der Holocaust als Verbot eigener Empathie und Empörung, schließlich die Tote als bloßer Buchungsposten des Exports.

* * *

“The Islamic State is a byproduct of Al Azhar’s programs… Al Azhar says there must be a caliphate and that it is an obligation for the Muslim world. Al Azhar teaches the law of apostasy and killing the apostate. Al Azhar is hostile towards religious minorities, and teaches things like not building churches… Al Azhar teaches stoning people. So can Al Azhar denounce itself as un-Islamic?” — Sheikh Muhammad Abdullah Nasr, a scholar of Islamic law and graduate of Egypt’s Al Azhar University.

* * *

Alle für eine, eine für nichts. Der letzte Parteitag der CDU machte einmal mehr deutlich, was die Kanzlerin unter Loyalität versteht. Für ihre Wiederwahl zur Parteivorsitzenden samt 11-minütigem Applaus revanchierte sich Angela Merkel mit der kühlen Absage an den Beschluss ihrer Wähler zur doppelten Staatsbürgerschaft.

Das aber wird für Parteimitglieder nicht die einzige Enttäuschung bleiben. Auch das Verbot der Vollverschleierung, für das die Kanzlerin plädierte, ist Fassadenschieberei. Verfassungsrechtlich dürfte die Chance auf Umsetzung nahe Null liegen.  

Denn in diesem Land steht es jedem frei, sich zu kleiden, wie er mag. Er kann sich Perücken oder Turbane aufsetzen, mit Motorradhelmen oder Balaclava durch die Stadt laufen, sich Schals um den Kopf wickeln. Die Verdeckung des Hauptes ist alles andere als ein aggressiver Akt; im Gegenteil offenbart sich in ihr eher der Anspruch auf totale Privatheit. Man will mit der Welt nichts zu tun haben, nicht angeschaut, von keinem nassforschen Jugendlichen zur Konversation genötigt werden. Mehr Defensive geht nicht. Darin ein offen feindliches Verhalten zu sehen, lässt sich kaum gerichtsfest begründen. Auch der Niqab ist eine freie Entfaltung der Persönlichkeit, wenn auch eine der rabiaten Abgrenzung. Selbst wenn man ihn nicht als Ausdruck der Religionsfreiheit würdigt, wäre die Verschleierung zumindest durch Artikel 2 Grundgesetz geschützt. Dass auf Demonstrationen Vermummungsverbote gelten, dass die offene Gesellschaft offene Visiere erfordert, hat damit nichts zu tun. Wer nicht demonstrieren will, wer keine Lust hat auf öffentliche Debatte, ist frei in der Entscheidung, wie viel er von sich zeigt. Der Einkauf bei Lidl, die Fahrt im Bus erfordert kein ‚offenes Visier’. 

So hat Merkels Vorschlag, und das wird sie wissen, keinerlei Aussicht auf Umsetzung. Das Bundesverfassungsgericht würde ein solches Gesetz umgehend kassieren. Aber vielleicht ist das auch die Absicht: Immerhin könnte Merkel dann sagen, sie habe es zumindest versucht. Besser lassen sich Placebos für’s Parteivolk nicht verpacken.

Und es ist nicht das einzige. Auch Innenminister DeMaizière (CDU) und sein nordrhein-westfälischer Kollege Ralf Jäger (SPD) versuchen seit Wochen, sich als Kämpfer gegen die islamische Unterwanderung zu profilieren. Höhepunkt war das von martialischen Durchsuchungsaktionen begleitete Verbot der Aktion ‚Lies’, der kostenlosen Verteilung des Koran. Dabei dürfte kaum etwas mehr von der Religionsfreiheit geschützt sein als die friedliche Vergabe jenes Bücher, auf dem der Islam als Schriftreligion beruht – zumindest so lange man ihn nicht als verfassungsfeindliche Ideologie von eben diesem Schutz ausnimmt. Das aber ist die entscheidende Frage, und sie ansprechen wollen weder Merkel noch De Maizière oder Jäger. Nicht nur würde eine solche Debatte viele Muslime und damit Wähler und Mitglieder von CDU und SPD düpieren; sie wäre auch das Eingeständnis, dass die AfD mit ihren Warnungen richtig liegt.

Die Verbote von Koranverteilung und Verschleierung sind daher nur Spiegelfechtereien; verfassungsrechtlich haben sie, so lange das Bundesverfassungsgericht seiner törichten Linie der Grundrechtsrelativierung zugunsten von Religionen weiterhin folgt, keine Aussicht auf Bestand. Doch auch in SPD und CDU wachsen offensichtlich die Zweifel an der Vereinbarkeit von Grundgesetz und Islam.

* * *

Laut einem Bericht der Internet-Site zerohedge sollen zahlreiche NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen) an der Einschleusung afrikanischer Migranten nach Europa beteiligt sein. Dies würden Aufzeichnungen über den Pendelverkehr von Booten zwischen Italien und der nordafrikanischen Küste belegen, welche auf den Namen von NGOs wie ‚Ärzte ohne Grenzen’, ‚Save the children’ oder dem Potsdamer Verein ‚Jugend rettet’ registriert sind. Offensichtlich würden die Boote die Migranten direkt in afrikanischen Hafenstädten an Bord nehmen, also als Schleuser arbeiten. Sollte die Politik das Schleusertum tatsächlich bekämpfen wollen, könnte sie bei den hiesigen Niederlassungen der NGOs und ihren Vertretern einmal nachfassen.

Kuba: Fluch der Bildung, Fluch den Ärzten!

Verrücktheiten des Alltags: Mit der Begründung, dass Geschlecht nur ein soziales Konstrukt ist, habe kürzlich ein habilitierter Wissenschaftler mit exzellenten Examina seinen Vornamen von Klaus in Claudia geändert und sich so auf einen Gender-Lehrstuhl einer deutschen Universität beworben. Antwort der Verwaltung: In solchen Fällen zähle allein die biologische Prägung.

* * *

„Weniger Demokratie wagen“. Als Slogan für eine Partei über alle Maßen geeignet.

* * *

Hier und dort Empörung über die freundlichen Worte führender Politiker von GRÜNE, LINKE, SPD zum Tod Fidel Castros. Aber hat man etwas anderes erwartet? Wenn es zwei Konstanten in der linken deutschen Politik gibt, dann diese beiden: Jede Chance zur Narretei wird beherzt ergriffen, dazu Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte desavouiert. Nichts Neues unter der roten Sonne.

Tatsächlich war und ist Kuba ein durch und durch deprimierendes Land, ein Herz der Finsternis in der Karibik, ein Ceausescu-Reich unter Palmen. Überall Geheimdienst und Spitzel, überall Verfall und Fäulnis. Nachts in vielen Häusern und Höfen der Funkenschlag maroder Stromleitungen, die nur deshalb nicht zu Feuern führten, weil das Wasser die Innenwände hinunterlief. Die spanischen Kolonialbauten schwarz von Moos und nassem Schimmel, die sozialistische Plattenarchitektur schon bei Fertigstellung verrottet durch Seeluft und Sonne. Alles kaputt, auch die Menschen. In Erinnerung bleibt Kuba nur durch eine Besonderheit: Es war das einzige Land, in dem man als Mann kaum auf die Straße konnte, ohne dauerhaft belästigt zu werden. Wer abends über den Malecón schlenderte, wurde im Minutentakt von Frauen angesprochen: Ob man mit ihnen schlafen wolle, oder, wenn man das verneinte, mit ihren Töchtern, Müttern, Großmüttern, Tanten, ihren Männern, Vätern, Söhnen? Kein Land hat die sexuelle Selbstausbeutung aus wirtschaftlicher Not so befördert wie eben jenes, dessen Revolution auch durch die Empörung über das Bordellunwesen befeuert wurde, das die Mafia in Havanna betrieb. Und keines ist kapitalistischer, besessen vom Gelderwerb. Wo selbst Gymnasiallehrer nicht mehr als 8 Dollar im Monat verdienen, wo selbst einfachste Konsumgüter nur gegen Devisen zu bekommen sind, wird der Erwerbsgedanke zwangsläufig übermächtig. Und so ist Kuba auch, entgegen aller vorgeblichen Leichtigkeit des Buena Vista Social Club, ein Land ohne Fröhlichkeit, erdrückt von Hoffnungslosigkeit und Langeweile. Selbst der Sex, so schildert es Pedro Guitiérrez in ‚Schmutzige Havanna Trilogie’, ist dort kein Ausdruck von Liebe und Lebensfreude, sondern nur Zeittotschlagerei. Oft, weil mal wieder der Strom ausfällt und Radio wie Fernseher versagen, aber generell aus Mangel an Alternativen. Kein ganz unbekanntes Phänomen sozialistischer Welten. Die klassenlose ist oft auch die emotional verarmte, gleichzeitig übersexualisierte Gesellschaft.

Noch dazu: Das oft als vorbildlich gepriesene Schul- und Gesundheitssystem Kubas war der wohl perfideste Akt des unfidelen Terrors, getreu dem Motto: Wenn das Leben schon trostlos ist, soll es wenigstens lange dauern und jedem bewusst machen, was er alles verpasst – an verbotener Literatur, verbotener Kunst und all den Möglichkeiten jenseits des Meeres.

* * *

Ein Schreiben der privaten Krankenversicherung. Die Beiträge steigen um 20 Prozent. Verantwortlich sei, so die Krankenkasse, unter anderem die Nullzinspolitik der europäischen Zentralbank als Folge der Euro-Rettung. Die Ausplünderung der Deutschen durch Herrn Draghi und seine Helfershelfer in Regierung und Bundestag wird fühlbar. Bei den Lebensversicherungen wird es noch etwas dauern, bis die Deutschen aufwachen. Doch schon die aktuellen Beitragserhöhungen wie auch das nichtexistente Zinsniveau von Bankeinlagen sind ein Grund, alle Befürworter von EU und Euro aus dem Land zu jagen.

* * *

Adenauers Ernennung von Hans Globke, dem Kommentator der Nürnberger Rassegesetze, zum Chef des Kanzleramtes war vielleicht die erste Form einer Willkommenskultur, die über alles Totalitäre hinwegzusehen bereit war: Der Nationalsozialismus gehöre zwar nicht zur Bundesrepublik, aber mit den Nazis könne man sich arrangieren.

