Universitäten als vordigitales Parship

Auch technische Äpfel werden madig. Meiner verabschiedete sich ohne Warnung, einfach so. Das und der Versuch, wenigstens ein paar Dinge zu retten, stand in den letzten Wochen der Arbeit an diesem Blog entgegen. Nun ist klar: Der Apfel ist Geschichte, jetzt tut es ein Chromebook. Wer nicht mehr als eine Schreibmaschine mit Internet-Zugang braucht, ist damit gut versorgt.

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Paris, Stadt der Liebe, Stadt der Eleganz. Dass zu beidem auch gute Manieren gehören, scheint jedoch vergessen. In einem Restaurant müht sich eine junge Frau aus ihrem Mantel; ihr Freund steht ungerührt daneben, starrt in sein Handy. Als ich der Frau helfe, ist sie sichtlich überrascht, sie lächelt und dankt. Der hölzern-täppische Begleiter schaut noch nicht einmal auf.

Anderer Fall, in einem Bistro, wieder eine Frau mit ihrem Freund. Beide sehr jung, Mitte Zwanzig. Sie ausnehmend hübsch, er der Typus Hipster, der sich dreimal pro Minute durch die Haare fährt. Da hier kürzlich von Warnsignalen die Rede war, die Frauen betreffen: Das ist definitiv eines, das vor Männern warnt. Als sie beide eine Zigarette rauchen wollen, bittet er seinen Nachbarn um dessen Feuerzeug. Er erhält es, redet noch ein bißchen weiter, nippt noch einmal am Aperitif, dann zündet er sich seine Zigarette an. Anschließend reicht das Feuerzeug an seine Freundin weiter. Sie lässt es sich gefallen. Hier wie auch schon öfter der Eindruck: Vor Zeiten, also vor denen der Emanzipation, waren Frauen selbstbewusster. Einen so schnöden Begleiter hätten sie sofort verlassen. Die damals selbstverständlichen Regeln der Höflichkeit schützten Frauen in vielen Fällen des Alltags mehr als das erkämpfte Terrain der Gleichberechtigung.

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Begegnung mit einem Professor für Kunstgeschichte. Meinem Interesse für sein Fach begegnet er mit traurigem Sarkasmus. Gewiss, abstrakt gesehen ein schöner Beruf, in der Wirklichkeit aber nur für Leute, die Vereinsamung schätzen. In Gesellschaft sei man ein Exot, beglotzt von all den bildungsfernen Managern, Unternehmern, Politikern und Journalisten. Die könnten zwar Bilanzen oder auch Gesetzestexte lesen, würden aber weder die Bibel, Shakespeare, Homer noch die griechischen Tragödien kennen, also die Fundamente der abendländischen Bildung. Das mache Gespräche schwierig. Diejenigen, die um ihre mangelhafte Kenntnis wüssten, fürchteten, sich eine Blöße zu geben; der Rest sei ohnehin desinteressiert oder schlicht ignorant an der Grenze zur Blödheit. Nicht einmal die ikonographischen Werke von Beckmann, Dürer oder Holbein seien heute als bekannt vorauszusetzen; Künstler der zweiten Reihe wie Pencz, Blechen oder Meidner seien dieser ‘Elite’ böhmische Dörfer.

Isolation sei auch das Los an der Uni. Deren Verwaltung sei nicht bildungsfern, sondern bildungsfeindlich. Seiner Erfahrung nach müsse die Vorgabe der letzten Jahrzehnten gewesen sein, nur Personen einzustellen, die keinerlei Enthusiasmus für das humboldtsche oder irgendein Bildungsideal zeigen. Dass Bildung formen, aus dem Menschen ein freies, selbstständiges, ein besseres Wesen machen solle, sei der Universitätsverwaltung ein völlig fremder Gedanke; ihr gehe es allein um Fragen der Formalbürokratie, um Kernarbeitszeiten, Kompetenzpunkte und Abschlußzahlen.

Und völlig isoliert sei man auch in seiner eigentlichen Tätigkeit. Zumindest an seiner Fakultät seien mindestens 90 Prozent (!) der Studenten intellektuell für das Studium ungeeignet. Das erkenne man schon an den ersten Arbeiten. Wenn der Name des Künstlers, um den es ginge, auch bei der 17ten Nennung falsch geschrieben werde, sei das mehr als ein Zeichen. Die großen Museen, gar die Graphik- oder Kupferstichkabinette, seien vielen Studenten der Kunstgeschichte terra incognita. Doch leider dürfe man nicht zu hart sortieren. Andernfalls riskiere man endlose Debatten mit den Betroffenen, der Universitätsleitung, der Studentenvertretung und manchmal auch Anwälten. So quäle man sich dann durch Haus-, Magister- und Doktorarbeiten, deren einziges Ziel es sei, jedem eigenständigen Gedanken aus dem Weg zu gehen. In der Germanistik sei es ähnlich, auch seine Kollegen der Soziologie und Psychologie berichten über solche Erfahrungen.

Etwas erschrocken versuche ich, wenigstens auf einen erfreulichen Aspekt seiner Arbeit hinzuweisen: Zumindest zu meiner Studienzeit seien die Studentinnen der Kunstgeschichte die hübschesten gewesen. Ja, meint der Professor, das sei auch heute noch so. Und eben dort liege eines der Probleme. Viele seiner Studentinnen seien unterdurchschnittlich begabt und interessiert. Für sie sei die Universität kein Ort wissenschaftlicher Arbeit und Erkenntnis, sondern ein Qualifikationskurs für den akademischen Heiratsmarkt, eine vordigitale Partnervermittlung á la Parship. Denn wer nicht studiert habe, scheide als Partner für viele Akademiker aus, sei keine ‘Partie’ für die gutverdienenden Anwälte, Ärzte oder Manager. Daher das überproportionale Interesse vieler junger Frauen an geisteswissenschaftlichen Fächern. Hier könnten sie, anders als in den Naturwissenschaften mit ihren klaren Vorgaben von ‘falsch’ und ‘richtig’, den akademischen Abschluß vergleichsweise einfach “schießen”. Oder sie wählten gleich Gender-Studies: Dort käme man schon mit der richtigen Gesinnung und dem Bekenntnis zur Diversität zum begehrten Titel.

Das alles sei eine ungeheure Ressourcenverschwendung und auch gesellschaftspolitisch, entgegen allen Verheißungen der Bildungsreformer, ein gefährlicher Weg. Denn nun träten Leute, die nie eine eigenständige geistige Leistung erbracht hätten, mit dem Anschein und Anspruch ins Leben, Akademiker zu sein. Vermutlich liege hier der Grund für das beklagenswerte Niveau vieler wichtiger Debatten. Eine drittklassige Arbeit über irgendeinen längst vergessenen Literaten, über einen Maler der zweiten Reihe der Münchener Secession oder Düsseldorfer Malerschule sei eben nicht zwangsläufig eine ausreichende Qualifikation für die Beteiligung am historischen, ethischen oder politischen Diskurs.

Zudem sei inzwischen ein Teil dieser Unterqualifizierten selbst in Professorenstellen eingerückt, gestützt auf Quoten und Parteibücher. So werde das Mittelmaß perpetuiert – und jedes Talent bekämpft. Denn auch an Universitäten gelte der Satz von Swift, wonach die Existenz eines Genies verlässlich daran zu erkennen sei, dass sich alle Idioten gegen es verbünden. Heute sei das schon bei den etwas Begabteren der Fall. Das mache den Aufstieg der originellen Köpfe so schwer. Da sie die Mittelmäßigen täglich an ihre Unzulänglichkeiten erinnerten, würden sie von jenen gehasst und bekämpft.

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Alle hacken auf Facebook und Twitter rum, hier mal ein Lob: Ich hatte kürzlich auf Facebook einen meiner Artikel für den Deutschlandkurier verlinkt (https://www.deutschland-kurier.org/eine-schande-fuer-deutschland-islamistischer-judenhass-eskaliert/), in dem ich unter Hinweis auf einige Suren, in denen Juden als Schweine und Affen bezeichnet werden, zu dem Fazit kam: Wenn man, wie viele Linke, ‚Rassismus’ als ‚gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit’ betrachte, sei Allah ein antisemitischer Rassist. Denn was im Koran stehe, seien bekanntlich dessen eigene, unverfälschte Worte.

Da meine Facebook-Einträge automatisch von Twitter übernommen werden, landeten sie dort, und natürlich beschwerten sich irgendwelche Jünger des rassistischen Antisemiten. Nun schrieb mir Twitter, sie hätten „den gemeldeten Inhalt untersucht und keinen Verstoß gegen die Twitter-Regeln oder Gesetze feststellen“ können.“ Bei aller Kritik: Mehr Sinn für Wahrheit und freie Meinung als mancher Handlanger der deutschen Regierung haben amerikanische Firmen immer noch!

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Treffen mit Henryk Broder. Der tägliche Irrsinn, derzeit vor allem die immer wilderen Reaktionen auf die Gemeinsame Erklärung, sei zwar deprimierend, belustige aber auch durch seine Dreistigkeit. Tatsächlich seien nun viele Medien das, was die Leute von Pegida schon früher skandiert hatten: Lügenpresse. „Lückenpresse“, die Sprachschöpfung Michael Klonovskys, die das bewusste Auslassen oder Verschweigen umriß, fasse es nicht mehr.

Leider nur zu wahr. Wer behauptet, von einer rechtswidrigen Einwanderung könne keine Rede sein, will weder Artikel 16 a Grundgesetz noch § 18 II Asylgesetz zur Kenntnis nehmen. Aus beiden Vorschriften ergibt sich eindeutig, dass Leute aus allen angrenzenden Ländern unverzüglich an der Grenze abzuweisen sind – ohne Prüfung etwaiger Asylgründen. Daher dürfen sie auch nicht, wie derzeit üblich, in deutsche Auffanglager gebracht werden. Die Praxis der Bundespolizei, die auf Anweisung des Innenministers handelt, also Horst Seehofers und zuvor Thomas de Maizières, ist ein klarer Rechtsbruch. Und Dieter Mohr von ‚Titel, Thesen, Temperamente’, Caroline Fetscher vom Tagesspiegel, die Schriftstellerin und angebliche Juristin Juli Zeh im NDR und viele andere belügen offen ihrer Leser, Zuschauer, Zuhörer, wenn sie frech das Gegenteil behaupten.

Das gelte es, so Broder, festzuhalten: Jede Lüge, jeden verleumderischen Tweet, jede Verharmlosung, Beschönigung, Kleinrednerei der Lage. Irgendwann werde man all das brauchen.

Am Ende ein schönes Versprechen: Bei seinem nächsten Treffen mit Springer-Chef Döpfner wolle er ihn fragen, ob angesichts des muslimischen Anti-Semitismus, der von mir in meinem einst inkriminierten BILD-am-SONNTAG-Kommentar vorhergesagt wurde und den nun auch BILD konstatiert, nicht ein deutlicher Nachschlag zu meiner Abfindung fällig sei. So anstandshalber. Broder ist vermutlich der einzige, der solche Versprechen lustvoll hält.