* * *

Ein Leser teilt mit, einige Landkreise und Städte Nordrhein-Westfalens würden sensationelle Steigerungen des Fremdenverkehrs vermelden – weil sie die Belegung vormals leerstehender Hotels mit ‚Flüchtlingen’ als Erfolg des Tourismus verbuchten. Eine im übertragenen Sinne doppelte Buchführung, nämlich als doppelte Irreführung: Weder Flüchtlinge noch Touristen. Deutsche Statistiken…

It’s the culture, stupid: Trumps Triumph

„Die mit Vorfahrtsberechtigung erfolgende, forcierte Einschleusung von Frauen in die wirtschaftlichen, halbstaatlichen und staatlichen Institutionen verändert deren Charakter grundsätzlich. Jede leistende Institution braucht, wenn sie funktionieren soll, einen ‚Geist’ und ein Anspruchsethos und muß selbstverständlich an und von ihren Mitgliedern zehren. Der sichtlich nicht umkehrbare Anspruch der Frauen aufs ‚Versorgtwerden’ (und ihre darauf basierende ‚Ethik der Fürsorge’) macht aus Leistungsinstitutionen Sozialwerke, wie man nicht nur an der Aufrüstung der Bundeswehr mit Kindertagesstätten sieht. Die Dysfunktionalität einer Institution (Schule, Universität, Justiz, Medizin, Presse) ist zum Grad ihrer personalen und mentalen Feminisierung proportional.“

„Beim Ausfall des generösen staatlichen Großversorgers wird sich sofort zeigen: Eine Frau ohne Mann ist kein Fisch ohne Fahrrad, sondern ein Parasit ohne Wirt. Um die scheinbare Misogynie zu mildern, sei hinzugefügt: Ein Mann ohne Frau ist in generativer Hinsicht ebenso ein Parasit ohne Wirt.“

Beide Zitate aus einem Essay von Thomas Hoof in der Zeitschrift ‚Sezession’

* * *

Wirklich. Wirklich, wirklich hinsehen müsse man, die Wirklichkeit erkennen, die Sorgen der Wähler wirklich ernst nehmen. So, cum grano salis, SPIEGEL-Chef Klaus Brinkbäumer am Sonntag im ARD-Presseclub. Denn klar sei: Es fehle an wirklichen Bildungsmöglichkeiten, an wirklicher Chancengleichheit. Die Wahl Trumps habe hier ihre Ursache.

Das hatte er zuvor schon im aktuellen SPIEGEL geschrieben. Und viele seiner Kollegen, in den Wochen zuvor mit allen Prognosen am Ziel vorbei, beeilen sich, es ebenso zu sehen. Die Wahl Trumps sei der Aufstand der Abgehängten gegen den sozialen und ökonomischen Abstieg. Der ‘white trash’, so eine unwidersprochene Denunziation am Wahlabend in der ARD, habe Trump ins Weiße Haus befördert.

Aber ist das der scharfe Blick auf die Wirklichkeit, den Brinkbäumer fordert? Wer auf die Kampagne des designierten Präsidenten schaut, kann über diese Interpretation nur staunen. War Trumps Slogan „Arbeiter zuerst“? Forderte er „Mehr Ausbildung, mehr Chancen, mehr Lohn“? Eben nicht. Zwar sprach Trump auch davon, Arbeitsplätze zurückzuholen, aber seine wichtigsten Botschaften waren: „America first!“, “We make America great again!“ und „We want our country back!“ Das sind klar national konnotierte Ansagen. Und auch seine Ausfälle gegen Latinos und Muslime machen deutlich: Es ging um Selbstverständnis, nicht um ökonomische Fragen. Wenn Bill Clinton „It’s the economy, stupid!“ dekretierte, ist Trumps Claim das genaue Gegenteil: „It’s not the economy, stupid. It’s culture and identity!“ Kultur und Identität. Darum geht es im Kern. Und nicht nur dort.

Ein großer rosa Elefant steht im Zimmer, aber kaum einer wagt, ihn zu benennen. Anders als Kommentatoren und Politiker meinen, geht es nicht vorrangig um soziale Fragen. Wäre es so, würden die neuen europäischen Rechtsparteien kaum von Sozialisten und anderen linken Parteien Wähler abziehen; tatsächlich gewinnen sie dort am meisten. Bei den letzten Wahlen wechselten in Baden-Württemberg 90.000 Wähler von den Sozialdemokraten zur AfD, in Sachsen-Anhalt 37.000, in Berlin 24.000 – und 22.000 von der LINKEN. Auch in den USA haben bekanntlich nicht die Demokraten gewonnen, sondern die Republikaner – obwohl dort, anders als in Europa, der Verlust des Arbeitsplatzes den sozialen Absturz bedeutet. Und dennoch siegte Trump!

Worum also geht es? Es geht um die Frage, wer wir sind. Es geht um Leitkultur und Diskurs-Herrschaft. Und es geht um alles, was das linke Projekt ausmacht. Genau deshalb ducken sich die Medien weg.

Denn die Antwort umfasst weit mehr als Multikulti, also die Frage, ob man, beispielsweise in Europa, Angehörige einer rückständigen, oft feindlichen, zumeist parasitären Unkultur ins Land holen und dauerhaft versorgen will. Es geht um die Herrschaft einer Ideologie, die den Menschen als erziehungsbedürftig betrachtet, als Objekt staatlichen Nannytums: Um das linke Projekt der Re-Education zum besseren Menschen, zum immer toleranten, bunten, umweltbesorgten Veganer, der jede Ideologie des Augenblicks umarmt: Neben Multikulti auch Frühsexualisierung, GenderMainstreaming, Inklusion, Feinstaub, Windenergie, VeggieDay, autofreie Zonen. Es geht um die Politik der täglichen Gängelung, um die endgültige Umwandlung des Landes in ein permanentes Erziehungslager.

Diese Erziehungsdiktatur fördert Entwicklungen, die nicht nur Wähler in Amerika nerven. Viele haben es satt, dass angeblich diskriminierte Gruppen ständig bevorzugt werden, bei Jobsuche, Wohnung, Beförderung; satt haben sie auch den absurden und jeder freien Gesellschaft feindlichen Kult um Rücksichtnahme auf irgendwelche Gefühle und Frustrationen, auf Gebetszeiten, Bilder- oder Speiseverbote. Und satt haben sie vor allem, nur deshalb als Faschist, Rassist, Sexist, als bösartig, religionsfeindlich oder dumm bezeichnet zu werden, weil ihre Meinung nicht dem Mainstream entspricht. So wirkt die Wahl in Amerika auch wie ein Entscheid für die Meinungsfreiheit, gegen die Schweigegebote der politischen Korrektheit.

Und es ging um noch etwas, für das das Projekt der Linken steht: Um die Auflösung aller Bindungen. Wer den Neuen Menschen schaffen will, den unsexistischen, nicht-aggressiven, verständnisvollen, weltoffenen, femininen Typus, muss alte Muster brechen. Der Neuprägung hinderlich sind Familie, Heimat, Nation, Kirche, Kameradschaft, Kultur, Geschlecht. Erst die Bindungslosigkeit kreiert den perfekten und perfekt manipulierbaren Menschen, der zwar nicht tolerant ist, aber allem gegenüber gleichgültig – weil er nichts kennt, wofür es sich einzutreten lohnt.

Auch das wurde in den USA abgewählt – die Auflösung aller Bindungen, die Absage an Ehe, Familie, Christentum, Nation. Und genau hier dürfte auch der Schlüssel für die Globalisierungsverweigerung liegen. Viele Amerikaner leben vom Ex- und Import, und auch unter den frei flottierenden Beratern, Ingenieuren und sonstigen Profiteuren der globalen Wirtschaft fand Trump seine Wähler. Aber sie wollten diese Gewinne nicht um den Preis der Entwurzelung. „We want our country back“ ist der Schlachtruf einer Rückbesinnung, die dem Profit nicht alles opfern will. Nicht die globale Wirtschaft haben die Amerikaner abgewählt, sondern die globale Entwurzelung. Dass sich linke Programmatik und ein Neo-Liberalismus, der den Menschen als Arbeitsameise, Logistikproblem und lebendiges Stückgut betrachtet, in dieser Entwurzelung treffen, mag zur Verwirrung beitragen. Aber die Amerikaner als Freihandelsgegner zu betrachten, geht vermutlich fehl. Ihr Protektionismus dürfte ihren Werten gelten, nicht ihren Märkten.

Doch eine Debatte über solche Fragen scheint in Deutschland ausgeschlossen. Was sich öffentliche Debatte nennt, ist tatsächlich öffentliche Predigt, eine dekretierte Meinung ohne Möglichkeit zum Widerspruch. Ob man die anfangs zitierten Sätze zur Rolle der Frau in Institutionen für richtig oder falsch hält, sei dahingestellt; aber dass sie in einer Zeitschrift mit Kleinstauflage erschienen, ist bezeichnend. Zwar verträgt sich das Neutralitätsgebot von Institutionen kaum mit einer Einstellungspraxis, die dieses Gebot zugunsten geschlechtsspezifischer Kriterien verletzt, und auch den fraglichen Einfluß ‚fürsorge-ethischer Konzepte’ auf staatliche Einrichtungen müsste man diskutieren. Aber glaubt jemand ernsthaft, ein solch anti-feministischer Diskurs wäre in SZ oder ZEIT, im SPIEGEL oder selbst der FAZ möglich? Zu Recht meinte die Basler Zeitung mit Blick auf das Versagen der Medien vor wie nach der Wahl Trumps, „ein Beruf schaffe sich ab“ – durch Besserwisserei, Starrsinn und politische Korrektheit. Tatsächlich ist das längst passiert. Nicht der „Abmarsch in die totale Irrelevanz“ ist zu sehen, sondern Ankunft und Verharren.

Über den Niedergang der etablierten Medien muss daher, abgesehen von den Betroffenen, niemand trauern. Zwar haben Presse und Fernsehen noch einen Wert für die Verbreitung nachrichtlicher Fakten; doch ihre Funktion in der öffentlichen Debatte haben sie längst an apokryphe Zeitschriften und das Netz verloren, und mehr noch: demokratie-theoretisch ist der von ihnen verbreitete Mehltau politischer Korrektheit außerordentlich schädlich. Wer daher nach den Verlusten fragt, den der Untergang beispielsweise von STERN, SPIEGEL oder Süddeutsche für dieses Land hätte, müsste auch nach dem Nutzen fragen. Der wäre vielleicht gar nicht so gering.

* * *

Immer wieder der Vorwurf, Trump habe kein konsistentes Programm, er entscheide heute so und morgen anders. Das nannten viele Medien bei der deutschen Kanzlerin einst zustimmend „Fahren auf Sicht“.

Über Schlüsselromane, Hoffnung und Masi

Verehrte Leser, nach 108 Folgen ändert dieser Blog sein Erscheinungsbild. Wie Sie vermutlich wissen, bin ich der AfD beigetreten. Damit wurde ich vom Publizisten zum Politiker, von einer politisch ungebundenen Stimme zu einer meiner Partei.

Beides sollte man klar auseinanderhalten. Und daher ändert sich zwar nicht die Form, aber die Anmutung dieses Blogs – mit einem klaren Hinweis auf meine parteipolitische Bindung. Zudem gibt es nun oben in der Menüzeile einen direkten Link zu meinen Videos sowie die Möglichkeit, sich per Mail über meinen Newsletter informieren zu lassen.

Ansonsten nur die Bitte: Bleiben Sie mir und dieser Seite gewogen, befördern Sie sie auch weiterhin mit Ratschlägen, Anregungen, Kritik! Dafür schon hier meinen Dank!
adler-logo-quadrat-freigestellt

Bei Rossmann: „Entschuldigen Sie, wo finde ich Papierhandtücher? – Im ersten Stock – Und wo dort? – Neben den Damenbinden. – Die kaufe ich selten. – Wieso?“ Einkaufen in Zeiten des GenderMainstreaming…

* * *

Als mein Vater am „Staatsstreich“ arbeitete, unterhielten wir uns über die Möglichkeiten alternativer Geschichte, was also passiert wäre, wenn einer der vielen Anschläge auf Hitler Erfolg gehabt hätte. Höchstwahrscheinlich, so meinte mein Vater, wären die von Hitler gezügelten wie beförderten Rivalitäten zwischen den Männern der zweiten Reihe sofort ausgebrochen. Die NSDAP hätte sich gespalten, mittelfristig wohl die SS als die am besten organisierte und rücksichtsloseste Organisation die Macht übernommen, mit Himmler als Reichskanzler. Vor dem Krieg hätte vielleicht noch das Militär einen Putsch versucht. Alle anderen gesellschaftlichen Gruppen, ob Parteien, Gewerkschaften oder Kirchen, hätten keine Rolle gespielt. „Zivilisatorisch waren sie erschöpft, ihre Parteiabzeichen Feigheit und Hoffnung. Feigheit vor Nachteilen und Hoffnung darauf, dass es wohl nicht so schlimm kommen werde. Beides sind politisch große Verderber“.

Daran gedacht, als ich kürzlich auf einer Autofahrt einmal wieder die griechischen Sagen von Gustav Schwab hörte. Für die alten Griechen gehörte die Hoffnung zu den Übeln der Pandora, die aber nicht aus der Büchse entweichen konnte. Später muss ihr das gelungen sein.  

* * *

Dass ich den Islam zu den totalitären Ideologien zähle, ihn für ebenso bösartig, geist- und kulturfeindlich halte wie den Nationalsozialismus, habe ich schon öfter bekundet, und ich stehe damit nicht allein: Viele Experten sehen es ebenso. Rezeptionsgeschichtlich gibt es allerdings zwei gravierende Unterschiede. Der Nationalsozialismus hatte außerhalb seiner Verehrer keinerlei Freunde, Sympathisanten, Tolerierungsbereite; und es gab zu jener Zeit auch keine anderen Staaten, die seinem terroristischen Gesellschaftsmodell folgten und damit als Abschreckung und Warnung dienen konnten. Das ist beim Islam völlig anders. Und daher Schande über alle, die dies nicht sehen wollen.

Davon gibt es leider viele. Bei der Pressekonferenz zu meinem Parteieintritt zahlreiche frühere Kollegen, die sich über meine Kritik am totalitären Charakter des Islam erregen. Besonders eine junge Frau in einem hübschen kurzen Rock tut sich hervor. Sicher ist: Keiner der Anwesenden könnte in einem islamischen Staat seinen Beruf so betreiben wie hier; die junge Frau dürfte gar nicht arbeiten, wäre in keiner Pressekonferenz und müsste sich verschleiern – und wenn sie dies nicht täte oder heimlich ihrem Beruf nachginge, wäre sie vermutlich bald tot.

Ein Freund sieht die positiven Aspekte der Islamisierung: Endlich könnten die Deutschen das Trauma des Nationalsozialismus’ überwinden. Denn im Vergleich sei der Nationalsozialismus der eindeutig humanere Terrorismus, habe er doch die Frauen sehr viel freundlicher behandelt. Na bitte…

* * *

„Of the people, by the people, for the people…“ Abraham Lincoln, Gettysburg Address. Heute vermutlich als Motto des skandalösesten Populismus’ denunziert.

* * *

Ein Leser beglückt mit dem treffenden Ausdruck: Die Masi!

* * *

Nach 30 Jahren in einem Berliner Café einem Bekannten begegnet, der in Bonn Volkswirtschaft studierte. Zwei Sätze des Hallo, dann ein 10-minütiger Vortrag, warum meine Position zum Islam grundfalsch sei. Mit Höflichkeiten hält man sich nicht mehr auf. Irgendwann meine Rückfrage, was er zum Thema Islam gelesen habe, und was zu staatspolitischen Fragen. Nichts. Die übliche Haltung aller Ideologen: Unkenntnis, Desinteresse an den Arbeiten ausgewiesener Fachleute – und Überheblichkeit.

* * *

Ein anderer Leser schickt dieses schöne Zitat Otto von Bismarcks: “Die Interessen des Vaterlandes dem eigenen Gefühle von Liebe oder Hass gegen Fremde unterzuordnen, dazu hat meiner Ansicht nach selbst der König nicht das Recht.”

* * *

An der Freien Universität Berlin etabliert sich ein neuer Missbrauch der Religionsfreiheit: Regelmäßig würden, so berichtet ein Professor, große Gruppen von Muslimen die Korridore der Universität für angeblich spontane, tatsächlich aber geplante Betübungen besetzen, unter Duldung der Universitätsleitung. Eine weitere Eroberung eines eigentlich religionsfreien Raumes, assistiert von Feigheit und falscher Toleranz. So sei es nur noch eine Frage der Zeit, wann auch das Lehrprogramm von den Muslimen bestimmt werde. Ähnliches hört man aus Hamburg, Köln, Frankfurt.

* * *

„Dem möchte man nicht im Dunkeln begegnen“. Stimmt meistens nicht. Man will dem so Bezeichneten eigentlich nie begegnen, und schon gar nicht bei Tage.

* * *

Ein Freund vertreibt sich mit seiner Frau die Zeit auf Autofahrten mit dem Spiel „Schlüsselroman“. Jedes belletristische Buch werde als Tatsachenbericht genommen, dann in der Welt der Bundesrepublik nach denkbaren Vorbildern der fiktiven Figuren gesucht. Hübsch die Auflösung zur Hauptfigur Francois aus Houellebecqs „Unterwerfung“. Erforderlich sei ein gescheiter, aber nicht nur karrieremäßig frustrierter und deshalb zynischer Mann mittleren Alters, dem Islam gegenüber von korrumpierter Nachsicht. Nach kurzem Nachdenken habe die Frau gemeint: Stegner.

* * *

Welche Folgen hat die von Justizminister Maas geplante Legalisierung von Kinderehen für die Strafbarkeit von Kinderpornographie? Wenn der Geschlechtsakt mit Minderjährigen erlaubt werde, kann der bloße Erwerb, Besitz oder Vertrieb von vergleichbaren Bildern kaum strafbar bleiben. Man sollte den Justizminister darauf hinweisen: Für seinen Parteifreund Sebastian Edathy käme die Liberalisierung zu spät.

* * *

Und wieder einmal herzlichen Dank für jene Spenden, die von Zeit zu Zeit anonym übersandt werden!

Berliner Wahl: Regressionen ins Clanwesen

Zwei Meldungen aus dem Hamburger Abendblatt: Mit 44.000 Euro finanziert die Stadt Hamburg Schwimmkurse für jugendliche Migranten. Der Unterricht findet tagsüber statt, in dieser Zeit sind die Bäder für andere Besucher gesperrt. Wer dies als rassistische Bevorzugung von Migranten gegenüber Deutschen, als Veruntreuung von Steuergeldern und als Klientelpolitik betrachtet, liegt nicht ganz falsch.

Eine weitere Posse leistet sich die von Olaf Scholz (SPD) geführte Stadt in Sachen Terrorismusbekämpfung. Wie sich gerade herausstellte, funktioniert die von der Hamburger Polizei genutzte Software nicht mit den Programmen anderer Bundesländer. Daher ist ein Datenaustausch über Salafisten und andere terroristische Personen gegenwärtig nicht möglich. Nicht einmal in zentralen Fragen der Sicherheit – und 15 Jahre nach 9/11 – ist dieses Land handlungsfähig.

„Ich kenne nur zwei Arten von Zuhörern: Solche, die husten, und solche, die nicht husten.“ Der Pianist Artur Schnabel (1882 – 1951)

* * *

Postdemokratie. Angeblich soll der englische Sozialwissenschaftler Colin Crouch den Begriff 2004 geprägt haben. Gemeint ist eine schleichende Entdemokratisierung demokratischer Strukturen. Zwar werde noch an der Gewaltenteilung zwischen Regierung, Parlament und Ländern festgehalten; tatsächlich aber seien alle Entscheidungen vorab zwischen den Parteieliten ausgedealt; und auch der Einfluß der Wähler auf das politische Personal sei durch Wahllisten marginalisiert. Selbst wer abgewählt werde, könne sicher sein, doch noch irgendwo unterzukommen, und sei es in Straßburg oder Brüssel. So würden Wahlen, also der Kern aller demokratischen Prozesse, inhaltlich entwertet, und ebenso die Arbeit von Parlament und Opposition. Die Selbstherrlichkeit, mit der die Kanzlerin 2015 die Grenzöffnung jenseits jeder parlamentarischen Debatte anordnete, steht exemplarisch für diesen Prozeß; doch schon bei der Entscheidung über die Finanzrettungsschirme hatte das Parlament faktisch abgedankt.

Aber nicht nur das Parlament hat keine Parlamentarier; ebenso scheint es der Demokratie an Demokraten zu mangeln. Das legt zumindest die Berliner Landtagswahl nahe. Auch viele Wähler betrachten demokratische Verfahren offensichtlich mehr als formales Ritual denn als politische Entscheidung.  

Anders lassen sich die Ergebnisse kaum erklären. Rund 70 Prozent der Wähler gaben ihre Stimme Parteien, die die Misere Berlins zu verantworten haben: GRÜNE, SPD, CDU und LINKE. Unter ihrer Herrschaft auf Landes- und Bezirksebene ist die Hauptstadt, wie selbst der linke Tagesspiegel inzwischen attestiert, zu einem failed state geworden, einem gescheiterten Gemeinwesen. Das Schulniveau ist miserabel, ebenso der Zustand der Straßen. Die S-Bahn stellt im Winter ihren Betrieb weitgehend ein, der Flughafen BER ist auch nach 10 Jahren Bau noch nicht im Betrieb; kriminelle Clans beherrschen große Gebiete, die Drogenszene frisst sich immer tiefer in einst geordnete Viertel; die Verwaltung funktioniert nur noch in Ansätzen, selbst einfachste Leistungen wie Auskünfte, Kfz-Umschreibungen oder Anmeldungen dauern Monate; die Einbruchskriminalität steigt von Jahr zu Jahr, seit der Einwanderung gewalttätiger Migrationsbanden auch die Übergriffe auf Frauen.

Doch all dies schert die Wähler wenig. Auch sie sind längst im Modus der Post-Demokratie. Dass demokratische Abstimmungen nur funktionieren, wenn die Wähler bereit sind, Mißwirtschaft zu bestrafen, scheint ihnen nicht bekannt. Tribalistische Solidarität, also die Wahl auch völlig unfähiger Verweser nur aus Gründen des richtigen Stallgeruchs, sind prä- oder postdemokratische Regressionen ins Clan-Wesen. Man wählt aus Loyalitätsbedürfnissen, nicht um Schaden vom Land, sich selbst oder seinen Nächsten abzuhalten. Für eine Demokratie ist das Gift, der Weg in afrikanische Verhältnisse. Die völlig entpolitisierten Wahlplakate von SPD, GRÜNE und CDU, die meist nur die jeweiligen Kandidaten und ihre Namen zeigten, waren bezeichnend: Statt auf Fakten setzt man auf Beschwörung – so wie atavistische Gesellschaften auf das Trommeln des Krals. Dazu passen die gewalttätigen Angriffe auf Plakate und Vertreter der AfD wie auch die desinteressierten Reaktionen der etablierten Parteien. Wo es nur noch um die Wahrung von Clan-Interessen geht, spielen allgemeindemokratische Regeln keine Rolle. Allein entscheidend ist der Familien- oder Parteiverband. Das Problem Berlins sind nicht nur libanesische oder kurdische Clans; gesellschaftspolitischer verhängnisvoller sind die an der Landesspitze – gestützt von ihren post-demokratischen Stämmen.