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Auch ich hätte Gründe, #meetoo zu rufen. Seit Wochen schreibt mir eine Verehrerin auf Facebook Dinge, die als Kompliment gemeint sind, aber doch etwas weit gehen. Ich bin „Schatzi“, „unheimlich schick“, manchmal auch „eine so süße Maus“, hätte bestimmt „einen weichen Bauch“ und zudem „eine so schöne Männlichkeit“. „Lass mich mal Dich…, bitte“ mag noch mehrdeutig sein, „Komm bitte zu mir, zieh Dich aus und leg Dich in mein Bett“ ist es nicht mehr.

Interessant sind die Reaktionen. Erzähle ich, dass eine Freundin diese Art von liebestoller Zuneigung erhalten habe, herrscht Empörung bis hin zum Ratschlag, die Polizei einzuschalten. Vermelde ich dann, dass ich selbst der Empfänger bin, herrscht Belustigung. Zur Anzeige würde niemand die Sache bringen. Zu Recht.

Männerstreik: Akademisierung als Liebestöter

In Zusammenhang mit dem syrischen Mädchen Hala, in meinem letzten Eintrag erwähnt, schreibt ein Leser: „Auffällig ist, wie muslimische Eltern auf den Tod ihrer Töchter reagieren. Sind jene durch Krieg, Unfälle, Erdbeben ums Leben gekommen, herrscht demonstratives Gejammer. Dagegen zeigen sie keinerlei Regung, wenn sie ihre Tochter eigenhändig getötet haben, weil jene kein Kopftuch trug, den Falschen liebte, allein aus dem Haus gegangen ist.“

Zu ergänzen ist eine dritte Reaktion: Der ekstatische, von Angehörigen und Nachbarn geteilte Jubel, wenn die minderjährige Tochter bei ihrem Tod noch mehrere Israelis mitriß. Dann herrscht eitel Sonnenschein, nicht nur über die von der EU mitfinanzierte „Märtyrer“-Rente, die richtig Mörderrente heißen muss. Ein reizendes Völkchen.

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Zur causa Tellkamp eine Anekdote, die Siegfried Unseld öfter erzählt haben soll: Dessen Vorgänger Peter Suhrkamp, Gründer des Verlages, habe einst den Brief eines Lektors korrigiert, der einen Autor loben wollte. Man habe nicht das Recht zum Lob; denn dadurch fordere man auch das Recht zum Tadel.

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Bei Freunden. Der Sohn, 22, kommt ins Zimmer, abgekämpft, glücklich. Gerade haben er und seine Mannschaft in letzter Sekunde ein Hockeyspiel gewonnen. Man spürt noch die Ekstase, den Jubel, die Lust an Wettkampf und Sieg. Freundliches Hallo, kurzer Bericht über Spiel und Triumph, dann entschuldigt er sich: Er müsse sich auf die morgige Vorlesung vorbereiten. Die Frage seiner Mutter, was aus dem hübschen Mädchen geworden sei, mit dem sie ihn kürzlich in der Stadt getroffen habe, beantwortet er schon im Gehen: „Sie wollte mit mir Germany’s Next Top-Modell sehen. Das war’s dann!“ Ein kluger Mann.

Tatsächlich gab es schon zu meiner Studienzeit einen Katalog frauenspezifischer Warnschilder, die jeden, der bei Sinnen war, sofort das Weite suchen ließen: Stofftiere. Exzentrisch gefärbte Haare. Psycholektüre. Ob auch Katzen dazuzurechnen seien, war beliebtes Thema beim sonntäglichen Kick. Die meisten hielten Katzen für den Ausdruck der soziopathischen Einstellung ihrer Besitzerinnen: Alles vom Versorger erwarten, nämlich Ansprache, Futter, Streicheleinheiten und Beseitigung des Drecks; aber nichts zurückgeben und immer auf Unabhängigkeit pochen. Heute gibt es, wie eben GNTM, noch weitere Gefahrgut-Zeichen. Dass viele Frauen keinen Partner finden, ist wenig überraschend.

Eben darüber hat die Amerikanerin Helen Smith ein Buch geschrieben. „Männerstreik“ (Edition Sonderwege) geht der Frage nach, warum 70% der amerikanischen, 60% der deutschen Männer im heiratsfähigen Alter nicht mehr bereit sind, den Katzenvater zu geben. Schon in der Ausbildung, so die Entwicklung in den USA, verabschiedeten sich viele Männer von höheren Ambitionen. Und das nicht aus intellektuellen Gründen, wie oft behauptet. Vielmehr würden sich auch Hochbegabte von College und Universität abwenden, weil sie die dortige Mischung aus Diskriminierungshysterie, Gender-Gefasel und feministisch manipulierten Leistungsprüfungen abstoße. Für Männer, die sich messen und besser sein wollten als ihre Konkurrenten, sei die heutige Universität längst ein lebensfeindliches Biotop; und der dort vorherrschende Frauentypus unter Aspekten der Familiengründung keine Verlockung. Anders als viele Akademikerinnen meinen, wirken intellektuelle Selbstüberschätzung, Veganismus plus Hypermoral nicht gerade anziehend. Warum also einen hochkompetitiven Job als Anwalt, Manager oder Broker anstreben, warum 70 Stunden und mehr pro Woche arbeiten, wenn der Lohn im Permanenz-Gejammer der Ehefrau liegt, die sich selbst als zu qualifiziert betrachtet, um ‚nur’ Kinder aufzuziehen? Nicht wenige Amerikaner würden daher der College-Ausbildung Lebwohl sagen und sich Handwerksberufen zuwenden – einem der letzten Refugien des reinen Leistungsgedankens.

Zudem hätte sich, so Smith, in den letzten Jahrzehnten auch rechtlich die Situation deutlich zulasten der Männer verschoben. Gegenüber behaupteten Sexualdelikten sei die Unschuldsvermutung so gut wie abgeschafft, einvernehmlicher Sex könne auch im nachhinein von der Frau als ungewollt deklariert werden, und bei der Jobsuche hätten weiße Männer aus Gründen der ‚positiven Diskriminierung’ bei allen öffentlichen oder ihnen nahen Arbeitgebern keine Chance. Hinzu komme die systematische Benachteiligung von Männern beim Unterhalts- wie Sorgerecht sowie die Gefahr, im Falle der Scheidung mit Vorwürfen des Kindesmißbrauchs überzogen zu werden – ein im übrigen auch in Deutschland nicht seltenes, für Frauen allerdings gefahrloses Phänomen. Nach einer Studie des bayrischen Landeskriminalamts werde in solchen Fällen so gut wie nie ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung eröffnet.

Die Ausführungen von Helen Smith sind lesenswert. Doch den Höhepunkt des Buches bildet der brillante, knapp 70-seitige Essay von Thomas Hoof. Seiner Ansicht nach ist der Feminismus eine Blüte des petrolischen Zeitalters, der fast unbegrenzten Verfügbarkeit von Energie – und mit ihm werde sie auch verblühen. Erst die energetische Exploitation der Welt, erdacht und umgesetzt allein von Männern, schuf für Frauen die Möglichkeit, sich von Versorger und Beschützer zu lösen. Wo es keinen Überfluß an Energie gibt, wo noch Holz gesammelt oder Kohle geschürft werden muss, gibt es auch heute keinen Feminismus. Insofern ist die Emanzipation der Frau vom Weibe, später dann irrigerweise auch vom Mann, eine Frage billigen Erdöls. Wenn Grüne so CO2-bewusst leben wollen, wie sie oft propagieren, werden sie sich mit dem Patriarchat abfinden müssen.

Um der so lohnenden wie amüsanten Lektüre nicht vorzugreifen, hier lediglich drei längere Zitate, die Duktus und Richtung zeigen. Dass Hoof zudem den schönen, leider aus der Mode gekommenen Begriff des Bekakelns reanimiert, sei ihm hier gedankt.

Die schlichteste Feststellung, dass die männliche Überlegenheit selbstverständlich auch bei intellektuellen Leistungen gegeben sei, provoziert regelmäßig die entsetzte Antwort: „Aber hallo, wir sind im 21. Jahrhundert!“ – so als entscheide das Datum, an dem eine empirisch gewonnene Erkenntnis betrachtet wird, über ihre Richtigkeit. Es handelt sich hier um ein Urteil aus den denkbar umfangreichsten Erfahrungsdaten: Der gesamten Menschheitsgeschichte. Alle erwähnenswerte technischen, wissenschaftlichen, philosophischen, literarischen und musikalischen Leistungen kamen von Männern. Der australische Philosoph David Stove hat vollkommen recht, wenn er sagt, dass es bei so umfangreichen Material völlig legitim sei, von den Leistungen auf die Leistungsfähigkeit zu schließen. Das aber heißt: Hochbegabung ist männlich. Hochleistung ist männlich.

Eine der seltsamsten Schrullen der genderistischen Propaganda ist die stehende Rede von der höheren „Teamfähigkeit“ der Frauen, die, wohlgemerkt, behauptet wird gegenüber dem Geschlecht, das der „Mannschaft“ den Namen gab und seit Ewigkeiten darin geübt ist, sich in Kampf- und Jagdgruppen, Scharen, Schwärmen und Horden temporär zusammenzuschließen.

Bei den Einkünften aus selbständiger Arbeit unterschreiten die durchschnittlichen Brutto-Monatseinkommen von Frauen diejenigen von Männern um 42%. Niedergelassene Ärztinnen haben seit 20 Jahren stabil nur etwa sechzig Prozent des Einkommens ihrer männlichen Kollegen. (…) Deutlich wird: Wo Frauen beruflich nicht unter der Patronage eines Tarifvertrages oder firmeninterner „Grundsätze zur geschlechtergerechten Gehaltsgestaltung“ stehen, sondern ihr Einkommen in eigener Verantwortung und gegen Leistungsmessung erzielen müssen, fallen sie in eine Lücke, die weit tiefer ist als der vielbeklagte „Gender Pay Gap“ bei den Lohneinkommen…

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Zur Diskriminierung von Frauen bei der Entlohnung lieferte die vorletzte Sendung von ‚37°c’ ein schönes Beispiel: Janine, eine freundliche, eindrucksvolle Person, ist als Müllwerkerin tätig. Ein Knochenjob, und gelegentlich, so berichten lachend die Kollegen, müssten sie helfend einspringen, wenn die Mülltonnen zu schwer seien. Die Doku lässt das unkommentiert, tatsächlich hätten die Redakteure hier einhaken müssen. Würde man andernorts jemanden einstellen, der seinen Job nicht hundertprozentig stemmen kann? Kaum. Auch die Forderung „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ kommt hier vermutlich nicht zur Anwendung, Kürzungen muss Janine nicht fürchten. Ungleichbehandlung im Namen der Gleichheit.

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Der Holocaust war gar nicht Konsequenz einer bösartigen Ideologie der Weltherrschaft und Vernichtung; es waren sechs Millionen Einzelfälle.

 

Philogyne: Tod als Glück

Während sie die Genderisierung des Deutschlandliedes anmahnt, stellt sich für die Gleichstellungsbeauftragte der Regierung ein neues Problem: „Mit Maas“, so ein Nutzer auf Facebook, „hat es ausgerechnet ein Mann in die Nationalhymne geschafft.“

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Die zehnjährige Hala ist in Syrien laut BILD ein Opfer des Krieges geworden. Das ist traurig, und das um so mehr, als sie nach Ansicht des Propheten und seiner Nachfolger schon im heiratsfähigen Alter war. Sofern sie beschnitten wurde, war das aus Sicht der Eltern eine sinnlose Investition.

Das mag zynisch klingen, zeigt aber allein die Abgründe einer Ekelkultur. Und es zeigt die Verlogenheit der hiesigen Presse, die immer noch Assad bekämpft. Denn es sind gerade die radikalislamischen Aufständischen, die ein Mädchen wie Hala behandeln würden wie oben beschrieben. Sollte sie Christin oder Jüdin sein, hätte ihr noch Schlimmeres gedroht: Vergewaltigung, Sex-Sklaverei und sonstige Folter.

Noch dazu: Darf man eigentlich heute noch sagen, dass der Tod, sei es auch durch eine Bombe, die gnädigere Lösung war? Heute hört man diesen Trost nur noch beim Hinscheiden schwerkranker Menschen; früher, als das Leben hart und die Kindersterblichkeit hoch war, war er eine Standardformel bei vielen Beerdigungen, angelehnt an das berühmte Wort von Menander: „Wen die Götter lieben…“  

Insofern scheint Allah ein Einsehen gehabt zu haben. Auch er hat seine freundlichen Momente. Der lebenslangen Ausbeutung und Misshandlung, die Frauen im geschlechtlichen Apartheitsregime des Islam zu gewärtigen haben, ist Hala so entgangen. Friede ihrer Seele.

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Ein befreundeter Staatsanwalt: „Der einzige dauerhafte Kontakt vieler Muslime zur Mehrheitsgesellschaft ist der Strafrichter.“

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Alles schwieg. Ich überlegte während der Rede: was von Kapp zu halten ist, hast du mit Deinen Eltern im Briefwechsel und vorher mündlich seit den Tagen der Vaterlandspartei oft genug durchgesprochen. Also kannst Du nicht mitmachen. Sagst Du aber Nein, so ist deines Verbleibens in der Truppe nicht länger; damit entscheidest du dann auch, ob du Offizier werden oder studieren willst. Und du musst es jetzt tun.

Ich trat vor. Alles schwieg. Der Oberst sah mich an. „Sie sind gegen Kapp und sein Unternehmen?“

„Jawohl, Herr Oberst.“ „Warum?“ „Weil ich es für eine Dummheit halte.“

Alles schwieg und starrte mich an. Der Oberst auch. Dann räusperte er sich: „Sie wünschen also Ihre Entlassung?“ „Jawohl, Herr Oberst.“ Er wandte sich an den Spieß. „Der Mann erhält sofort seine Papiere: Entlassung auf eigenen Wunsch.“ Dann wandte er sich zu mir: „Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit.“ Ich machte kehrt und trat ins Glied zurück. Niemand sagte etwas. Noch am selben Vormittag erhielt ich meine Papiere, und am selben Abende war ich wieder zu Hause. 

(Aus Friedrich Hielscher „50 Jahre unter Deutschen“. Für den Hinweis Dank an CG)

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Warum schweigt der Feminismus so beharrlich zur Frauenfeindlichkeit des Islam? Meine Vermutung: Viele Feministinnen erkennen die Parallelen. Hier wie dort geht es um Geschlechtertrennung, ob beim Beten, in Fitnessclubs oder den „safe spaces“ der Unis; und hier wie dort um Abwertung des anderen Geschlechts, um Unterdrückung und Macht.

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Ein beliebter Topos linker Strafverteidiger war immer die „Schuld der Gesellschaft“. Bei den Verbrechen durch illegale, willkommensbejubelte Migranten ist diese Schuld tatsächlich gegeben.

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Abendessen bei Freunden. Ein Paar erzählt, die Tochter studiere Komposition und Musikwissenschaften, der Sohn Soziologie und Philosophie. Meine Frage, was ein ‚fertiger’ Philosoph, eine ‚fertige’ Musikwissenschaftlerin verdiene, führt zu sichtbaren Verlegenheiten: Das lasse sich so nicht sagen, hinge vom Bundesland ab, und ohnehin sei ein Job in diesem Bereich kaum zu bekommen. Am Ende, nach wiederholter Nachfrage: „Wenn man denn eine halbe Stelle bekommt, hat man rund 1.000 bis 1.300 Euro brutto. Vielleicht, mit Glück.“

Eine Familie lässt sich davon nicht ernähren, kaum eine Wohnung in besserer Lage finanzieren, von Alterssicherung ganz zu schweigen. Schon mit der Studienwahl ist so der Weg in die Armut angelegt – und die Eltern, das zeigt ihr Herumdrucksen, wissen es. Aber statt die Kinder zu einer Ausbildung zu bewegen, die das leistet, was jede Ausbildung leisten sollte, nämlich die finanzielle und persönliche Selbständigkeit zu ermöglichen, lässt man den Nachwuchs ins Unheil laufen. Altersarmut ist nicht nur eine Sache verfehlter Rentenpolitik, sondern auch dem Versagen der Eltern geschuldet.

Beim gleichen Essen die Frage, warum bei der Kölner Silvesternacht 2015 die deutschen Männer ihre Frauen nicht verteidigt hätten. Kommentar einer der Gäste: „Die Männer werden sich gedacht haben: Mein Körper gehört mir!“

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Eine Chinesin mit guten, aber nicht ganz sattelfesten Deutschkenntnissen empört sich auf Facebook. Arbeitsbedingungen in China seien in hiesigen Medien häufig ein Thema, kaum aber die skandalöse Verwahrlosung der deutschen Hauptstadt. Überall Obdachlose, Dreck, rechtsfreie Viertel. Ihr wundervolles Fazit: „Der Fisch stinkt im Topf!“ (Mit Dank an EF)

Große Koalition und Umschwung in den Medien

Die Große Koalition steht, das Echo ist uneingeschränkt verheerend. Die CDU habe sich aufgegeben, eine Demütigung erlebt, sich über den Tisch ziehen lassen. Im Kabinett sei sie strukturell geschwächt, programmatisch nur noch eine Hülle. Angela Merkel habe Ministerien gegen Machterhalt getauscht.

Auch die SPD sei inhaltlich entleert. Ihr wie der Union wäre es nur um Posten gegangen, mit der drolligen Volte, dass für einen Moment ausgerechnet derjenige Außenminister werden sollte, der die Fortsetzung der Koalition wie auch die Übernahme eines Ministeramtes kategorisch ablehnte. Noch während dieser Text entsteht, kommt allerdings Entwarnung: Martin Schulz verzichtet auf den Ministerposten. Schon zuvor nannte ihn die WELT einen “hohlen Selbstbespiegler”, der die eigene Partei wie auch das gegebene Wort gering achte. Charakterlos, schamlos, haltungslos waren andere Einschätzungen. Innerhalb von knapp einem Jahr ist die 100-Prozent-Hoffnung der SPD zu 100 Prozent gescheitert.

Desaströs auch das Urteil zum Koalitionsvertrag. Tenor: Kein Aufbruch, keine Vision, nichts. Ein “Dokument der Erschöpfung”, ein lustloses “Klein-Klein”, das alle wichtigen Probleme ausspare: Einwanderung, Sicherheit, Islam, Zukunft der Arbeitsplätze, Zukunft des Sozialstaats.

Doch bei allem Verständnis für das einhellige Urteil: Ist die scharfe Kritik an Merkel und Schulz berechtigt? Haben sie nicht genau das gemacht, was fast alle Medien monatelang forderten: Eine Regierung auf die Beine zu stellen, die das große Werk der grenzenlosen Humanität und der europäischen Einigung fortsetze, und am besten wieder im Rahmen einer GroKo?

Erinnern wir uns: Schon der Wahlkampf war eine Farce, die der politischen Vernunft weh tat. Attentate, Messermorde, Vergewaltigungen spielten im Auftritt der Altparteien keine Rolle. Auch nicht die aberwitzigen Kosten der illegalen Zuwanderung, die überall sichtbare Islamisierung, die Dauerkrise von Euro und EU, die soziale Benachteiligung der Deutschen. Dass die AfD sie zum Thema machte, wurde von den Medien skandalisiert und damit dem Unerhörten, Ungezogenen, Alarmistischen zugeordnet, über das man nicht reden müsse; zudem seien derartige Fragen angeblich rassistisch, völkisch, anti-human, was auch immer. Alle deutschen Medien, von zwei oder drei Publikationen mit geringer Reichweite abgesehen, votierten klar für ein “Weiter so”.

Dann kam der 24. September. Der Einzug der AfD in den Bundestag war für viele Journalisten ein Schock. Dass hinter dem Erfolg ein konservatives Bedürfnis stehen könne, der gleichsam stinknormale Wunsch nach Erhalt der gewohnten Lebensverhältnisse, nach Sicherheit und Ordnung, wollten viele nicht sehen. Wieder wurde die Maschinerie der AfD-Verunglimpfung angeworfen, bei gleichzeitiger Diffamierung der Wähler. Auch jetzt ging es nicht um die von der AfD aufgeworfenen Fragen, sondern allen Ernstes darum, ob man den – fast von allen Talkshows ausgeschlossenen Konservativen – nicht zu viel (!) Raum in den Medien gegeben habe. Als sei der skandalöse Katzentisch für Frau von Storch bei “Hart, aber fair” schon ein zu großes Entgegenkommen gewesen, oder das Verschweigen der AfD-Positionen, wie es selbst ein intellektuelles Blatt der 30er-Zone wie “Auto, Motor & Sport” für notwendig hielt, unter klarem Verstoß gegen den Pressekodex.

Dann folgten die Sondierungsverhandlungen. Von vielen Medien wurden sie eher mit Vorbehalten zur Kenntnis genommen, schon weil die FDP und Christian Lindner mitbestimmen sollten. Ein Mindestmaß an wirtschaftspolitischer Vernunft und EU-Skepsis war vielen Journalisten schon suspekt. Trost bot immerhin, dass so die AfD nicht die Oppositon führen und wichtige Posten in den Ausschüssen besetzen könne. Aber das Medienecho war eindeutig: Zweitbeste Lösung.