Noch zur Berlin-Wahl: Erinnert sei an die medialen Reaktionen auf den Brexit. Tenor vieler Kommentare: Demokratie sei zu wichtig, um sie dem Volk zu überlassen. Man plädierte für Annullierung, sofortige Neuwahlen, die Abspaltung Schottlands. Denn die britischen Wähler hätten die Tragweite ihrer Entscheidung gar nicht übersehen; sie seien dumm, uniformiert, unwissend gewesen, hätten sich an der Zukunft ihres Landes versündigt. Wer Wählerbeschimpfungen schätzt, könnte Ähnliches allerdings auch von den Berlinern behaupten, und mit mehr Recht: Immerhin ist hier das Desaster schon eingetreten, im Fall des Brexit dagegen fraglich und nur prognostiziert. Doch in den Zeitungen – nichts.

* * *

Der ehemalige sowjetische Außenminister Molotow wurde lange nach Stalins Tod gefragt, ob der Tyrann noch seine Träume beherrsche. Die Frage zielte auf Alpträume, immerhin hatte Molotow die stalinistischen ‚Säuberungen’ erlebt. Doch der frühere Volkskommissar entgegnete jovial: „Aber sicher, immer wieder! Wir gehen nachts gemeinsam durch brennende Städte!“

* * *

Ein Leser schreibt: „Ironie der offenen Grenzen: Paßkontrollen vor jedem Volksfest.“ So ist es. Die Kontrollen und Zäune, die viele Deutsche an den Grenzen nicht haben wollen, haben sie jetzt im Inland.

* * *

Die WELT berichtet über die exzessiv zunehmende Gewalt gegenüber Schaffnern und anderem Zugpersonal. Selbst die Frage nach der Fahrkarte würde nicht selten als Affront begriffen. Ohne Vorwarnung gebe es spontane Ausbrüche von Gewalt. Ein befreundeter Sozialarbeiter, den ich darauf anspreche, bestätigt diesen Befund. Auch er erlebe das in seiner Arbeit immer häufiger. In Jugendgruppen hätten schon seit Jahren oft Migranten das Sagen. Deren Aggressionspotential färbe ab. Und in einem veritablen Wutanfall fügt er hinzu: Vor allem die Gerichte würden die Entwicklung noch verschärfen. Selbst wenn sogar die zuständigen Sozialarbeiter auf Gefängnisstrafen für ihre Schützlinge drängten, fände sich immer ein nachsichtiger Richter. Änderung sei erst zu erhoffen, wenn die „komplett gescheiterte Ideologie der Resozialisierung“ endlich aus den höchsten Gerichten weiche. Da aber werde noch Jahre dauern.

Die große Stille: Großkoalitionäre Politik

Spaziergang im Berliner Westend, um den Branitzer Platz. Neben prachtvollen Gründerzeit- und Jugendstil-Villen immer wieder platteste Scheußlichkeiten der 70er und 80er Jahre, nun ergänzt durch Town-Houses: Entweder im Strichcode-Modus, also mit öden, allein durch schmal-hohe Fenster gegliederten Fassaden, oder in der Jenga-Variante als versetzt gestapelte Schuhkartons, oft mit Holz verkleidet. Das eine so originell wie das andere. Helfen würde vielleicht eine Gesetzesnovelle, nach der an jedem Haus gut lesbar der Namen des Architekten und seines Lehrers anzubringen ist. Die Verbrecher wären dann benannt, Bauherren möglicherweise gewarnt.  

* * *

Wird eigentlich noch Politik gemacht? Oder ist alles, was Hauptstadt und Regierung umtreibt, bis zur Bundestagswahl im Herbst 2017 auf zwei Fragen reduziert: Auf die Bekämpfung der AfD und die verwaltungstechnische Bewältigung des „Wir schaffen das“, also auf die ebenso endlosen wie ermüdenden Debatten um Integrationskurse, Familiennachzug, Burkas und Bukini? Selbst die Kanzlerin hat offenkundig Zeit, sich mit Dingen zu befassen, die zu früheren Zeiten als unterhalb der Richtlinienkompetenz begriffen wurden: Führerscheine und Kleinkredite. Aber auch bei anderen Ministern fragt man sich, was sie eigentlich zur Rechtfertigung von Position und Diäten unternehmen. Beispielsweise Wolfgang Schäuble. Der Finanzminister baut Schulden ab. Das wäre schon eine Leistung, doch beruht der Erfolg weder auf intelligentem Sparen noch Restrukturierung, sondern allein auf der rechtswidrigen Zinspolitik des Herrn Draghi. Was der Minister hier politisch einstreicht, sind klassische Windfall Profits. Ansonsten: Kein neues Steuerkonzept, kein Abbau der kalten Progression, keine Ideen zur Verbesserung der Finanzverwaltung. Und den Cum-Ex-Betrügereien hat sein Haus jahrelang zugesehen.

Ähnlich ist es bei Frau Nahles. Gibt es sie eigentlich noch? Die absehbare Überforderung des Sozialstaats durch Hundertausende, die weder Asylanspruch noch Aufenthaltsrecht haben, scheint die Sozialdemokratin kalt zu lassen. Lieber gibt sie die Kassandra, mit monatlichen Hinweisen auf die fehlende Qualifizierung der als Facharbeiter bejubelten Migranten. Den dadurch aufgeworfenen Fragen nach Ausnahmen vom Mindestlohn begegnet sie durch Wegducken.

Ruhig ist auch das Familien-Ministerium. Wer dieses Ressort wie Gerhard Schröder für „Gedöns“ hält, kann sich nun bestätigt fühlen. Von Manuela Schwesig ist nichts zu hören. Zwar räumt selbst ihr Parteichef ein, dass die Integration in manchen Städten gescheitert ist und man hier mehr tun müsse – doch was das für die Familienpolitik heißt, will Frau Schwesig nicht verraten.

Und Ursula von der Leyen? Sie hat mit großem Trommelwirbel das bei Truppe und anderen Armeen durchaus beliebte Gewehr G36 ausmustern lassen, nun aber einen Prozess gegen den Hersteller verloren. Ansonsten? Die Aufgaben und Bedürfnisse des Militärs grundsätzlich neu zu bewerten, ist kein falscher Ansatz, aber außer Millionen an aushäusige Berater ist Substantielles noch nicht geleistet worden. Allein das vollmundig propagierte Versprechen, die Armee familienfreundlicher zu machen, ist noch kein Konzept. Und irgendwann sollte sie liefern, und zwar möglichst vor der kommenden Wahl. 

Fast schon traditionell nichts zu vernehmen ist auch vom Ministerium für die Finanzierung von Potentaten und linkslastiger NGOs, bekannt als Entwicklungshilfe, unter Gerd Müller (CSU). In regierungsnahen Kreisen hält sich allerdings das Gerücht, der Etat für Namibia werde für die kommenden Jahre auf rund 80 Millionen im Jahr verdoppelt. Wer dann noch immer den Beteuerungen der Politik glaubt, der deutsche Steuerzahler werde nicht für ein über hundert Jahre zurückliegendes Verbrechen an den Hereros zahlen, mag das glauben. Namibia hat 2,5 Millionen Einwohner und bisher knapp eine Milliarde Euro an Entwicklungshilfe aus Deutschland erhalten.

Diesen Betrag würde man sich auch als Investition in die deutsche Datenautobahn wünschen. Aber Alexander Dobrindt (CSU) ist ebenfalls abgetaucht. Migranten und Willkommenskultur sind halt wichtiger als die Sicherung der infrastrukturellen Zukunft. Ebenso unsichtbar sind Frau Hendricks (Umwelt & Naturschutz), Hermann Gröhe (Gesundheit), Christian Schmidt (Landwirtschaft & Ernährung) und Johanna Wanka (Bildung & Forschung). Dabei ist vor allem die Untätigkeit und Ideenlosigkeit von Frau Wanka angesichts dramatisch einbrechender kognitiver Fähigkeiten und eines steigenden Analphabetismus in Deutschland ein veritabler Skandal. Wofür wird sie nur bezahlt?

Kommen wir zum Innenministerium unter Thomas de Maizière. Glückhaft war schon seine Arbeit als Verteidigungsminister kaum zu nennen, als Innenminister, der niemanden beunruhigen will, ist er von ähnlicher Fortune. Er wird als Verwaltungsfachmann gelobt, und das ist dann auch schon das Urteil: Ein Minister ist er nie geworden.

Bleiben noch Außenpolitik, Justiz und Wirtschaft. Frank-Walter Steinmeier hat einen guten Job gemacht, doch was eigentlich die Leitlinien und außenpolitischen Interessen dieses Landes sind, ist weiterhin unklar. Sigmar Gabriel hat lange gezögert, nun will er doch das Handelsabkommen CETA billigen – und damit, da amerikanische Firmen jederzeit Niederlassungen in Kanada gründen können, faktisch auch TTIP. Irgendwann möchten eben auch Sozialdemokraten bei der Ermächtigung zur Abschaffung zentraler rechtsstaatlicher Grundsätze mitmachen. Im Grunde entspricht der Richtungswechsel Gabriels auch seinem Vorgehen in der Vergütungsfrage für Windenergie: Links ankündigen, rechts handeln. Die absurd hohen Stromkosten muss der Verbraucher weiterhin zahlen – die sozialdemokratisch geführten Nord- und Ostseeländer werden ihren Einfluß schon geltend gemacht haben.

Bleibt Heiko Maas. Ihm kann man fast alles vorwerfen, bis hin zur Verleumdung und Rechtsbeugung; nur mangelnde Aktivität gerade nicht. Der Justizminister scheint zwar die Grenzen seines Amtes nicht zu kennen, aber er versucht zumindest, zu gestalten. Selbst wer keines seiner Vorhaben gutheißt, muss einräumen: Seine Diäten hat sich Maas, ob redlich oder nicht, verdient. Unter den Ministern ist er ein Lichtblick – auch wenn der Blick in den Abgrund geht.

* * *

Eine ältere Freundin hat einen Termin in der Berliner Charité. Um 10 Uhr ist sie dort, nach fast 7 Stunden Warterei lässt sie sich zurück in ihre Wohnung fahren. Einen Arzt hat sie nicht gesehen. Die Krankenschwester, die sie zum Taxi begleitet, raunt ihr zu: „Gut, dass Sie sich das nicht gefallen lassen. Das passiert hier jeden Tag. Wir sind so unterbesetzt, dass wir nicht mehr wissen, wo uns der Kopf steht.“ Aber täglich 1,4 Millionen Euro allein für Sicherung und Unterhalt des immer noch nicht eröffneten Berliner Flughafens. Das Erbe Wowereits und Platzecks.

* * *

Hauptleidenschaften nach Lebensaltern: Sinnenlust, Hochmut, Habgier. Dante Alighieri, unverändert gültig (Dank an CG für den Hinweis).