Die Sondierungen scheiterten, einen Moment herrschte Irritation. Aber bald schon wandelte sie sich in Euphorie. Zu guter Letzt konnte das große linke Projekt der GroKo doch noch verwirklicht werden, die Erhebung aller weltweit Beladenen auf den deutschen Sozialstandard. Mit Martin Schulz hatte man dafür einen Garanten, und mit dem Merkel-Freund Steinmeier auch den subalternen Geburtshelfer im Schloss Bellevue. Dessen Drängen zur Großen Koalition wurde daher begeistert kommentiert, die harten Verluste von SPD und Union bei den Wahlen mal eben zum Regierungsauftrag umgedeutet.

Jetzt hat man das, was man wollte. Der Koalitionsvertrag entspricht genau dem, wofür SPD und CDU im Wahlkampf geworben haben: “Weiter so”, nichts verändern, die Kanzlerin führt mit ruhiger Hand. All das entspricht genau den Forderungen, für die die Medien monatelang trommelten. Wenn sie etwas anderes sagen, lügen sie sich in die Tasche. Hätte Schulz die Fortsetzung der GroKo am Wahlabend bestätigt, wäre das Medienecho auf den jetzt ausgehandelten Vertrag und die Postenverteilung vermutlich ganz anders ausgefallen.

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Ein Leser fragt, ob der Wechsel von Kurs und Geschützrichtung, den BILD mit ihrer harschen Kritik an Frau Merkel und der GroKo zeige, eine Reaktion auf meine Liebesgrüsse im letzten Beitrag seien. Wohl kaum. Der Umschwung ist, wie oben beschrieben, allgemein. Dass er das Vertrauen in den Journalismus stärkt, kann man nicht behaupten. Mein Stück wurde im übrigen mit viel Zuneigung aufgenommen, nicht zuletzt aus Redaktion und Verlag.

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Auch eine neue Erfahrung: Fast jedes Gespräch, das man in Asien mit informierten Leuten führt, beginnt mit der besorgten Erkundigung: “What is wrong with your country?”

BILD: Abgang einer Büroleiterin

Tanit Koch hat hingeworfen. Die Gerüchte, dass sich die Chefredakteurin von BILD neu orientiere, gab es schon seit Monaten; auch die Gerüchte, dass Springer-Chef Matthias Döpfner sie loswerden wolle, wie auch die Chefin der BILD am SONNTAG, Marion Horn. Beide Blätter verlieren dramatisch an Auflage – Konsequenz einer Blattgestaltung, die die Nähe zur Regierung sucht, nicht die zu den Lesern. Geschützt habe beide, so war zu hören, ihr Status als Frau. Gleichzeitig zwei LichtgestaltInnen ohne Licht zu feuern, traue sich der Vorstand nicht. Als Erkenntnis bleibt: Ob es die „gläserne Decke“ gibt, die Frauen am Aufstieg hindere, sei dahingestellt; ganz sicher gibt es den „gläsernen Boden“, der sie vor dem verdienten Absturz schützt.

Denn der Rausschmiss, dem Frau Koch mit ihrer Kündigung zuvorkam, wäre berechtigt gewesen. Der Niedergang der BILD hat sich unter ihr beschleunigt, neue Impulse hat sie nicht gesetzt. Das ist entscheidend, nicht ihr Streit mit Online-Chef Julian Reichelt. Unbeirrt hielt sie Kurs, direkt in den Mahlstrom. Sklavisch beharrte sie auf den alten Formaten, auf ‚In & out’, ‚Gewinner & Verlierer’, den ‚Fragen der Woche’ und der längst unzustellbaren ‚Post von Wagner’. „Sie habe alles von Kai Diekmann gelernt“, gab sie bei ihrer Ernennung zur Chefredakteurin zu Protokoll. Leider auch nichts darüber hinaus.

Denn Vorhersehbarkeit ist der Tod des Boulevards. Und vorhersehbar war BILD formal wie inhaltlich. Den Kurs ihres Vorgängers Kai Diekmann, dem Blatt nicht nur das Seite-1-Girl, sondern auch alle Kanten zu nehmen, es divers, feminin und popkulturell zu machen, führte sie fort. Und wie Diekmann suchte Koch das Wohlwollen der Macht, assistiert von Politikchef Nikolaus Blome, dem als Journalisten getarnten Regierungssprecher. Kritik an Kanzlerin und GroKo wurde von ihm verlässlich verhindert, die illegale Grenzöffnung bejubelt. Ob die Übernahme des linksautonomen, vor allem aber grotesk leserfernen Slogans „Refugees welcome“ seine Idee war, ist umstritten; verhindert hat er dies zumindest nicht. Nach dem „Wir-schaffen-das“-Parteitag der CDU 2015 spotteten Kollegen, der 11-minütige Applaus für die Kanzlerin sei für sie nichts Neues: Das erlebten sie jeden Tag in der Ressortkonferenz von Seiten des Politikchefs.

Damit sind auch die beiden Hauptgründe für den Niedergang von BILD genannt, jenseits aller Konkurrenz durch Frühstücksfernsehen oder Online-Dienste: Leserferne und korruptiver Streicheljournalismus. Freunde der Springerschen Oberschicht waren jeder kritischen Berichterstattung entzogen: Helmut Kohl, Angela Merkel, Franz Beckenbauer, Til Schweiger, Uli Hoeneß, Schalke 04, Günther Jauch, Joachim Hunold, IOC-Chef Thomas Bach. Und, und, und, und, und, denn dazu auch die Freunde der Freunde.

Ebenso war geschützt, wer großes Geld bei der Anzeigenabteilung ließ. Nicht überraschend fragte BILD in der VW-Affäre um betrügerische Diesel-Software besorgt: „Was wird der Skandal VW kosten?“ Tatsächlich meinte die Zeile: Was kostet der Skandal unseren liebsten Anzeigenkunden? Dass BILD-Leser mehr daran interessiert waren, wer ihnen den gewaltigen Wertverlust ihres nun fast unverkäuflichen VW-Schrotts ersetze, übersah die Chefredakteurin. BILD stand auf Seiten von VW-Chef Winterkorn, nicht auf Seiten der betrogenen Kunden. Selbst eine Drückerexistenz wie Carsten Maschmeyer wurde und wird von BILD umjubelt. Auch Großspenden für „Ein Herz für Kinder“ erkaufen Immunisierung.

Zusätzlich korrumpierend wirkte die Mitgliedschaft in Gremien, Organisationen und allerlei Jurys. Ein kritischer Kommentar zur damaligen Integrationsministerin Maria Böhmer wurde aus dem Blatt gekippt: Diekmann hatte sich, ohne Wissen der Redaktion, gerade der von Böhmer initiierten ‚Deutschlandstiftung Integration’ verpflichtet. Tanit Koch, auch hier gelehrig, folgte ihm nach. Dass Journalisten Distanz zur Politik und deren Inszenierungen halten sollten, war Diekmann in seiner Wurstigkeit egal; Koch in ihrer Jungmädchenattitüde vermutlich unbekannt. Ihren Abschied von BILD illustrierte sie mit einem Kindergeburtstags-Foto inmitten von Luftballons. 

Bunt aber war nur der Strauß der Rücksichtnahmen – auf die Atlantik-Brücke, Berliner Promi-Wirte oder auf die Interessen von Michael Mronz, dem Lebensgefährten des verstorbenen FDP-Politikers und Diekmann-Freundes Westerwelle. Daher die überproportional große und immer freundliche Berichterstattung über die von Mronz vermarkteten Sportveranstaltungen, besonders über das Reitturnier CHIO in Aachen. Dass Dressur- und Springreiten plötzlich zu den Kernsportarten der BILD-Leserschaft gehören sollten, überraschte selbst Redakteure. Meine Kündigung bei BILD um das Jahresende 2012 begründete ich auch mit dieser Entwicklung: Dass wir, würde die Rücksichtnahme auf Friends & Family nicht beendet, ungeschönt nur noch über Schneewittchen, die sieben Zwerge und Prinz Eisenherz berichten könnten. Doch auch ohne diese Themenwahl ähnele BILD schon jetzt einem Märchenblatt.

Die Mahnung wurde nicht gehört. Doch die Leser von BILD mögen einfach sein, oft auch ungebildet; dumm sind sie nicht. Und sie haben ein feines Gespür für unehrliche, ‚gefakte’ Berichterstattung. Dass BILD, wie die Zeitung unter ihrem Logo verkündet, „überparteilich und unabhängig“ sei, glaubten sie schon lange nicht mehr. Dafür waren Parteinahme und jene Einseitigkeit, die im Diekmannschen Amigo-Journalismus wurzelt, zu offensichtlich. Nicht zufällig war die am schlechtesten verkaufte Ausgabe 2017 die Gedenkausgabe „Danke, Helmut Kohl“. Für die erwartbaren Hymnen auf den „Vater der Einheit“, der aber auch der Vater von Euro, nationalem Ausverkauf und allen Folgeproblemen ist, mochten die Leser kein Geld ausgeben. Doch auch diese Abstimmung am Kiosk nahm Tanit Koch nicht zur Kenntnis.

So sind die Auflagenverluste eben auch der Beweis, dass die Chefredakteurin keine war. Zwar intelligent, angenehm, gebildet, aber ohne Kompass und vor allem: Ohne Feuer. Eine seltsam sterile Person, verliebt nur ins Organisieren, ohne Neugierde und tiefere Interessen, ob sinnlich oder intellektuell; eine perfekte Büroleiterin, aber keine Journalistin. Die neuen Auflagenzahlen, die nächste Woche kommen, sollen wieder einen Verlust von 11 Prozent ausweisen; intern ist von 14 Prozent die Rede. Das wäre nicht weniger als ein Zeugnis des vollständigen Scheiterns. Denn nie war der Job des BILD-Chefredakteurs einfacher, nie zuvor schrieb ihm die Wirklichkeit täglich die großen Schlagzeilen: Attentäter mit 14 Identitäten, Einwanderung von verurteilten Mördern, Messermorde in Supermärkten, Vergewaltigung unter Macheteneinsatz vor den Augen des Freundes, Schwimmbäder unter Polizeischutz, Angriffe auf Sanitäter und Feuerwehrleute, importierte Polygamie mit bis zu vier Ehefrauen – wenn etwas Stoff für eine Zeitung wie BILD liefert, dann der Kontrollverlust des Staates. Mehr Boulevard war nie.

Nicht aber für Tanit Koch. Die Nähe zu Merkel verhinderte jene harte Berichterstattung, für die BILD einmal stand. Als wir uns einige Zeit nach ihrer Ernennung einmal trafen, fragte sie mich, wie man aus der ‚Refugees Welcome’-Nummer herauskomme. Mein Rat, es war die Zeit der massenhaften sexuellen Übergriffe in Schwimmbädern: Hundert Fälle sauber recherchieren, dann Seite 1 in bewußter Anlehnung an den STERN-Titel „Wir haben abgetrieben!“ gestalten, allerdings mit der Schlagzeile „Wir wurden angegrabscht!“ Das sichere ihr die Unterstützung aller Altlinken, sei auch nicht fremdenkritisch, sondern thematisiere die Bedrohung der Frauen. Tanit dachte kurz nach, dann verwarf sie den Vorschlag. Wenn alle Täter, so meinte sie, Ausländer seien, könne sie die Sache keinesfalls bringen. Dass man den Lesern jenseits aller politischen Korrektheit auch mal die Wirklichkeit zumuten könne, kam ihr nicht in den Sinn.

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Wiedergehört: Den liebevoll-spöttischen Begriff für ältere, leicht vergessliche Personen, gegen die Enkel und Urenkel besonders gern spielen: „Oma (bzw. Opa) Memory“.

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In den Kommentarspalten meiner Facebook-Seite beschwert sich eine Stefanie Leiner, die als Logo die Atomkraft-Nein-danke-Sonne verwendet und vermutlich zur Kahane-Putztruppe gehört, dass ein von mir verlinkter Text von Michael Klonovsky gewaltkriminelle Migranten als „Rudel“ und „Horde“ bezeichne. „Meines Wissens treten Menschen weder in Rudeln noch in Horden auf“, meint die Putzfrau, und fügt hinzu: „Es ist menschenUNWÜRDIG.“

Das ist es keineswegs. Im Sport ist der Begriff der „Rudelbildung“ weit verbreitet, ohne dass dessen angeblich fragwürdiger Charakter Zeitungen wie Süddeutsche, WELT oder FAZ bisher aufgefallen wäre; selbst der DFB nutzt ihn in seiner Fachzeitschrift für Schiedsrichter. Und ‚Horde’ war zunächst ausschließlich für menschliche, speziell soldatische Gruppierungen reserviert, stammt der Begriff doch vom turksprachigen ‚ordu’ (Feldlager), noch heute im Türkischen das Wort für ‚Heer’. Mit den Mongolen, die mit ihren soldatischen ‚Horden’ tief in den Westen vorstießen, kam er in die europäische Sprachenwelt – und erhielt sich bis heute auch im Französischen, Spanischen, Italienischen, Englischen und Russischen. 

Heimatlose Gesellin, Lob des Faschismus

Zu den statistischen Auffälligkeiten der letzten Wochen gehört, dass jeder rassistische, dümmliche oder geschmacklose Tweet angeblich nicht von dem stammt, unter dessen Namen er verbreitet wurde. Dabei gehört das eigene öffentliche Image zu den zentralen Aufgaben eines jeden, der die Öffentlichkeit sucht; auch geht es bei einem Tweet nur um 280 Zeichen. Wen diese Leistung überfordert, wer sie an Dritte überträgt, ist in jedem öffentlichen Amt fehl am Platz.

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Ein Freund auf die Frage, welcher Partei er bei der Bundestagswahl seine Stimme gegeben habe: „Als bekennender Faschist war für mich nur eine Partei wählbar, die die Meinungsfreiheit bekämpft und 100prozentig hinter ihrem Führer steht.“

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Der Journalist Frank A. Meyer bemerkt, niemand habe das Erbe Rosa Luxemburgs gründlicher verworfen, das Erbe Carl Schmitts inniger angenommen als die Linken. Nur sie sähen in jedem politisch Andersdenkenden immer und ausschließlich den Feind.

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Zu den rätselhaftesten Leistungen Angela Merkels gehört ihr Erfolg im intellektuellen Milieu. Hier erfährt die Kanzlerin ein Maß an Zuneigung, das zuvor nur Willy Brandt auf sich ziehen konnte. Gerhard Schröder hatte für Künstler wenig übrig, vermutlich hielt er auch ihre Arbeit für ‚Gedöns’. Helmut Kohl wurde, obwohl historisch wie architekturhistorisch belesen, als ‚Birne’ geschmäht und verachtet. Ganz anders die Kanzlerin: Ob Sänger oder Schriftsteller, Schauspieler oder Regisseure, fast alle preisen sie. Kritik kommt aus dieser Ecke nicht.

Das ist erstaunlich, denn tatsächlich war wohl nie ein deutscher Regierungschef so wenig intellektuell, der Kunst so fern wie Frau Merkel. Nicht einmal hat sie auf irgendein Werk verwiesen, auf einen Roman, ein Gedicht, ein Bild, ein Bauwerk, das irgendeinen tieferen Eindruck auf sie gemacht hätte. Zitate kommen in ihren Reden nicht vor, so gut wie nie beruft sie sich auf eine Figur oder Tradition des europäischen Geistes. Auch von ihren Besuchen in Bayreuth ist nicht ein einziger Satz bekannt, der irgendein tieferes Verhältnis zu Wagners Werk andeuten würde; ob sie je etwas von Schubert, Beethoven oder Mozart gehört hat, ist nicht mit Sicherheit zu bejahen. Und die einzige Bemerkung zu einem Buch war zu einem, das sie nicht gelesen haben will: Thilo Sarrazins ‚Deutschland schafft sich ab’ fand sie „nicht hilfreich“. Über andere Werke, ob Sachbuch oder Literatur, hat sie nie gesprochen. Vermutlich liest sie nur SMS.

In all dem zeigt sich: Existentiell notwendig ist Kunst für die Kanzlerin nicht; nicht einmal ist sie es als Anregung oder Schmuck. Ausdruck interessiert sie nicht, auch zur Sprache hat sie ein rein funktionales Verhältnis: Subjekt – Prädikat – Objekt, rüber mit der Botschaft, das reicht. Eben deshalb sind auch ihre Sprache und Gedankenführung so schmucklos und schlicht. Dass ihre Äußerungen nicht selten wie ‚Deutsch in leichter Sprache’ klingen, so als spreche sie mit Behinderten oder Ausländern, hat hier seinen Grund.

Dabei geht es um weit mehr als um syntaktische oder grammatikalische Unbeholfenheiten. Die berühmte Frage in ‚Anton Reiser’, ob ohne oder jenseits der Worte überhaupt gedacht werden könne, ist auch politisch zu stellen. Denn ohne Sinn für Kunst und Geschichte und die sich darin zeigende Kultur gibt es auch politisch keinen Halt, fehlen die in Traditionen und Anschauungen verankerten Begriffe. Vermutlich kommt daher Merkels so leichtfertige Öffnung der Grenzen für all die Barbaren im buchstäblichen Sinne, aber auch ihr Schweigen zu frauenfeindlichen Übergriffen, zur weltweiten Christenverfolgung, zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit.

Die Frau, die sich so oft auf Europa beruft, hat von dem, was Europa ausmacht, keinen Schimmer; und sie will es auch gar nicht haben. Europas Werte und Erbe sind ihr egal, ebenso seine Architektur, seine Landschaften, seine Kunst. All das sagt ihr nichts, ist für ihr Leben und ihre Selbstverortung ohne Bedeutung; deshalb steht sie auch für nichts ein. Wer bedroht wird, dem empfiehlt sie Blockflötenspiel oder Kirchgang. Dass es jenseits der Macht etwas geben könnte, das sich zu verteidigen lohnt, nicht zuletzt die Freiheit von Kunst und Ausdruck, ist für sie nicht begreifbar.  

Doch auch jene, die diese Freiheit verteidigen sollten, klatschen dazu.

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Der schon häufiger zitierte New Yorker Freund bewundert Trumps Förderung des Tourismus: „Niemand zuvor hat es geschafft, das Image von Haiti, Simbabwe oder Saudi-Arabien bei linken Medien, Literaten und Schauspielern innerhalb weniger Stunden von shithole countries zu vorbildlichen, wenn auch verkannten Gemeinwesen zu drehen!“

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Anfangsbuchstaben zu leicht sprechbaren Kurzformen wie Nato oder Opec zusammenzufassen, ist der Sinn guter Akronyme. Das scheint nicht jedem klar, auch nicht der Vereinigung kanadischer Grundschullehrer. Ihr Kürzel für ein Inklusions-Training: LGGBDTTTIQQAAPP (Lesbian, Gay, Genderqueer, Bisexual, Demisexual, Transgender, Transsexual, Twospirit, Intersex, Queer, Questioning, Asexual, Allies, Pansexual, Polyamouros).

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Ein Leser verweist auf die Aktualität einer Antwort, die mein Vater, gefragt nach den Gründen seiner Abneigung gegenüber den 68ern, 2001 dem SPIEGEL gab: „Das liegt sicherlich an der Generationserfahrung. Mich hat zu vieles gestört: diese ganze lärmende Dialogunfähigkeit, der Größenwahn dieser Bewegung mitsamt ihrer moralischen Hysterie, die Realitätsverachtung, ihr Hass auf die Liberalität und anderes mehr. Es war doch eine Kampfansage an alles, was mir wichtig war. Wie hätte ich nicht dagegen sein sollen?“

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„Die unkontrollierte Zuwanderung war immer Schwachsinn.“ Öfter zu hörender Satz von Mitläufern, denen die Puste ausgeht.

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„Wollen Sie etwa an der Grenze auf Minderjährige schießen lassen?“ „Natürlich nicht, schon gar nicht auf die Täter von Freiburg und Kandel!“

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Nur wenige schaffen es auf den Olymp des Journalismus’, stehen mit ihrem Namen für eine bestimmte Richtung. In diesem Sinne Gratulation nach München: Prantl-Prawda, Prantlisierung, Prantlhausen, Prantl-News.

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Tagesschau, 7. Januar. Erst ein Bericht über die Lebensmittelknappheit und Aufstände in Venezuela, dann über die Unruhen in Honduras. Bei Venezuela kein Hinweis auf die Ursachen, also die sozialistische Politik und die damit immer einhergehende Korruption und Vetternwirtschaft; statt dessen wird so getan, als seien Versorgungs- und politische Krise im ölreichsten Land der Welt vom Himmel gefallen. In der causa Honduras dagegen ein anderer Tonfall: Die Proteste richteten sich, so der Sprecher, gegen den „konservativen“ Präsidenten.

Nationaler Sozialismus, Beate Uhse, Lügenpresse

Am Freitag meldete das Erotikunternehmen Beate Uhse Konkurs an. Angeblich sollen Internet und Versandhandel schuld am Nieder- und Untergang sein; unter dem Druck dieser Konkurrenz ließen sich die Geschäfte in teuren Innenstadtlagen nicht mehr finanzieren.