* * *

Altiero Spinelli (1907 -86), einer der geistigen Väter der EU, war Kommunist. Den Entwurf zur Europäischen Union schrieb er im Gefängnis von Ventotene, und schon dieser erste Entwurf nannte als Ziel den supranationalen, sozialistischen Einheitsstaat. Ist es ganz falsch, den Wunsch nach Einheitlichkeit als Merkmal allen totalitären Denkens zu sehen? Immer der Ruf nach klassenloser, judenloser, staatenloser Gesellschaft, und immer verbunden mit der Abwertung von Individualität, Tradition, Selbstbestimmung.

Chemtrails und Sozialwissenschaften

Eine ungewöhnliche These vertrat am letzten Freitag die geschätzte Heike Schmoll in der FAZ. Nicht nur der Brexit, auch die politische Entwicklung in Frankreich, Polen oder Österreich sei ein Sieg des Populismus, und dieser Populismus wiederum eine Folge der Unterfinanzierung der Geistes- und Sozialwissenschaften. Salopp zusammengefasst lautete die Gleichung: Weniger Soziologie, Politik- und Erziehungswissenschaften bedeutet mehr Doofe, mehr politisch Verirrte und mehr Ratten, die den Fängern hinterherlaufen.

Mit viel größerem Recht lässt sich jedoch die gegenteilige These vertreten: Nichts hat der Bundesrepublik in den letzten 40 Jahren mehr Schaden zugefügt als der exzessive Ausbau dieser Forschungsfelder, die sich zwar Wissenschaften nennen, bis heute aber keine einzige Erkenntnis liefern konnten, die nicht von Teilen der eigenen Fachrichtung bestritten würde; selbst über die Erkenntniswege herrscht seit Jahren Streit. Und schon 1979 warnte der Soziologe Friedrich Tenbruck vor dem Einfluß der Sozial- und Humanwissenschaften – übrigens in der FAZ. Nachdem die Naturwissenschaften mit dem Bau der Atombombe ihren Sündenfall erlebt und gezeigt hätten, das Wissen immer zur Anwendung dränge, es also keine unbefleckte Erkenntnis gebe, drohten nun ähnliche Gefahren von Seiten der Sozialwissenschaften. Denn all die Pädagogen, Psychologen, Soziologen, Gesellschaftsstatistiker und Erziehungswissenschaftler, die an Universitäten, in Stiftungen, Gewerkschaften, den Stabsstellen von EU wie Bundestag und in vielen Think Tanks arbeiten, würden ebenfalls nicht im Raum der Unverbindlichkeit leben. Auch sie wollten ihr Wissen – oder das, was sie dafür hielten – einmal ausprobieren, und wie die Atomwissenschaftler natürlich im besten Glauben. Die Gesellschaft sollte verbessert werden, nämlich gerechter, sozialer, gleicher, friedlicher. So begann das Experiment des Gesellschaftsumbaus.

Wer auf die großen Projekte der letzten Jahrzehnte schaut, findet überall den Einfluß dieses sozialwissenschaftlichen Optimierungswahns. Ob Rechtschreib- und Bildungsreform, ob Vegetarismus, Windkraft, Umweltschutz, Inklusion und Gendertum, ob Feinstaub oder das indoktrinäre Gerede von Deutschland als einem Einwanderungsland – immer ging es um angebliche Verbesserungen der Gesellschaft, um Schutz von Migranten, Minderheiten, Legasthenikern, Hühnern, Luft oder Kröten. Und selbstredend auch um mehr Offenheit, Verständnis, Toleranz. Dass man zu diesem Zwecke selbst Grundschulkinder gegen ihren Wunsch mit dem Wissen um Analsex, Blowjobs und andere Sexualpraktiken behelligt, ist nur konsequent: Erst die völlig Re-Education schafft den perfekten Menschen, und wer die Zukunft formen will, muss die Kinder beherrschen. Auch das jüngste Projekt der schwarz-rot-grünen Landesregierung in Sachsen-Anhalt, den Geschichtsunterricht künftig von Daten und Jahreszahlen zu befreien, entspringt diesem Geist – man will die „narrative Kompetenz“ der Schüler – genau – verbessern. Und wie die Naturwissenschaftler nicht bei der Atombombe stehenblieben, sondern Wasserstoff- und Neutronenbombe nachschoben, hat auch der Machbarkeitsrausch der Gesellschaftstüftler nun die Waffen der ultimativen gesellschaftlichen Vernichtung entdeckt: Wahllose Einwanderung und Willkommenskultur. Doch schon nach einem Jahr wird deutlich: Wie bei der Spaltung des Atoms löst auch diese Wissenschaft nicht notwendig Probleme, sondern schafft viele erst.

Insofern muss selbst hier die EU einmal gelobt werden. Sollte sie, wie Frau Schmoll beklagt, ihre Mittelvergabe zulasten der Sozialwissenschaften kürzen, wäre das ein richtiger Schritt. Denn generell sollte darüber nachgedacht werden, wie der gesellschaftsschädliche Einfluß der Sozialwissenschaften einzudämmen ist. Denkbar wäre beispielsweise, Lehrstühle und akademischen Nachwuchs auf maximal 5% der naturwissenschaftlichen Fächer zu begrenzen.

* * *

Zur Diskussion um Burka, Nikab, Kopftuch: Absehbar der Hinweis der Verteidiger, dass die Verschleierung im Koran nicht erwähnt sei, daher auch nicht als religiöses oder fundamentalistisches Zeichen verstanden werden könne. Aber auch das Hakenkreuz findet sich weder in Hitlers ‚Mein Kampf’ noch in den programmatischen Schriften von Goebbels oder Strasser. Hat es deshalb keine symbolische Bedeutung?

Pars pro toto. Generell leidet die Erörterung des Islam und seiner Vereinbarkeit mit pluralistischen Gesellschaftsmodellen an der Fixierung auf seine Quellen. Daraus entsteht das berüchtigte Suren-Pingpong der Talkshows: Ein Experte verweist auf einen Vers, der nächste auf einen anderen, der dem vorigen direkt widerspricht. So lässt sich alles begründen, und auch dessen Gegenteil.

Ergiebiger scheint der empirische Ansatz, den Islam allein an seinen Taten und seinem Wirken zu messen, also am bunten Strauß humaner, moralischer, politischer und kultureller Defizite: An der mordbereiten Verfolgung von Homosexuellen, Apostaten und Andersgläubigen; an der Abwesenheit aller grundlegenden Freiheitsrechte in islamischen Ländern; an der Unterdrückung der Frau; an Genitalverstümmelungen, Kinderheiraten, Amputationen und Todesstrafen; an seiner wirtschaftlichen wie wissenschaftlichen Rückständigkeit; an Einparteiensystemen und totalitärem Anspruch; an Fatwas und Anschlägen; an seinem Hass auf jede fremde oder freiheitliche Kultur; und besonders am Schweigen der ‚friedlichen Mehrheit’ zu all diesen Dingen.

Der rein empirische Ansatz würde nicht nur sinnlose Koran-Exegesen beenden; ebenso liefert er den richtigen Maßstab für die blutigen und inhumanen Phasen des Christentums. Dass es sie gab, ist unbestritten, und es gab sie eben trotz der schönen Bergpredigt. Doch auch diese hatte in jenen Zeiten für das tatsächlich gelebte Christentum so wenig Bedeutung wie die Barmherzigkeits-Suren für den tatsächlich gelebten Islam der Gegenwart. Und wie man heute Hexenverbrennung, Inquisition und Zwangsmissionierung bekämpfen müsste, und sogar generell das Christentum in seiner damaligen Form als totalitäre Ideologie, so gilt dies nun für den totalitären, blutigen Islam unserer Zeit.

* * *

Zwei Tage lang mehrfach versucht, das Berliner Landeskriminalamt zu erreichen. Immer die gleiche Erfahrung: Nach 15-maligem Klingeln die Ansage: „Der gewünschte Teilnehmer ist zur Zeit nicht erreichbar.“

* * *

Martin Neuffer, einst NDR-Intendant und Oberstadtdirektor von Hannover, veröffentlichte 1982 unter dem Titel „Die Erde wächst nicht mit“ seine Gedanken zur absehbaren Überbevölkerung und Migration. Darin finden sich bemerkenswerte Sätze:

–       „Die reichen Länder (…) werden Minenfelder legen, Todeszäune und Hundelaufgehege bauen. Die DDR wird endlich eine lukrative Exportindustrie in Grenzsicherungssystemen entwickeln können.“

–       „In Wirklichkeit handelt es sich (bei der Einwanderung kulturfremder Menschen) gar nicht um Einwanderung, sondern um eine Art friedlicher Landnahme.“

–       „Alles deutet darauf hin, dass solche Wanderungen insgesamt weit mehr Probleme schaffen, als sie lösen – und das nicht nur vorübergehend, sondern über lange geschichtliche Zeiträume.“

–       „Andererseits führt die gutgemeinte Integrationspolitik der Bundesrepublik zu oft untragbaren Belastungen für deutsche Kinder und Lehrer.“

–       „Politische Auseinandersetzungen radikaler Ausländergruppen, besonders der Türken, führen zu zusätzlichen Krawallen und zur Beeinträchtigung der Sicherheit und des Friedens auf den Straßen und Plätzen unserer Städte. Die Gruppen exportieren die heimischen Konflikte nach Deutschland und tragen sie hier mit aller Rücksichtslosigkeit aus. Sie wenden sich dabei immer stärker und immer radikaler auch gegen die deutsche Polizei.“

–       „Die schwerwiegendsten Probleme sind bei den Türken entstanden. (…) Die Verlagerung des türkischen Bevölkerungswachstums in die Bundesrepublik ist (…) ein gemeingefährlicher Unfug.“

–       „Die Gefahr, dass alle Integrationsbemühungen völlig illusorisch werden und dass sich zugleich eine Art türkisch-islamisches Subproletariat bildet, liegt auf der Hand.“

–       Das bedeutet, dass auch das Asylrecht neu geregelt werden muss. (…) Es ist eine Illusion zu glauben, die Bundesrepublik könne in dieser Lage die Grenzen für alle Asylanten der Erde weit offen halten.“

Neuffer galt innerhalb der SPD als links. Und auch der SPIEGEL unter seinem damaligen „Im-Zweifel-links“-Herausgeber Rudolf Augstein hatte mit dem Abdruck dieser Analyse offensichtlich keinerlei Probleme.

* * *

Zur Verschwörungstheorie der Chemtrails, wonach die Kondensstreifen der Flugzeuge mit bewusstseinsverändernden Chemikalien angereichert würden, bemerkt ein Freund lakonisch: Wissenschaftlich sei dies vielleicht nicht nachweisbar, empirisch allerdings völlig unbestreitbar. Anders seien Personen wie Jakob Augstein, Caroline Emcke oder Heribert Prantl nicht zu erklären.

Priesterherrschaft durch Elendspropaganda

„Kein schöner Land in dieser Zeit…“ hieß das berühmteste Lied der Wandervogel-Bewegung. Heute muss man sagen: Stimmt nicht, viele andere Länder sind landschaftlich deutlich schöner: Frankreich, Teile Italiens, Südengland, Wales. Überall dort sieht man durch Mauern oder Wallhecken parzellierte Felder, auf denen oftmals mächtige, vielhundertjährige Eichen oder Platanen stehen. Und auf den Weiden tummeln sich Pferde, Schafe und Ziegen in bunter Mischung, zuweilen auch Schweine. In Deutschland dagegen monokulturelle Riesenfelder sowie Hühner- und Schweinezuchtfabriken. Der einstige Zauber der deutschen Landschaft, in vielen Briefen und Tagebüchern von Reisenden des 18. und 19. Jahrhunderts festgehalten, ist verflogen. Landschaftsgestaltung heißt immer noch Flurbereinigung, also industrielle Normierung von Natur. Der architektonische Brutalismus der 70er Jahre, in den Städten glücklicherweise etwas zurückgedrängt, scheint auf dem Lande weiterhin zu herrschen. Und niemand diskutiert auch nur über das Thema. 