Wer die Berliner Theaterszene kennt, hält auch eine andere Erklärung für denkbar: Verantwortlich für den Konkurs Beate Uhses ist das Subventionstheater mit seiner oft deckungsgleichen Thematik. Gerade am Mittwoch feierte an der Berliner Volksbühne das Stück „Red Pieces“ der dänischen Choreographin Mette Ingvartsen Premiere. Für die Choreographin spricht: Die ekelhaftesten Dinge macht sie immerhin selbst. So durften die Besucher ihr beim Wasserlassen zuschauen, ebenso bei der Penetration mit einer Leuchtstoffröhre. Auch wer Gynäkologe werden möchte, kam hier zu seinem Glück, ferner die Freunde der urinierten Fraktion. Im zweiten Teil eine wilde Massenorgie von Wesen in blauen Ganzkörperstrumpfhosen. Wie das beim Sex eben so ist.

Leider gibt es eine Sache, die noch langweiliger ist als die Phantasien einer dänischen Klemmschwester: Theaterkritik. Denn das deutsche Theater ist längst kein Gegenstand mehr, mit dem zu beschäftigen sich lohnt. Schon seit Jahren hat es nichts mehr zu sagen, und mit Gründen: Theater ist fast immer die Darstellung von Streit und ausweglosen Gegensätzen. Das passt nicht in eine Gesellschaft der Konfliktvermeidung, von Alltoleranz und Verständnisheuchelei. So hat der deutsche Theaterbetrieb jede Fühlung mit der Realität verloren, ähnelt immer mehr einer Randsportart wie Synchronschwimmen oder Rhönradfahren: Eine kleine Schar von Freunden und Verwandten klatscht enthusiastisch; der Rest der wenigen Besucher schwankt zwischen fassungslos und belustigt. Das eine wie das andere eine überflüssige, öde, erkenntnisfreie Veranstaltung.

Das zeigt auch die Selbstprüfung. Rund 700 Aufführungen habe ich im Laufe meines Lebens gesehen, allenfalls zwei Handvoll sind in Erinnerung geblieben. Viele, sehr viele Abende waren qualvoll, noch weit mehr schlicht vertan. Auch ein guter Freund, Kritiker und einst glühender Aficionado mit mehr als 10.000 (!) Theaterbesuchen, hält das deutsche Subventionstheater für gescheitert. Auskunft gebe es nur über die belanglosen Fixierungen der Regisseure, nicht aber über das Leben, seine Tiefen, seine Aporien.

Leider wahr. Auch die Berliner Aufführung diente in erster Linie der Eigentherapie der Choreographin. Sie habe, so erklärte Ingvartsen, im Alter von acht Jahren eine Tüte mit Pornoheften gefunden; deren Lektüre sei eine „verstörende Erfahrung“ gewesen. Nun, fast 30 Jahre später, war es wohl Zeit für die seelische Aufarbeitung. Aber muss man das subventionieren?

Günstiger für den Steuerzahler, sinnvoller für Ingvartsen wäre ein Besuch im Swingerclub. Oder, bis letzten Freitag, bei Beate Uhse. Die war im übrigen eine eindrucksvolle, fröhliche, sehr sympathische Frau. Als Praktikant an der bayrischen Börse lernte ich sie Mitte der 80er Jahre kennen. Der von ihr geplante Börsengang des damals hochprofitablen Unternehmens scheiterte am Widerstand der deutschen Regionalbörsen. Nur die Bayern, in Sachen Sünde und Vergebung katholisch gestählt, hatten ihre Pläne unterstützt.

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Ein Freund: Die Urform des Familiennachzugs ist die Orestie.

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Rund 200 Versorgungssuchende aus Sierra Leone, einem laut UN durch und durch befriedeten Land, sind im beschaulichen Deggendorf in eine Art Streik getreten: Sie weigern sich, Deutschkurse zu besuchen oder ihre Kinder zur Schule zu schicken. Grund für den Streik sind „negative Erfahrungen“ mit deutschen Behörden. Dazu zählt die Ablehnung von Asylanträgen unter Hinweis auf die Dublin-Gesetze, auf fehlende Verfolgung oder als sonst „offensichtlich unbegründet“. Auch die ungenügende Medikamentierung gegen „spezielle Krankheiten“ wird gerügt – Sierra Leone ist seit Jahren eines der Hauptgebiete für Ebola, auch Aids ist verbreitet. Und traumatisch bedrückend seien auch Abschiebungen nach Italien; dort drohe „schwere Folter“. Doch selbst im bayrischen Sodom deutscher Behördenwillkür gibt es Momente des Glücks. Von den 40 Frauen, immerhin 20% der „Flüchtlinge“, sind 12 schwanger.

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Die Internationale ist aus der Mode gekommen. Niemand will mehr die Signale hören, niemand aufstehen zum letzten Gefecht. Zum Heer der Sklaven fühlen sich die Betriebsräte von VW und Mercedes so wenig gehörig wie die hochbezahlten Arbeitnehmer, und kaum einer würde sich als Verdammter dieser Erde sehen.

Doch die Mär von der länderübergreifenden Solidarität ist nicht aus der Welt; sie hat nur eine andere Form angenommen: Als Bekenntnis zur EU, der letzten Insel sozialistischer Internationalität. Insofern ist Martin Schulzens Forderung nach den Vereinigten Staaten von Europa nur die Neueinkleidung des alten Gassenhauers. Und eben deshalb unterstützen alle europäischen Sozialdemokraten die Globalisierung auf Kosten von Arbeitnehmerinteressen.

Das war schon immer an der Wirklichkeit vorbei und ein schwerer Fehler. Der Aufstieg des Nationalsozialismus, dem Sozialdemokraten wie Kommunisten nichts entgegenzusetzen wussten, zeigt das ebenso wie der Niedergang fast aller sozialdemokratischen Parteien in Europa. Ihre Verachtung von Heimat und Patriotismus bricht ihnen das Genick. Sozialismus, wie auch seine weniger radikale Form als Sozialstaat, funktioniert nur national.

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Die Willkommenskultur der ersten Tage ähnelte in ihrer euphorischen Seligkeit der Kriegsbegeisterung 1914: Wie dort dürfte der seltsame Enthusiasmus auch dem Verdruss über die eigene Saturiertheit entsprungen sein, dem angeblich bürgerlichen Leben. Nun konnte man die Verhältnisse wieder zum Tanzen bringen, der leeren Existenz zwischen Konsumismus, Therapiesitzungen und Skiurlaub in Gstaad Ziel und Sinn geben. Daher unter den Teddywerfern kaum einfache Leute; um so mehr aber Angehörige des akademisch-satten Milieus. Ob die Euphorie wieder in den Abgrund führt, bleibt abzuwarten. Viel spricht dafür.

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Ein Freund erzählt von einem Gesellschaftsspiel, das er kürzlich im Hause eines früheren FAZ-Redakteurs kennenlernte. Die Gastgeber hätten die schamlosesten Verfälschungen zur Flüchtlingskrise vorgelesen, die Anwesenden raten müssen, aus welcher Publikation der betreffende Satz stammt. Name des Spiels: „Lügenpresse“. Weit vorn im Ranking: ZEIT und SPIEGEL.

Pegida, Raubkunst, Sayn-Wittgenstein

Schutzsuchende – der neue Begriff für junge Frauen in Deutschland.

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Erwartbar öde der SPIEGEL über Doris von Sayn-Wittgenstein. Die politischen Positionen der AfD-Politikerin werden nur gestreift, wichtig ist die angeblich fragwürdige Weise, mit der die Adelige zu ihrem Namen kam. Doch kann man Titelkauf berechtigterweise nur als Konservativer kritisieren. Wer dagegen alles und sogar Geschlecht oder Familie für Konstrukte hält, sollte das auch beim Namen akzeptieren. Bejubelte nicht gerade der SPIEGEL eine Person wie Conchita Wurst, weil sie sich „neu erfand“? Doris von Sayn-Wittgenstein hat das eben auch gemacht.

Kleine Münze auch die Kritik anderer Adeliger. Immerhin sicherte die Nobilitierung von reichen Bürgern mit dem Ziel, deren Töchter unter Mitnahme großer Mitgiften als dann standesgemäße Partnerinnen zu ehelichen, lange Zeit das finanzielle Auskommen zahlreicher Adelsfamilien. Der Tausch Geld gegen Namen ist nichts Neues. 

Dennoch empfinden ihn viele als degoutant – und zwar gerade Angehörige des linken Lagers. Dabei sollten die eigentlich jubeln, beweist der Namenserwerb doch die Einschätzung Karls Marxens, wonach der Kapitalismus alle Traditionen abräume – und damit auch den Zusammenhalt des Adels. Wie allerorten zu beobachten: Die reaktionäre Linke weiß nicht, was sie will. Nur wenn es gegen die AfD geht, erkennt sie den Weg.

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Ein Freund: Wer Familienzusammenführung für ein Gebot der Nächstenliebe hält, hat nie ein Weihnachtsfest bei uns erlebt.

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In den letzten Wochen erlebte Brüssel mehrere schwere Straßenschlachten, jedesmal ausgelöst und betrieben von zugewanderten Jugendlichen des muslimisch-kriminellen Milieus. Der hiesigen Sagrotan-Presse war das keine Berichterstattung wert, auch die öffentlich-rechtlichen Staatsmedien verschwiegen die Ausschreitungen. Und niemand erinnerte an Präsident Trump, der schon im Januar 2016 die EU-Hauptstadt als „Höllenloch“ bezeichnet hatte – zwei Monate vor dem schweren Anschlag mit 32 Toten.

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Ein Artikel der NZZ aus dem Jahr 1985 nennt am Ende die Privatanschrift des Autors zu Korrespondenzzwecken. Glückliche Zeiten.

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Nicht nur in Brüssel erodiert die öffentliche Sicherheit; auch in vielen dänischen, schwedischen, holländischen, französischen oder deutschen Städten ist sie längst auf den Hund gekommen. Überall herrscht Angst, überall zieht sich der Bürger aus bestimmten Gegenden zurück. Niemand, der bei Sinnen ist, hält sich abends noch im Bereich des ‚Kleinen Tiergarten’ in Berlin auf, auf dem Kölner Ebertplatz, um den Hamburger Hauptbahnhof. Schwimmbäder sind im Sommer für junge Frauen Gefahrenzonen, bestimmte Viertel für Juden nur dann betretbar, wenn sie ihren Glauben nicht offen leben; ihre Kinder werden von Schulen gemobbt. Und auch die dümmlichen Gesänge derer sind verstummt, die nach jedem Anschlag meinten, wir dürften uns von Terror und sexuellen Massenattacken unsere westliche Lebensart nicht zerstören lassen. Tatsächlich ist die Zerstörung im vollen Gange. Längst ist jedem klar, der mit wachem Sinn auf Europa blickt: Die ‚offene Gesellschaft’ ist nur dort noch möglich, wo keine muslimischem Migranten leben.

Doch nicht nur die öffentliche Sicherheit und Ordnung ist bedroht; ebenso ist es, das machen nicht nur die Vorgänge an der Berliner Polizeiakademie deutlich, die Verläßlichkeit der Institutionen. Dass die Großrazzia, die letzte Woche gegen Linksradikale lief, „durchgestochen“ wurde, kann keinen verwundern, der die linke Durchsetzung vieler Ermittlungsbehörden kennt. Schwerer noch wiegt der gezielte Versuch, Beweise im Fall des Berliner Goldmünzenraubs zu vernichten, der einem arabischen Clan zur Last gelegt wird. Offensichtlich wussten die Täter, wo die Beweise gelagert waren. Auch die Clans haben ihre Verbindungsleute bei der Polizei.

Genau vor dieser Entwicklung hatte einst eine Bewegung gewarnt, die heute übel beleumundet ist: Pegida, die Sammlung „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Und sie hatten dies schon 2014 getan, also Monate vor der Merkelschen Grenzöffnung, vor den vielen ausgeführten und verhinderten Anschlägen, vor all den Morden, Vergewaltigungen, Messerstechereien.

Heute sieht man, wie recht ihre Gründer hatten; und wie falsch all jene Politiker und Journalisten lagen, die die friedlichen Dresdner Demonstranten als „Pack“ verunglimpften, als Psychopathen und Verschwörungsgläubige. Eine Entschuldigung wäre angebracht.

Noch dazu: Erstaunlich ist der Gleichmut, mit der Bevölkerung und Medien auf die kriminelle Metastasierung grundlegender Rechtsinstitutionen reagieren. Während schlecht plazierte Komplimente zu landesweiten Empörungswellen führen, während jede Nazikritzelei Lichterketten und besorgte Kommentare auslöst, scheint die Unterwanderung zentraler Einrichtungen des Staates durch Angehörige faschistoider, grundrechtsfeindlicher Kulturen kaum jemanden zu beunruhigen. Vielmehr zeigen gerade solche Menschen, die sich bei jeder Gelegenheit als besonders kritisch gerieren, ein unerklärliches Vertrauen in die immer neuen Ausflüchte der Politik, wonach es sich um Einzelfälle, Ausreißer, Versehen handele. Und niemand fordert irgendeinen Rücktritt.

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Auf älteren Visitenkarten der Bundestagsverwaltung firmiert das Jakob-Kaiser-Haus als Jakon-Kaiser-Haus. Die Karten werden verwendet, offensichtlich hielt man den Fehler für nicht so bedeutend. Knauserigkeit geht vor Selbstachtung.

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Im Zusammenhang mit der Sexismusdebatte („#metoo“) um die sozialdemokratische Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli erinnert ein Freund an das eher zweischneidige Kompliment, das Rheinländer für einen bestimmten Frauentyp verwenden: lecker-doof.

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Außerordentlich lesenswert ist das kürzlich erschienene Buch „Der Fall Gurlitt“ von Maurice Philipp Remy. Ein alter, etwas verwirrter, völlig zurückgezogen lebender Mann, Erbe des berühmten Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, war 2012 ins Visier der bayrischen Zollfahndung geraten. Die trat ihm kurzerhand die Tür ein und beschlagnahmte Hunderte Bilder, die sie über Monate behielt – weil es sich angeblich um „Raubkunst“ handelte, also um Werke, die jüdischen Eigentümern von den Nazis abgepresst wurden. Tatsächlich sind selbst nach mehreren Jahren der Provenienzforschung nur eine Handvoll Bilder problematisch; der allergrößte Teil wurde vom Vater völlig korrekt erworben. So bleibt das Fazit: Ein räuberischer, auf das Grundrecht des Eigentums pfeifender Staat räumt in Gestalt der Staatsanwaltschaft Augsburg einem unbescholtenen Mann die Wohnung aus. Als sie später merkt, dass sie auf dünnem Eis wandelt, sticht sie, so darf man vermuten, die Affäre unter dem Rubrum „Raubkunst“ an FOCUS durch, verletzt also auch die Unschuldsvermutung. FOCUS und andere Medien berichten dann im Sinne der Staatsanwaltschaft, veröffentlichen zudem Fotos vom Wohnort des Beschuldigten. Und am Ende versucht dieser Staat, Gurlitt die Sammlung abzupressen, ihn noch im Krankenhaus auf dem Totenbett zu einer Stiftung zu überreden. Der allerdings schenkt die Werke dem Museum Bern. So sind sie nun für Deutschland verloren.

FOCUS hatte den Fall als „Raubkunstskandal“ tituliert, und das war er tatsächlich, aber in einem völlig anderen Sinn. Der Staat Bundesrepublik hat einen unbescholtenen Mann ausgeraubt, seinen Ruf ruiniert, ihn gebrochen und ins Grab getrieben. Am Ende war die Bundesrepublik der betrogene Betrüger: Mit der Vergabe der Sammlung nach Bern ist dem Land einen Millionenschaden entstanden. Verantwortlich an oberster Stelle: Kunststaatssekretärin Monika Grütters (CDU), der bayrische Innenminister Joachim Hermann, die Augsburger Staatsanwaltschaft, der damalige FOCUS-Chefredakteur Jörg Quoos.

Generalsekretär, innere Pressefreiheit und ‘Nazi-Cup’

Auf Grabsteinen im republikanischen Rom, die an verstorbene Ehefrauen erinnerten, hieß es oft lobend: Domiseda, lanifica. Zu Hause gesessen, Wolle gesponnen. (Danke an CG für den Hinweis)

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Focus meldet, ich sei als Generalsekretär im Gespräch. Viele Telefonate, noch mehr Anfragen von Medien. Standardantwort: Mich hat keiner gefragt, ich werde mich dazu nicht äußern. Zudem müsse jedem klar sein, dass diese Frage fünf Wochen vor der AfD-Vorstandswahl eine Gespensterdebatte sei. Wer sollte über derartige Dinge nachdenken, wenn er nicht weiß, mit wem er im Vorstand zusammenarbeiten wird? Aberwitzig. Auch der Berliner Tagesspiegel bekommt diese Antwort mit dem zweimaligen Hinweis, dass ich mich in der Sache nicht äußere. Am nächsten Tag im Blatt: „Fest äußert sich offen“.

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Freunde beobachten in Berlin den Streit zwischen einem jungen Paar mit Migrationshintergrund. Sie wirft ihm vor, er habe sie betrogen, er sagt ihr ähnlich freundliche Dinge. Großes Gebrülle, Tätlichkeiten sind nicht auszuschließen. Wie soll man reagieren? Zu schlichten versuchen? Das könnte die Wut des Paares auf die Schlichter lenken. Auch weiß man nicht, ob nicht einer bewaffnet ist, ein Messer ziehen könnte. So rufen die Freunde die Polizei – oder versuchen es zumindest. 4, 5 Minuten gehen ins Land, niemand reagiert auf den Notruf. Dann endlich meldet sich die Zentrale, schickt eine Streife. Als die weitere 5 Minuten später eintrifft, hat sich das Pärchen beruhigt. Auf die lange Wartezeit angesprochen, meinen die Polizisten, den Notruf zu wählen sei eigentlich sinnlos, die Zentrale sei chronisch unterbesetzt. Besser, man suche sich die Nummer des örtlichen Reviers. Das könnte deutlich schneller reagieren.

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Zustimmend kommentieren viele Medien die Ablehnung Albrecht Glasers als Bundestagsvizepräsident, häufig verbunden mit dem Hinweis auf die Friedlichkeit der meisten Muslime. Rätselhaft. Tatsächlich liegt der Islam seit 1400 Jahren im Krieg mit der nicht-muslimischen Welt. Über Jahrhunderte wurden Millionen Afrikaner, Europäer, Asiaten und Inder versklavt, gefoltert, kastriert, umgebracht. Auch die Kreuzzüge waren eine Reaktion auf die islamischen Eroberungen, auf die Bedrohung des orthodoxen Christentums in Byzanz und die Unterjochung urchristlicher Länder wie Libanon, Syrien, die Cyreneika. Selbst die USA zahlten noch im 18. Jahrhundert hohe Tribute an die nordafrikanischen Sultane. Erst die Entwicklung weit überlegener Waffen führte zum Ende der muslimischen Eroberungen und zur Einhegung des Islam, neudeutsch ‚Containment’. Nun lässt man die Bestie wieder frei.

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Nichts ist für die Menschen schädlicher als der Gedanke, dass die Ursachen ihrer Notlage nicht in ihnen selbst, sondern in den äußeren Bedingungen lägen. Leo Tolstoi

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Aufregung über eine Kolumne im SPIEGEL von Sibylle Berg, eigentlich eine passable Theaterautorin. Sie verkündet, es sei genug mit „Rechten“ geredet worden, nun sei es Zeit zu handeln. Was sie darunter versteht, macht ihr Lob der Antifa deutlich. Man kann sagen: Berg hat mitgeschossen.

Ähnlich trüb geht es in der taz zu. Dort schreibt Hengameh Yaghoobifarah viele Zeilen Hass über „deutsche Dreckskultur“ und „engherzige, trotzige, bittere und kleinliche“, außerdem „ignorante, geschichtsverdrossene und besserwisserische Kartoffeln“. Ihr Urteil gründet darauf, dass sich manche Deutschen gegen die Islamisierung wehren. Das ist unverzeihlich.

Beide Kolumnen werden von Lesern in den Kommentarspalten scharf kritisiert. Der taz wird Rassismus vorgeworfen, dem SPIEGEL ein Aufruf zur Gewalt. Beides ist richtig. Ähnlich sind sich beide Blätter darin, dass die Mitarbeiter umfangreiche Mitspracherechte haben. Verantwortlich für die Veröffentlichung der beiden Kolumnen sind also nicht nur die Chefredakteure Georg Löwisch (taz) und Klaus Brinkbäumer (SPIEGEL) bzw Barbara Hans (SPON), sondern die Redaktionen insgesamt. Doch auch aus denen scheint kein Protest gekommen zu sein. So desavouieren die beiden linken Blätter selbst das letzte Argument für die „innere Pressefreiheit“, für Einspruchsrechte der Redaktion gegen den Chefredakteur. Auch die „Schwarmintelligenz“ der Redaktion ist kein Damm gegen rassistische oder gewaltverherrlichende Hetzschriften.

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Abendessen bei Freunden im herbstlich-ruhigen Dahlem. Natürlich drehen sich die Gespräche um den Einzug der AfD in den Bundestag, um den Mord an einer Berliner Museumsdirektorin im Tiergarten, um den Verfall der öffentlichen Sicherheit und die persönlichen Folgen. Die Diskussion ist angeregt, der Gastgeber muss mehrfach ordnend eingreifen. Mitten hinein platzen die Kinder, 15 und 17 Jahre alt, gerade zurück von abendlichen Aktivitäten. Die Debatte bricht ab, alle reißen sich zusammen. Darauf der Ältere: „Leute, macht weiter! Endlich ist hier mal was los!“

Bei jenem Essen erzählt eine Ärztin für Allgemeinmedizin von einem neuen Spiel unter Kollegen: „Nazi-Cup“. Wer am häufigsten pro Monat von Patienten mit Vokabeln wie „Nazi“, “Rassist”, „Schlampe“ belegt werde, habe gewonnen. Früher habe sie unter solchen Ausfällen gelitten, nun betrachte sie sie als Punkte zum Sieg.