* * *

Ein Kenner der Szene schickt den Bescheid einer Migrantenfamilie mit fünf Kindern nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Monatlich 3.612.- Euro werden überwiesen „zur Deckung des notwendigen Bedarfs an/für Ernährung, Bekleidung, Gesundheits- und Körperpflege“. Kostenlos wird die Wohnung gestellt, ebenso ärztliche Leistungen und Integrationskurse. Warum eigentlich noch arbeiten? (Dank an PS)

* * *

Der bleibende Eindruck der olympischen Spiele: Die Brasilianer sind unerfreuliche Gastgeber. Parteiisch, unfair, nationalistisch. Ob beim Wettkampf der Beachvolleyballer, der Stabhochspringer oder Fußballer, die Gegner wurden mitleidslos ausgepfiffen, selbst noch bei der Siegerehrung. Da waren die Engländer ganz anders, und eben auch die Deutschen.

* * *

Dass der Westen verkommen, dekadent und unmoralisch sei, behaupten nicht wenige Anhänger des Islam, auch solche mit deutschem Pass. Aber kann man sich irgendetwas Verkommeneres, Dekadenteres und Unmoralischeres vorstellen als den Kindesmißbrauch qua Ehe, der nun in der Türkei, aber auch in vielen anderen muslimischen Ländern erlaubt ist?

* * *

1975 veröffentlichte der Soziologe Helmut Schelsky eine prophetische Arbeit, in der er nicht nur die Überforderung des Sozialstaats, die Diskreditierung des jeweils herrschenden Verhältnisse und die Willkommenskultur vorhersagte, sondern auch den Hass auf alle, welche – wie Pegida oder AfD – die Diskurshoheit der Linken in Frage stellen. „Die Arbeit tun die anderen – Klassenkampf und Priesterherrschaft der Intellektuellen“ wurde, obwohl keine einfache Lektüre, zum Bestseller; heute ist das Buch fast vergessen, und das zu Unrecht. Denn Schelskys Thesen sind, mag man auch einiges in anderer Form schon gelesen haben, unverändert anregend wie aktuell.

Mit der Erosion des christlichen Glaubens und seiner Erlösungserwartung im Jenseits, so der Ausgangspunkt, sei die Erlösung im Diesseits die große Hoffnung der Menschen geworden – und dies nicht nur bei Kommunisten (Paradies als Ende aller Klassen) oder Nazis (Paradies als Ende aller völkischen Unreinheit). Auch der moderne Sozialstaat verspreche die irdische Beseitigung aller Mühen, Ängste und Leiden, ob Armut, Hunger, Krankheit, Ausbeutung, Wohnungsnot oder Diskriminierung. Und wie zuvor die katholische Kirche oder kommunistische Partei würde auch die soziale Heilslehre des demokratischen Staates ihr eigenes Priestertum erschaffen, nämlich an Universitäten, im Kulturbereich, in Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften und Medien.

Dieses Priestertum sei ebenso auf seine Macht fixiert wie früher Pfaffen oder Kader. Und weil es in heutigen Sozialstaaten bald an existentiellen Gefahren wie Kriegen, Räubern oder Hungersnöten mangele, auch Pest und Cholera verschwunden seien, müsse die Kaste der Sozialpriester immer neue Mißstände erfinden, um die eigenen, gut alimentierten Positionen als Mahner und Warner zu erhalten. Daher das unaufhörliche Entdecken angeblicher Diskriminierungen, angeblicher Armut, angeblichen Leistungsdrucks, angeblicher Gerechtigkeitslücken oder ganz generell der angeblichen Inhumanität des ganzen ‚Systems’. Wenn auch das nichts mehr hergebe, behelfe man sich mit dem Hinweis auf ferne Länder: Dem (angeblich von uns verschuldeten) Elend in Afrika, dem Krieg in Vietnam (oder heute Syrien), der Ausbeutung in Bangladesch. Schelsky spricht von „geborgtem Elend“ und „Elendspropaganda“, mit dem der „eigentliche (und das heißt: der eigentlich unsägliche, untragbare) Zustand der eigenen Gesellschaft daueraktualisiert“ werde.  

Nur diese Daueraktualisierung garantiere den Einfluß der Priesterschaft. Und eben deshalb hätte jene Priesterschaft ein ureigenes Interesse, den Zustand der perfekten Gesellschaft nie zu erreichen. Wäre dies der Fall, wären alle Propheten des Elends arbeitslos. So verlagerten sie die Erlösung immer erneut in die Zukunft oder ferne Welten, während sie zugleich den konkreten gesellschaftlichen Zustand – wie heute beispielsweise in vorgeblich wissenschaftlichen Studien der Bertelsmann-Stiftung oder der paritätischen Wohlfahrtsverbände – permanent als ungenügend oder ungerecht desavouierten.

Damit aber werde das Erlösungsversprechen immer abstrakter, die christliche Nächsten- durch die soziale Fernstenliebe ersetzt. Es entstehe ein „abstrakter Humanismus, der den Tod am Hoangho (oder heute: Lampedusa) aktueller empfindet als den Tod des einsam und ohne Unterstützung sterbenden Nachbarn im gleichen Mietshaus“. Diesem oder anderen Landsleuten zu helfen, würde als bürgerlich-egoistisch oder als partikulares, letztlich unsoziales Verhalten betrachtet. Denn nur das abstrakte Leid nutze der Priesterschaft. Anders als konkrete Mißstände könne es weder beseitigt noch auf seine tatsächliche Schwere geprüft werden. Kein Denken verweigere sich der Wirklichkeit beharrlicher als dasjenige, das sich „kritisch“ nennt.

Einher mit der Betonung abstrakten Elends gehe die Verleumdung der erfahrenen, oftmals gar nicht so schlechten Wirklichkeit. Dies betreffe vor allem die privaten Glücksbedürfnisse: Konsum sei Selbstentfremdung, Autofahren Luftverschmutzung, Fernreisen unöko, Familie vorgestrig. Gestützt auf die soziale Vormundschaft der Medien vollziehe sich eine sozialreligiöse Theologisierung des Denkens. Nicht zufällig entspreche die humanitär-ökologische „Bewußtseinsänderung“, die Grüne und andere Linke seit Jahren propagieren, der christlichen Bekehrung. Und wie christliche Glaubensgemeinschaften Ketzer verfolgten und exkommunizierten, gebe es auch in der Welt der modernen Sozialreligionen die Phänomene des sozialen Exorzismus’, der Dämonologie und Teufelslehre.

Möglich sei die „Gegenkirche des Laizismus“ nur in überreichen Gesellschaften, die das Leben als leicht und sicher erlebten. Denn erst dies ermögliche den Diesseitsutopisten ihr Dasein im Spekulativen, in der Beschäftigung mit immer neuen Weltverbesserungen, heute also mit GenderMainstreaming, EqualPay, FairTrade, bedingungslosem Grundeinkommen oder Inklusion. Wo hingegen wirkliches Elend herrsche, fänden die Priester des Elends kein Gehör. Daher lasse sich die Herrschaft der Intellektuellen, welche die Gesellschaft zerstöre, nur dort errichten, wo das Bewußtsein für die grundlegenden wirtschaftlichen Abhängigkeiten des Lebens geschwunden sei. Spöttisch zitiert Schelsky Wyndham Lewis´ berühmtes Diktum: „Nur die Reichen sind revolutionär!“

Über die Folgen dieses Sozialutopismus machte sich Schelsky keine Illusionen. Hobbes habe umsonst gelebt, und auch Kant, Wilhelm von Humboldt, alle Vertreter der Aufklärung und des klassischen Liberalismus. Auch die Gesellschaft werde keineswegs lebenswerter. Jede Verbrüderung mit Fremden, wie sie der weltumfassende Humanitarismus fordere, sei notwendig eine abstrakte Verbrüderung, die auf Gesinnungen beruhe. Doch definiere jede Gesinnung immer auch Gesinnungsfeinde. Das aber steigere die Gewalt in der konkreten Lebenswelt, und nicht zufällig gingen „abstrakte Moral- und Friedlichkeitsansprüche mit Aggressionen und Feindschaften im engsten Lebensbereich perfekt zusammen“. Klarer ist der innere Widerspruch der Antifa, aber auch vieler Befürworter der Willkommenskultur kaum zu benennen. In den Worten des von Schelsky zitierten George Sorel: „Aller Idealismus und Optimismus ist grausam. Je heißer die Liebe zur Menschheit ist, je glänzender das Glück der Erde, das man erhofft und erstrebt, desto leidenschaftlicher ist der Hass gegen die Menschen, die dem allgemeinen Menschheitsglück im Wege stehen. Die charismatische emotionelle Tyrannei steigt aus der Gesellschaft empor, die dem Enthusiasmus preisgegeben ist.“

* * *

„Statt in der Wirtschaftspolitik findet der Sozialismus heute in der Kulturpolitik statt. Die ganze Wucht ideologischer Auseinandersetzungen verlagert sich (…) auf den subventionierten Kulturbetrieb (Theater, Kulturprogramme der Rundfunkanstalten, Erwachsenenbildung, Kunstpreise). All der moralische Rigorismus und das utopische Denken, die früher einmal Einfluß auf die wirtschaftspolitische Programmatik der SPD hatten, findet sich heute konzentriert im subventionierten Kulturbetrieb und der Bildungspolitik.“ Der Soziologe Erwin Scheuch, 1968. Gilt unverändert.

Zu Religionsfreiheit – und anderen Torheiten

Im Burgund gelegentlich Gebäude, an denen noch schwach die alte Widmung zu erkennen ist: Orphelinat, Findel- oder Waisenhaus, meist mit einem Heiligen als Patron. Vor der Erfindung der gefahrlosen Abtreibung und der Empfängnisverhütung konnten diese Häuser über Zulauf nicht klagen; heute sind sie selbst verwaist. Dabei handelt es sich um eine Institution, über deren Wiederbelebung man nachdenken sollte. Denn es werden nicht nur zu wenige Kinder geboren; es werden auch zu viele umgebracht. Mehr als 100.000 Abtreibungen verzeichnet allein Deutschland pro Jahr, in ganz Europa sind es mehr als eine Million.

Statt dieses Leben zu vernichten, sollte man es Findelhäusern anvertrauen, beispielsweise unter kirchlicher Aufsicht. Warum die Kirchen das nicht längst tun, ist ohnehin kaum zu beantworten. Statt „Brot für die Welt“ wäre auch „Lasset die Kinderlein zu mir kommen“ eine christlich akzeptable Parole. Nicht nur könnten die Kirchen junge Menschen für den christlichen Glauben begeistern, sondern auch in Konkurrenz zu den staatlichen Schulen treten – und zeigen, dass sie Erziehung wie Menschenbildung besser beherrschen, von der christlich-kulturellen Fundierung ganz abgesehen. Ausbildungsberufe könnten sich anschließen, Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbände hier ebenfalls aktiv werden. Nicht zuletzt wäre es wohl für viele Mütter eine Erleichterung, sich nicht gegen das Leben ihrer Kinder entscheiden zu müssen. Und wenn Deutschland zu wenig Kinder hat, könnte man noch die unerwünschten Kinder anderer Länder aufnehmen. Auch das wäre christlich oder barmherzig gedacht.

* * *

Auch wer keinerlei juristische Kenntnisse hat, vielleicht – um nur ein Beispiel zu nennen – Theaterwissenschaften und Publizistik studierte und für die FAS arbeitet, hält eines für gewiß: Artikel 4 Grundgesetz schützt den muslimischen Glauben und seine Ausübung. Sicher ist das jedoch keineswegs, das Verfassungsgericht hat nie Gelegenheit gehabt, die Sache zu klären. Sicher ist allerdings folgendes:

– Der Islam lehnt Parlamentarismus, Gleichberechtigung, Glaubens- & Meinungsfreiheit sowie bürgerliche Autonomie ab. Daher sind diese Rechte in allen Ländern, in denen der Islam zur Verfassung gehört, nicht existent.

– Eine Trennung zwischen säkularen und religiösen Werten gibt es für den Islam nicht. „Der Islam ist politisch, oder er ist nicht Islam“ (Ayatollah Chomeini). Deshalb existiert auch kein reformierter oder Euro-Islam, der wie das Christentum eine zweite normative Ordnung neben der eigenen akzeptiert. Der Islam zielt auf geistige UND weltliche Macht, und er zielt auf die vollständige, also totalitäre Beherrschung des gesamten Lebens.

Damit ähnelt der Islam weniger anderen Religionen als politischen Ideologien wie Kommunismus oder Nationalsozialismus. Auch solche nicht-religiösen Weltanschauungen fallen zwar ausdrücklich in den Schutzbereich des Artikels 4 GG, werden aber eben dann nicht geschützt, wenn sie zentralen Verfassungswerten feindlich entgegenstehen – was beim Islam, siehe oben, unzweifelhaft der Fall ist. Die selbst von Seiten der Regierung zuweilen vertretene Ansicht, der Schutz des Artikel 4 GG gelte absolut, ist schlichter Unfug. Anderenfalls müsste man auch Nazis und Kaderstalinisten die freie Ausübung ihrer Weltanschauung zugestehen.

Im übrigen bedeutet ein Verbot des Islam und seiner Symbole so wenig eine Vertreibung der Muslime wie das Verbot des Nationalsozialismus’ eine der Nazis. Lediglich die Ausübung dieser verfassungsfeindlichen Ideologie wird untersagt. Auch darauf muss man FAZ-Redakteure heute wohl hinweisen. Ob man den segensreichen ‚Radikalenerlaß’, einst unter Kanzler Willy Brandt formuliert, wieder reaktiviert, wäre zu überdenken.

Noch zum Vorigen eine Zitat von Hamed Abdel-Samad: „Aber was ist Faschismus? Er ist eine politische Religion, mit Wahrheiten, mit Propheten, mit einem charismatischen Führer, der mit einem vermeintlich heiligen Auftrag ausgestattet ist, die Nation zu einen und die Feinde zu besiegen. Das ist der Islam auch, haargenau. Der Faschismus teilt die Welt auf in Freund und Feind, beim Islam sind es Gläubige und Ungläubige. Die Verschwörungstheorien im Faschismus, das Gefühl der Erniedrigung und des Zukurzgekommen-Seins, diese Rachlust und die Entmenschlichung der Feinde, sind allesamt im Islam zu finden.“

* * *

Vor der Gedächtniskirche in Berlin zwei Wesen im Tschador. Die Verschleierung ist der Fackelmarsch des Multikulturellen.

* * *

Zum Thema Barmherzigkeit ein kurzer Absatz aus ‚Wittgensteins Neffe’ von Thomas Bernhard, dem Meister der egoman-repetitiven Komik. Sehr empfehlenswert ist hier die Hörbuch-Fassung, gelesen von Thomas Holtzmann: „Beispielsweise beschäftigten den Paul arme Leute – und rührten ihn. Mich beschäftigten sie, aber sie rührten mich nicht, weil ich durch meinen Denkmechanismus über dieses welt-alte Thema zu einer Rührung in der Art Pauls niemals fähig gewesen bin – und auch heute dazu nicht fähig bin. Der Paul ist in Tränen ausgebrochen über ein am Ufer des Traunsees hockendes Kind, welches tatsächlich von einer, wie ich sofort gesehen habe, durchtriebenen Mutter nur zu dem abstoßenden Zweck an das Traunseeufer gesetzt worden ist, die Vorübergehenden zu Rührung und schlechtem Gewissen aufzureizen und um ihre Brieftaschen zu öffnen. Ich hatte zum Unterschied von Paul nicht nur das von seiner habgierigen Mutter mißbrauchte Kind und sein Elend, sondern dahinter – in einem Gebüsch kauernd und in ekelhafter Geschäftstüchtigkeit einen ganzen Haufen Papiergeld zählend – dazu auch die Mutter des aufs Gemeinste mißbrauchten Kindes gesehen. Der Paul sah nur das Kind und sein Elend, nicht die dahinter sitzende, geldzählende Mutter, und er flennte sogar und gab dem Kind, sich sozusagen seiner eigenen Existenz schämend, einen 100-Schilling-Schein. Während ich die ganze Szene durchschaute, hatte der Paul nur den oberflächlichen Teil dieser Szene gesehen, die Not des Kindes in seiner Unschuld, nicht die gemeine Mutter im Hintergrund, die perverse, niederträchtige Ausnützung sozusagen der Gutmütigkeit meines Freundes, die ihm verborgen bleiben, die ich aber sehen musste. Es ist charakteristisch für meinen Freund, dass er nur das oberflächliche Bild des leidenden Kindes gesehen und ihm den 100-Schilling-Schein gegeben hat, während ich die ganze widerliche Unverfrorenheit der ganzen Szene zu durchschauen gehabt hatte – und dem Kind naturgemäß nichts gegeben habe. Und es ist charakteristisch für unser Verhältnis, dass ich meine Beobachtung für mich behalten habe, um den Freund zu schützen, ihm nicht gesagt habe, dass hinter dem Gebüsch die gemeine, niederträchtige Mutter Geld gezählt hat, während ihr Kind, von ihr erzwungen, das Theater das Elends zu spielen gehabt hat. In der oberflächlichen Anschauung der Szene ließ ich ihn allein und ließ ihm dem Kind den 100-Schilling-Schein geben und flennen und ich klärte ihn auch später nicht über die ganze Szene auf.“

* * *

„Der hässliche Deutsche ist stets Nazi oder Gutmensch.“ Bassam Tibi. Willkommenskultur als Nachfolgerassismus.

* * *

Ende des 19. Jahrhunderts hatte das ‚geistige Weltdorf’ Heidelberg, so steht es in der Max-Weber-Biographie von Jürgen Kaube, mehr Zigarrengeschäfte als Kohlenhändler, mehr Buchhandlungen als Anwaltskanzleien, mehr Brauereien als Apotheken. Dazu kamen rund hundert Bäckereien, zweihundertfünfzig Lebensmittel- und Delikatessenhandlungen. Es war eine Stadt, geprägt von der Universität und ihren Honoratioren. Regelmäßige Abendeinladungen zu Fachgesprächen, denen sogar akademische Termine zu weichen hatten, waren selbstverständlich, die Teilnahme war verpflichtend. Heute, so erzählt ein befreundeter Professor, sei jede gelehrte Geselligkeit passé. Die Kollegen hätten kein Interesse am Austausch, von fachübergreifenden Debatten ganz zu schweigen. Die meisten bewegten nur Fragen des universitären Klatsches sowie der Verwaltung und Karriere. Die Universität als Ort des wissenschaftlichen Gesprächs sei gescheitert. Im Grunde kann man zum Privatunterricht zurückzukehren. Das wäre vermutlich qualitativ ein Fortschritt.

Auch hübsch: Seit unter dem Begriff ‚Bologna’ der gleichnamige Prozeß zur europaweiten und nachhaltigen Qualitätssenkung des Studiums eingeführt wurde, werden die Leistungen der Studenten mit sogenannten ‚Credit Points’ bewertet. Schon dieser Begriff zeigt einmal mehr, worum es bei fast allen europaweiten Projekten wirklich geht: Ums Ökonomische, und daher gibt es keine Noten oder Zensuren mehr, sondern eben ‚Kreditpunkte’. Seit kurzem, so berichtet jener Professor, bekomme solche Credit Points auch jeder, der sich irgendwie für Flüchtlinge einsetze, wobei die bloße Behauptung als Nachweis genüge. Auch das Studium wird inzwischen an der Gutmenschlichkeit gemessen.

Barmherzigkeit und Langeweile

Twitter sei ein verlässliches Messinstrument für politische und sonstige Torheit, schrieb ich vor kurzem. Diese Woche belegte meine These überreich: Frau Künast twitterte Dummheiten zum Anschlag in Würzburg, Herr Augstein empfahl dem Westen, endlich die Waffen niederzulegen, einige deutsch-türkische Mitbürger glänzten mit rassistischen Hass-Tweets. Und die Morde in München zeigten einmal mehr, wie schwierig die Beurteilung der aktuellen Lage per Twitter ist, wenn sich Zeugenaussagen zu Täterzahl, Waffenart und Äußerungen des Mörders widersprechen.

Medial Senge bekommt nun auch Dr. Maximilian Krah, CDU-Politiker aus Dresden. „Willkommenskultur ist tödlich“ hatte er nach ‚München’ per Tweet verbreitet, ein ‚Shitstorm’ folgte, und natürlich distanzierte sich, weil sie ehrlos ist, keine Solidarität kennt und nach jedem Kniefall vor dem linken Zeitgeist lechzt, auch seine eigene Partei. Dabei war der Krah’sche Tweet einer der wenigen, der mal einen klugen Gedanken enthielt: Ob nämlich nicht nur die Willkommenskultur der letzten 20 Monate, sondern die der letzten 20 oder mehr Jahre ein Verhängnis war? Wer die Demonstrationen der Erdogan-Anhänger in Berlin sah und hörte, ihre nationalistisch-faschistischen Parolen und die kriminellen Drohungen gegen säkulare Deutsch-Türken, könnte schon auf den Gedanken kommen, dass Dr. Krah nicht unrecht hat. Davon unabhängig stellen neun Opfer, darunter viele Jugendliche, durchaus die Frage, wen man eigentlich ins Land gelassen hat – und ob die Regeln für dieses Gelassenwerden nicht überdacht werden sollten.