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Ein Phänomen auf Facebook: Die radikale Sofortfeindschaft. Man wechselt mit nicht näher bekannten ‚Freunden’ Nachrichten über dies oder jenes, stimmt in vielen Fragen überein, aber die Haltung zu, sagen wir, Nordkorea oder Timbuktu sorgt plötzlich für Verwünschungen an der Grenze zum Justiziablen. Drollig.

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Blick in ein amerikanisches Vorlesungsverzeichnis. Erstaunlich viele Kurse sind der Selbstoptimierung gewidmet, von Schreibmaschinenlehrgängen über Gedächtnistechniken, Speed-Reading, Tagesorganisation, Auftreten. Und nicht nur im Bereich Betriebswirtschaftslehre gilt ein großer Vorlesungsblock dem Thema „Leadership“, Führung. Dahinter der richtige Gedanke: Wissen ist sinnlos, wenn es der Wissende nicht erwerben, kategorisieren und anwenden kann – und er seine Mitarbeiter nicht überzeugt. Das Humboldtsche Bildungsideal von Forschung und Lehre hat hier eine Leerstelle.

Eindrücke aus dem Wahlkampf, Anekdoten aus Russland

Für Zwecke des Wahlkampfs ist es Parteien gesetzlich gestattet, Adressen vom Einwohnermeldeamt zu erwerben. So hatte ich 70.000 Haushalte im Wahlkreis Wilmersdorf-Charlottenburg angeschrieben. Einige Empfänger schrieben sehr freundlich zurück, andere weniger. Vor allem die Schreiben der Letzteren geben gewisse Hinweise auf die Psyche, aber auch den Bildungsstand jener Wähler, die der AfD nicht zuneigen. Neben wüsten Beschimpfungen machten sich einige die Mühe, mein Schreiben zu zerreißen, um die Teile dann säuberlich als Collage auf eine größeres Blatt Papier zu kleben – und es mir so zu schicken. Andere stachen auf dem beigelegten Flyer meine Augen aus, viermal erhielt ich größere Umschläge mit den Schnipseln meines Briefes – alle säuberlich frankiert.

Soziologisch interessant auch all jene, die in langen Briefen, wenn auch ohne Kenntnis des Parteiprogramms kundtaten, warum sie die AfD nicht wählen könnten: Weil wir demokratische Wahlen abschaffen, Frauen an den Herd „verbannen“, Homosexuelle einsperren (!) wollten. Welchen Einfluß die AfD selbst jenseits des Atlantiks hat, empörte einen Empfänger: „Sie haben Donald Trump erst möglich gemacht!“

Auch Orthographie und AfD-Kritik scheinen nicht recht zusammenzugehen: „Dep“ las ich häufiger, auch „Trotel“. Mancher verbat sich jeden weiteren Kontakt „unter Androhung rechtlicher Schritte“, verlangte aber gleichzeitig schriftliche Auskunft, wie ich an die Adresse gelangt sein – natürlich „unter Fristsetzung“. Einer schalt mich ein „rassistisches Schwein“, um mit der Feststellung zu enden, die Deutschen hätten ohnehin kein Lebensrecht. Und häufig auch der Typus des ganz kleinen Karos: Leute, die Briefe zurückschickten mit dem Vermerk: „Rückporto zahlt der Hetzer“. Welch ein Aufwand für nichts. Zuweilen eine deutsche Spezialität.

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Deprimierend die Wahlkampf-Besuche an mehreren Berliner Gymnasien. Genereller Eindruck: Das Niveau der angehenden Abiturienten bestenfalls Realschule, auch das mancher Lehrer. Die Schüler überwiegend freundlich, aber schimmerlos, uninformiert, argumentativ schwach. Viele in Auftreten und Kleidung infantil, Sweatshirts mit Mickey-Mäusen und Smileys, nicht selten hingen Stofftiere aus den Schultaschen. Was von der Trivialität der Allerweltsmeinung abweicht, verstört und überfordert. Überhaupt scheint Abweichung nicht erwünscht: Dass sich Schüler auf eine andere Meinung einlassen, sie zumindest einmal zur Kenntnis nehmen und abwägen, passierte so gut wie nie. Alles meinten sie zu wissen, und das selbst auf Gebieten, die üblicherweise ein Studium erfordern. So belehrten mich 17jährige mit großer Entschiedenheit über Rechtsfragen, die selbst im Bundesverfassungsgericht umstritten sind. Eine seltsam arretierte, unrebellische Generation, ohne Zweifel und Fragen, voller Gewißheiten. Ohne Mut, aber hochmütig.

Aufschlußreich die Aussagen von Schülern und Schülerinnen eines Gymnasiums, was sie als positiv oder negativ empfänden. Positiv: „Ehe für alle“, Diversity, Multikulti, Gerechtigkeit, EU, Freundschaften. Negativ: Nationalstaat, Grenzen, Waffen, Militär – und verblüffenderweise ‚Familie’. Das alles ohne Begründung, einfach aus dem Stegreif. 

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In Venezuela herrscht offene Anarchie, geboren aus sozialistischer Politik, die das Land verarmen ließ. Der alte Kalauer, Sozialismus heiße „Trümmer schaffen ohne Waffen“, erfüllt sich auch hier.

Doch wo sind nun all die Jubelperser, die den korrupten Despoten Chavez als „Freund“ bezeichneten, wie beispielsweise Sean Penn, Michael Moore, James Corbyn, Oliver Stone? Keiner äußert sich, alle schauen weg. Die übliche Reaktion von Linken, wenn der Weg ihrer Idole einmal mehr in Blut und Chaos endete.

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Bericht eines Freundes über kulturelle Unterschiede zwischen Russland und Westeuropa. Generell zeigten die Russen eine gewisse Gelassenheit im protokollarischen Umgang. So übernähmen am Moskauer Flughafen Männer auch die Leibesvisitation von Frauen. Computer und Toilettenartikel müssten, wenn im Handgepäck mitgenommen, nicht ausgepackt werden. Als ein Mann eine Flasche Schnaps an Bord schmuggeln will, befehlen ihm die Offiziere, die Flasche zu entleeren. „Aber das ist Jägermeister!“ Die Offiziere schauen sich an, zucken mit den Schultern, winken den Mann durch.

Dunkelhäutige Barbie-Puppen kosten in Moskau nur den halben Preis ihrer hellhäutigen Schwestern. Die Nachfrage ist offensichtlich gering.

Auf der russischen App der Firma Yandex, eines Konkurrenten des Chauffeurdienstes Uber, kann man vorgeben, welche Fahrer man nicht haben möchte: Tschetschenen, Kosaken, Tartaren…

Bei der Einweihung eines Denkmals für Michail Kalashnikov bezeichnet der Laudator den Geehrten als „Mann des Friedens“ – weil, hohoho, Frieden herrsche, wenn das Magazin geleert sei.

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Im ZDF-Dreiteiler „Maximilian“ (Teil 2, ab Minute 44) wandeln die Herzogin von Burgund und ihr Berater bedrückt durch eine Kirche voller Flüchtlinge. Dann folgt dieser staatstragende Dialog eines staatsfernen Senders:

Berater: „Tausende sind geflüchtet. Und täglich kommen mehr. Sie haben nichts. Nur die Hoffnung, dass es hier besser ist.“

Herzogin: „Nächstenliebe zu üben, ist unsere Pflicht.”

Berater: „Aber wer bezahlt das? Die Verpflegung, Kleidung, die Unterkunft?“

Herzogin: „Alle, denen es besser geht.“

Berater: „Eure Untertanen werden unruhig. Die Bürger wollen keine Fremden!“

Dramatische Pause, dann die Herzogin: „Wir schaffen das!“

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Medien, die die AfD „außerhalb des demokratischen Spektrums“ verorten, bewegen sich außerhalb des journalistischen.

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Bei Diskussionen mit Schülern immer wieder zu beobachten: Der Tod fremder Flüchtlingskinder wird empört kommentiert, das ‚Recht’ auf Abtreibung ebenso erregt verteidigt.

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Über die Organisation Abgeordnetenwatch, auch von mir einst unterstützt, können Bürger die Abgeordneten und Kandidaten nach ihren Ansichten befragen. So wurde ich kürzlich um Auskunft gebeten, ob die Zahl der muslimischen Bürger in Deutschland steige, ob die meisten Zuwanderer muslimischen Glaubens seien, ob muslimische Frauen mehr Kinder als nicht-muslimische bekämen, ob das mittelfristig zu einer Veränderung der Bevölkerungsstruktur führe und was ich gegebenenfalls dagegen unternehmen wolle.

Meine Antwort: Sehr geehrter Herr …. , die Fragen 1) – 4) sind statistisch belegt respektive per Hochrechnung zu ermitteln. Auch wenn man nicht allen Thesen Thilo Sarrazins in seinem Buch “Deutschland schafft sich ab” folgen möchte, hat bis heute niemand seine statistischen Grundlagen und Berechnungen bestritten. Zu Frage 5): Dass ich den Islam für eine totalitäre Ideologie halte, die der westlichen Idee von Demokratie, individueller Freiheit, Frauen- und Minderheitenrechten diametral entgegensteht, habe ich schon häufiger gesagt. Bezeichnenderweise gibt es kein islamisches Land, das unseren Vorstellungen von einer “offenen Gesellschaft” entspricht. Wo immer der Islam Verfassung ist, herrschen Einparteien-Systeme, Frauenentrechtung und systematischer Terror gegen Minderheiten, seien es Christen, Juden, Buddhisten oder Homosexuelle. In der “Kairoer Erklärung” haben die führenden muslimischen Rechtsgelehrten und Länder zudem von sich aus die Unvereinbarkeit des Islam mit Demokratie, Gleichberechtigung und Glaubensfreiheit festgestellt. Entsprechend sollte der Westen den Islam so behandeln, wie er sich selbst sieht: Als Feind unserer Werte.

Schon die mir gestellten Fragen mussten wohl mehrfach überarbeitet werden, weil Abgeordnetenwatch sie nicht zulassen wollte. Auch meine Antwort wird moniert und nicht veröffentlicht – sie enthalte islamophobe Äußerungen, schreibt mir eine Mitarbeiterin, sie bitte um mein Verständnis. Was sie damit meint, wo ich falsch liege und welches islamische Land einer ‚offenen Gesellschaft’ entspricht, schreibt sie nicht. Eine Organisation, deren Ziele angeblich Transparenz und Öffentlichkeit sind, verweigert feige und kleinmütig beides.