„Ich bin Deutscher“, soll der Schütze gerufen haben. „Ja, leider“, möchte man erwidern. Wenn das Deutsche nur noch eine Frage des Passes und der Willkür eines willkommenskulturig reformierten Staatsangehörigkeitsrechtes ist, mag der Täter recht haben. Aber was macht ihn jenseits eines gestempelten Papieres zum Deutschen? Wer nie die Oper, Konzerte oder Theater besuche, wer Museen so wenig kenne wie Literatur, Poesie oder Malerei, so schrieb kürzlich Michael Klonovsky, sei kein Europäer. Das mag anspruchsvoll sein, doch trifft es den Kern: Wer den zentralen Werten westlicher Kultur nichts abgewinnen kann, bleibt unabhängig von Sprachkenntnisse bestenfalls ein Fremder; dass er immer öfter zum Feind wird, ist ein Grund für das verbreitete Unbehagen.

Insofern müsste neu über das Staatsangehörigkeitsrecht debattiert werden. Das gilt, die genannten Demonstrationen haben es gezeigt, vor allem für die Frage der doppelten Staatsbürgerschaft. Will man wirklich Leuten alle Vorzüge der Zugehörigkeit zu diesem Staatswesen verschaffen, die offen einem fremden Despoten huldigen und dieses Land verachten? Ebenso ist die Frage zu erörtern, was Staatsangehörigkeit begründet. War es wirklich klug, das Kriterium der Abstammung zu verwässern, es zu ergänzen durch das eher beliebige Faktum des Aufenthaltsortes der Mutter? Immerhin bietet die Abstammung ein einfach handhabbares Kriterium, das eine gewisse historische Verbundenheit seines Trägers mit dem Land dokumentiert – weshalb nicht zuletzt auch die Türkei und viele andere Länder daran festhalten. Auch das so oft gelobte amerikanische Staatsangehörigkeitsrecht ist längst nicht so liberal gedacht, wie es heute wirkt und von vielen behauptet wird: Zur Zeit seiner Verabschiedung war der avionische Kurztrip zwecks Statuserlangung unbekannt, und die physische Anwesenheit ein Synonym für erhebliche Mühen, in das Land einzureisen. Wer es in die USA geschafft hatte, wollte sich dort aus eigener Kraft eine Existenz schaffen – und damit auch deren Werte leben. Das aber ist bei vielen Migranten, die heute nach Deutschland kommen, wohl eher nicht der Fall.

* * *

Die uns heute selbstverständlichen Gattungen der Literatur entstanden, darauf verweist der Altphilologe Bruno Snell (1896 – 1986), nicht gleichzeitig in der griechischen Welt, sondern nacheinander: Epos (vermutlich gegen 800 A.D.), Lyrik (um 600 A.D.) und Drama (um 500 A.D.). Und er benennt einen auffälligen Zusammenhang zwischen Lyrik und Politik: „Zur Zeit der Lyriker konstituiert sich die griechische Polis. (…) Es ist kein Widerspruch, dass das Persönlichkeitsbewußtsein und die staatliche Ordnung der Polis zur gleichen Zeit entstehen: Bürger sein ist etwas anders, als zu einer Masse von Angeführten zu gehören.“ Der epische Lobgesang auf Kriegsheld oder Gottheit ist kulturell immer Frühzeit; das Individuelle tritt hinter die Heldentat, den Sieg über Titanen oder Trojaner. Erst wo Individualismus möglich ist, kann auch Lyrik entstehen.

Nochmal Snell: „Die Tragödie erhebt den radikalen Anspruch, dass es gerecht auf der Welt zugehen müsse, und stellt damit Ansprüche an die Menschen, aber auch an die Götter, die über gesellschaftliches Wohlverhalten hinausgehen.“ Die griechische Tragödie als Ausgangspunkt von Humanität und Barmherzigkeit, weit vor jedem christlichen Wirken. Und nicht zufällig sind beide bis heute Phänomene vor allem der westlichen Welt.

* * *

In der NZZ kürzlich ein lesenswertes, aber auch erschreckendes Interview mit dem peruanischen Schriftsteller Mario Vargas Llosa, der in Spanien lebt. Viele kluge Beobachtungen, eine Bemerkung fällt seltsam aus dem Rahmen: “Wo immer Veränderungen anstehen, entsteht auch Verlustangst. Sir Karl Popper nannte diesen Affekt die Rückkehr zum «verlorenen Gruppengeist des Stammes» – und genau das trifft die Lage im gegenwärtigen Europa. Man sehnt sich zur Kleingruppe zurück, die einem vermeintlich mehr Sicherheit bot, die dieselbe Sprache sprach, in dieselbe Kirche ging, das gleiche Bier trank. Dieses im Menschen angelegte Bedürfnis, eine Art evolutionäres Erbe aus der Zeit, in der man noch in Stämmen lebte, nicht in Wolkenkratzern, steckt hinter dem Aufstieg der nationalistischen politischen Strömungen unserer Zeit.”

Solche Vulgärpsychologie war so oder ähnlich in letzter Zeit häufiger zu lesen, ob zu AfD, Front National, zu Brexit oder ‚Flüchtlings’-Krise. Immer wird Verlustangst unterstellt, und damit etwas irgendwie Rückwärtsgewandtes, Kleingruppenhaftes, das dem Geist moderner Urbanität widerspreche. Und natürlich trinken die Ängstlichen Bier, nicht hippe Cocktails, und gehen zur Kirche, nicht in Wolkenkratzer. Auch das ‚Nein’ der Briten zur EU war bekanntlich der Aufstand der ländlichen Pub-Kunden aus kleinen Cottages, die sich am Kirchplatz ducken. Gegenüber den Verteidigern der Nationalstaatlichkeit ist kein Klischee zu schlicht.

Aber stimmt eigentlich die Prämisse, wonach der Mensch sich ausnahmslos gegen Veränderungen wehre? Wer sich im Alltag umschaut, könnte auch behaupten: Kaum etwas ist stärker als der Wunsch nach Veränderung! Viele wollen sich neu erfinden, wandern aus, schulen um, ergreifen neue Berufe. Ob ‚Frauentausch’, ‚Dschungelcamp’, Diätshows oder eine der zahlreichen Sendungen, in denen Häuser umgebaut und neu dekoriert werden – das Fernsehen lebt geradezu vom Willen zum Neuem, und es berührt damit offensichtlich die Zuschauer. Nicht einmal der Krieg, das dokumentieren die Fotos zur Kriegserklärung 1914, konnte die Lust auf das Neue, auf das Unbekannte mildern; Hunderttausende jubelten, war doch dies endlich die Gelegenheit, aus Dorf und piefigen Verhältnissen auszubrechen. Schließlich zeigen die Scheidungsraten: Selbst im Kern des persönlichen Umfelds ist die Furcht vor Veränderung oft deutlich geringer als die vor dem status quo. Wenn es also eine anthropologische Konstante gibt, dann ist es der Wunsch nach neuen Ufern. Wäre es anders, gäbe es weder Migrationsströme noch Zweit- oder Drittfrauen.

Entgegen Llosa lässt sich daher behaupten: Vor allem das Hergebrachte hat kaum Verteidiger. Denn der Zeitgeist kennt nur eine Haltung: Die als selbstverständlich vorausgesetzte Verbeugung vor der Veränderung als solchen. Es ist der Glaubenssatz der Moderne, anzutreffen bei Journalisten wie Managern, bei Kirchenleuten wie Schauspielern – der Fetisch aller Weltgewandten: Dass Veränderung ein Synonym für das wahre Leben sei, zudem nicht aufzuhalten und ausschließlich als Bereicherung zu verstehen. Dagegen scheint kein Einwand möglich, mag auch die Geschichte viele gegenteilige Beispiele kennen, nicht zuletzt den Untergang Griechenlands oder Roms.

Doch wissen will davon niemand. Dass es auch schlechter werden kann, dass Staat, sozialer Standard und selbst der Frieden aktiv geschützt werden muss, ist vielen Hekuba. So zeigt sich im Kniefall vor dem Goldkalb Veränderung ein Ausdruck des herrschenden Relativismus’. Nicht nach dem Wert einer Veränderung wird gefragt und ob es Gründe gibt, sie zu begrüßen oder zu bekämpfen. Nur die Veränderung selbst zählt, und deshalb wird die multikulturelle Gesellschaft so bejubelt wie rechtswidrige Migration. Was immer unter der Flagge der Veränderung segelt, hat die Moral auf seiner Seite. Deshalb auch die seltsam teilnahmslose Hinnahme all dessen, was als Preis der Globalisierung erkennbar wird: Aushöhlung parlamentarischer Rechte durch Handelsabkommen, ein räuberisches Investmentbanking dank globaler Deregulierung, Steuervermeidung durch weltweit agierende Konzerne – und letztlich auch der muslimische Terror. Nach den Mordaktionen von Nizza, Würzburg und München betonte Kanzleramtschef Peter Altmeier höchstselbst diesen Zusammenhang: Das eben sei der Preis der Globalisierung.

Doch sind solch zynische Rechnungen nichts anderes als die Verschleierung der Selbstpreisgabe. Das ähnelt der Dramaturgie der Wir-bauen-Dein-Haus-um-Sendungen: Selbst wenn das neue Wohnzimmer zwischen abscheulich und obszön rangiert, wird es erst einmal tränenreich beklatscht, Entsetzen nie geäußert. Gegenüber dem Neuen hat man keine Meinung, oder zumindest keine schlechte. Und auch Altmeier ist solch ein Claqueur: „Deutschland kann Globalisierung!“, rief er unlängst ekstatisch im Westfälischen Industrieclub. Nach neun Toten in München und den vielen Verletzten von Würzburg muss man sagen: Stimmt. Deutschland kann Globalisierung. Wenn Globalisierung Verluste meint.

Doch steht hinter diesen Selbstpreisgaben noch etwas anderes, und Llosa benennt es als Antrieb seiner literarischen Arbeit: „Jeder Alltag ist doch in der Regel profan, unfrei, langweilig. Im Vergleich zu all dem, was da auch noch sein könnte. (…) Die Abenteuer, die Sie imaginieren, sind stets spannender als die, die Sie tatsächlich erleben.“ Schreiben nicht als Wunsch nach Ausdruck, Erkenntnis und vollendeter Form – sondern als Narkotikum gegen die eigene Leere.

Das aber dürfte auch bei vielen Jüngern des Neuen die eigentliche Motivation sein. Schon im ‚Refugees-welcome’-Jubel, in seiner schrillen Überjazztheit, war auch immer Erlösung zu spüren. Endlich konnte man ausbrechen aus dem „profanen, unfreien, langweiligen Leben“ als Redakteur, Banker, Beamter, konnte es eintauschen gehen Lebenssinn, Abenteuer, Humanität. Nun verliert, das zeigt das dramatisch einbrechende Engagement der freiwilligen Helfer, auch diese Droge ihre Wirkung. In der Welt der immer neuen Kicks wird auch das Leben als Gutmensch nach wenigen Wochen schal. Wer kein ernsthaftes Fundament besitzt, muss erkennen: Die Furcht vor dem Ennui ist etwas anderes als Barmherzigkeit, und der Migrant, mit einem Bild Gottfried Benns, kein Tankwart für Lebensinhalt. So bleibt die Leere. Und schon morgen kann ganz Anderes die nächste Lust versprechen – im Guten wie im Bösen.

* * *

Nach jedem größeren Anschlag durch Anhänger der Friedensreligion bekomme ich von einem namenlosen Absender eine weiße Karte, auf der gestempelt der Satz steht: „Hat sich BILD schon bei Ihnen entschuldigt?“ Nicht ohne Witz. „Herr, gedenke der Athener!“